In der
SZ stellt Adrian Lobe ein Buch des amerikanischen Künstlers und Journalisten
James Bridle vor,
"The New Dark Age", dass die zunehmende Überwachung nur für eins gut ist: Unseren
Kontrollverlust festzuhalten und damit unsere Paranoia zu verstärken. Beispiel Völkermord: Laut dem ehemaligen Google-Chef Eric Schmidt hätte es den
Völkermord an den Tutsis nicht gegeben, hätte damals schon jeder ein Smartphone gehabt. "Schon die Pläne, so Schmidt, wären 'geleakt' worden. Man müsse also nur genügend Minicomputer mit integrierter Kamera in der Bevölkerung verteilen, um Transparenz zu schaffen und
Gewaltexzesse zu verhindern. Das ist eine naive Annahme. In
Syrien wurde der Schrecken wie selten zuvor in einem kriegerischen Konflikt dokumentiert. Und trotzdem ging das Morden zum Entsetzen der Weltöffentlichkeit weiter. Die Produktion von Bildern und Livestreams stellt für Diktatoren längst keine Bedrohung mehr dar, im Gegenteil, sie erweist sich als systemstabilisierend, weil Bilder mit Gegenbildern beantwortet werden und
jede Evidenz in Frage gestellt ist." (In der
FAZ hat Harald Staun das Buch
besprochen.)
Ein "
Recht auf Vergessen" sollte es auch gegenüber den
staatlichen Datensammlern geben,
fordern die Juristen Thomas Geiser und Ursula Uttinger in der
NZZ. "Zur öffentlichen Aufgabe gehört allerdings auch die Dokumentierung der Zeitgeschichte. Und damit ist man wieder beim sehr interpretierbaren Begriff der
Relevanz. Maßgeblich muss aber in erster Linie das in der Verfassung verankerte Recht auf
informationelle Selbstbestimmung sein. Folglich muss die betroffene Person selber bestimmen können, ob sie betreffende Daten, die von einer Amtsstelle nicht mehr gebraucht werden, als historische Daten ins Staatsarchiv wandern dürfen oder nicht."
Nicht nur Google (unsere
Resümees), auch
Apple passt sich zusehends an
chinesische Zensurvorgaben an - das
neue Iphone wird in China, anderes als in allen anderen Märkten, nicht mit einer sogenannten eSim-Card vertriebren,
berichtet Lea Deuber in der
SZ. "China ist der drittwichtigste Markt nach den USA und Europa. Will der Konzern seinen Zugang zu Chinas digitalem Ökosystem behalten, muss er
nach dessen Regeln spielen. Während er in den USA dem FBI die Hilfe bei der Entschlüsselung eines iPhones verweigert, gibt er sich in China
weniger kämpferisch. Erst Anfang dieses Jahres hat er auf Druck der chinesischen Regierung dutzende Anwendungen aus seinem chinesischen App Store gelöscht, mit denen Nutzer die Internetzensur im Land umgehen können."
Die
türkische Polizei verfolgt Gesinnungsgegner per Telefon-App auch in Deutschland, berichtet Anna-Lena Ripperger in der
FAZ. Die App "ermöglicht es laut 'Report Mainz',
kritische Kommentare türkischstämmiger Personen in sozialen Netzwerken direkt bei den türkischen Behörden anzuzeigen."