In rasender Geschwindigkeit stecken sich die schlecht geimpften
Chinesen jetzt mit Corona an. Gleichzeitig nennt das Regime
absurd niedrige Totenzahlen. Felix Lee
beleuchtet in der
taz das katastrophale Hin und Her der chinesischen Regierung und versucht die wahren Dimensionen zu erfassen: "Das in London ansässige Forschungsinstitut Airfinity geht mit Modellrechnungen von
5.000 Toten am Tag schon in den kommenden Wochen aus. Und es dürfte noch sehr viel schlimmer kommen. Denn längst hat das Virus auch die abgelegenen Gegenden erreicht, in denen das Gesundheitssystem nur schlecht entwickelt ist. Die Modellierer in London rechnen mit 3,7 bis 4,2 Millionen Infizierten am Tag rund um das chinesische Neujahrsfest Mitte Januar, wenn viele zu ihren Familien in die Provinzen reisen. Die Zahl der Toten werde bis dahin bei
mehreren Millionen liegen." Helfen lassen will sich Xi Jinping natürlich nicht. "Das ist Ostblock-Verhalten: Dem Ausland gegenüber keine Schwächen zugeben und stattdessen lieber
die eigene Bevölkerung sterben lassen."
In einem kurzen und düsteren Text für die
FAZ kommentiert
David Grossman die Lage in Israel, wo Benjamin Netanjahu bekanntlich rechtsextreme Politiker eingebunden hat, die viele demokratische Grundsätze des Landes in Frage stellen. Wenn Netanjahu glaubt,
die Kräfte bändigen zu können, die er da entfesselt, irrt er sich, so Grossman: "An diesem Punkt dürfte er feststellen, dass es von dem Ort, an den er uns geführt hat,
kein Zurück mehr gibt. Es wird unmöglich sein, das Chaos, das er angerichtet hat, zu beseitigen oder auch nur zu bändigen. Seine Chaos-Jahre haben bereits etwas greifbar Beängstigendes in die Realität geätzt, in die Seelen der Menschen, die sie durchlebt haben. Sie sind da. Das Chaos ist da, mit all seiner Sogkraft."
Der deutsch-iranische
Autor Behzad Karim Khani schildert in einem öffentlichen Facebook-Post die
rasende Inflation im Land: "Seit ein bis zwei Wochen versuchen die Menschen einen Bank Run und heben ihre Gelder von der Bank ab. Viele machen das als Teil einer landesweiten Kampagne des zivilen Ungehorsams. Andere aus Panik, ihre Ersparnisse nie wieder zu sehen. Banken zahlen nur noch kleine Beträge aus, viele sind zahlungsunfähig. Überall wird gestreikt." Auch im Regime zeigen sich laut Khani Risse: "Lager werden ausverkauft. Milliarden Dollar verschwinden gerade aus dem Land. Ein Teil nach
Venezuela, wo Regimeangehörige so viele Anwesen kaufen, dass die Grundstückspreise gestiegen sind."
In der
FR warnen die Marburger Konfliktforscher
Tareq Sydiq und
Sara Kolah Ghoutschi westliche Staaten davor, ihre Außenpolitik im Iran von einem
Stabilitätsparadigma leiten zu lassen: "Demzufolge wird die Stabilität eines autoritär regierten Staates höher bewertet als revolutionäre Phasen oder Phasen politischer Umbrüche. Diese Perspektive beruht aber auf einer
eurozentrischen und
orientalistischen Sichtweise und ist vor allem vom Interesse nach Stabilität im eigenen Kontext geleitet. Für die Iraner:innen selbst bedeutet Stabilität ein Leben in Unfreiheit. Ein
Ende der Proteste würde für die aktuell 18.500 politischen Gefangenen, die laut der Human Rights Activists News Agency seit Beginn der diesjährigen Proteste inhaftiert wurden, und ihre Familien keine Stabilität und Sicherheit bedeuten, sondern vielmehr eine massive Gefährdung ihrer Leben."