Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 20.11.2007 - New York Times

Das Magazine widmet seine Titelgeschichte dem "schlaf-industriellen Komplex", einem Geschäftszweig, der seit wenigen Jahren in ganz erstaunlicher Weise prosperiert: "Es gibt einen Schlafboom, oder auch, wie die Zeitschrift Forbes es im letzten Jahr formulierte, "eine Schlaf-Abzocke". Das Magazin Business 2.0 schätzt, dass die amerikanische Schlafwirtschaft etwa zwanzig Milliarden Dollar im Jahr umsetzt - eingeschlossen sind darin sowohl die mehr als tausend anerkannten Schlafkliniken (manche davon in Bädern), die über Nacht Apnoe-Tests durchführen, als auch zahllose rezeptfreie und pflanzliche Schlafhilfen, Schlafratgeber, Talismane und anderer schlaffördernder Krimskrams. Zia Sleep Sanctuary (Zia Schlafasyl), ein einzigartiger Luxus-Schlafzubehör-Laden in Eden Prairie, Minnesota, hat 'Lichttherapie'-Blendschutzsbrillen, den Zen-Wecker, das Mombasa-Majesty-Moskitonetz und 600 Dollar teure geräuschabweisende Ohrwatte sowie sechzehn verschiedene Matratzen und dreißig Kissen im Angebot. Am stärksten hat freilich die Schlaftabletten-Industrie profitiert. Neunundvierzig Millionen Rezepte wurde im letzten Jahr ausgestellt, das ist eine Zunahme um dreiundfünfzig Prozent seit 2001.
Stichwörter: Luxus

Magazinrundschau vom 13.11.2007 - New York Times

Das Magazine widmet sich dem amerikanischen Westen, dem Western und vor allem dem britischen Schauspieler Daniel Day-Lewis, der in Paul Thomas Andersons neuem Film "There Will Be Blood" einen Ölbaron spielt. Lynn Hirschberg kommt in ihrem Day-Lewis-Porträt immer wieder auf die britischen Ursprünge des von Amerika faszinierten Darstellers zurück: "'Als wir mit dem Dreh von 'There Will Be Blood' anfingen, 'hatten wir Probleme.' Beinahe strahlt er, als er das sagt. 'Aber das, was nicht funktioniert, ist immer das, was einen voranbringt.' Da klingt er doch entschieden eher britisch als amerikanisch. Es ist eine Subtilität in Day-Lewis' Darstellung in diesem Film, die daher rühren mag, dass er von außen an diesen Stoff kommt. Er ist mit Shakespeare aufgewachsen, nicht mit Western, und deshalb hat er auch eine Distanz zu den Klischees von Ölbaronen, Goldsuchern und ihresgleichen."

Weitere Artikel zum Schwerpunkt: Der Filmkritiker A.O. Scott erzählt die Geschichte des Westerns als filmischer Form. Der brasilianische Regisseur Walter Salles ("Central Station") denkt über das Road Movie nach. Philip Weis berichtet über eine neue Spezies von Hollywood-Filmproduzenten, die ausdrücklich Filme für erwachsene und denkende Menschen machen wollen.

In der Book Review stellt Neil Genzlinger Aine Colliers Geschichte des Kondoms vor, die, wie er meint, nicht zuletzt vom menschheitsbeglückenden Triumph des Werkstoffs Gummi berichtet: ""Lebten wir noch im alten Rom, würden Sie vielleicht ein Fell-Kondom tragen, hergestellt aus der Mähne einer Eselin. In der islamischen Welt rund um die erste Jahrtausendwende wäre das Teil wahrscheinlich aus Teer oder flüssigem Blei gewesen... Geburtenkontrolle, heute eine ein bisschen lästige Sache, war jahrhundertelang eher eine Form der Folter. 'Das willst du beim Sex benutzen?', könnte jeder der beiden Partner damals gesagt haben. 'Das ist doch ein Scherz. Das Ding ist aus Baumrinde. Dann doch lieber ein Baby."

Weiteres: Für Richard Brookhiser ist Christopher Hitchens' Buch über Thomas Paine in Wahrheit die Diskussion zweier Bücher, Paines "Die Menschenrechte" und Burkes "Über die Französische Revolution". Jed Pearl schreibt über den dritten und vorletzten, die Jahre 1917-1932 umfassenden, Band von John Richardsons Picasso-Biografie. Und Jay McInerney bespricht Pierre Bayards Ratgeber dazu, wie man über Bücher spricht, die man gar nicht gelesen hat.

Magazinrundschau vom 06.11.2007 - New York Times

Tina Rosenberg ist nach Venezuela gefahren, um für das Sunday Magazine eine diese wunderbaren Recherchen zu schreiben, zu denen nur angelsächsische Medien fähig sind. Sie fragt, ob die verstaatlichte Ölförderung der venzolanischen Wirtschaft wirklich nutzt. Die Profite werden jetzt direkt in Infrastruktur und Bildung gesteckt, konstatiert sie, allerdings über kaum kontrollierbare Fonds, die direkt Hugo Chavez unterstehen. Und andererseits fehlen Bohrtürme: "Da Öl zur Zeit sehr profitabel ist, und die Leute wie verrückt nach Öl bohren, herrscht ein globaler Mangel an Türmen, und ihr Mietpreis ist stark angestiegen. Aber in Venezuela ist der Mangel größer als anderswo. Vor der Nationalversammlung sagte Luis Vierma von der Fördergesellschaft Pdvsa, dass dieser Mangel eine 'bedeutende operationelle Notsituation' darstellt. Das Land braucht 191 solcher Türme, um seine Produktionsziele in diesem Jahr zu erreichen, sagt Vierma. Aber laut Baker Hughes, eine Firma in Houston, die die Standardstatistik für diese Türme erstellt, gibt es nur 73 aktive Türme in Venezuela."

In der Book Review liest Caroline Weber mit Gewinn Graham Robbs Studie "Discovery of France - A Historical Geography From the Revolution to the First World War" (mehr hier), die herausfindet, dass Frankreich "kein einheitlicher kultureller Monolith ist, sondern eine große Enzyklopädie von Mikrozivilisationen". Besprochen werden außerdem eine Biografie über Bette Davis, John Updikes Essays (Auszug), besprochen von Christopher Hitchens, Alan Kramers "wichtiges Buch" "Dynamic of Destruction - Culture and Mass Killing in the First World War" (mehr hier) , eine "Philosphie des Weins" und Bücher über die Amtszeiten George W. Bushs.

Magazinrundschau vom 09.10.2007 - New York Times

In Großbritannien sieht das Recht bei Verleumdungsklagen die Beweislast beim Beschuldigten - damit sind, wie ein aktueller Fall beweist, Autoren leicht unter Druck zu setzen. Und nicht nur solche, die in Großbritannien publizieren: "Der aktuelle Fall hat die Besorgnis ausgelöst, dass das englische Verleumdungsrecht Autoren weit über die Grenzen Großbritanniens hinaus mundtot macht. Es unterliegt nämlich offenbar jedes Buch, das man in England online kaufen kann, auch dann dem englischen Verleumdungsrecht, wenn es ausschließlich in einem anderen Land veröffentlicht worden ist. Deshalb sind Verleger und Buchhändler in großer Sorge, dass sich etwas wie ein 'Verleumdungstourismus' entwickeln könnte: Ausländer, die andere Ausländer in England (oder anderswo) verklagen und die Urteil zur Einschüchterung von Autoren in anderen Ländern, die Vereinigten Staaten eingeschlossen, nützen."

Besprochen werden unter anderem die Tagebücher des liberalen Publizisten und Kennedy-Fahrensmanns Arthur J. Schlesinger, Philip Roths neuer Roman "Exit Ghost", Grahams Swifts Roman "Tomorrow", ein Buch über den Bollywood-Superstar Shah Rukh Khan und das Buch des Country-Sängers und Krimi-Autors Kinky Friedman über seinen gescheiterten Versuch, der erste jüdische Gouverneur von Texas zu werden.

Magazinrundschau vom 02.10.2007 - New York Times

Der Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz ist ganz einverstanden mit den Theorien, die die Globalisierungsgegnerin Naomi Klein in ihrem neuen Buch "Die Schock-Strategie - Der Aufstieg des Katastrophen-Kapitalismus" entwickelt: "Klein bringt eine eindrucksvolle Beschreibung der politischen Intrigen und des menschlichen Preises, die gefordert sind, um widerstrebenden Ländern eine unanständige Wirtschaftspolitik aufzudrängen. Sie malt ein bestürzendes Porträt nicht allein Milton Friedmans, sondern all jener, die seine Doktrinen aufgriffen, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Bestürzend ist auch zu sehen, wie viele der Protagonisten des Irak-Kriegs zuvor schon in schändlichen Episoden der amerikanischen Außenpolitik engagiert waren. Sie zieht eine klare Linie von der Folter in Lateinamerika in den siebziger Jahren bis zu Abu Ghraib und Guantanomo Bay."

Außerdem in der Book Review: Der Reiseschrifter Paul Theroux feiert Tim Jeals große Biografie über den Afrika-Eroberer Stanley (erstes Kapitel). Und Stephen King denkt in einem Essay über Kurzgeschichten nach, die für Redakteure, Verleger oder andere Schriftsteller geschrieben zu werden scheinen - nur nicht für Leser.

Das Magazine bringt eine Spezialnummer zu Beginn der College-Saison.

Magazinrundschau vom 25.09.2007 - New York Times

"An manchen Momenten kann eine Konversation mit Haneke sich anfühlen wie ein verborgenes Treffen mit dem Anführer der Filmbefreiungsfront", gibt John Wray im New York Times Magazine zu. Aber das ist auch fast sein einziger Kommentar in einem großen und ausführlichen Porträt des österreichischen Filmregisseurs Michael Haneke, der mit dem US-Remake seines Films "Funny Games" gerade seinen ersten Film in Amerika gedreht hat. Befragt zu seinem Verhältnis zur Gewalt, verweist Haneke auf das Problem, das er mit "Pulp Fiction" hat: ""Das Problem liegt im Komischen - hier ist eine Gefahr, denn der Humor macht die Gewalt konsumierbar. Humor dieser Art ist in Ordnung, sogar nützlich, so lange er den Betrachter dazu zwingt, darüber nachzudenken, warum er lacht. Das aber geschieht in 'Pulp Fiction' nicht."

In der Titelgeschichte porträtiert Jeffrey Rosen den mit 87 Jahren ältesten, mit 32 Jahren im Amt auch dienstältesten und vielleicht liberalsten unter den Richtern des Supreme Court, John Paul Stevens: "In Strafrechts- und Todesstrafen-Fällen hat Stevens öfter gegen die Regierung und zugunsten des Einzelnen gestimmt als irgendein anderer der amtierenden Richter. Er gibt mehr abweichende Meinungen zu Protokoll als irgendeiner seiner Kollegen. Er ist der ausdrücklichste Verteidiger der Notwendigkeit der gerichtlichen Überprüfung der Exekutive. In der jüngeren Vergangenheit hat er die Mehrheitsmeinungen in zwei der wichtigsten Urteile verfasst, die gegen die Behandlung von Verdächtigen im Krieg gegen den Terror durch die Bush-Regierung ergingen."

Magazinrundschau vom 11.09.2007 - New York Times

In der Sunday Book Review bespricht Patricia Cohen das neue globalisierungskritische Buch von Naomi Klein mit dem Titel "The Shock Doctrine", das bereits auf heftigen Widerstand der Ökonomen trifft: "In ihrem Buch argumentiert sie, dass die Schocktherapie, die westliche Ökonomen in den letzten dreißig Jahren verordnet haben, den betroffenen Ländern nicht ohne eine politische Schocktherapie aufgenötigt hätte werden können - nämlich die brutale Unterdrückung und Suspendierung demokratischer Rechte. Die Länder des Westens hätten gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank im Grunde diverse Katastrophen - Hyperinflation, den Tsunami, den Krieg im Irak - ausgenutzt, um radikale Veränderungen wie Privatisierung, Deregulierung und gravierende Einschnitte in Sozialsysteme durchzudrücken. Diese Strategien, die von ausländischen und amerikanischen Schülern des laissez-faire-Ökonomen Milton Friedman durchgesetzt worden seien, hätten bittere Armut und Not für Millionen bedeutet, während sie den multinationalen Konzernen oft die Möglichkeit offerierten, die wertvollsten Besitzstände der Nationen zu Schleuderpreisen zu erwerben."

David Oshinsky hat sich im an der University of Texas in Austin befindlichen Archiv des Verlags Alfred A. Knopf umgesehen - und stieß auf jede Menge peinlicher Ablehnungsgutachten, zu Werken von literarischen Größen wie Jack Kerouac und Jean-Paul Sartre, Jorge Luis Borges und Syliva Plath. Außerdem gibt es eine Rezension zu zwei neuen Büchern über den Nahen Osten, nämlich "World War IV: The Long Struggle Against Islamofascism" von Rudy Giulianis Politberater Norman Podhoretz (das als persönliche Abrechnung mit der Linken heftig verrissen wird) und Michael A. Ladeens "The Iranian Time Bomb".

Die Titelgeschichte des New York Times Magazine ist dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Rudolph Giuliani gewidmet, gegen dessen Erfolg sechs durchnummerierte Gründe sprechen (ist zu schwulenfreundlich, trägt gern Frauenkleider in der Öffentlichkeit, ist ein Unsympath) - und den man trotzdem, warnt Matt Bai, nicht unterschätzen sollte. Mark Edmundson informiert über das Interesse, das der erklärte Atheist Sigmund Freud spät in seinem Leben der Religion entgegenbrachte.

Magazinrundschau vom 04.09.2007 - New York Times

Im Magazin porträtiert Lynn Hirschberg Rick Rubin, den legendären Produzenten von Public Enemy, Johnny Cash oder den Dixie Chicks. Nun wurde er von Columbia Records angeheuert, um die Musikindustrie zu retten. Offenbar wird Rubin nicht umsonst als Guru verehrt. "Rubin trägt seine übliche Uniform aus weiten Khakihosen und einem weißen Walle-T-Shirt, er hat die Sonnenbrille in der Tasche und ist barfuß. Durch seine Hände gleitet eine buddhistische Gebetskette, die seinem Träger Weisheit bringen soll. Da Rubins Bart und Haare fast sein Gesicht bedecken, wirkt seine Stimme, die weich und zuversichtlich ist, noch lebendiger. Er scheint eins mit dem Raum zu sein, der vom Boden bis zur Decke mit Büchern angefüllt ist, die meisten spiritueller Natur, ob nun über Buddhismus, Biblisches oder die New-Age-Suche nach Erleuchtung. Die Bücherei und das ganze Haus sind angefüllt mit religiösen Symbolen und Erinnerungen aus der Welt des Pop. Ein massiver Messingbuddha wird von ebenso großen Lautsprechern eingerahmt, alte Pappfiguren von John, Paul, George und Ringo sind rund um eine vielarmige Vishnu-Statue platziert."

Außerdem staunt Frederick Kaufmann über die Untiefen des Tierfuttergeschäfts. Und Michael R. Gordon zweifelt, ob der Fahnenwechsel einer Sunni-Rebellen südlich von Bagdad von Dauer ist.

Die Sunday Book Review wird grün: Noch einen Schritt weiter als Rachel Carson mit ihrem "Silent Spring" geht Alan Weisman mit seinem morbiden, aber laut Jennifer Schuessler faszinierendem Ökothriller "The World Without Us". Handelnde Personen gibt es hier nicht, es gibt überhaupt keine Personen mehr, die Menschheit ist auf einen Schlag ausgelöscht. "Sogar in den Zentren der besiedelten Welt würde der Verfall schnell einsetzen. Wenn niemand an den Pumpen steht, würden sich New Yorks U-Bahn-Tunnel innerhalb von zwei Tagen mit Wasser füllen. In 20 Jahren wäre die Lexington Avenue ein Fluss. Von Feuer und Wind gebeutelte Hochhäuser würden irgendwann umstürzen wie gigantische Bäume. Nur Wochen nach unserem Verschwinden würden die 441 Atomkraftwerke zu radioaktiven Haufen zusammenschmelzen, während die petrochemischen Anlagen, die auch heute schon 'tickende Zeitbomben' sind, sich auf Jahrzehnte hinaus in brennende und giftspuckende Geysire verwandeln würden. Abseits dieser Problemzonen schildert Weisman eine Welt auf ihrem langsamen Weg zurück in die Wildnis. Nach ungefähr 100 000 Jahren wären die Kohlendioxidwerte wieder auf vormenschlicher Höhe. Domestizierte Arten, von der Kuh zur Karotte, würden sich hin zu ihren Vorfahren zurückentwickeln."

Weiteres: Als "eine Art Meisterwerk" bezeichnet Jim Lewis den neuen Roman "Tree of Smoke" von Dennis Johnson, einem Experten für Trauer und Hoffnungslosigkeit - aber immer originell präsentiert. Nick Gillespie studiert Matt Bais "The Argument", eine nicht sehr freundliche Analyse der amerikanischen Demokraten. Pagan Kennedy begibt sich auf Myspace, um herauszufinden, aus welchem Holz die Leser seiner Bücher geschnitzt sind. Viele essen vegane Erdnussbutter, wie er feststellen muss.

Magazinrundschau vom 21.08.2007 - New York Times

In einem ausgreifenden Essay für das New York Times Magazine (in Wahrheit ein Vorabdruck aus seinem kommenden Buch "The Stillborn God - Religion, Politics and the Modern West") kommt nach Ian Buruma und Timothy Garton Ash mit Mark Lilla (mehr hier) nun ein weiterer angelsächsischer Großintellektueller zum Ergebnis, dass wohl nur Tariq Ramadan dem europäischen Islam einen Weg zur Integration weisen kann. Lillas Essay handelt von "politischer Theologie", die auch im Christentum bis vor nicht allzu langer Zeit virulent war, und er legt dar, dass eine Liberalisierung von Theologie, wie sie im Islam etwa Bassam Tibi vorschlägt, längst nicht so attraktiv sei: "Natürlich sprechen wir lieber mit islamischen Liberalisierern, denn sie sprechen unsere Sprache: Sie akzeptieren die intellektuellen Voraussetzungen der Trennung von Religion und Politik... Sie sind keine politischen Theologen. Aber Reformation schafft wesentlich größere Aussichten auf einen dauerhaften polischen Wandel als Liberalisierung. Reformatoren sprechen von innerhalb der gläubigen Gemeinde und geben ihr somit zwingende theologische Gründe, um Erneuerungen als authentische Interpretationen ihres Glaubens zu begreifen."

In der Sunday Book Review liest Luc Sante eine Neuausgabe von Jack Kerouacs epochalem Buch "On the Road", das vor fünfzig Jahren zum ersten Mal erschien. Und Matt Weiland liest ein Buch John Lelands, das anlassgerecht erklärt "Why Kerouac Matters". Und Leah Hager Cohen empfiehlt ein offensichtlich faszinierendes Buch von Margalit Fox über ein Berberdorf mit einer sehr hohen Rate von Gehörlosen, das eine eigene Zeichensprache entwickelte, die dort von Tauben und Hörenden verstanden wird. Besprochen wird auch Handkes neuer Roman "Crossing the Sierra de Gredos".

Magazinrundschau vom 14.08.2007 - New York Times

Ada Calhoun ist begeistert, wie Karen Abbot in ihrer Geschichte des einst mondänsten Bordells der USA die gegenseitige Abhängigkeit von Hedonismus und Puritanismus beschreibt. "Im brutalen Rotlichtbezirk von Chicago zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfuhren die meisten Hurenhäuser nach dem Prinzip 'Effizienz statt Fantasie'. Im Everleigh Club jedoch, einem Doppelhaus in der South Dearborn Street, trugen die 'Schmetterlinge' Abendkleider, aßen Bonbons und lasen Balzac. Das Haus verfügte über drei Streichorchester, einen mit Parfüm gefüllten Brunnen, Spucknäpfe aus 18-karätigem Gold und dreißig opulente, themenbezogene Schlafzimmer, ausgestattet mit Extras wie einer lebensgroßen Abbild von Kleopatra oder einer Anlage, um Feuerwerkskörper abzubrennen. Die Patroninnen, Ada und Minna Everleigh, bestanden darauf, dass sich hier 'ein Mann nie bedrängt oder betrogen, desillusioniert oder allein' fühlen sollte."

Ziemlich ungnädig verfährt Christopher Htichens mit dem Finale von J.K. Rowlings "Harry Potter". Auch wenn seine Tochter die Lektüre offenbar genossen hat, stößt dem Vater einiges auf. "Woher kommt das Böse? Diese Frage bleibt die gleiche, wenn man sie manichäisch umdeutet: Wie können Voldemort und seine bösen Truppen derartige Macht haben, es aber nicht hinbekommen, einen sanften und ziemlich schlecht organisierten Schuljungen zu zerstören? In einer Kurzgeschichte könnte man mit dieser Unstimmigkeit leben und sie schnell in die eine oder andere Richtung auflösen. Aber im Verlauf von sieben Büchern verliert das Rätsel jedenfalls für den Leser an Faszination, und in seiner letzten Episode wird das Ganze ziemlich nervig. Gibt es wirklich keinen Death Eater oder Dementor, der den simplen Vorteil des Überraschungseffekts begreift?"

Weiteres: Amerigo Vespucci, immerhin Namenspate der Weltmacht, war nicht gerade ein Vorbildcharakter, erfährt Nathaniel Philbrick aus Felipe Fernandez-Armestos "wundervoll idiosynkratischer und intelligenter" neuer Biografie. "Wie sich herausstellte, wurde Amerika - diese Nation notorischer Hökerer, Träumer und Spin Doctors - genau nach dem richtigen Typ benannt." Besprochen werden außerdem Richard Klugers Frühgeschichte der Vereinigten Staaten und Christine Kenneallys Suche nach dem Grund der menschlichen Sprache.