Thomas L. Friedman hat
beschlossen, dass er - egal wie -
persönlich zur Wahl des neuen amerikanischen Präsidenten geht um sicherzustellen, dass seine Stimme gezählt wird. Seine einleitende Begründung dazu in der
New York Times ist schockierend: "Hier ist ein Satz, von dem ich in einer Million Jahren nicht gedacht hätte, dass ich ihn jemals schreiben oder lesen würde: In diesem November werden die Vereinigten Staaten von Amerika zum ersten Mal in unserer Geschichte möglicherweise
nicht in der Lage sein, eine
freie und faire Wahl durchzuführen und, sollte Präsident Trump von Joe Biden besiegt werden, einen legitimen und friedlichen Machtwechsel zu vollziehen. Denn wenn die Hälfte des Landes glaubt, dass ihre Stimmen wegen der
absichtlichen Sabotage des US-
Postdienstes durch diese Regierung nicht vollständig ausgezählt wurden, und wenn der andere Hälfte vom Präsidenten eingredet wird, dass jede Briefwahl
für Biden gefälscht war, dann würde das nicht nur zu einer umstrittenen Wahl führen - und nicht zu einem weiteren Fall Bush gegen Gore, den der Oberste Gerichtshof klären müsste -, dann wäre das das
Ende der amerikanischen Demokratie, wie wir sie kennen. Es ist auch nicht übertrieben zu sagen, es könnte die
Saat eines weiteren Bürgerkriegs säen. Die Bedrohung ist real."
Der amerikanische Senat bringt einen tausendseitigen Bericht über
russische Einflussnahme bei den
Wahlen 2016 heraus - und die hat laut Bericht
tatsächlich stattgefunden. Das Bemerkenswerte an dem Bericht ist, dass er auch von den
Republikanern getragen wird,
berichtet Mark Mazzetti in der
New York Times: "Der Bericht ist Ergebnis einer der wenigen Untersuchungen des Kongresses der letzten Zeit, die durchweg parteiübergreifende Unterstützung fanden." Beide Parteien bestätigen also "eine außerordentliche Sachlage: Die
russische Regierung nutzte eine amerikanische Wahl, um Trump zu helfen, Präsident zu werden, russische Geheimdienstagenten betrachteten Angehörige des Wahlkampfteams von Trump als
leicht zu manipulieren und einige von Trumps Beratern
als begierig, die Hilfe eines Gegners Amerikas zu erhalten." Außerdem wirft der Bericht einen Blick auf die Beteiligung von
Wikileaks und die Zusammenarbeit von
Wikileaks und Trumps Wahlkampfteam: "WikiLeaks, das gestohlene demokratische E-Mails veröffentlichte, die dazu beitrugen, Frau Clintons Kampagne zu schädigen, spielte nicht nur eine
klare Rolle bei der Wahlintervention, sondern 'wusste sehr wahrscheinlich auch, dass es einen
russischen Geheimdienst bei seinen Bemühungen um Einflussnahme unterstützte', heißt es im Bericht."
Verena Luken erzählt in der
FAZ die Geschichte eines ganz kurzen Briefs, den der junge Senator
Joe Biden im Jahr 1975 an
Hannah Arendt sandte. Er bat um die Zusendung einer Rede, die Arendt zum 200. Geburtstag der Vereinigten Staaten gehalten hat - und die Lueken nach neuer Lektüre
seherisch findet. "Worauf Hannah Arendt hinauswollte, war dies: Die Politik war längst dazu übergegangen,
Bilder zu erschaffen, die sich vor die Wirklichkeit schoben, mit der sie nichts zu tun hatten. Strategien anzuwenden, um ihre Maßnahmen zu verkaufen, die denen ähnlich waren, mit denen die Warenzirkulation am Laufen gehalten wurde." Die ganze Geschichte wird auch
hier erzählt. Die Rede steht bei der
New York Review of Books online.