Magazinrundschau - Archiv

La regle du jeu

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Magazinrundschau vom 07.06.2016 - La regle du jeu

David Isaac Haziza sieht in La Règle du Jeu einige israelische Tendenzen zu einer Blut-und-Boden-Ideologie, die er gerade bei einigen Rabbis aufblühen sieht und die zu einer Fetischisierung des Heiligen Landes zu führen drohe, und er fragt glatt, ob ein jüdischer Faschismus drohe. Dagegen setzt er die Idee der Diaspora als Ergänzung Israels: "Die Diaspora hat eine Rolle zu spielen, damit Israel seine Seele behält - sofern sie überhaupt gefährdet ist. Nur die Diaspora kann dem jüdischen Staat in Erinnerung bringen, dass man sich selbst nicht genug ist. Nur sie kann dies kleine Land mit dem befruchten, was es so groß gemacht hat: seinen Bezug zum Anderen und seinen Bezug zur eigenen Andersheit."
Stichwörter: Israel, Faschismus, Diaspora

Magazinrundschau vom 26.04.2016 - La regle du jeu

Die marokkanische Autorin Fatima Zohra Rghioui schreibt über eine Reise nach Paris und eine Diskussion, die sie in Lyon mit Schülern über die Lage der Frauen im Islam führte. "Es zeigte sich unverkennbar, dass diese Jugendlichen eine ziemlich traditionelle Auffassung vom Islam und keine Kenntnis von den großen Debatten haben, die man im 'Bled' führt. Es gibt einen bedauerlichen Bruch mit den Herkunftsländern. Ich nehme diesen traditionalistischen Diskurs übrigens häufig bei Marokkanern wahr, die im Ausland leben, ein Festhalten an Traditionen und Werten, die die marokkanische Gesellschaft gerade hinter sich zu lassen versucht." Was ihr selbst der "französische Traum vom freien und modernen Menschen" bedeutet, illustriert für sie ein Lied der legendären Sängerin Fairuz: "Paris, fleur de liberté".

Magazinrundschau vom 23.02.2016 - La regle du jeu

Sehr erbost äußert sich der Filmemacher François Margolin im Gespräch mit Félicité Wintenberger über Kritik an seinem Dokumentarfilm "Les Salafistes", der unter 18 Jahren verboten wurde - was die Auswertung des Films in Kino und TV fast unmöglich macht. Vorgeworfen wurde ihm, dass er die islamischen Fundamentalisten kommentarlos reden lasse. Margolin insistiert, dass sich der Standpunkt des Films aus den Fragen ergebe, die er ihnen stelle: "Mit der Idee, dass ein Film Kommentare brauche, fallen wir fünfzig Jahre zurück. Die größten Dokumentarfilmer (Depardon, Lanzman, Frederick Wiseman, Jean Rouch) fügen ihrer Arbeit keinen Kommentar hinzu. Es ist, als hätte das Fernsehen die Köpfe derartig deformiert, dass man es nicht mehr erträgt, wenn der Journalist nicht sagt, was man denken soll. Das ist eine intellektuelle Regression, die mich empört."

Bernard-Henri Lévy setzt sich in La Règle du Jeu außerdem mit Jean Birnbaums Buch "Un silence religieux" auseinander, dessen Kritik an der linken Idee von Religion er teilt - während er Birnbaums Vergleich zwischen den Spanien-Kämpfern von einst und den Jung-Dschihadisten heutiger Tage vehement ablehnt.

Magazinrundschau vom 09.02.2016 - La regle du jeu

In einem Gespräch über sein jüngstes Buch "L'Esprit du judaïsme" erläutert Bernard-Henri Lévy seine These, wonach der Antisemitismus zu einer Art globaler Religion zu werden droht. Der neue Hass ist eigentlich ein alter, allerdings in neuen Gewändern. Der heutige Antisemitismus stützt sich, wie er erklärt, auf drei Säulen: Antizionismus, Leugnung des Holocaust und - etwa in Bezug auf die Palästinenser - "idiotisch, aber schrecklich effizient" auf den Opferwettstreit. "Dies sind die drei Komponenten einer veritablen moralischen Atombombe. Wenn man zulässt, dass sie zusammenkommen, sich miteinander verschlingen und in Brand gesetzt werden, wird die Explosion fürchterlich. Weil es für große Massen von Männern und Frauen aufs Neue möglich wird, in vollem Bewusstsein antijüdisch zu sein."

Magazinrundschau vom 08.09.2015 - La regle du jeu

Bernard-Henri Lévy war vorletzte Woche, begleitet von einem Filmteam, mit kurdischen Peshmerga unterwegs, die den IS bekämpfen. In seinem Bericht erklärt er mit einer Serie von Argumenten, warum der IS diesen Krieg nicht gewinnen kann. Eines davon lautet, dass man niemals gewinnen könne, wenn man Zivilisten zu menschlichen Schutzschilden mache. Und ein weiteres: "Sie werden besiegt werden, weil der IS Verräter in den eigenen Reihen hat, die die Peshmerga über dessen Bewegungen informieren und ihnen so ermöglichen, vorsorgliche Maßnahmen zu ergreifen. Sie werden besiegt werden, weil man im Gebiet um Gwer (zufällig?) auf ihre Radiofrequenz stößt und ins Träumen gerät, dass sie enden werden wie die Roten Khmer, indem sie sich in allergrößter Konfusion gegenseitig umbringen."

Außerdem findet Bernard Schalscha bei den Äußerungen einiger französischer Intellektueller und Politiker, darunter Michel Onfray, Tariq Ramadan und Marine Le Pen, zur Flüchtlingskatstrophe und der angeblichen europäischen Verantwortung erstaunliche Ähnlichkeiten.

Magazinrundschau vom 01.09.2015 - La regle du jeu

Auch Europa schlägt das letzte Stündchen, wenn es nicht kapiert, dass die allermeisten Flüchtlinge aus politischen, und nicht aus wirtschaftlichen Gründen kommen und darum ein Recht haben, als Personen behandelt zu werden, schreibt Bernard-Henri Lévy in seiner wöchentlichen Kolume. Er weist auch darauf hin, das nur eine Minderheit nach Europa kommt - der Libanon und Jordanien haben eine viel größere Last zu tragen. "Was die Minderheit angeht, die doch nach Deutschland, Frankreich, Skandinavien, Großbritannien, Ungarn aufbricht, scheint sich niemand bewusst zu werden, dass sie keine Feinde sind, die uns zerstören oder auf unsere Kosten leben wollen, sondern Kandidaten für die Freiheit, die uns als gelobtes Land sehen, die auf unser Gesellschaftsmodell setzen und "Europa Europa" rufen, so wie Millionen Europäer einst auf Ellis Island "Amerika Amerika" riefen."

Magazinrundschau vom 11.08.2015 - La regle du jeu

Unter der Überschrift "Die Diktatur der Diplome" beschäftigt sich Pierre Loo mit dem südkoreanischen Bildungssystem und dessen Geschichte. Das Land, in dem das Erlangen von Abschlüssen mit hohem Prestigewert von größter Bedeutung ist, sei ein "Friedhof aufgegebener Berufungen" - Leidenschaften für Philosophie, Literatur, Kunst oder Küche würden unter dem Druck der Eltern einer Karriere bei Samsung, Hyundai oder doch zumindest als Chirurg oder Anwalt geopfert. "Jeglicher sozialer Kontakt konfrontiert Koreaner mit der unerbittlichen Frage: Von welcher Universität ist dein Diplom? Ein gutes Diplom macht einen hochrespektablen Menschen aus einem, ungeachtet des Orts und der Umstände. Es schlägt sich ebenso auf die Ehrerbietung nieder, mit der einem begegnet wird, wie auf den naturgemäßen Einfluss, den man auf sein Gegenüber hat, sofern dieser keinen vergleichbar prestigeträchtigen Abschluss vorweisen kann... Das Schlimmste ist demnach selbstverständlich, gar keinen Studienabschluss zu haben: mangelnde Bildung wird gleichgesetzt mit Mittelmäßigkeit, um nicht zu sagen mit Vulgarität, für die es heutzutage praktisch keine Entschuldigung mehr gibt und die die betreffenden Unglücklichen in die Kategorie Loser verweist."

Magazinrundschau vom 23.06.2015 - La regle du jeu

Bernard-Henri Lévy wettert gegen die zur „Konjunktur“ gewordene Boykotthaltung gegenüber Israel, der sich weltweit Künstler, Studenten und andere Interessengruppen anschließen. Er schreibt: "„In Wahrheit ist diese Bewegung nichts als eine erschreckende Karikatur der antitotalitären Kämpfe vom Ende des letzten Jahrhunderts. Eine Kampagne, deren Urheber keine andere Absicht haben, als ein Israel zu diskriminieren, zu delegitimieren und zu diabolisieren, das nicht entschieden damit aufhört, seinen gelben Stern zu tragen. Den gutwilligen Aktivisten ... hätte ich große Lust zu sagen, dass es viele noble, überfällige Anlässe gibt, die man in diesen zweifelhaften Kampf aufnehmen könnte: den Kampf gegen die dschihadistischen Kopfabschläger, die Verteidigung der versklavten Frauen bei Boko Haram, die Rettung der Christen im Orient und in der arabischen Welt – und natürlich der gerechte Frieden zwischen Israelis und Palästinensern.“"

Magazinrundschau vom 09.06.2015 - La regle du jeu

Vor dem Hintergrund höchst heikler bildungspolitischer Diskussionen in Frankreich fragt Didier Durmarque, welcher Begriff den Judenmord am besten benennt. Hintergrund sind Bestrebungen, im Schulunterricht den Begriff Shoah, der sich in Frankreich eingebürgert hat, durch das neutralere "génocide juif" zu ersetzen. Der Autor schreibt: "Durch die Opferdimension, die der Begriff Holocaust beinhaltet, erscheint er zumindest unangemessen, um nicht zu sagen unangebracht. Der juristische Begriff "Genozid" verortet die Vernichtung der europäischen Juden als einen Völkermord unter anderen, was gleichermaßen willkürlich wie historisch anfechtbar erscheint, in dem Sinne, als die Shoah einen einzigartigen paroxystischen Anschub der Strukturen der Moderne und des Staats einleitet: Recht, Wirtschaft, Bürokratie, Technik et cetera. Sofern man Menschen vernichtete, weil sie Juden waren, ist der Begriff Shoah zugleich unzutreffend und doch derjenige, der der Sache am nächsten kommt. Der Begriff Genozid oder Völkermord, den Raphael Lemkin nach den Nürnberger Prozessen einführte, ist eine faktische und zweckmäßige juristische Tatsache, der die Realität der Shoah betont, deren Besonderheit jedoch unterschlägt."

Magazinrundschau vom 03.03.2015 - La regle du jeu

Von Anfang an steckt im Verbrechen des Holocaust auch die Dimension der Verleugnung, schreibt die Psychoanalytikerin Agnès Aflalo in einem Artikel über "Antisemitimsus heute": "Seit ihrem ersten Tag hält die unbewusste Verleugnung der Schoa bis heute an. Sie hat seit der offiziellen Enthüllung im Jahr 1945 bis zum gewöhnlichen Antisemitismus im Frankreich und Europa unserer Tage nur unterschiedliche Formen angenommen. Wir wissen, das eine Menge Länder schon während des Zweiten Weltkriegs über ihre Existenz informiert waren, aber sie wollten diese Realität nicht wahrhaben."