9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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2273 Presseschau-Absätze - Seite 49 von 228

9punkt - Die Debattenrundschau vom 31.10.2023 - Ideen

In der FAZ führt Kira Kramer die antisemitischen Posts von Fridays for Future vor allem auf ein Mitglied zurück: Hasan Özbay. Der sei in Deutschland wegen seines agressiven Auftretens zwar schon mehrfach verwarnt und aus dem Mainzer Ortsverband ausgeschlossen worden, seitdem jedoch betätigt er sich "verstärkt in einer Telegram-Gruppe, die über die Bespielung des international auftretenden Accounts abstimmt und diskutiert. ... Solange Fridays for Future Özbay gewähren lässt und ihm zugesteht, in ihrem Namen an eine große Followerschaft sein antisemitisches Weltbild zu adressieren, ist die Kritik an der Bewegung freilich gerechtfertigt", meint Kramer. "Fridays for Future hätte gegen den Antisemitismus in den eigenen Reihen längst vorgehen müssen. Nun bringt die Autoritätsphobie die Bewegung als Ganze zu Fall."

"Gegenüber der taz wies Hasan Ö. die Vorwürfe zurück", berichten Katharina Schipkowski und Susanne Schwarz in der taz. "'Ich hatte nie Zugriff auf den internationalen Account', schrieb er auf Anfrage. 'Die Inhalte, die dort veröffentlicht werden, werden im Konsens entschieden, legitimiert und veröffentlicht.' Die Positionen entsprächen dem internationalen Konsens unter den Ländergruppen. Auch Fridays-Initiatorin Greta Thunberg positionierte sich klar an der Seite der Palästinenser*innen und ließ die grausamen Taten der Hamas dabei zunächst unerwähnt."

Bisher habe man das Gespräch über den Nahost-Konflikt eher ausgespart, um miteinander arbeiten zu können, sagt Luisa Neubauer, die im ZeitOnline-Gespräch erklärt, dass Fridays for Future keine formelle Struktur, sondern ein loses Netzwerk aus Telegram-Gruppen ist. Zudem versucht sie nachzuvollziehen, was Klimaschutz und der Nahost-Konflikt überhaupt miteinander zu tun haben: Es liege wohl daran, "dass Palästinenser in weiten Teilen des internationalen Diskurses als Indigene gelesen werden. Und wenn wir über Klimagerechtigkeit sprechen, dann sind indigene Menschen im Zentrum vieler Kämpfe, sie gehören zu denen, die enorme Ungerechtigkeiten erfahren, obwohl sie auch diejenigen sind, die weite Teile der Ökosysteme und Artenvielfalt schützen. Ich glaube, wir sehen gerade, dass selbst die Intersektionalität an Grenzen kommen kann. Und zwar dort, wo auf der Suche nach dem größten Leid Leidenshierarchien aufgemacht und kaum Widersprüche zugelassen werden, dann verrennt man sich. Man landet bei fürchterlichen Annahmen."

Außerdem: In der NZZ erzählt der Historiker Peter Hoeres, wie sich die Begriffe "Rechts" und "Links" seit der Französischen Revolution politisch aufluden.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.10.2023 - Ideen

"Vor welchem Mob knickt die BPB  hier ein?" ruft der Postkolonialist Jürgen Zimmerer. Was war geschehen? Die Bundeszentrale für politische Bildung wollte unter dem Titel "We Still Need to Talk " eine Konferenz zum Thema einer "relationalen Erinnerungskultur" veranstalten und hat die für Dezember geplante Veranstaltung nun abgesagt. Es wäre endlich mal eine nicht polarisierte Debatte geworden! Denn es hätte sich mehr oder weniger jene Elite des Postkolonialismus getroffen, die findet, dass Deutschland einen Erinnerungskult betreibt und dass es "nicht per se" antisemitisch sei, wenn man sich ein Palästina vom Fluss bis zum Meer wünscht. Zu den Sprechern hätten Edwin Nasr, Hanno Hauenstein, Omri Boehm, Charlotte Wiedemann, Emily Dische-Becker, Michael Wildt, Jürgen Zimmerer und andere gehört (mehr hier). Der bpb wurde offenbar mulmig. Die Veranstaltungsankündigung hat sie von der Website genommen und schreibt in einer Stellungnahme: Mit der Veranstaltung "wollten wir eine in den Wissenschaften geführte Debatte rund um das Thema 'Verflechtungsgeschichte', die international und in den letzten Jahren zum Teil erbittert geführt wurde, aufgreifen und den Diskursraum für die politische Bildung und die Öffentlichkeit öffnen. Dieses Unterfangen stellte sich von Anfang an als schwierig dar. ... Aber momentan wird das alles überlagert durch die fürchterlichen Ereignisse des 7. Oktobers 2023. Es ist eine Zeit der Trauer und unserer Solidarität mit Israel und den Opfern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.10.2023 - Ideen

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Es gibt ein Erstarken der politischen Ränder, jedoch keine generelle Polarisierung der Gesellschaft, erklären die Soziologen Steffen Mau und Thomas Lux im Tagesspiegel-Gespräch mit Hans Monath. Trotzdem gibt es in der Gesellschaft bestimmte "Triggerpunkte": "Das sind Sollbruchstellen der öffentlichen Debatte, bei denen sachliche Diskussionen in emotionale umschlagen und sich die Menschen anders positionieren, als sie es zuvor getan haben", führt Mau aus. "Viele Menschen haben aus unterschiedlichen Gründen Vorbehalte gegen Gendersternchen, befürworten in ihrer großen Mehrheit aber die Gleichberechtigung und gleiche Bezahlung von Frauen und Männer. Ein Triggerpunkt, also Auslöser von politischer Emotionalisierung, sind in diesem Zusammenhang etwa Verhaltensvorschriften. Wenn bestimmte Akteure sagen, du musst dich grundsätzlich verändern, in der Art, wie du sprichst, und das auch in deinem privaten Raum, dann provoziert das Reaktanz, also Abwehr, und viele sagen: Das mache ich jetzt nicht mehr mit."

Außerdem: Auf die Shortlist des NDR-Sachbuchpreis 2023 haben es neben Teresa Bückers "Alle Zeit. Eine Frage von Macht und Freiheit", Michael Thumanns "Revanche. Wie Putin das bedrohlichste Regime der Welt geschaffen hat" und Eva von Redeckers "Bleibefreiheit" auch Wolfgang Kraushaars "Keine falsche Toleranz. Warum sich die Demokratie stärker als bisher zur Wehr setzen muss" (unser Vorgeblättert) geschafft.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.10.2023 - Ideen

In der FR kritisieren Max Beck und Nicholas Coomann vom Institut für Philosophie der Friedrich-Schiller-Universität Jena die Schulenbildung in der akademischen Philosophie. "Es gilt das Motto: Homogenisierung nach innen, Heterogenisierung nach außen. Auch der Streit der Schüler lässt den Identitätskern einer Denkschule zumeist unangetastet. Die Anhängerschaft ist dabei nicht nur auf Zeitgenossen beschränkt. Noch Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte später finden sich Vertreter, die den Fortbestand 'ihrer' Denktradition verteidigen. Die geteilte Gruppenzugehörigkeit und die Pflege der eigenen Tradition führen häufig dazu, dass Grundprämissen nicht mehr hinterfragt werden und sich Konflikte allenfalls um hermeneutische Detailfragen drehen. An die Stelle einer sachorientierten Argumentation tritt somit oftmals die Akzentuierung im Sinne des theoretischen Profils." Dennoch wollen sie das Schulwesen nicht verwerfen: "Vielmehr muss es darum gehen, das Schulwesen von innen zu verflüssigen, ohne den Wert von Schulen zu bestreiten. Die Aufgabe besteht darin, durch die Widersprüche der unterschiedlichen Sichtweisen hindurchzugehen, ohne sich blind von den Argumenten der Meister oder der eigenen akademischen Peergroup mitreißen zu lassen."
Stichwörter: Schiller, Friedrich, Pflege

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.10.2023 - Ideen

In der Zeit denkt die ukrainische Übersetzerin, Essayistin und Verlegerin Kateryna Mishchenko über die Seele in Zeiten des Krieges nach - und über die Landschaft: "Kann die Landschaft ein Trauma zum Ausdruck bringen oder veranschaulichen? Die Satelliten- oder die Drohnenbilder der ukrainischen Landschaft dienen heute oft als eine Visualisierung des Krieges, die erträglich sein soll. Die Felder, die man sieht, sind zerrissen von großen Gruben, statt der Wälder sind abgebrannte und zerbrochene Stämme zu sehen, statt der Städte nur Staub und Ruinen. Was im Boden steckt, was in der Erde bleibt, kann die Kamera nicht einfangen. Die Körper von Gefallenen, die durch den ständigen Beschuss nicht schnell genug vom Kampffeld geborgen werden können, sind auf den Kameraaufnahmen der Landschaft kaum registrierbar. In gewissem Sinne halten wir uns beim Betrachten dieser Bilder nur auf der Oberfläche auf, aber die Landschaft wuchert, indem das Gesehene von dem Wissen begleitet wird, dass da unten Unsichtbares ist, versteckt, aber unüberhörbar. Ist nicht genau dies die Resonanz, die zwischen Landschaft und Blick immer wieder zustande kommt? Ist dies nicht die wechselseitige Projektion des Inneren und des Äußeren, die die Vielschichtigkeit unserer Psyche anspricht und aus ihr erwächst?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.10.2023 - Ideen

Auch jene Feuilletondebatten, die die letzten Jahre dominierten, also die Mbembe-Debatte, die Moses-Debatte, die Debatte um das "Weltoffen"-Papier (siehe weiter unten in Kulturpolitik) und die Documenta-Debatte stehen durch die Hamas-Pogrome in neuem Licht. Kann es sein, dass die "Weltoffenheit" genozidalen Diskursen galt? Die Protagonisten dieser Debatten haben sich bisher kaum zu Wort gemeldet - sie arbeiten sicher noch an ihren Argumenten. In einigen Zeitungen beginnt heute die Aufarbeitung.

Da ist etwa der beliebte Apartheid-Vorwurf gegen Israel. Dass jemand an einem "Centre for Transcultural Studies" lehrt und nicht ihn glaubt, ist eine Auffäligkeit. Tom Würdemann, der als Nahostwissenschaftler am Institut dieses Namens in Heidelberg forscht, ist so ein Fall. "Der Vorwurf der 'Apartheid' ist seit Jahrzehnten ein Favorit linker Feinde des jüdischen Staates", schreibt er in der FAZ. "Nicht nur, aber insbesondere diejenigen Kräfte greifen auf ihn zurück, die in den vergangenen Tagen die genozidale Gewalt der Hamas als angeblichen 'Befreiungskampf' legitimiert haben… Die Milieus der 'Palästina-Solidarität' um die BDS-Bewegung schlagen unisono den Bogen vom Apartheidvorwurf zum Ruf nach dem Verschwinden des Staates Israel 'from the River to the Sea'. Dass damit ein säkulares Palästina 'für alle' gemeint sei, wird dann entlarvt, wenn das gleiche Milieu die Gräueltaten der Hamas rechtfertigt oder bejubelt. Den Worten derjenigen, die Israel als Apartheidstaat delegitimieren, folgen also auch Taten. Solange das so ist, wird und muss die Offenheit für Kompromisse in Israel gering sein."

Die akademische Linke konnte eliminatorischen Hass und legitime politische Freiheitsbestrebungen allzu oft nicht auseinanderhalten. Und nebenbei stellt sich heraus, dass nicht nur Deutsche den Juden den Holocaust nicht verzeihen konnten. Auf einen der Ursprünge dieses Denkens kommt Jan Küveler in der Welt zurück, Edward Saids berühmtes Orientalismus-Buch. "Im Juli 2000 besuchte Said den Süd-Libanon, von wo sich Israel nach vielen Jahren gewaltvoller Auseinandersetzungen, provoziert von der erstarkenden Hisbollah, soeben zurückgezogen hatte, und schleuderte einen Stein auf einen verlassenen israelischen Wachturm. Es habe sich um einen Kieselstein gehandelt, rechtfertigte er sich später, und um eine rein symbolische Geste der Freude. Die Wiener Freud-Gesellschaft, die um die Kraft symbolischer Gesten weiß, lud ihn daraufhin von einem Vortrag aus. Said schrieb entrüstet: 'Freud wurde aus Wien vertrieben, weil er ein Jude war. Jetzt werde ich vertrieben, weil ich Palästinenser bin.' Ein scharf konturierter Moment grotesk übersteigerter Selbst-Viktimisierung, wie sie seither allgegenwärtig geworden ist."

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Konservatismus ist jene Doktrin, die sich nicht als solche benennt, weil sie sonst zugeben muss, dass es Alternativen geben könnte. Lange Zeit konnte die CDU so agieren, als brauchte sie kein Programm, sagt der Soziologe Armin Nassehi im Gespräch mit Jan Feddersen von der taz: "Sie war als Regierungspartei, als die sie sich verstand, die pure Inklusion. Es ist ja gerade das Besondere des Konservativen, auf Begründungsprobleme verzichten zu wollen, um mit Kontinuitätsunterstellungen arbeiten zu können. Die Konservativen müssen nach ihrem Selbstverständnis nichts gegen irgendjemanden durchsetzen, weil sie quasi die Kontinuität der Welt verkörpern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.10.2023 - Ideen

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Im Interview mit der FR warnt der Rechtsphilosoph und Internetexperte Johannes Caspar vor den Gefahren der Digitalisierung, die er insbesondere in der schleichenden Entmündigung der Bürger sieht, wie er auch in seinem Buch "Wir Datensklaven" darlegt: "Wir übertragen zunehmend Entscheidungskompetenzen auf Technik und Künstliche Intelligenz. Wir verlieren damit autonome Handlungs- und Entscheidungsräume. Je mehr Aufgaben wir auslagern in Bereiche, wo menschliche Entscheidungsmacht zunehmend schwindet, desto mehr fallen wir auf einen vormodernen Bereich des Irrationalen zurück. Diskurse über die richtige Entscheidung lassen sich hier nicht mehr führen. Das Rationalitätsverfahren wird abgebrochen, wenn für niemanden erkennbar ist, mit welchen Argumenten die getroffenen Entscheidungen begründet werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.10.2023 - Ideen

ZeitOnline hat die Philosophen und Publizisten Catherine Newmark und Sebastian Kleinschmidt zum Streitgespräch über autoritären Populismus geladen. Die Sehnsucht nach neuen Autoritäten erklärt Newmark folgendermaßen: "Das Problem am Konzept der traditionellen Autorität ist, dass sie heute auf eine egalitäre Gesellschaft trifft, die alte Hierarchien nicht mehr oder viel weniger akzeptiert. Das gilt nicht nur für den Bereich des Politischen: Jeder googelt heute seine Symptome selbst, bevor er zum Arzt geht. Jeder Elternabend ist ein Gemetzel, weil Lehrer auch nicht mehr dieselbe Autorität genießen wie früher. ... Das sind Spätfolgen einer nach Gleichberechtigung und Chancengleichheit strebenden Gesellschaft, die mit guten Gründen die alten Machtverhältnisse abgeschafft hat. Und trotzdem bleibt eine Lücke. Die schafft Platz fürs Autoritäre." Kleinschmidt meint hingegen: "Es kommt nicht zum Aufstieg populistischer Parteien, weil die Leute sich nach neuen Autoritäten sehnen. Sondern es gibt Tatsachen und Erfahrungen, die nicht gespiegelt werden - und daraus entsteht eine Repräsentationslücke."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.10.2023 - Ideen

Vor hundert Jahren wurde der Begriff des "Totalitarismus" geprägt, schreibt Richard Herzinger in seiner Perlentaucher-Kolumne. Sich sowohl gegen die extreme Rechte als auch gegen die extreme Linke zu positionieren, erforderte in den dreißiger und vierziger Jahren moralische Standfestigkeit. Aber auch "heute ist der antitotalitäre Konsens, der sich nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Lagers in der westlichen Welt fest verankert zu haben schien, durch die zunehmend extreme Polarisierung in den demokratischen Gesellschaften erneut gefährdet... Einmal mehr droht die antitotalitäre Haltung so zwischen extremen Positionen zerrieben zu werden. Während rechte Populisten das vermeintliche Wohl des eigenen ethnisch-nationalen Kollektivs grundsätzlich über universale Werte stellen, frönt eine starke Fraktion innerhalb der Linken einer als 'postkolonial' deklarierten 'Identitätspolitik', die den Wahrheitsgehalt von Theorien und Meinungen nicht nach Kriterien objektiver Erkenntnis bemisst, sondern nach der Herkunft und Hautfarbe derjenigen, die sie vortragen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.10.2023 - Ideen

Screenshot von der Homepage der Organisation "Embrace Race"



In Amerika zeigt sich, wie die extreme Rechte mit einer Art faschistischen Cancel Culture auf das reagiert, was sie als "woke" definiert und damit Erfolge bei der Wählerschaft erzielt. Aber es gibt auch das, was Yascha Mounk, Autor des Buchs "The Identity Trap" in seinem Blog Persuasion im Gespräch mit Coleman Hughes als Praxis amerikanischer Privatschulen beschreibt: "In vielen privaten Eliteschulen in den Vereinigten Staaten werden die Kinder in der ersten oder zweiten Klasse von Lehrern nach Hautfarbe eingeteilt: Wer schwarz ist, geht dorthin, wer Latino ist, geht dorthin und so weiter. Und sie versuchen diesen Menschen beizubringen, wie es der Name der einflussreichen Organisation 'Embrace Race' ausdrückt, 'ihre Rasse für sich anzunehmen': sich selbst als durch Rasse definiertes Wesen zu betrachten, sich (beispielsweise die weißen Kinder) auf ihre weiße Identität zu besinnen und sich ihr Weißsein zu eigen zu machen. Das Ziel ist es, eine tolerantere Gesellschaft zu schaffen. Meiner Meinung nach führt das eher zu einem Nullsummenkonflikt im Herzen unserer Gesellschaft - und dazu, dass diese weißen Jugendlichen eher rassistisch oder zu Anhängern der 'White Supremacy' als antirassistisch werden."

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Gesellschaftlicher Narzissmus, also die in der Gesellschaft vom Individuum erwartete Optimierung seiner selbst, ist die derzeit vorherrschende Ideologie, meint die Philosophin Isolde Charim im Welt-Interview mit Anna Schneider. "Heute gilt keine allgemein verbindliche Moral. Moral in einer Gesellschaft heißt, dass wir ein moralisches Gesetz haben, das für alle richtig ist. Was wir heute haben, ist etwas, das ich als Moral in Anführungszeichen bezeichnen würde. Den narzisstischen Ersatz für eine allgemein verbindliche Moral. Wir haben eine Vielzahl an individualisierten narzisstischen Vorgaben, was das Gute sein soll und was das Gute ist."