Le Point bringt ein umfangreiches bisher unveröffentlichtes
Interview mit
Michel Foucault (
mehr), das der Philosoph und Journalist
Roger-Pol Droit im Juni 1975, einige Wochen nach der Veröffentlichung von "Überwachen und Strafen", mit ihm geführt hat. Darin spricht Foucault - was er selten getan hat -
über sich selbst, seine Ziele und seine intellektuelle Entwicklung. Zu Beginn des Gesprächs erklärt er, warum er sich weder als Historiker, noch als Philosoph bezeichnen möchte. Er sehe sich stattdessen eher als
"Feuerwerker". "Ich stelle etwas her, das letztlich einem Krieg dient, einer Zerstörung. Ich bin nicht für Zerstörung, aber ich bin dafür, dass man weiterkommen, vorankommen, dass man
Mauern einreißen kann. Ein Feuerwerker ist zunächst Geologe. Er betrachtet die Beschaffenheit des Geländes, die Falten, die Risse. Was ist einfach auszuhöhlen? Was wird widerstehen? Er beobachtet, wie die
Festungen errichtet sind. Er prüft die Profile, die man als Versteck benutzen kann, oder dazu, einen Angriff zu unternehmen. Sobald all das genau markiert ist, bleibt noch das Experimentieren, das Tasten. Man schickt Kundschafter aus, postiert Wachen und verschafft sich Informationen. Dann legt man die
Taktik fest, mit der man operieren möchte. Ist das eine Grube? Eine Falle? Ein Minenloch oder ein direkter Angriff?
Methode ist letztlich nichts anderes als diese
Strategie." Von Droit erscheint aus Anlass des 20. Todestages Foucaults außerdem in der Edition Odile Jacob ein kleiner Band über ihn.
Zu lesen ist des weiteren ein
Porträt des Philosophen
Paul Ricoeur (
mehr), der zwei neue Bücher vorlegt ("Parcours de la reconnaissance", Stock und "Sur la traduction", Bayard), und der Schriftsteller
Michel Tournier ("Der Erlkönig",
mehr)
würdigt Immanuel Kant anlässlich seines 200. Geburtstags. Und in seinem "Notizblock"
verteidigt Bernard-Henri Levy den europäischen Verfassungsentwurf gegen die scharfen Angriffe des sozialistischen Politikers
Laurent Fabius.