Die
Zeit widmet in ihrem Feuilleton mehrere Seiten dem
Widerstand gegen Hitler. Christian Staas überlegt, warum sich die Deutschen mit den Widerständlern immer noch
so schwer tun: "Bis heute gerät auf schwankenden Boden, wer den 20. Juli mit dem demokratischen Selbstverständnis der Bundesrepublik in Einklang bringen will - auch wenn es ein schöner Gedanke ist, den Linda von Keyserlingk-Rehbein äußert: dass allein schon in der
breiten Allianz, die sich im Kampf gegen Hitler zusammenfand,
etwas Demokratisch-
Pluralistisches liegt. Doch sowenig sich der 20. Juli als ein 'Aufstand der Junker' abtun lässt, so wenig will er zu
modernen Demokratie-Vorstellungen passen. Dass er den Deutschen keine Ruhe lässt, hat auch damit zu tun. Aber warum sollten sie mit dieser Geschichte zur Ruhe kommen?"
Karl Heinz Bohrer hat eine andere Erklärung: "Nicht umsonst ist zu hören, es gebe in Berlin keine Gesellschaft mehr, weil das jüdisch-intellektuelle, aber auch das
aristokratische Element fehle. Dazu hatten Ironie, Aggressivität, aber auch
Pathos und Allüre gehört. Bei Figuren wie Adam von Trott zu Solz, Helmuth James von Moltke oder Peter Yorck von Wartenburg ist dieser
privilegierte kulturelle Stil besonders auffallend und distanzheischend."
Außerdem: Die
Zeit-Redakteure Elisabeth von Thadden, Jens Jessen und Maximilian Probst, alle drei mit Widerständlern verwandt, unterhalten sich über den
Wert von Erinnerungen.
In der
taz erzählt Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, in einem Essay von der Ablehnung und
Ignoranz, die die Bundesrepublik dem Widerstand entgegenbrachte: "Die nationalsozialistische 'Rechtsprechung' galt in vollem Umfang weiter. Der Deutsche Bundestag konnte sich
erst 1998 dazu entschließen, die Urteile des 'Volksgerichtshofs'" und der Sondergerichte aufzuheben. Und erst 2002 hob das deutsche Parlament die Urteile der Militärjustiz auf, erst 2009 auch die Urteile wegen sogenannten Kriegsverrates - einer von den Nationalsozialisten eingeführten Norm, die immer weiter ausgeweitet wurde." Tuchel berichtet auch, wie die AfD, Pegida und ihre Postillen sich des 20. Juli bemächtigen wollen.
Interessant liest sich in diesem Zusammenhang der
taz-
Artikel der Historikers Sven Deppisch, der darlegt, wie wichtig es sei, dass sich
heutige Polizeischüler mit der Geschichte ihrer Institution im Nationalsozialismus auseinandersetzen.