Böse Worte
richtet Micha Brumlik in der
taz an den
Zentralrat der Juden, der den Direktor des Jüdischen Museums,
Peter Schäfer, in Berlin zum Rücktritt gedrängt hat (
9Punkt vom Samstag). Brumlik schimpft über die Aufgabe der
jüdischen Gelehrtenkultur und Ärgeres: "Der Rücktritt von Peter Schäfer mag den Zentralrat der Juden mit einem Zuwachs an Selbstbewusstsein erfüllt haben: Tatsächlich hat er einen
Pyrrhussieg errungen. Denn es ist dies auch ein Sieg über den Pluralismus innerhalb der jüdischen Gemeinschaft - national wie weltweit. Der Anlass der Rücktrittsforderung - der von dem Museum geteilte Tweet der
taz über die Erklärung von 240 jüdischen und israelischen Wissenschaftlern, dass BDS nicht antisemitisch sei, war nämlich alles andere als eine Solidaritätserklärung mit BDS, sondern allenfalls eine Richtigstellung."
Auch im
Tagesspiegel nimmt der Historiker
Michael Wolffsohn den Judaisten Schäfer in Schutz, sieht aber sehr wohl einen gravierenden Konstruktionsfehler im Jüdischen Museum: "Hier wurde die
deutschjüdische Geschichte samt sechsmillionenfachen Judenmordens um die islamische Dimension sowie um die universalistische erweitert - und dadurch
letztlich entjudaisiert. Ohne den eigenen, durchaus gut gemeinten, Ansatz zu Ende zu denken, hat die deutsche Politik und Gesellschaft, ebenso wie das JMB, den innen-, nahöstlichen und weltpolitischen Islam-Nahost-Sprengstoff mit dem jüdischen Thema verflochten und Jüdisches (unfreiwillig?) verwässert... So gesehen, ist der Fall 'Peter Schäfer und das JMB' weder ein Fall Peter Schäfer noch ein Fall JMB. Das wahre Problem ist die
Universalisierung, also das in Deutschland vorherrschende, ins unverbindlich Allgemeine Übertragene von Holocaust und Jüdischer Geschichte. Die deutsche Nahostpolitik befördert diese Entwicklung, denn sie ist ein politischer Zwitter:
faktisch iranfreundlich und zugleich
deklamatorisch proisraelisch."
"Mit Schäfers Abgang ist es nicht getan",
schreibt stattdessen Alan Posener in der
Welt und fordert neben einem neuen Direktor auch eine neue Programmdirektorin und eine
Neuaufstellung des Stiftungsrates. Denn: "Selbst als Schäfer einen Vertreter der iranischen Botschaft empfing, einer Regierung also, die sich damit brüstet, Israel vernichten zu wollen, und als sich der Direktor des JMB - angeblich - zu der Äußerung habe hinreißen lassen, man müsse ja zwischen Zionismus und Judentum unterscheiden wie zwischen Islam und dem Islamischen Staat, selbst da wurde Schäfer noch von Grütters und dem Stiftungsrat gedeckt, deren
politische Agenda sich anscheinend nicht wesentlich von der seinen unterscheidet."