Heute hält
Joe Biden seine Inauguration Adress. Bemerkenswert ist, dass fast alle Artikel zu Bidens Antritt allerdings eher retrospekiv sind, als hätten die Medien Schwierigkeiten, sich aus der
giftigen Faszination Donald Trumps zu lösen, die ihnen übrigens auch gute Zahlen brachte.
Verena Lueken betrachtet das Genre der Inauguration Adress in der
FAZ näher (gestützt auf einen
Text von
Jill Lepore) und stellt fest, dass Trump radikaler als alle die
Konventionen des Genres über den Haufen warf: "Mit der Geschichte zu brechen, das war Donald Trumps Versprechen zur Amtseinführung: 'A new vision will govern our land.' Die Macht dem Volk zurückzugeben war sein Programm, das seine Wähler, jedenfalls der gewaltbereite Teil von ihnen, nun eingelöst sehen wollen: 'Der 20. Januar 2017 wird als der Tag in Erinnerung bleiben', so sagte Trump damals, 'an dem das Volk wieder die Herrschaft in dieser Nation übernahm.' Dass mit Joe Bidens Rede heute
etwas Neues beginnen könnte, wenn sie an etwas Altes anknüpft, das liegt vor allem an dieser Rede von Donald Trump."
Richard Herzinger
zieht im
Perlentaucher Bilanz und konstatiert, dass Trump "nicht nur innenpolitisch, sondern
auch in der Außenpolitik eine Spur der Verwüstung" hinterlässt.
Eher hilflos
blickt die
New-Yorker-Kolumnistin Susan B. Glasser in ihrem letzten Brief aus Donald Trumps Washington auf den abstrusen und
finsteren Mummenschanz zurück, den Trump vier Jahre lang veranstaltet hat. Am tiefgründigsten in ihrer Aufzählung von Bekanntem ist wohl die Beobachtung, dass Trump fähig war, "eine der beiden politischen Parteien Amerikas zu
einem Personenkult um einen bankrotten Immobilienentwickler zu bringen. Und so beenden wir diese vier Jahr nicht mit der Lehre, dass Trump ein böser Mann ist - die Beweislage war hier vor seinem Amtsantritt schon überwältigend - sondern dass es
Millionen Amerikaner gibt, die bereit sind, unser Verfassungssystem umzustürzen, um ihn an der Macht zu halten."
Dass
Trumps Putschversuch gescheitert ist,
gibt dem Literaturwissenschaftler
Albrecht Koschorke in der
NZZ zu denken. Hitlers gescheiterter Marsch auf die Feldherrenhalle kommt ihm in den Sinn, der auch
erst mal lächerlich aussah: "Regelmäßig haben Niederlagen eine weit größere gruppenpsychologische Wirkung als Siege. Ohne es mit der Parallele zu weit treiben zu wollen, gilt dies auch für die Eindringlinge des Kapitols, die zwar den Machtwechsel nicht sabotieren konnten, aber aus ihrem 'lost cause' die Kraft und die Berechtigung zu einem
nur noch radikaleren Widerstand schöpfen. An ihnen bestätigt sich die Beobachtung, dass sich fanatisierte Gefolgsleute oft weniger durch Bewunderung an ihren politischen Führer binden als durch Parteinahme und Empathie für seinen vermeintlichen Opfergang. ... Denn erst jetzt, in seiner Erniedrigung, ist er endgültig
einer der Ihren geworden - nach einem alten, tief in der Geschichte der christlichen Religion verankerten Skript."
In
geschichtedergegenwart.ch denkt Claus Leggewie darüber nach, was Trump mit seiner
stets erhobenen Faust besagen wollte, die ursprünglich ja eher ein
Symbol der Linken war: "Und so kam die Faust
an den Arm von Donald Trump. Er hat sie
geklaut, wie so vieles, und nutzt sie als Anführer eines vermeintlichen Volksaufstandes gegen Eliten und so deklarierte Volksfeinde. Trump, der sich gerne als Außenseiter und Spielverderber geriert hat, behält seine
falsche Widerstandsgeste auch, wenn er die Macht innehat und signalisiert so, dass er immer noch in Opposition zu ihr steht."
Außerdem: 500 Autoren rufen dazu auf, dass
kein Verlag Trumps Memoiren veröffentlichen soll - das übliche Geschäftmodell gewesener Präsidenten -,
berichtet etwa der
Guardian.
Und dann noch diese Meldung außerhalb des Trump-Universums. Der verschwundene Alibaba-Gründer
Jack Ma ist nach Wochen wieder aufgetaucht,
meldet etwa
heise.de mit
dpa: In einem Video kündigte er an, sich nunmehr
karitativen Tätigkeiten zuwenden zu wollen.