
In einem eher boshaften
Geburtstagsartikel zu "30 Jahren neue Philosophen" analysiert Aude Lancelin die frühen Erfolge
Andre Glucksmanns und
Bernhard-Henri Levys mit ihren antitotalitären Büchern als "entscheidende
fortschrittsfeindliche Wende einer ganzen Fraktion der französischen Intelligenzija". Lancelin erinnert auch an die furiosen Angriffe, die
Gilles Deleuze seinerzeit gegen die antitotalitären Nachwuchsdenker abfeuerte, und zitiert Glucksmanns Antwort: "Ja, mein lieber Gilles, der Gulag ist
kein Komma in einem Text von Kant! Der Gulag ist ein Kraftwort, ein
dicker Brocken, den wir damals der verblendeten französischen Intelligenzija in die Suppe warfen." Levy hat gerade "
American Vertigo" (Grasset,
hier), veröffentlicht, Reisetagebuch und zugleich Versuch, ein Bild der USA nach dem 11. September zu entwerfen, und Glucksmann den Erinnerungsband "Une rage d?enfant" (Plon,
hier). Zu
lesen ist außerdem ein Bericht über
Levys Auftritt bei diversen öffentlichen Veranstaltungen während seiner USA-Reise.
In der
Titelgeschichte werden die "Lehren" diskutiert, die aus der Entführung, Folterung und
Ermordung des jungen jüdischen Franzosen
Ilan Halimi durch eine Jugendbande zu ziehen seien. Die Verortung des "barbarischen Verbrechens" arbeitet sich in Frankreich an den Themenfeldern "Supergewaltbereitschaft von Banden", "unmenschliche Städte", "Kultur des Hasses" und "Verharmlosung des Antisemitismus" ab.
Weiteres: Im Debattenteil sind
Auszüge aus einem Katalogbeitrag zu lesen, den der Schriftsteller
Abdelwahab Meddeb ("La Maladie de l'islam", Seuil) für die demnächst in der Bibliotheque Nationale eröffnende Ausstellung "Lumieres!" geschrieben hat. Darin erklärt er, wie die
islamische Welt im 19. Jahrhundert der
Aufklärung begegnete und warum sie selbst deren Ideen nicht übernahm. Der Nouvel Obs-Mitarbeiter Jean-Louis Ezine
hofft in einem offener Brief an den Philosophen
Michel Onfray, dass sein Projekt einer "Contre-histoire de la philosophie" (Editions Grasset), von dessen sechs angekündigten Bänden die ersten zwei gerade erschienen sind, "
nur lustig gemeint sei". Zwei Rezensenten
erörtern schließlich das Für und Wider des neuen Romans "Villa Amalia" von Goncourt-Preisträger
Pascal Quignard.