
2014 jährt sich die Deportation der
ungarischen Juden von 1944 zum siebzigsten Mal.
HVG stellt die für das Gedenkjahr geplanten Vorhaben vor, darunter auch einen
Gedenkort für die Kinder, die Opfer des Holocaust wurden. Hierfür soll nach den Plänen der in 2005 geschlossene Güterbahnhof in Józsefváros in Budapest renoviert und ausgestattet werden. Unter anderem soll hier auch an den Retter
Raoul Wallenberg erinnert werden. Der Holocaustforscher
László Karsai kritisiert die Konzentration auf die Kinder: "Die bloße Hervorhebung von einigen tausend Kinderopfern aus den fünfhunderttausend ermordeten ungarischen Menschen entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Zielsetzung und ist nur ein geschmacksloser
Angriff auf die Tränendrüsen." Die Macher der Ausstellung kontern: "Einige gut dokumentierte Kindergeschichten gibt es sehr wohl und mit weiteren Forschungen könnte daraus eine Ausstellung konzipiert werden, gleichzeitig soll ja im Komplex die Figur von Wallenberg einen geeigneten Platz erhalten."
Außerdem
spricht der Übersetzer und Schriftsteller
Mihály Dés, der dreißig Jahre lang in Spanien lebte, über seinen Roman "Pester Barock" der im Ungarn der achtziger Jahre spielt. Über das heutige Ungarn sagt er: "Die Situation halte ich für sehr ernüchternd, aber dafür ist nicht nur die inkompetente Regierung verantwortlich, sondern auch eine alte Tradition, die
Selbstbesessenheit. Die Welt existiert praktisch nur aus einer Sicht: was wird
über Ungarn im Ausland gesagt? Die Ungarn beschäftigen sich wie Nervenkranke nur mit ihren eigenen Problemen."