Der Fall ist bei den #
MeToo-AktivistInnen nicht ganz so populär. Aber ebenso gründlich wie Harvey Weinstein hat sich
Tariq Ramadan, der einstige Herold eines "gemäßigten" Islams, demontiert. Nicht nur, dass gegen ihn drei Anklagen wegen
Vergewaltigung vorliegen. Letztes Jahr hat auch die
Tribune de Genève Missbrauchsvorwürfe von Schülerinnen aus seiner Zeit als Lehrer in Genf thematisiert,
berichtet Bernadette Sauvaget in
Libération. Und "ein anderer Schlag kommt nun aus
Katar, dem wichtigsten Geldgeber des Theologen, der seinen
Lehrstuhl in Oxford finanziert und ihm außerdem sehr großzügige Mittel für die Führung des
CILE, des 'centre de recherches sur l'
éthique islamique' zukommen lässt, das an die Universität von Doha angeschlossen ist.
Mohamed el-Moctar el-Shinqiti, sehr einflussreicher Kolumnist und Analyst bei
Al Jazeera hat am Mittwoch in seinem Blog einen Text publiziert, in dem er aufruft, Ramadan nicht mehr zu unterstützen, denn er sei ein '
Sexsüchtiger mit Verachtung für Menschen, die er missbraucht, und Täuschung der Muslime'."
Wortmeldungen vor der beginnenden
Islamkonferenz: Auch der Zentralrat der Muslime will
keine Imame aus dem Ausland, sagt deren Vorsitzender,
Aiman Mazyek, im
FR-
Gespräch mit Thoralf Cleven und fordert eine Organisation und
Finanzierung der Imanausbildung in Deutschland: "Wir sind bereit, die hier ausgebildeten, deutschsprachigen und mit der Kultur und dem Land vertrauten Imame in unseren Moscheen einzustellen." Selbstverständlich wünschen sich alle Muslime, dass Theologie und Religion seitens des Staates gefördert werden,
schreibt die Imamin
Rabeya Müller, die beim Zentrum für Islamische Frauenforschung und Frauenförderung in Köln tätig ist in der
SZ. Aber: "Der Islam ist eine Weltreligion und strukturell nicht unmittelbar mit den christlichen Kirchen vergleichbar. Es gibt
im Islam kein Lehramt, auch wenn mancher (und manche) gerne Papst aller Muslime wäre. Der Islam kennt keine Ordination von Geistlichen, auch wenn es Verbandsfunktionäre gibt, die gerne die ihnen genehmen Personen ordinieren und missliebigen die Zustimmung verweigern würden. Doch diese Entscheidung trifft regulär eine muslimische Gemeinde ganz basisdemokratisch für sich selbst, dabei sollte es auch bleiben." Stattdessen fordert sie eine
staatliche organisierte Plattform, auf der die verschiedenen Initiativen und Strömungen des Islams miteinander diskutieren können.
Im
Zeit-Gespräch mit Martin Lohmann erzählt der katholische Pfarrer
Michael Theuerl, der gerade erst Syrien besuchte, von der Furcht
syrischer Christen, dass im Zuge der deutschen Willkommenspolitik "orientalische Kirchen sterben" könnten. Außerdem spricht er über die
Nähe zu Assad, der ihnen Sicherheit garantiere: "Ein Bischof berichtete uns in Damaskus, wie am letzten Osterfest plötzlich jemand von der Regierung anrief, der Präsident wolle am Nachmittag ein Altersheim besuchen - ob er auch kommen könne? Also fuhr der Bischof hin, alle saßen im Kreis, der Präsident, seine Frau, sie hielt rechts und links den alten Leutchen die Hand, und Assad fragte, was man noch im Haus brauchen könnte."
Von den blutigen Konflikten zwischen
Muslimen und Christen in der Zentralafrikanischen Republik berichtet außerdem Andrea Böhm in der
Zeit.