
Michael Lind ist
davon überzeugt, dass der Ökonom
Ha-Joon Chang mit seinem Buch
"Kicking Away the Ladder" das "
wichtigste Buch der letzten Jahre zum Thema
Weltwirtschaft" geschrieben hat. Für Chang sei "das
Scheitern der globalen freien Marktwirtschaft in der Hilfe für Entwicklungsländer kein Zufall gewesen". Im Gegenteil, "die Regeln der Weltwirtschaft sind so gestaltet, dass den armen Ländern nicht geholfen wird, eine moderne Wirtschaft zu entwickeln, und anstattdessen die
Privilegien der jetzt
führenden Industrieländer gestärkt werden. Die USA und andere fortgeschrittene Industriestaaten sind nicht nur
egoistisch, sondern
scheinheilig. Sie verweigern den Entwicklungsländern genau die Methoden, die sie in der Vergangenheit benutzt haben, um
wirtschaftliche Supermächte zu werden." Würde dieses Argument von einem typischen links denkenden Globalismus-Kritiker stammen, könnte man es getrost überhören, so
Prospect - doch Chang hat selbst unter anderem als Berater der
Weltbank und der Asiatischen Entwicklungsbank gearbeitet.
Die Taliban stehen mit ihrer
Dämonisierung des Fernsehens nicht allein,
stellt Bella Thomas in einem sehr interessanten und skurrilen "Special Report" fest. In der oft gestellten Frage, wie
Fernsehzuschauer in armen Ländern mit dem umgehen, was sie zu sehen bekommen, schwinge immer die Behauptung mit, dass "die Armen - anders als die schlauen Reichen - das, was sie sehen,
pauschal aufsaugen". Im Gegenteil, die auf diesem Gebiet durchgeführten Studien belegten, dass in die
Wahrnehmung immer auch die
eigene Erfahrung einfließt und diese zu großen Teilen mitbestimmt. Eine Studie über
holländische Dallas-Fans habe gezeigt, "dass ihr Spaß an der Show sich mit ihrem Bewusstsein, was deren ideologischen Inhalt betrifft, beißt. In einer
Studie über 42 Anhänger der Ewing-Saga, kam heraus, dass jeder seine eigene Beziehung zur Serie hatte: Liebe zu Pamela,
übertriebene Kleider, die amerikanischen Städte,
JRs Schrecklichkeit, mit Amerika in Berührung zu sein, der enge Familienkreis, die 'Wahrscheinlichkeit" der Serie, die
'Unwahrscheinlichkeit' der Serie." Es sei eben doch nicht so einfach. "Also kann uns Fernsehen in vielerlei Hinsicht beeinflussen, und in keiner. Wir sollten uns daran erinnern, wie
Virginia Woolf es ausgedrückt hat, dass jedes Individuum aus
mindestens 28 Ichs besteht. Fernsehen schafft lediglich ein
neunundzwanzigstes."
Weitere Artikel: Andrew Brown
porträtiert Bill Hamilton, "den größten
Evolutions-Denker des späten 20. Jahrhunderts". Edward Marriott, selbst Verfasser von Reisebüchern,
beteuert, dass die schon so oft totgesagte
Reiseliteratur sich bester Gesundheit erfreut. In einem
Gespräch fragen sich verschiedene Persönlichkeiten aus dem britischen Universitäts-Milieu, ob Großbritannien
Weltklasse-Universitäten hat und braucht, und ob
Studiengebühren eingeführt werden sollen. Zuletzt gibt es ein paar Fakten:
Hitler war 1938 für den
Friedensnobelpreis nominiert worden und nächstes Jahr werden die Russen voraussichtlich zum ersten Mal
mehr Bier als Wodka kaufen.