Wir haben auch in Deutschland ein
Klima der Einschüchterung durch Islamisten entstehen lassen, dass tief in die Gesellschaft und vor allem in die Schulen eingedrungen ist,
fürchtet in der
FR der Dresdner Philosophieprofessor
Markus Tiedemann. Das liegt für ihn auch an einem akademischen Diskurs, der Lehrer sofort unter Rassismusverdacht stellt, wenn sie Probleme ansprechen. "
Konfliktscheu oder Gleichgültigkeit sind keine Toleranz. ... Kulturelle Überzeugungen und Lebensformen zu dulden kann viele Gründe haben. Zu diesen zählen auch Ignoranz, Gleichgültigkeit oder die Überzeugung, dass der Andere eine intellektuelle Auseinandersetzung
nicht verdient oder gar genetisch dazu nicht in der Lage sei. Wer beispielsweise behauptet, gewisse Teile der Bevölkerung seien
einfach noch nicht reif dafür, mit Religionskritik konfrontiert zu werden, argumentiert ähnlich wie das
Apartheidsregime in Südafrika. Damals hieß es auch, die Schwarzen seien eben noch nicht in der Lage, mündige Staatsbürger zu sein."
Die Islamisten hassen den
Laizismus besonders, weil er
gerade auch für Muslime attraktiv ist,
meint der französische Philosoph
Pascal Bruckner in der
NZZ. "Die Republik bietet jedem Gläubigen, sei er Christ, Jude, Buddhist oder Muslim, die Möglichkeit, seinen Glauben zu leben. Und sie lässt jedem die Freiheit,
seinen Glauben aufzugeben oder einen neuen anzunehmen (wobei islamische Organisationen in Frankreich die Apostasie weiterhin als Verbrechen verstehen). Jedem Anhänger des Islam steht hier demnach die Option offen, Religionsfragen nunmehr
mit Gleichgültigkeit zu begegnen: eine
schreckliche Perspektive für all jene, die sich eine Welt wünschen, in der sich die Menschen Riten unterwerfen und sie Tag und Nacht befolgen. Aus laizistischer Warte umfasst der Schutz von Minderheiten vor allem auch ein fundamentales Recht
für jedes Individuum: Es soll sich von Traditionen zurückziehen dürfen, ohne Schaden zu nehmen, es soll sein eigenes Schicksal schmieden können und das Recht haben, den Glauben der Eltern aufzugeben oder sich einer neuen Religion zuzuwenden."
Deutsche Journalisten wie Patrick Bahners (allerdings nur
auf Twitter) fürchten eine "Überhöhung des
Laizismus zur Superreligion". Eine Gruppe
muslimischer Intellektueller in Frankreich hatte dagegen am Samstag ihre
Unterstützung für die
Idee des Laizismus bekannt: "Die politische und religiöse Ordnung sind in Frankreich
getrennt, bei vollem Respekt für die Grundrechte der Bürger. Die Unterscheidung dieser beiden Ordnungen erlaubt es, sowohl die Transzendenz der Gläubigen zu respektieren als auch die Ansprüche einiger einzuschränken, die glauben, für Gott zu sprechen (und darum mit ihm konkurrieren)."
Als Ursache für den Hass der Islamisten auf Europa macht
Ahmad Mansour das komplette Versagen fast der ganzen muslimischen Welt vor den
Herausforderungen der Moderne aus: "Zum weltweiten Wettbewerb können die Wissenschaften kaum viel beitragen, und Versuche der Demokratisierung, etwa während des Arabischen Frühlings, scheinen sämtlich gescheitert. Perspektivlosigkeit, Armut und Bürgerkriege treiben viele junge Menschen aus dem Land. Wohin? In den
doch so verhassten Westen. Gegen diese erneute Erniedrigung wird oft eine 'muslimische Identität' mobilisiert, die keinen Zweifel zulässt und Stärke und Selbstbewusstsein suggeriert im inneren Wettbewerb mit 'dem Westen' - dem man
längst angehört."
Außerdem: In der
Welt denkt
Byung-
Chul Han über Liberalismus und Gemeinsinn im Westen und in Asien nach.