9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.10.2020 - Ideen

Es gibt noch eine andere Linke in Amerika als jene, die allein auf Differenzen und Identitäten setzt (und sie mit peniblen Kategoriensystemen in Social-Justice-Theorien wie Gender oder Queer Studies definiert), nämlich diejenige Linke, für die der übliche Verdächtige "Neoliberalismus" heißt. Sie organisieren sich bei den "Democratic Socialists of America (DSA)", einer immer einflussreicheren Organisation. Zu ihren Repräsentantinnen gehören Alexandria Ocasio-Cortez oder die Israelkritikerin Ilhan Omar, erklärt Thomas Assheuer in einem lehrreichen Hintergrundartikel in der Zeit. Und auch die Philosophin Nancy Fraser zählt dazu. Für sie ist der "Neoliberalismus" "jene unheilige Allianz aus Marktradikalen und Kulturlinken, die in den Neunzigerjahren von Bill Clinton geschmiedet worden sei. Clinton habe das Versprechen von Freiheit und diversity benutzt, um seiner neoliberalen Politik den Charme des gesellschaftlichen Aufbruchs zu geben. Ohne Rückgriff auf den Feminismus ('mehr Frauen in Vorstandsetagen'), ohne den spirit von Antirassismus und Multikulti, von Lesben- und Schwulenbewegung, kurz: ohne die Verheißung von ethnischer Vielfalt, empowerment und Aufstieg ('Streng dich an, dann schaffst du es') wäre es Clinton niemals gelungen, den Markt von der Kette und das Herz der Wall Street höher schlagen zu lassen - der Widerstand in der Bevölkerung wäre zu groß gewesen." Vielleicht ist es ja auch die Spaltung der Linken in diese beiden gleich gaga Fraktionen, die Trump erst ermöglichte?

Gesellschaft ist keine Organisation, obwohl alle, die davon träumen sie zu ändern, sie wie eine Organisation behandeln wollen, schreibt Armin Nassehi in der FAZ. Von Belang ist diese Einsicht in Bezug auf die Bekämpfung von Corona und die Frage, wie durchsetzbar Maßnahmen sind: "Politische Liberalität hat sich in der europäischen Denkgeschichte vor allem als Schutzrecht gegenüber dem Staat durchgesetzt - wenn man so will: gegen die Organisierbarkeit der Gesellschaft. Sie musste Organisationen erfinden, um koordiniertes Verhalten trotzdem etablieren zu können: die Fabrik ebenso wie die Verwaltung, das Unternehmen ebenso wie Bildungsinstitutionen. Das Selbstbild des 'Gesellschaftlichen' dagegen ist Freizügigkeit in dem Sinne eines möglichst wenig programmierbaren Verhaltens."  Christian Rath kritisiert unterdessen in der taz, dass die neusten Corona-Maßnahmen wieder Grundrechte einschränken - unter den Augen "schläfriger Parlamente".

In der NZZ kann der Philosoph Maurizio Ferraris über jene Kollegen nur den Kopf schütteln, die Coronamaßnahmen wie das Tragen von Masken oder das Einschränken des Versammlungsrechts kritisieren: "Jeder, der es möchte, kann dem eigenen Leben ein Ende setzen (…). Niemand hat jedoch das Recht, einen Infektionsherd zu bilden." Und weiter: "Die Philosophen, die sich gegen die Maskenpflicht auflehnen, bilden eine homogene Gruppe. Sie schreiben allesamt dem Neoliberalismus jene Eigenschaften zu, die in der McCarthy-Ära dem Kommunismus vorgeworfen wurden: Sie sprechen mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit von fortschreitender Verwüstung, von Nihilismus und Herrschaft der Technik, als würden wir noch im 19. Jahrhundert leben."

Ebenfalls im NZZ-Feuilleton rät die Neurowissenschaftlerin Rebecca Böhme dazu, die Zeit der Kontaktbeschränkungen zu nutzen, indem wir "unseren eigenen Berührungsbedürfnissen nachspüren, diese zulassen und uns selbst diese erfüllen." Viel retweetet wird eine Visualiserung von Ansteckungsgefahren durch Corona in der englischsprachigen Ausgabe von El Pais.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.10.2020 - Ideen

Yuval Noah Harari  ist inzwischen so bedeutend, dass er gar nicht mehr von einzelnen Zeitungen, sondern von Konsortien interviewt wird. In der Welt erscheint ein Gespräch einer europäischen Zeitungsallianz, in dem der Interviewer nicht mal genannt wird. Harari fürchtet unter anderem, dass die Coronakrise bestimmte Tendenzen in den Gesellschaften verschärfen wird: "Die größte Gefahr von Covid-19 liegt im wirtschaftlichen und politischen Bereich, nicht im medizinischen. Die Folgen der Pandemie könnten katastrophal sein, und das über einen langen Zeitraum hinweg. Sie könnten ganze Regionen zusammenbrechen lassen, etwa Südamerika, und neue Überwachungstechnologien begünstigen. Länder, die an sich über die Rechte ihrer Bürger wachen, legalisieren jetzt ihren Gebrauch. Es könnte sein, dass man sich in fünfzig Jahren weniger an das Virus erinnert, als an den Moment, als die Überwachung aller durch die Regierung begann."

Unsere Kultur ist tot, ruft Giorgio Agamben in der NZZ. Das beweisen ihm die Reaktionen auf die Coronakrise: "Eine Kultur, die sich am Ende weiss, ohne jegliches Leben, sucht ihren Ruin durch einen permanenten Ausnahmezustand so weit wie möglich zu beherrschen. Die totale Mobilmachung, in der Ernst Jünger den Wesenszug unserer Zeit sah, ist in dieser Perspektive zu sehen. Die Menschen müssen mobilisiert werden, sie müssen sich jeden Moment im Notstand fühlen, der bis in kleinste Einzelheiten von denen geregelt ist, die über die Entscheidungsmacht verfügen. Während früher die Mobilmachung das Ziel hatte, die Menschen einander näherzubringen, zielt sie jetzt darauf ab, sie voneinander zu isolieren und zu distanzieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.10.2020 - Ideen

In der SZ versteigt sich Andrian Kreye zu der These, Donald Trump sei Punk: "Die Pop-Parallele zu Trumps Sprachmängeln, die er bei seinen Auftritten wie Powerakkorde einer Anti-Rhetorik einsetzt, ist der Stolz, mit dem Punk-Gitarristen die 'Three Chords and the Truth'-Haltung vertraten. Zu einer Zeit, in der Rockstar-Millionäre ihre Virtuosität mit Soli demonstrierten, die bis zu eine Viertelstunde dauerten, war die Rückkehr zu Songs mit drei Akkorden ein Akt des Klassenkampfes. Auch in der Ideengeschichte funktioniert die Parallele. Die Punks wendeten sich von den Utopien ihrer Vorgänger ab und formulierten ein Weltbild, das von Nihilismus und Zynismus geprägt war."

Im Interview mit René Scheu von der NZZ spricht der populäre Philosoph Markus Gabriel über einige Phänomene in der heutigen akademischen Linken, wie etwa die "Cancel Culture": "Für die Vertreter der Cancel-Culture gilt die Devise: Der Zweck heiligt die Mittel, alles ist erlaubt, wenn es dem Machtzuwachs dient, auch der größte Blödsinn. Das neue Feindbild sind gegenwärtig die weißen, heterosexuellen Männer, so abgedroschen das klingt. Und Politik, Medien und HR-Abteilungen reichen das neue Klischee längst ungefragt herum. Menschen nach Hautfarbe und Geschlecht einzuteilen und mit dem Finger auf sie zu zeigen, ist natürlich Rassismus und Sexismus. Wer weißen, heterosexuellen Männern das Recht auf Wahrheit prinzipiell abspricht, begeht genau denjenigen Fehler, den wir doch im Namen des moralischen Fortschritts überwinden sollen."

Außerdem: Der Guardian bringt eine stark gekürzte Fassung der Friedenspreisrede von Amartya Sen, auf Deutsch hatten wir sie bisher nicht gefunden, aber tatsächlich hat sie der Börsenverein auf seinen Seiten online gestellt. Und in der FR warnt der Philosoph Martin Hartmann, die Überlebensfähigkeit des Neoliberalismus zu unterschätzen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.10.2020 - Ideen

Corona ist real, Klimawandel ist real, Digitalisierung ist real. Nur die Menschen tun sich schwer damit, diese Realität zu akzeptieren und entsprechend zu handeln, meint Manuel Scheidegger, Gründer von Argumented Reality, auf Zeit online, was auch damit zu tun hat, dass sie darauf programmiert sind, linear zu denken: "Eine Linie beginnt an einem Nullpunkt. Aber kein Individuum startet aus dem leeren Raum. Menschliche Kultur, ihre Inhalte und deren Weiterentwicklung sind zirkulär. Wir stehen mitten im gemeinsamen Leben, sobald wir auf die Welt kommen. ... Gegen den Individualismus gilt es darum, den Dividualismus oder Relationalismus zu verteidigen: die Anerkennung der fundamentalen Bedeutung des Kollektivs, des Netzwerks, des organischen Systems als Vorbedingung jeder Vereinzelung. Ihre praktische Entsprechung findet diese Anerkennung in alten Ideen wie dem Steuersystem, dem Solidarprinzip, freiem Zugang zu Bildung und Wissen, ihren modernen Weiterentwicklungen wie dem bedingungslosen Grundeinkommen und der Commons-Bewegung oder eben den Ideen von Zirkularität und Nachhaltigkeit."

"Individualismus ist nicht die Lösung gesellschaftlicher Übel, sondern zunehmend das Problem", meint auch der Unternehmer Simon M. Ingold in der NZZ. "Tatsache ist, dass der heute praktizierte Individualismus seine Identität und Existenzgrundlage nicht aus einer inneren Überzeugung gewinnt. Er definiert sich vielmehr via Konfrontation und Ablehnung. Eine Ablehnung, die sich gegen jeden und alles richten kann, besonders oft aber auf den Staat und seine Organe abzielt. Der Obrigkeitshass militanter Selbstbestimmungsfanatiker nimmt denn auch immer düsterere Züge an."

Ja, diese Pandemie ist anstrengend, seufzt Gustav Seibt in der SZ mit Blick auf einen langen kontaktarmen Winter: "Ein Erdbeben wie das in Lissabon von 1755 mag innerhalb von Minuten Zehntausende töten und entsprechende Schockwellen in die ganze Welt senden, doch nach dem Schock beginnt auch sofort das Aufräumen, die Wiederherstellung. Plötzlichkeit und Schrecken können in Tatkraft umgewandelt werden. Jetzt dagegen leben ganze Gesellschaften in einem Marasmus von Sorge und Vorsicht, von immer neu angepassten Maßnahmen und Schutzvorkehrungen. Die Kurven steigen und fallen und steigen erneut. Wir müssen warten, Geduld haben und hoffen."

Außerdem: In der NZZ denkt der Literaturwissenschaftler Alois M. Haas über Mystik nach und die Erfahrung des Göttlichen in den großen Religionen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.10.2020 - Ideen

"Cancel Culture" ist häufig gerechtfertigt. Und darum existiert sie eigentlich gar nicht, denn wenn "Cancel Culture" gerechtfertigt ist, ist sie keine Cancel Culture, sondern allenfalls ein Scheinriese, meint Jens-Christian Rabe im Aufmacher des SZ-Feuilletons: "Je näher man ihr kommt, umso kleiner wird sie: Viele der Fälle von angeblichem Cancelling richten sich bei genauer Betrachtung entweder gegen tatsächliche Rechtsbrüche - oder sind moralisch motivierter Widerspruch."
Stichwörter: Cancel Culture, Canceln

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.10.2020 - Ideen

Unsere Sterblichkeit wird uns gerade in der Coronakrise unangenehm bewusst, meint in der NZZ der Schriftsteller und Philosoph Philipp Tingler. Künstliche Intelligenz dagegen ist unendlich. Das ist ihr Nachteil: Denn unsere Endlichkeit "eröffnet Möglichkeitsräume, so paradox dies klingen mag. Schließlich sind nur vor dem Hintergrund eines limitierten Zeithorizonts Prioritätensetzungen überhaupt sinnvoll. Prioritäten brauchen einen begrenzten Horizont, damit die Bedeutung des Materiellen nicht überhandnimmt. Wenn das letzte Hemd Taschen hätte, wäre die Gier schrankenlos. Werte und Institutionen erhalten Sinn durch Begrenzung, die Stabilität und Entwicklung zugleich ermöglicht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.10.2020 - Ideen

Amartya Sens Friedenspreisrede wurde per Video übertragen, denn wegen der Pandemie waren "erstmals weder Preisträger noch Laudator und weniger als siebzig Gäste in der Frankfurter Paulskirche", schreibt Philipp Krohn in der FAZ. Der Börsenverein stellt Sens Rede nicht zum Lesen zur Verfügung. Die FR druckt die Rede in ihrer Printausgabe. Bei Deutschlandfunk Kultur hat er sich interviewen lassen. Catherine Newmark resümiert: "Schon von Beginn seines Forscherlebens an hat er die ökonomische Benachteiligung von Frauen zum Thema gemacht, Anfang der 1990er-Jahre war er Gründungsmitglied der Internationalen Gesellschaft für feministische Ökonomie. 'Die Wirtschaftswissenschaften sind ja überwiegend männlich dominiert - nicht nur in dem Sinne, dass überwiegend Männer sie verkörpern, sondern auch die Fragestellungen kreisten häufig um typisch männliche Themenfelder. Und die Fragestellungen, die für Frauen relevant waren, kamen weniger häufig in den Blick. Ich halte das für ein echtes Versagen.'"

In der SZ schildert Felix Stephan den paradoxen Hintergrund, den Sen in seiner Rede reflektierte: "Im Laufe seines Lebens haben Demokratisierung und wirtschaftliche Globalisierung tendenziell immer mehr Menschen Chancen auf ein würdevolles Leben auch außerhalb der klassischen Industrienationen zur Verfügung gestellt. In seiner Frankfurter Dankesrede zeigte er sich allerdings alarmiert. Die Welt, sagte Zen, sehe sich konfrontiert mit einer 'Pandemie des Autoritarismus'."

In der NZZ fordert Hans Ulrich Gumbrecht ein Denkmal für Jürgen Habermas: "Deutschland als jene politische Nation, die auch an ihrer Sorge um Konsens und Uniformität gescheitert war, mit den Gesten intellektueller Auseinandersetzung demokratisch wiederbelebt zu haben, das sollte ein Denkmal für Jürgen Habermas in Berlin wert sein. Denn sein Denken könnte im Mainstream der bundesrepublikanischen Gegenwart, in den es eingemündet ist, sonst vergessen gehen."

Außerdem: "Neusprech ist überall" meint der Schriftststeller Christoph Hein, dessen Rede für den Sprachenverein "Fruchtbringende Gesellschaft" in Köthen die Berliner Zeitung veröffentlicht. In der NZZ warnt der Gräzist Anton Bierl dringend davor, die sogenannten Orchideenfächer  an den Universitäten abzuschaffen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.10.2020 - Ideen

Faktenchecks sind in Mode und bestimmt auch sinnvoll, räumt der Innsbrucker Literaturwissenschaftler Johannes Odendahl in der NZZ ein, aber für die gesellschaftliche Diskussion findet er sie fatal: "Das Prinzip der hermeneutischen Billigkeit besagt, bei alledem das generelle Anliegen der Sprecherin oder des Sprechers im Auge zu behalten, denn dieses gilt es zu verstehen. Gut zuzuhören, heißt hier nicht nur, kritisch zu sein, sondern auch, so lange wie irgend möglich den Aussagen des Gegenübers insgesamt Plausibilität zu unterstellen. Die zerstückelnde Methode des Faktenchecks hingegen neigt dazu, den Blick auf den Äußerungszusammenhang auszublenden. Suggeriert wird, dass das Ganze des Gesagten sich aus der Summe seiner Einzelteile ergebe. Der Faktencheck urteilt portionsweise - 'falsch' / 'teilweise richtig' / 'nicht belegt' / großenteils falsch'. Der Eindruck bei den Lesern ist desolat: So bleibt das Gesagte zerpflückt und zerfleddert zurück - und zugleich häufig ein wichtiges Anliegen auf der Strecke."
Stichwörter: Faktenchecks

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.10.2020 - Ideen

In ihrem bisher nur auf Englisch erschienenen Buch "Cynical Theories" werfen die AutorInnen James Lindsay und Helen Pluckrose den Theorien der Postmoderne Unwissenschaftlichkeit und Antiobjektivität vor, zudem legen sie den Zynismus akademischer Disziplinen wie den "Gender-" "Queer-", "Postcolonial-", "Critical Race-" oder "Fat Studies" offen, resümiert Marc Neumann in der NZZ und greift das Beispiel der Spannung zwischen Trans-Gender und Trans-Rasse auf: "Die Idee einer fluiden Geschlechteridentität durch soziale Konstruktion ist grundlegend für die Idee von Trans-Gender. Von einer fluiden ethnischen Identität, die exakt mit demselben Argument postuliert werden kann, wollen PoMo-Theoretiker dagegen nichts wissen. Denn starre Rassenkategorien sind elementar, wenn es darum geht, 'Weißen' die postkoloniale und suprematistische Verantwortung an der Unterdrückung von 'Schwarzen' anzuhängen."

Trotz interessanter Thesen gerät Neumann der Angriff auf postmoderne Theorien zu schwammig, weshalb er nach der Lektüre noch einmal bei Pluckrose nachhakt: "Wir sagen ja nicht, dass PoMo das einzige gegenaufklärerische Übel ist. Ich beziehe mich oft auf die Triade des Wehs - Theologie, Metaphysik und Postmodernismus. Sie funktionieren alle ähnlich. Wir konzentrieren uns einfach auf Postmodernismus, weil die andern zwei eher harmlos sind. Theologie untersteht säkularen Regeln, und niemand versteht die Metaphysiker gut genug, um ihre Ideen zu bastardisieren und ein simplifizierendes Metanarrativ daraus zu machen."

Weiteres: Ebenfalls in der NZZ porträtiert Urs Hafner den diesjährigen Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, den indischen Philosophen und Ökonom Amartya Sen. Der Kultur- und Medienwissenschaftler Roberto Simanowski denkt in der NZZ außerdem über den Zusammenhang von Künstlicher Intelligenz und Ethik nach.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.10.2020 - Ideen

Dreißig Jahre nach dem Mauerfall haben wir es in Ost- und Westdeutschland immer noch mit zwei Kommunikationssystemen beziehungsweise -kulturen zu tun, konstatiert der Politologe Ralf Rytlewski im Tagesspiegel und nennt Beispiele: "Ostdeutsche übersetzten das aus den Westmedien bekannte Wort Arbeitsloser zunächst missverstehend mit Arbeitsverweigerer und/oder Arbeitsunfähiger, denn es fehlte ihnen die im Westen übliche Konnotation Arbeitsmarkt mit den Akteuren Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Auch bei Themen der Legitimität der deutschen Ostgrenzen gingen die Assoziationen wegen unterschiedlicher konnotativer Einordnung auseinander."