
Eine ganze Reihe von Büchern über das Leben, das Schreiben und sogar das Sterben von
Leo Tolstoi nimmt James Meek sich vor und neigt in seinem weit ins Detail gehenden Referat nicht zu übermäßiger Heldenverehrung. Hier etwas über das Medienereignis, das der
Tod des Dichters und Visionärs darstellte, erzählt nach dem
Band von William Nickell: "Das Zimmer im Haus des Bahnhofsvorstehers, in dem der sterbende Tolstoi untergebracht war, wurde zum Auge eines
Nachrichtenhurrikans. Eine Horde von Reportern drängelte sich durch die Massen der Schaulustigen und schickten ihre Meldungen in tausenden Telegrammen an hunderte Zeitungen, von denen manche die Hälfte des zur Verfügung stehenden Platzes für eine Art
Proto-Blog freiräumten. 'Bitte löschen, dass Tolstoi zwei Eier gegessen hat: inkorrekt; hat nur
Tee mit Milch getrunken', liest man in einem Telegramm. Die Kamera war da und der Kinematograf. Man kann Tolstoi auf
Youtube sehen."
Zu schweren Unruhen kam es unlängst - wieder einmal - in
Kaschmir. Die Sicherheitskräfte schossen auf Demonstranten, elf Menschen starben - und die westlichen Medien berichteten so gut wie gar nicht. Tariq Ali
berichtet über Geschichte und Gegenwart der Unterdrückung der muslimischen Mehrheit in Kaschmir und die Aussichtslosigkeit jeder Hoffnung auf eine Änderung der Verhältnisse: "Die öffentliche Meinung in Indien schweigt. Die Parteien der Linken ziehen es vor, sich nicht zu äußern, aus Sorge, die Gegenseite könnte ihren Patriotismus in Frage stellen. Von Kaschmir ist nie die Rede und durfte die Rede nie sein. Mit seiner
muslimischen Mehrheit durfte es 1947 nicht in einem eigenen Referendum entscheiden, welchem der beiden Länder es angehören wollte. 1984 fragte ich die damalige Premierministerin Indira Gandhi, warum sie die Entstehung Bangladeschs nicht zum Anlass nahm, eine Abstimmung zu veranlassen ... Sie schwieg... Heute schiene der Vorschlag allein schon utopisch."
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sieht zum fünfzigsten Jubiläum der Entstehung einmal wieder Jean-Luc Godards Klassiker "
Außer Atem". Peter Cambpell
besucht die
Fälschungs-Ausstellung "Close Examination: Fakes, Mistakes and Discoveries" in der N
ational Gallery. Andrew Cockburn liest ein
Buch über die Sanktionen gegen den
Irak in den Jahren 1990 bis 2003.