"Wir wählen den
wirtschaftlichen Suizid, um zu verhindern, dass
einzelne betagte Menschen das Zeitliche einige Jahre früher segnen, als es unter normalen Umständen zu erwarten wäre",
ätzt der Jurist und Unternehmer Georges Bindschedler ganz schamlos im
NZZ-Feuilleton: "Das
Notrecht dient kurzfristig allen Politikern, alle wollen die Gunst der Stunde und das Notrecht für ihre
Zwecke ausnutzen und missbrauchen: die Gutmenschen, die Bürgerlichen, die Grünen, die Roten. Das Notrecht wird nie wirklich aufgehoben, seine 'bewährten' Teile werden ins 'ordentliche' Recht übergeführt, und die
Regelungsdichte wird erhöht, was dann euphemistisch als Ausstieg aus dem Notrechtsregime bezeichnet wird."
Kurzfristig wird uns der Verlust vieler Menschen schmerzen, aber langfristig wird uns das "soziale und ökonomische Chaos länger beschäftigen",
sekundiert die Ökonomin Xenia Tchoumi ebenfalls im
NZZ-Feuilleton. Und wo sind eigentlich die Soziologen, wenn man sie braucht?,
fragt Urs Hafner in der
NZZ. Unter dem Zeitdruck konnte die
Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen kaum geprüft werden, verteidigt Andreas Zielcke in der
SZ die Entscheidungen der Regierung, die teils als
verfassungswidrige Eingriffe in die Freiheitsrechte kritisiert wurden: "Von den Gerichten, die sich bereits mit Eilanträgen gegen die Sperrmaßnahmen befassen mussten, hat sich bisher keines die fundamentale Kritik zu eigen gemacht, auch nicht in
Karlsruhe."
Die
Lockerungen kommen zu früh,
schreibt Florian Schumann in einer unaufgeregten Analyse auf
Zeit Online. "Es ist auch gut möglich, dass der Spielraum, den wir jetzt haben, zu klein ist. Dass die
zweite Welle kommt, sie uns wieder in Quarantäne zwingt und sie vielleicht größer wird als die erste. In jedem Fall werden wir nicht nur Geduld brauchen, sondern weiter auch Solidarität. Doch auch die scheint zu bröckeln, jetzt, wo
Branchen streiten, warum die einen öffnen dürfen, während andere in den Ruin steuern."
Mit jedem Tag, der vergeht, "
frisst" die Pandemie
Frauenrechte, konstatiert Jagoda Marinic in der
SZ, Bildungschancen von Mädchen in ärmeren Ländern sind in Gefahr, der
Gender Pay Gap vertieft sich, das öffentliche Leben scheint "vermännlicht", schreibt sie. Zwar sterben am Coronavirus doppelt so viel Männer wie Frauen. Aber "
weibliches Krankenhauspersonal stirbt 2,7 mal so häufig wie männliches, weil es oft Frauen sind, die direkt am Patienten arbeiten."