Während in
Industriestaaten über
Datenschutz im Netz diskutiert wird, leben weltweit Milliarden Menschen ganz ohne Daten -
ohne Geburtsurkunde, Adresse oder Bankkonto,
schreiben im
Tagesspiegel Anna-Marie Slaughter und Yuliya Panfil vom Thinktank New America. Dabei garantieren Daten auch "
fundamentale Rechte": "In Indien nutzen Slumbewohner Smartphone-Lokalisierungsdaten, um sich zum ersten Mal auf Stadtplänen zu präsentieren und sich für Adressen zu registrieren, mit denen sie dann Post erhalten und sich für
Regierungsausweise registrieren können. In Tansania nutzen die Bürger ihre mobilen Zahlungsverläufe, um ihre Kreditwürdigkeit zu erhöhen und Zugang zu traditionelleren Finanzdienstleistungen zu erhalten. Und in Europa und den Vereinigten Staaten kämpfen Uber-Fahrer für Daten ihres Mitfahrdienstes, um sich für Leistungen vom Arbeitgeber einzusetzen."
Der in Stanford lehrende Psychologe
Michael Kosinski hat jene Methode entwickelt, dank der mit nur wenigen Daten umfassende
Persönlichkeitsprofile erstellt werden können und die
Cambridge Analytica in abgewandelter Form im Wahlkampf für Trump anwendete. Wir müssen unsere
Privatsphäre aufgeben,
fordert er nun im Gespräch, das er am Rande der
NZZ-Finanzmarkttagung Swiss International Finance Forum führte: "Wie viele Menschenleben könnte man retten, wie viele Kinder schützen, wenn man Zugang hätte zu den Suchanfragen auf Google: Wenn dort jemand nach Methoden sucht, um sich umzubringen, oder ein Kind fragt, ob es normal sei, dass es von einem Erwachsenen an den Genitalien angefasst worden sei, dann könnte die Suizid- und
Missbrauchsprävention einschreiten. Aber das gäbe natürlich einen riesigen Aufschrei der Datenschützer."
Google hat hat inzwischen mehr Wissen über die Bürger eines Staates als der Staat selbst, glaubt indes Adrian Lobe in der
SZ: "Die Frage ist, ob eine Staatsorganisation noch funktional ist, bei der private Akteure mehr Wissen über den Staat und seine Bürger haben als diese über sich selbst. Entsteht hier eine neue geheime 'Policey', wie das in der frühen Neuzeit hieß? Eine Art
privater Staat im Staate? Wird der (legitime) Staat bloß noch zu einem leeren Gehäuse? Was wäre, wenn Google Hinweise auf einen
Staatsstreich hätte? Wäre das Unternehmen auskunftspflichtig? Inwieweit ist öffentliche Herrschaft unter dem Datenregime noch möglich?" (Selbstverständlich kann beispielsweise die amerikanische Regierung die Herausgabe von Nutzerdaten bei Google verlangen, sogar ohne richterliche Verfügung - zum Beispiel unter dem
Patriot Act,
schon vergessen?)