La Toussaint rouge, historische Seite 1 des Journal d"AlgerHeute vor sechzig Jahren begann mit Attentaten des FLN (
"La Toussaint rouge") der
Algerienkrieg.
Benjamin Stora, einer der wichtigsten Historiker dieses Konflikts,
konstatiert in
huffpo.fr nach einer langen Zeit der Verdrängung eine Art
Overkill des Gedenkens an diesen Krieg. Aber jede Gruppe - die
Algerier in Algerien, die "
Harkis" (also Algerier, die auf der französischen Seite waren und nach Frankreich gingen), die "
Pieds noirs" (also Algerien-Franzosen, die ebenfalls nach Frankreich gingen) - erinnert sich anders: "Es bleibt nur, die Arbeit der Geschichtsschreibung fortzuführen, den Historikern jeder Seite mehr Platz zu geben, ohne den
Tyrannismus bestimmter Versionen einzelner Gruppen nachzugeben. Genau darum muss jeder einzelne Standpunkt in dieser langen Geschichte wiedergegeben werden."
Die ruandisch-französische Autorin
Scholastique Mukasonga (
"Die heilige Jungfrau vom Nil")
spricht im
taz-Interview mit Carla Baum über den
Genozid in ihrem Land, dem viele in ihrer Familie zum Opfer vielen. Ein Hauptfaktor ist für sie die Vorgeschichte: "Die
Kolonialgeschichte hat eine wichtige Rolle gespielt, denn die Belgier haben die Spaltung zwischen Hutu und Tutsi ja überhaupt erst geschaffen. Ab 1930 stand in jedem Pass "Hutu" oder "Tutsi". Während des Genozids haben die Ausweise für die Organisation der Tötungen eine große Rolle gespielt. Als Schriftstellerin interessieren mich diese Ursachen des Genozids. Deshalb spielt die Kolonialzeit auch in meinem Roman eine große Rolle. Sie war in den 1970er Jahren zwar vorbei, aber wurde fast nahtlos durch die
Entwicklungszusammenarbeit ersetzt."
Außerdem: In der
Welt verbeugt sich Robert Schopflocher vor
Henriette Herz, die in diesem Jahr 250. Geburtstag hat und in Berlin einen
toleranten und vielfältigen Salon führte. Und im
Guardian feiert Timothy Garton Ash die Eröffnung des Jüdischen Museums in Warschau.