Am Wochenende ist der Schauspieler
Fabian Hinrichs in Rene Polleschs Stück
"ja nichts ist ok" zu sehen. Im
Zeit-Gespräch mit Peter Kümmel geht er hart mit dem deutschen Theater ins Gericht: "Ich spüre oft nur die Absichten, die
moralischen Botschaften hinter einem Bühnenkunstwerk, aber nicht viel, was mich woanders hinführt - ins Offene, zu mir selbst, in künstlerische Atmosphären auch, die riskant sind. Das ist eher ein wackeres
Ablatschen von Programmpunkten.
Aber hat es alltagserschütternde Kraft, und sei es auch nur für zehn Minuten? Zu oft begegnet mir eine
Funktionärskultur, gemacht von Funktionären für Funktionäre. Auch ein Teil der Theaterkritik könnte sich ja mal fragen, welches Geschäft sie betreibt, wenn sie all jene Stimmungen und Atmosphären kaum aufnimmt, für welche der Verstand keinen Begriff und die Sprache keinen Namen hat. Vielleicht ist aber auch kein Auge, Ohr und kein Herz dafür vorhanden?"
In der
nachtkritik begrüßt der Autor Hannes Becker die zunehmende
Mehrsprachigkeit in der zeitgenössischen Dramatik als
Ausdruck sozialer Diversität, denn: "Mehrsprachigkeit im Theater zuzulassen bedeutet:
Nicht-
Verstehen zuzulassen, mehrere Publika statt eines Publikums anzusprechen und die real Anwesenden bei einer Theateraufführung heterogen zu adressieren. Außerdem: sich Probleme einzuhandeln, die ohnehin da sind. Wer Sprachen wie Türkisch und Kurdisch,
Hebräisch und Arabisch,
Russisch und Ukrainisch, vor allem aber: Deutsch und jede andere Sprache zusammen auf die Bühne bringt, ruft beinahe zwangsläufig vorhandene
politische Konflikte in den Theaterraum hinein. Andererseits wird so eben auch klar: Momente des Nicht-Verstehens sind häufig das, wovon mehrsprachige Inszenierungen leben - Nicht-Verstehen, Missverstehen, Verstummen und Zum-Schweigen-Bringen,
Machtverhältnisse und Gewaltakte, die direkt die Sprechfähigkeit der Spieler*innen betreffen."
Weitere Artikel: Viele Musicals fallen im
Ruhrgebiet durch, nicht aber
Carsten Kirchmeiers Inszenierung des Broadway-Klassikers
"Hello, Dolly!" am Musiktheater in Gelsenkirchen. Das Stück über die
Sehnsüchte von Arbeitern aus Yonkers, einer an New York City angrenzenden Provinzstadt, passt hier vermutlich perfekt hin, glaubt Max Florian Kühlem in der
SZ: "Zwar hat sich hier mittlerweile eine hohe Dichte an guten Hochschulen und großartigen Kultureinrichtungen etabliert. Hippe Viertel entstehen. … Doch Gelsenkirchen ist auch weiterhin die Stadt mit der
höchsten Armutsquote in Deutschland." In der
NZZ denkt Bernd Noack darüber nach, was das
Zürcher Schauspielhaus erwartet, wenn
Rafael Sanchez und
Pinar Karabulut ab 2025 gemeinsam die Intendanz des Hauses übernehmen: "Die eine pocht auf den gesellschaftspolitischen Anspruch, der andere nimmt das Theater gerne auf die leichte Schulter." Ebenfalls in der
NZZ hat sich Marianne Zelger-Vogt mit der deutschen Sopranistin
Marlis Petersen getroffen, die nun am Opernhaus Zürich in
Barrie Koskys Inszenierung von
Franz Lehars Operette "Die Lustige Witwe" sehen ist.
Besprochen werden
Bernhard Mikeskas Inszenierung von
Thomas Braschs "Mädchenmörder:: Brunke" am Staatstheater Braunschweig (
taz) und
Kornel Mundruczos Inszenierung von
Dvoraks Oper "Rusalka" an der Berliner Staatsoper (
VAN). In der
FAZ gratuliert Reiner Burger dem Kölner Hänneschen-Theater zu
222 Jahren Puppenbühne.