Im Interview mit der
SZ weist die Schriftstellerin
Arundhati Roy darauf hin, dass es den bürgerlichen Kreisen in den Großstädten auch in der Corona-Krise noch gut geht. Ganz anders "die
Arbeiterklasse, die
Arbeitsmigranten", von denen es in Indien fast fünfeinhalb Millionen gibt und die jetzt wegen der Ausgangssperren
ihre Arbeit und damit auch ihre Unterkünfte verloren haben: "Sie hatten buchstäblich keinen Ort mehr, an den sie hätten gehen können. Es gab keinen öffentlichen Nahverkehr mehr, also haben sie sich auf den
langen Marsch in ihre Dörfer aufgemacht, die Hunderte Kilometer entfernt liegen. Es war ein unfassbarer Anblick. Die Polizei hat sie geschlagen und gedemütigt, weil sie sich nicht an die Ausgangssperre hielten. Das waren Hunderttausende Menschen. Die Ausgangssperre, die eigentlich eine soziale Distanzierung erreichen sollte, führte hier zu einem physischen Zusammenpressen von Menschen."
Wirklich traditionell ist der
Verzehr von Pangolinen und ähnlichen Wildtieren in China nicht, sagt der in Houston lehrende chinesische
Tierschützer Peter Li im Gespräch mit Livia Gerster in der
FAS: "Der Handel mit wilden Tieren kam erst in den letzten vierzig Jahren auf. Die Händler behaupten, das Fleisch des Pangolins
mache potent, und seine Schuppen heilten Krankheiten. In China sind die Tiere mittlerweile
so gut wie ausgestorben. Nun werden sie aus Südostasien und sogar aus Afrika ins Land geschmuggelt und dann für
horrende Preise in Restaurants angeboten. Die Industrie hinter der traditionellen chinesischen Medizin bewirbt nicht nur Schuppen, sondern auch Bärengalle, Leopardenknochen, Tigerpenis und Elefantenhaut als Wundermittel. Nichts davon hat eine wissenschaftliche Grundlage. China braucht diese
Pseudomedizin nicht, aber leider lassen sich viele von den Profiteuren einlullen."
In der
SZ schickt Felwine Sarr Impressionen aus dem stillgelegten
Dakar und stellt fest, dass es für die
globalisierte Oberschicht ungewöhnlich ist, nicht zu wissen was kommt, keine Pläne und Termine machen zu können. "Für andere, und das ist die Mehrheit, war das Morgen immer
gefärbt von Ungewissheit. Es brachte seinen Teil an Herausforderungen und plötzlichen Engpässen, manchmal Überraschungen und Tröstungen. Die ungewissen Zukunftstage, man lernte und wusste mit ihnen zurechtzukommen. Man zähmte die Zeit durch eine Runde Tee, durch das Netz einer Unterhaltung, die sie in einen Ort gehobener Qualität veredelte."
Wie ein Rohrspatz
schimpft Autor
Ulf Erdmann Ziegler in der
taz über
all die Zwangsmaßnahmen, die der Staat seinen Bürgern zumutet, und dann auch noch föderal unkoordiniert: "In Berlin darf man einen Buchladen offenhalten; in Hessen durfte der Buchhändler wochenlang die Bücher nicht einmal einzeln zur Tür herausreichen, aber durchaus einen Boten in mein Treppenhaus schicken. Wo endet die Für- und Vorsorge, und wo beginnt
die Willkür?