Der vor achtzig Jahren geschlossene
Hitler-Stalin-Pakt werde bis heute in der Geschichtsschreibung unterschätzt und löse ein eigenartiges Unbehagen aus,
schreibt die Historikerin (und
Autorin zum Thema)
Claudia Weber in der
NZZ, als sehe man den Krieg lieber als die Konfrontation zwischen Nazis und Kommunisten, die dem Pakt folgte: Aber "der Hitler-Stalin-Pakt
gehört in die Mitte des europäischen Kriegsgeschehens. Denn das 'Dritte Reich' besetzte Frankreich, die Benelux-Staaten und Teile Skandinaviens im Frühjahr 1940 während und aufgrund des Bündnisses mit Moskau. Die sogenannten Blitzkriege und der aus ihnen hervorgehende Mythos von der deutschen Unbesiegbarkeit wären ohne den Pakt, der einen Zweifrontenkrieg verhinderte,
nicht möglich gewesen."
Rudolf Hermann
erinnert in diesem Kontext an die
Menschenkette von Tallinn bis Vilnius, mit der die baltischen Länder am 23. August 1989 - also lange vor dem Mauerfall - an den Pakt erinnerten.
Frank Herold
macht im
Tagesspiegel klar, dass sich die Zeitgenossen der
vollen Katastrophe des Paktes noch nicht einmal beewusst waren: "Was zu diesem Zeitpunkt außerhalb des Kremls und der Berliner Schaltzentralen niemand weiß: Dies ist nicht bloß ein Nichtangriffspakt zwischen zwei Staaten, wie es ihn zu diesem Zeitpunkt einige in Europa gibt. Das ist nur der offizielle Teil. In einem
geheimen Zusatzprotokoll enthält der Hitler-Stalin-Pakt faktisch die Verabredung zur
Vernichtung Polens und der
baltischen Staaten sowie zur Teilung Osteuropas in geopolitische Interessensphären."
Der Hitler-Stalin-Pakt war nicht die erste Manifestation
deutsch-russischer Zugetanheit - und nicht die letzte,
schreibt Richard Herzinger in der
Welt: "Die Furcht, man könne Moskau provozieren, führte die Bundesregierung etwa dazu, 2008 die von den USA gewünschte Aufnahme Georgiens und der Ukraine in das Militärische Aktionsprogramm der Nato zu torpedieren. Der Kreml beantwortete dieses
vorauseilende Entgegenkommen mit der
Invasion Georgiens 2008, mit der Krim-Annexion 2014 und dem verdeckten Einmarsch in die Ostukraine im selben Jahr."