Der Historiker und USA-Experte
Manfred Berg erklärt im Interview mit Michael Hesse, warum Joe Biden so lange mit seinem Rücktritt gezögert hat, was das Attentat für Trump bedeuten könnte und warum
Kamala Harris bessere Chancen hat gegen Trump zu gewinnen als Hillary Clinton 2016: "Hillary Clinton war eine Kandidatin, die seit den 1990er Jahren von der amerikanischen Rechten
mit Inbrunst gehasst wurde. Sie hat viele Fehler in ihrem Wahlkampf gemacht. Nichts hat ihr so sehr geschadet wie dieses unselige Wort von den Bedauernswerten, den 'Deplorables'. Sie hat versäumt, in den Swing States Wahlkampf zu machen. Das alles muss Harris jetzt ändern. Sie muss tough rüberkommen, als jemand, die in den Fernseh-Debatten Trump Paroli bietet. Sie muss eine Botschaft an Frauen aussenden, sie ist diejenige, die für das Recht auf Abtreibung steht. Und sie muss auch klarmachen, dass sie
nicht zur woken Elite gehört, was ja auch stimmt. Bis jetzt hat sie sich nicht als Charismatikerin profiliert, ob sie das werden kann, weiß ich nicht. Sie muss sich in jedem Fall stärker in den Vordergrund stellen, klare Aussagen machen, mit sachlicher Kompetenz punkten und als Kandidatin auftreten, von der sich die Wähler vorstellen können, dass sie das Land führen kann."
Es ist unfair, dass
Joe Biden jetzt nur noch als alter, schwacher Mann gesehen wird, ärgert sich Paul Middelhoff auf
Zeit Online. Denn er kann nicht nur
beeindruckende politische Leistungen vorweisen, er gab den Demokraten auch den "Schlüssel für zukünftigen Erfolg", so Middelhoff: "Mal um Mal stellte Biden sich während seiner Amtszeit als Joe aus Scranton vor, Sohn einer hart arbeitenden
Mittelstandsfamilie aus Pennsylvania, katholisch, irisch, ganz normal. In einer Zeit, als in der demokratischen Partei die stramm Linken und Ultraprogressiven immer selbstbewusster auftraten, hielt Biden fest an der simplen, aber weitreichenden Erkenntnis, dass in einem Zweiparteiensystem Wahlen
in der Mitte gewonnen werden. Biden hat seine Politik nicht auf die wenigen Lauten, sondern auf die Vielen ausgerichtet, hat die
Gründung von Gewerkschaften unterstützt, Arbeitnehmerrechte gestärkt, Milliarden in Amerikas vergessene - zumeist republikanische - Regionen gepumpt."
Für die Geisteswissenschaften-Seiten der
FAZ hat Thomas Thiel mit Präsident
Ariel Porat und Vizepräsidentin
Milette Shamir von der Universität Tel Aviv über den
akademischen Boykott gegen
Israel gesprochen. Die beiden befürchten, dass mit den propalästinensischen Protesten eine Generation heranwächst, die künftig wichtige Positionen einnehmen wird. Aber sie berichten auch vom
Druck der israelischen Regierung auf die Universitäten, die ein Gesetz auf den Weg gebracht hat, "das dem Bildungsminister erlauben würde, Universitäten dazu zu zwingen, Professoren
für bestimmte Äußerungen zu feuern." Porat warnt, "dass es die Regierung ermächtigt, darüber zu bestimmen, was Anstiftung zum Terrorismus ist. Wenn ein Professor beispielsweise die
Kriegsführung der israelischen Streitkräfte
kritisieren würde, gäbe es sicherlich einige Leute in der Regierung, die das als
Anstiftung zum Terror bezeichnen würden. Und sie hätten die Macht, unsere Budgets zu kürzen, wenn wir ihrer Auslegung des Gesetzes nicht entsprechen. Deshalb betrachten alle israelischen Universitäten, einschließlich der Ariel-Universität, die in den besetzten Gebieten liegt, und der Bar-Ilan-Universität, die als orthodoxe Universität gilt, das Gesetz als große Bedrohung der Wissenschaftsfreiheit und Hochschulautonomie." Das Gesetz ziele darauf ab, Universitäten der Regierung zu unterwerfen.
Sarah Levy berichtet auf
Zeit Online mit
großer Sorge aus Israel, das gespalten ist wie nie zuvor. Schon lange zeichnet sich eine Radikalisierung der Meinungen ab, so Levy, befeuert von "Zündlern" aus der radikalen Regierungskoalition wie dem Sicherheitsminister
Itamar Ben-Gvir. Der 7. Oktober "hat viele der bereits existierenden Risse vergrößert und die Parameter in die Extreme verschoben. Bereits eine Woche nach dem Überfall der Hamas musste der linkspolitische Journalist Israel Frey sich stundenlang mit seiner Familie in seiner Wohnung verbarrikadieren. Vor seinem Haus schrie ein gewaltbereiter rechter Mob: 'Verräter!', und versuchte, bei ihm einzubrechen. Frey hatte sich zuvor gegen den Krieg und das Sterben von Zivilisten 'auf beiden Seiten' ausgesprochen. Regierungsanhänger haben mehrmals im vergangenen Jahr Regierungsgegner angegriffen. Auf den wöchentlichen Demonstrationen gegen die Regierung fuhren sie sogar mit
Autos in die Menschenmenge. Prominente Gegner der Regierung werden online schon lange mit Hass überschüttet, sogar vom Sohn des Premierministers, Jair Netanjahu. Auf Hebräisch nennt sich das, was hier zwischen Israelis passiert, Milchemet Achim,
Brüderkrieg."
Der Demokratieforscher und Autor
Alexander Görlach weist in der
Welt auf die bedrohliche Lage hin, in der sich
Exil-Hongkonger befinden. Etwa 145.000 Menschen sind bisher nach Großbritannien geflohen, so Görlach, aber China drangsaliert die Geflüchteten auch im Ausland: "Xis Terrorapparat hat auf 13 der bekanntesten Gesichter der Hongkonger Demokratie-Bewegung ein
Kopfgeld in Höhe von circa 120.000 Euro ausgesetzt. Diese Menschen befinden sich in ständiger Gefahr, entführt, in China womöglich gefoltert und ohne fairen Prozess lebenslang eingesperrt zu werden. Aber auch die vielen tausend anderen 'normalen' Exilanten leben in Großbritannien in ständiger Angst. Ihre Identität wurde
per Gesichtserkennung festgestellt. Pekings Schergen drohen, den Familien der Demokratie-Aktivisten, die in Hongkong geblieben sind, etwas anzutun, sollten sie sich im Ausland weiter für die Demokratie in Hongkong einsetzen."