Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

851 Presseschau-Absätze - Seite 21 von 86

Magazinrundschau vom 05.05.2020 - New Yorker

In einem Text der neuen Ausgabe fragt David Quammen, warum die USA so schlecht auf Corona vorbereitet waren: "Die katastrophal späte, inadäquate, wirre und für viel verwirrende Reaktion der Regierung vor wie nach dem ersten Fall, hat mit zu vielen Faktoren zu tun, hier sind zwei: Das Versagen, die Warnungen durch SARS und MERS Ernst zu nehmen. Und der Verlust an politischen Kapazitäten in den letzten Jahren, die die Bedeutung und die Dringlichkeit von pandemischen Bedrohungen verstehen. Beth Cameron, ehemalige Vorsitzende des Direktoriums für Weltgesundheits- und B-Schutz am National Security Council, nennt es die Abwesenheit eines 'Rauchmelders'. Die Verantwortlichen, die für die Beobachtung von Notfallagen zuständig sind, müssen den Rauch riechen und das Feuer ersticken, solange es klein ist, sagt sie. 'Gegen den Ausbruch gibt es kein Mittel, aber wir können verhindern, dass er sich zu einer Pandemie auswächst.' Seit der Ebola-Epidemie bis März 2017 war Cameron federführend im Direktorium. Ihr Nachfolger führte es ein Jahr weiter, dann, unter John Bolton, wurde es aufgelöst. Ein Rauchmelder funktioniert nicht, wenn die Batterie fehlt. Der Virologe Dennis Carrol leitete 15 Jahre lang ein Pandemie-Projekt an der US-Behörde für Internationale Entwicklung. 2009 entwickelt er ein 200 Millionen Dollar schweres Programm, das der Entdeckung potenziell gefährlicher neuer Viren vor ihrer Verbreitung auf den Menschen diente. Dieses Programm endet 'wegen risikoscheuer Bürokraten', sagte er der Times vergangenen Oktober. Die Regierungen Bush und Obama seien 'enorm hilfreich' gewesen, aber dann kam ein kalter Wind."

Außerdem: Evan Osnos geht der Frage nach, wann die Country-Club-Republikaner Trump lieben lernten. Adam Kirsch erinnert an den dänischen Philosophen Søren Kierkegaard und seine Vorliebe fürs Unglücklichsein. Jill Lepore schaut die Sesamstraße und überlegt, ob das Format noch trägt. Und Anthony Lane träumt von den Vorzügen der Nachtzüge.

Magazinrundschau vom 21.04.2020 - New Yorker

In einem Text der neuen Ausgabe des Magazins trifft Rivka Galchen einen jungen Arzt, der in Queens an vorderster Front gegen das Coronavirus kämpft und erkennen muss, wie sehr die Erkrankung an Covid-19 mit dem sozioökonomischen Status der Menschen zusammenhängt und wie sich das Verständnis dessen, was normal ist, wandelt: "Im Vorbeigehen sieht er zwei Patienten auf Bahren liegen, die in keiner sichtbaren Notlage waren, aber eine Sauerstoffsättigung um die 70 Prozent hatten. Sie gehörten eigentlich sofort in die Intensivpflege. Kurz darauf hört er jemanden nach ihm rufen. 'Es ist dieser Mann, den ich das dritte Mal in dieser Woche sehe, öfter als manche Freunde … also bin ich amüsiert und vielleicht auch etwas abweisend, weil ich ihm schon so oft gesagt habe, er soll nach Haus gehen und seine Symptome beobachten.' Äußerlich war der Mann wie immer. 'Also lasse ich ihn noch einmal röntgen, ohne eine große Veränderung zu erwarten - und es war grauenhaft.' Der Mann war kurz davor zu kollabieren. Viele Ärzte haben über den harschen Kontrast berichtet bei Patienten, die bequem im Stuhl sitzen können, während ihre entzündeten Lungen jederzeit kollabieren können. 'Du siehst, wie der Patient alle Energie seines Körpers dazu verwendet zu atmen.'"

In einem anderen Beitrag berichtet Luke Mogelson über die Folgen von Trumps Rückzug aus Nordsyrien: "Die Katastrophe, die über Nordsyrien hereinbrach, wird vor allem mit Trumps Kapitulation gegenüber Erdogan in Verbindung gebracht, die viele als Verrat an den Kurden betrachten. Senator Mitt Romney, der eine Untersuchung des Kongresses in Aussicht stellt, nannte es 'einen Blutfleck auf den Annalen der Amerikanischen Geschichte'. Kritik, die sich auf die Vorstellung bezieht, dass die Kurden für ihre Niederschlagung des IS bei den USA etwas gut haben. Trump aber hat nie erkennen lassen, dass dies auch seine Vorstellung ist. Eher sieht es aus, als wären US-Kommandeure und Diplomaten Bindungen eingegangen, die Trumps Äußerungen widersprechen und die Kurden fälschlicherweise in Sicherheit wiegten … US-Truppen in Syrien dagegen glaubten an ihre Partnerschaft mit den Kurden und waren erschüttert über die Art und Weise, wie ihr Engagement endete. Die Frage ist, ob sie den Kurden einen schlechten Dienst erwiesen haben, indem sie ihnen vorenthielten, dass der Wille sämtlicher US-Institutionen durch einen präsidentalen Tweet augenblicklich außer Kraft gesetzt werden kann und dass so ein Tweet möglich war. Nirgends sind die Spannungen zwischen dem Weißen Haus und der US-Außenpolitik so sichtbar wie in Syrien. Fast jeder Kurde, den ich dort traf, unterschied zwischen dem US-Militär und seinem Oberbefehlshaber."

Weiteres: Adam Gopnik liest einige Bücher über die Geschichte des Kaffees. Naomi Fry umarmt die chaotische Seite des Zoomens. Amanda Petrusich stellt die Sängerin Brittany Howard vor. Vinson Cummingham porträtiert die Theaterautorin und Filmemacherin Kathleen Collins.

Magazinrundschau vom 07.04.2020 - New Yorker

Seit er nicht mehr Herausgeber der Literaturzeitschrift Granta ist, widmet sich Bill Buford mit Hingabe dem Kochen: Er hat als Küchensklave, Sous-Chef, Pastamacher und Metzgerlehrling gearbeitet. Und sich dann als als Brotbäcker-Lehrling in einer französischen Boulangerie verdingt. Davon erzählt er in der aktuellen Ausgabe des New Yorker: "Das Wort Baguette bedeutet 'Stock' oder auch 'Taktstock' und wurde zur Benennung des Brotes wahrscheinlich erst seit dem Zweiten Weltkrieg benutzt. Über die Definition des Baguettes gibt es lange Auseinandersetzungen. In meinem 'Larousse Gastronomique', einem Handbuch der Französischen Küche, von 1938 findet sich das Wort jedenfalls nicht. Davor gab es andere Bezeichnungen wie 'ficelle' (Schnur), 'flute' (Flöte) oder 'batard' (der Dicke, der Bastard). Es spielt keine Rolle: Es ist nicht der Name, der französisch ist, sondern die Form. Ein langes Brot hat mehr Rinde als ein rundes. Die Form bedeutet: Knusper. Als ich Baquettes machte, war ich erstaunt über die Mühe und die Ökonomie des Ganzen. Du ziehst ein kleines Stück Teig heraus, wiegst es auf einer alten Metallwaage, rollst es aus, gibst es zum Aufgehen in eine Form, schlitzt es, bäckst es und kassierst 1 Euro für deine Mühen. Der Schlitz wird mit einer Art Rasierklinge ausgeführt, eine Skarifikation, so leicht, dass es den Laib nicht zerdrückt. Ich hatte Schwierigkeiten, den Schlitz ohne Druck ausführen, ebenso beim Ausrollen des Teigs. Bob (der Bäcker, d. Red.) hatte so eine Art der Berührung drauf, leichter als Luft, er hinterließ nie einen einzigen Fingerabdruck."

Außerdem: Ariel Levy berichtet von einer Frau aus Virginia, die in Uganda unterernährten Kindern helfen wollte und jetzt wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht steht. Der Wissenschaftsjournalist Matthew Hutson schreibt über die Suche nach Virostatika, antiviralen Wirkstoffen. In einem Pandemie-Dossier vermutet Gary Shteyngart, dass wir uns schon recht lange auf das Leben in der häuslichen Isolation eingestimmt haben (weitere AutorInnen sind u.a. Edwidge Danticat, Rebecca Mead, Donald Antrim und Maggie Nelson). Peter Schjeldahl vermisst die alten Meister im Museum. Dan Chiasson liest Gedichte von Joyelle McSweeney. Und Dorothy St. Félix guckt auf Netflix "Tiger King".

Magazinrundschau vom 31.03.2020 - New Yorker

In der aktuellen Nummer des Magazins erläutert der Arzt und Autor Siddharta Mukherjee, wie sich das Coronavirus im menschlichen Körper verhält, und stellt Überlegungen zur viralen Exposition insbesondere des Pflegepersonals an: "Im weiteren Verlauf der Pandemie wird es möglich sein zu beantworten, wie die Intensität der viralen Exposition den klinischen Verlauf von COVID-19 beeinflusst … Wie wird das den Umgang mit Patienten, Krankenhäusern und der Bevölkerung verändern? Beginnen wir mit der Beziehung zwischen Expositionsintensität und Infektion. Wie behandeln wir Menschen, die mit Radioaktivität arbeiten? Mit Strahlendosimetrie quantifizieren wir die absolute Dosis und setzen Limits. Wir wissen, wie schwierig es für Ärzte und Schwestern ist, die Exposition mit Corona durch Schutzmasken, Handschuhe u.a. zu begrenzen. Aber bei denen, die an der Front der Pandemie arbeiten, vor allem da, wo es an entsprechender Ausstattung fehlt, müssen wir auch die absolute Expositionsdosis im Blick behalten, sodass ein Individuum nicht wiederholt mit hoch ansteckenden Patienten in Kontakt kommt. Das Verhältnis von Dosis und Krankheitsgrad kann andererseits den Umgang mit Patienten beeinflussen. Wenn wir Patienten, die einer hohen Virus-Dosis ausgesetzt waren, noch vor dem Auftreten von Symptomen identifizieren können, jemand der mit multipel erkrankten Familienmitgliedern zu tun hatte, oder eine Krankenschwester, die eine Reihe Patienten mit hoher Virusdosis betreut hat, könnten wir einen schweren Verlauf vorhersagen und im Fall von Ressourcenknappheit Prioritäten setzen, sodass solche Kandidaten früher, schneller, intensiver behandelt würden. Schließlich könnte die Betreuung von COVID-19-Patienten sich verändern, wenn wir anfingen, die Virenmenge zu zählen. Diese Parameter könnten im Labor einfach und kostengünstig in zwei Schritten festgestellt werden: Zuerst müssten infizierte Patienten identifiziert und dann die Virenmenge durch Nasen- und Rachenabstriche bestimmt werden, vor allem bei solchen, die mutmaßlich die höchste Behandlungsstufe erhalten. Viruenmenge und therapeutische Maßnahmen miteinander in Beziehung zu setzen, könnte zu neuen Strategien der Behandlung und der Quarantäne führen."

Außerdem: Elizabeth Kolbert zeigt, wie Pandemien die Menschheitsgeschichte beeinflusst haben. Jill Lepore vertieft sich in eine Geschichte der Einsamkeit. Jiayang Fan erzählt in einem Brief aus Yangquan, wie die sozialen Veränderungen in China auch das Sterben verändert haben. Rachel Aviv porträtiert die Butoh-Tänzerin Sharon Stern. Alex Ross besuchte die Premiere von "Sweet Land", einer Oper von Raven Chacon and Du Yun, in einem Park in Los Angeles. Sheila Heti wirft einen Blick in Tove Jonassons privates Universum. Hilton Als liest Gedichte von Carolyn Forché. Und Hua Hsu amüsiert sich mit Gute-Laune-Musik von Yaeji. Das tun wir jetzt auch:

Magazinrundschau vom 24.03.2020 - New Yorker

Im aktuellen Heft des Magazins untersucht David Denby die fesselnde Wirkung des nackten Harry Houdini: "Seine Fremdartigkeit, sein Ehrgeiz, seine Nacktheit und seine vor Freiheitspathos glühenden Triumphe faszinieren uns noch. Ein kleiner Kerl, der immer entkommt, er triumphierte in einer Zeit der Masseninhaftierungen, Massenmorde und der Folter und Auslöschung ganzer Völker. Wenige damals wie heute hielten seine Kunst für ein Wunder. Edmund Wilson nannte ihn 1928 einen disziplinierten Profi, ein 'kühnes, unabhängiges Wesen'. Auf der Höhe seiner Karriere war er so bekannt wie Chaplin und Valentino, beide wie er Immigranten, die sich neu erfanden, nur dass er dabei sein Leben riskierte … Wie viel von Houdini als gefesselter Schönheit mit all den Bondage-Anklängen war notwendige Bühnenshow, die unschuldig in Perversion kippte? Wie viel war bewusst eingesetzter Köder? An der Oberfläche war alles Unschuld: Frauen hatten zu den Nackt-Performances in Gefängnissen keinen Zutritt (Männer hatten natürlich keine lüsternen Gedanken). Houdini selbst scheint keine sexuellen Konnotationen beabsichtigt zu haben, vielleicht sollten wir auch keine vermuten. Der männliche Körper an sich ist nichts Außergewöhnliches. Außergewöhnlich ist, dass Houdini den nackten und gefesselten Körper zeigte. Man denkt an Michelangelos Sklaven-Skulpturen, die sich aus dem Stein zu befreien scheinen. Houdini formte seinen eigenen Körper und stellte die Vernichtung und Erneuerung dieses Körpers nach. Für viele personifizierte er die ultimative Erfolgsgeschichte des Immigranten, eine Art kleine Freiheitsstatue mit einem Paar Handschellen als Fackel. Er war der Außenseiter, der seinen Weg aus dem Nichts ins Licht der Öffentlichkeit macht. Er befreite den jüdischen Körper und weckte die verlorene Hoffnung auf einen anderen Exodus mit ihm als Anführer."

Außerdem: Adam Gopnik und Philip Montgomery berichten, wie New York dem Virus entgegentritt. Jill Lepore liest Epidemie-Literatur und stellt fest: Die Bedrohung ist nicht so sehr der Verlust von Menschenleben, aber der Verlust dessen, was uns zu Menschen macht. Peter Hessler schickt einen Brief aus der Quarantäne in China. Der Comickünstler Chris Ware zeichnet ein "pandemic special". Casey Cep erklärt, wie die Mormonen unter Joseph Smith die Demokratie herausforderten. Und Leo Robson liest Anna Kavan.

Magazinrundschau vom 17.03.2020 - New Yorker

Im aktuellen Heft des Magazins berichtet Jon Lee Anderson aus Bolivien und prüft die Popularität des exilierten Evo Morales und die der Interimspräsidentin Jeanine Ánez: "Nachdem ihm Wahlbetrug vorgeworfen worden war und der oberste Militär seinen Rücktritt gefordert hatte, floh Morales im November aus Bolivien. Seitdem ist das Land gespalten. Viel sprechen von einem Coup, ob von Morales selbst oder seinen Gegnern. Wer auch immer die Verantwortung trägt, es bedeutete das Ende einer von Lateinamerikas bemerkenswertesten Präsidentschaften … Das Präsidialamt übernahm Jeanine Áñez, eine 52-jährige ehemalige TV-Moderatorin, Mitglied der konservativen Opposition. Binnen zweier Tage wurde sie vom Militär im Amt bestätigt. Sie verärgerte die indigene Bevölkerung prompt, indem sie mit ihrer Gefolgschaft vor dem Präsidentenpalast eine überdimensionierte Bibel schwang und erklärte, die 'Bibel ins Amt zurückzuholen', und ein durch und durch weißes Kabinett bildete. Nach Protesten ernannte sie zusätzlich einen indigenen Minister, aber Morales' Loyalisten nannten sie von da an nur noch die 'gefärbte Frau' oder einfach 'die Hure' … Der Vorwurf des Wahlbetrugs und der Umstand, dass die Partei von Morales neue Wahlen ohne ihn akzeptierte, macht es schwer, seine Amtsenthebung als Coup zu verstehen. Añezs Verhalten macht es schwer, das nicht zu tun. Zusätzlich zur Gewalt aus den Reihen der Sicherheitskräfte stellte ihre Regierung in Aussicht, gegen 600 ehemalige Regierungsmitglieder Untersuchungen einzuleiten. Nach Angaben der UN wurden 160 Offizielle strafrechtlich verfolgt oder wegen Korruptions- oder Terrorismusvorwürfen inhaftiert. Im Januar rief Áñez zur Einigkeit auf und warnte davor, 'die Wilden zurück an die Macht zu lassen'."

Weitere Artikel: Geoff Dyer macht sich Gedanken über die psychischen Auswirkungen von Corona. Jill Lepore bangt um die Zukunft des Zensus in den USA. Emily Nussbaum trifft die äußerst sensible Singer-Songwriterin Fiona Apple. James Somers erklärt uns die Wissenschaft vom Schnee. Alex Ross hört Valery Gergiev den "Fliegenden Holländer" dirigieren. Atul Gawande liest Anne Cases und Angus Deatons Buch "Deaths of Despair and the Future of Capitalism". Und Anthony Lane sah im Kino Hirokazu Kore-edas "Die Wahrheit".

Magazinrundschau vom 10.03.2020 - New Yorker

Im neuen Heft des Magazins probiert John Seabrook den letzten Schrei aus - Stealth Streetwear, das perfekte Outfit für das Zeitalter der Überwachung: "Tom Goldstein, Professor für Informatik an der Universität von Maryland, zog seinen 'Tarnmantel' an. Der Mantel sah aus wie ein XL-Sweater aus glänzendem Polyester, bedruckt mit grellen Farben und unförmigen Figuren, das genaue Gegenteil von unauffällig. Es war Mitte Januar. Auf der Suche nach einem geeigneten Outfit gegen die allgegenwärtigen Überwachungskameras hatte ich den Zug von New York City nach College Park genommen. In der U-Bahn zwischen Brooklyn und Penn Station zählte ich 26 Kameras. Kommt man wie ich vom Land, gehört das Verschwinden in der Menge einer Großstadt zu den größten Freuden. Mit der zunehmenden Überwachung schwindet diese Anonymität. Kann Mode Abhilfe schaffen? … Goldsteins Tarnmantel biss sich mit dem Leopardenmuster meiner Faraday-Handytasche von Silent Pocket, die das Tracking meines Telefons verhindert. Als Luxusartikel unterschied sich der Tarnmantel von dem wunderbaren 'Jammer Coat', dem Prototyp eines Antiüberwachungsmantels, den ich bei Coop Himmelblau in Wien anprobiert hatte. Der Jammer Coat, ein knöchellanges, weiches Gewand mit fließenden Ärmeln, wie ein arabischer Thawb, ist mit einem metallischen Stoff gefüttert, der gegen Funkstrahlen abschirmt, und bedruckt mit Mustern, die Körperteilen ähneln, um Detektoren zu täuschen, die elektronische Objekte aufspüren sollen … Aber auch wenn dieser Tarnmantel noch nicht ganz fertig für den Laufsteg war, hatte er doch einen großen Vorteil gegenüber anderen Modeartikeln, die Überwachungsalgorithmen austricksen sollen - sein Schöpfer war selbst ein Algorithmus. Um ein ordentliches Tarn-Outfit zusammenzustellen, muss man wissen, wie die Technik arbeitet."

Außerdem: Peter Hessler schreibt über das Peace Corps in China. Dana Goodyear porträtiert den Künstler Jordan Wolfson. Emily Witt stellt den  Modedesigner Telfar Clemens vor. Peter Schjeldahl besucht die Gerhard-Richter-Retrospektive im Met Breuer. Daniel Mendelsohn liest den letzten Band von Hilary Mantels Tudor-Trilogie. Sarah Resnick liest Anne Enrights Roman "Actress". Und Alex Ross besucht das von Esa-Pekka Salonen zusammengestellte Festival "The Weimar Republic: Germany 1918-1933" in L.A..

Magazinrundschau vom 03.03.2020 - New Yorker

Im neuen Heft des Magazins berichtet Rivka Galchen, wie Südkorea sein Müllproblem in den Griff bekommt: "1995 führte Südkorea ein neues Müllentsorgungssystem ein. Recyclingmaterial wurde gratis abgeholt, aber für alles andere wurde eine Gebühr eingeführt, die sich nach der Müllmenge richtet. Ab 2006 wurde es illegal, Müll auf Halden abzuladen, und Mülltrennung wurde Pflicht. Die neue Verordnung wurde von Förderungen für die Recyclingindustrie begleitet. All das führte zu einer Verringerung organischer Abfälle pro Person und Tag um nicht ganz ein halbes Kilo. Der wirtschaftliche Gewinn der Maßnahmen soll auf lange Sicht in die Milliarden gehen. Die Einwohner Seouls können kompostierbare Tüten für Lebensmittelreste kaufen und diese in automatisierten Behältern vor ihren Wohnhäusern entsorgen. Die Behälter wiegen und berechnen nach Gewicht. In einem Modelwohnkomplex in Seoul demonstriert eine Frau die Funktionsweise des 'smart composting'. Der Behälter sieht aus wie eine Industriewaschmaschine mit einem heiteren aquamarinblauen Deckel und Instruktionen auf Englisch und Koreanisch. Sie zieht eine kleine Plastikkarte über den Scanner und der Deckel öffnet sich auf etwas unheimliche, langsame und geschmeidige Weise. Sie wirft den Müll hinein, das Gewicht wird angezeigt und der Deckel schließt sich wieder. Der ganze Komplex wirkt sauber und aufgeräumt wie eine Bushaltestelle. Eine durchschnittliche Familie kostet das Recycling ca. sechs Dollar monatlich. Dreizehn Tausend Tonnen Lebesmittelabfälle täglich werden entweder zu Kompost (30 Prozent), Tierfutter (60 Prozent) oder Biokraftstoff (10 Prozent)."

Außerdem: Andrew Marantz stellt Brad Parscale vor, den Mann hinter Trumps Social-Media-Kampagne. Alex Ross erinnert an deutsche Schriftsteller im Exil in Los Angeles während des Zweiten Weltkriegs. Hua Hsu hört Moses Sumney. Peter Schjeldahl besucht eine Donald-Judd-Retrospektive im MOMA. Idrees Kahloon liest Thomas Pikettys neues Buch "Capit", Adam Kirsch liest Aharon Appelfeld. Und Anthony Lane sah im Kino Giuseppe Capotondis "The Burnt Orange Heresy" und Corneliu Porumboius "La Gomera".

Magazinrundschau vom 25.02.2020 - New Yorker

Im neuen Heft des Magazins warnt Hannah Fry vor leichtfertigen Experimenten der Tech-Branche mit uns, den Usern: "Wahr ist, wir leben in einer Welt, in der alle möglichen Unternehmen dauernd versuchen, unser Verhalten zu kontrollieren.  Aber die Messages, die wir in der Pause beim Fußball sehen, sind nicht anhand persönlicher Daten allein für unser Auge algorithmisch kuratiert worden. Wir wollen in keiner 'Trueman-Show' leben. Was immer man über die Facebook-Studie denken mag (in der Usern kontrolliert positive bzw. negative Inhalte zugespielt wurden, um ihre Reaktionen zu testen, d. Red.), sie warf eine wichtige Frage zur Sorgfalt sozialer Experimente auf. Die Medizin hat das bereits hinter sich. Im frühen 20. Jahrhundert wurden medizinische Experimente ohne Regeln durchgeführt. Neben vielen guten Arbeiten gab es auch eine Reihe äußerst unethischer Studien, etwa die Experimente der Nazis oder die Syphilis-Experimente an den Tuskegees. Daher gibt es heute klare Regeln, die einen Konsens erfordern, sowie institutionelle Prüfverfahren, wann immer bei Experimenten Menschen als Subjekte involviert sind. Wir wissen, dass Wissenschaftler nicht immer die besten Bewerter ihrer eigenen Arbeit in dieser Hinsicht sind. Was also passiert, wenn Datenfachleute die Szene betreten? Sie führen Experimente an Menschen durch, aber ohne die lange Liste des Widerstands, der Empörung, der Skandale und ohne den prüfenden Blick und den ethischen Rahmen der Biomedizin."

Ferner: Jennifer Gonnerman schreibt über einen wiederaufgerollten Mordfall in Manhattan aus dem Jahr 1987. Nick Paumgarten besucht einen Psychotherapeuten, der sich auf die Bedürfnisse von Bergsteigern spezialisiert hat. Jonathan Blitzer berichtet, wie Trumps oberster Berater Stephen Miller den Rassismus weiter anheizt. Jonathan Dee liest James McBrides Roman "Deacon King Kong". Peter Schjeldahl besucht die große Ausstellung über die mexikanischen Muralisten im Whitney Museum in New York. Carrie Battan hört die Beach Bunnies. Und Anthony Lane sah im Kino Chris Sanders' Film "The Call of the Wild" mit einer Riege Hunde im Kino.

Magazinrundschau vom 11.02.2020 - New Yorker

Im aktuellen Heft des Magazins spricht Masha Gessen mit Judith Butler über ihr neues Buch "The Force of Nonviolence", in dem es Butler weniger um individuelle Moral geht (die ihr als Idee zu männlich ist) als um eine soziale Philosophie des Lebens: Bis heute denken wir, "dass individuelle Überlegungen den Kern moralischer Handlung ausmachen. Bis zu einem Punkt stimmt das auch, aber wir sind nicht kritisch genug mit dem Individuum. Ich würde die Frage nach Gewaltfreiheit gerne in eine Frage nach sozialer Verpflichtung umwandeln und erwägen, ob nicht die Erforschung von sozialer Relationalität Hinweise auf die Beschaffenheit eines anderen ethischen Rahmens vermitteln kann. ... Sozialpsychologen sind der Meinung, dass bestimmte soziale Bindungen durch Gewalt zusammengehalten werden, Gruppenbindungen zumeist, Nationalismus, Rassismus. Wenn du zu einer Gruppe gehörst, die Gewalt anwendet und spürst, das die Bindung untereinander durch diese Gewalt noch verstärkt wird, bedeutet das, dass die angegriffene Gruppe zerstör- und verzichtbar ist und deine Identität nur auf negative Weise zu der ihren in Relation steht. So wird ausgedrückt, dass bestimmte Leben wertvoller sind als andere. Wie sähe das Leben in einer Welt absoluter Gleichheit aus? Meiner Ansicht nach dürften wir uns in einer solchen Welt nicht gegenseitig umbringen oder Gewalt antun." Das gelte selbstverständlich auch für staatliche Institutionen: "Wir können über Grenzen und Haftanstalten als eindeutige Institutionen der Gewalt nachdenken."

Außerdem: Julian Lucas hinterfragt den Sinn von Reenactments historischer Traumata wie der Sklaverei. Lauren Collins berichtet über Zweifel an der Existenz der ältesten Frau der Welt. Joan Acocella stellt ein Buch vor, das das Leben Plinius des Jüngeren und dessen Bericht über den Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 behandelt. Ian Parker porträtiert den israelischen Historiker Yuval Noah Harari. Peter Schjeldahl wandert im New Museum durch die Ausstellung des Malers Peter Saul. James Wood feiert Daniel Kehlmanns Roman "Tyll", und Anthony Lane verreißt Cathy Yans Filmspektakel "Birds of Prey".