
Würde
Putin häufiger ins Netz schauen, würde ihm vielleicht dämmern, dass seine markigen
TV-Auftritte, in denen er sich etwa mit der
Schlange Kaa aus dem "
Dschungelbuch" vergleicht, die ihre Opfer hypnotisiert und dann erwürgt, die prosperierende russische
Satireszene überhaupt erst
befeuern,
findet Rachel Polonsky. Insbesondere die Theatertruppe "
Citizen Poet", die einerseits klassisch auf Bühnen spielt, andererseits aber auch jeden Montag
ihren YouTube-Kanal mit Videos über die aktuellen Fehlleistungen der politischen Kaste füttert (
hier die Reaktion auf Putins Schlangenrhetorik), hat es der Autorin dabei angetan. Die Auswirkungen sieht man auf der Straße: "Wie die Dinge sich ändern: In diesem Winter war der beliebte
Buchladen auf der Tverskayastraße in
Moskau, der früher Putinporträts verkaufte, voll mit den Werken der Leute an der Spitze des Protests:
Boris Akunin, der Journalist
Leonid Parfyonow und die Romanautorin
Ludmilla Ulitskaya. ... Im Fenster lag das Buch und die DVD von 'Citizen Poet' aus, vorne drauf
Jefremow, der, verkleidet als der absurdistische Schriftsteller
Daniil Kharms, anarchisch unter seinem kitterigen Hut hervorgrinst. Von Putin keine Spur."
Weiteres: Jane Shilling
macht sich angesichts stapelweise angehäufter persönlicher Korrespondenz, die sie den Flammen zu überantworten denkt, Gedanken über die Unterschiede zwischen
Papier-
und Netzkorrespondenz. John Gray
empfiehlt von Herzen
John Lanchesters neuen Roman "Capital". Sam Leith
fragt sich ernsthaft, ob orangefarbene
Paprika es wirklich verdient haben, an der Spitze menschlicher Erfindungskraft zu stehen. Ian Irvine
sammelt literarische Zeugnisse zum
Schaltjahrtag. Und würde
David Sedaris über die Welt
herrschen, brächen gute Zeiten für
Jesus Christus, unseren gepriesenen Herrn, an.