Die Vergiftung und Verurteilung
Alexej Nawalnys, die niedergeknüppelten Demonstrationen und Putins Goldpalast lassen die Menschen in Russland allmählich zweifeln an der Legitimität ihrer Herrscher, beobachtet
Viktor Jerofejew in der
Welt und fühlt sich an Andrej Platonows Figur des Makar erinnert: "Der gewöhnliche Politiker besteht aus Versprechungen und Eitelkeiten,
Nawalny opfert sich selbst. Das hat viele Menschen erschüttert und selbst beim schlichtesten Gemüt im tiefsten Russland Zweifel gesät. Woran? An allem! Nawalnys Enthüllungen begannen Wirkung zu zeigen: Der kollektive Makar, der alles glaubte, begann sich in einen zweifelnden Makar zu verwandeln."
In Italien wird der neue Ministerpräsident
Mario Draghi selbst von den Cinque Stelle als Heilsbringer gefeiert, staunt Klaus Georg Koch in der
FAZ, ganz so als hätten sie nicht ihr Programm des "Leck mich am Arsch" gegen die Institutionen und die Märkte gerichtet: "Wie aufrichtig die aktuelle
Zerknirschung unter den Populisten ist, lässt sich nicht beurteilen. In der Form ist sie aber das Eingeständnis, die eigenen Ansprüche nicht eingelöst zu haben, ja sogar,
den falschen Weg beschritten zu haben. Während früher Fronten gegen angebliche Feinde italienischer 'Identität' errichtet wurden, soll es unter Draghi um gesellschaftlichen Zusammenhalt gehen. Wollte man vorher Regeln der EU umstürzen, so stehen jetzt Reformen im Inneren an. Wurden anfangs die Rentner bedient, geht es künftig um die Entwicklung des Humankapitals der jüngeren Generationen. Salvini wollte 'verteidigen',
Draghi investiert."
Die Pandemie hat die
Krise der Innenstädte nicht geschaffen, aber sie vergrößert,
schreibt Joachim Käppner in der
SZ und fordert gegen die Verödung eine
Mietpreispremse unter anderem auch für gewerbliche Immoblien: "Nur auf die schützende und gebende Hand des Staates zu setzen und zu hoffen, ist Tagträumerei. Zu viele Kommunen begreifen ihre Innenstädte als eine Art möglichst
einträglicher High-End-Verkaufsfläche. Doch diese Zeit läuft ab, Strukturwandel lässt sich abmildern, aber nicht aufhalten. Was, zum Beispiel, viele Innenstädte in
Italien oder Portugal so attraktiv macht, ist der einmalige Mix, das Zentrum als Begegnungsstätte für Shoppen und Flanieren, als Wohnort, Ausgehviertel und Kulturangebot.
Mehr Grün, mehr Kinder, mehr Campus, mehr Vielfalt - so könnte die Zukunft aussehen."