Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 11.01.2011 - New York Times

Mit sichtlicher Faszination hat Stephen Burn den in Frankreich gefeierten, soeben auch in deutscher Übersetzung erschienenen, äußerst ambitionierten Roman "Zone" von Mathias Enard gelesen. Das formale Hauptcharakteristikum - es gibt nur einen Satz und einen Punkt im ganzen Roman - ist für den Rezensenten sehr viel mehr als ein Gimmick: "Tief in der Chemie des Romans bricht dieser offene Satz auch Zeitgrenzen nieder. Ein abgeschlossener Satz ist ein Baustein - eine Möglichkeit, Zeit im Raum zu kartieren -, der isoliert werden kann, so dass die Bewegung von einer vergangenen in eine gegenwärtige Zeit möglich wird. Indem Enard keine einzelnen Sätze erlaubt, lässt er den Leser frei flottierend in der Flüssigkeit des Bewusstseins seines Protagonisten Mirkovic treiben; ein Ort, an dem antike und klassische Geschichte die jüngeren Ereignisse ständig unterbrechen. In diesem Reich der ewigen Zeit löst sich Mirkovic als einheitliches Subjekt auf und erlangt im Verlauf seiner einsamen Eisenbahnfahrt mythische Dimensionen: Er wird Dante, der durch die Kreise der Hölle zu einer vita nuova reist; Hermes, der die Toten über den Styx geleitet; Vorbote der Offenbarung des Johannes, der die Namen der Toten statt des Buchs des Lebens mit sich führt."

Magazinrundschau vom 04.01.2011 - New York Times

Vor fünfzig Jahren schrieb Alfred Kazin den klassischen Essay "The Function of Criticism Today" (den man für 4,95 Dollar bei Commentary kaufen darf, aber es gibt ja auch noch große Auszüge bei Google Books). Am Sonntag hat die New York Times die gleiche Frage fünf heute tätigen Kritikern gestellt (Editorial): Stephen Burn (hier), Katie Roiphe (hier), Pankaj Mishra (hier), Adam Kirsch (hier), Sam Anderson (hier) und Elif Batuman (hier). Die Antworten lesen sich alles in allem erstaunlich blutarm. Fast alle meckern mehr oder weniger übers Internet. Der einzige, der einen eigenen Gedanken dazu entwickelt ist Burn: "'In den leeren Taschen der Städte und Häuser', schrieb Don DeLillo in den frühen achtzigern, 'ticken tausend Hirne.' Etwas mehr als zehn Jahre später wob das sich verbreitende Internet ein Netzwerk aus diesen Hirnen, baute ein gigantisches neurales Netz, ein zerstrittenes, lautstarkes, hektisches Überhirn. Das Internet zieht die Leute aus ihrer Einsamkeit heraus, macht ihre 'Ichs' noch nackter als das unscharfe, unsichere Ich, das durch seine täglichen Routinen und Konflikte taumelt. Ein einsamer Leser, der sich über einen obskuren aktuellen Roman beugt oder sich eine Seite aus 'Finnegan's Wake' zusammenpuzzlet, ist plötzlich nicht mehr ganz so einsam."

Sehr empfehlenswert auch die die "Sidney Awards" des NY Times-Kolumnisten David Brooks (hier und hier), der jedes Jahr seine ganz persönliche Liste mit den besten Essays des Vorjahrs bekanntgibt - und alle stehen online! Sein Sieger 2010: Michael Lewis' "Beware of Greeks Bearing Bonds", ein Stück über die Finanzkrise, aus Vanity Fair.

Magazinrundschau vom 14.12.2010 - New York Times

Dass auch Magazine im Internet finanziell überleben können, beweist der Erfolg von The Atlantic, einem 153 Jahre alten Magazin, dass einen exzellenten Ruf, aber auch jahrelang Verlust eingefahren hat. Dieses Jahr ist alles anders. Atlantic macht seit mindestens zehn Jahren erstmals wieder Profit: 1,8 Millionen Dollar. Gar nicht schlecht für ein kleines Magazin, meint Jeremy W. Peters. Und wie kommt das? "Im wesentlichen haben wir uns die Frage gestellt, was wir tun würden, wenn wir uns agressiv selbst kannibalisieren wollten", zitiert Peters den Präsidenten der Atlantic Media Company, Justin B. Smith. Als Ergebnis dieser Überlegung "wurde die Trennung zwischen Internet- und Printredaktion aufgehoben, die Bezahlmauer der Webseite geschleift und ein Trupp junger Autoren angeheuert. Den Anzeigenakquisiteuren wurde mitgeteilt, dass es keine Rolle spiele, zu welchem Prozentsatz sie Print- oder Onlineanzeigen akquirieren; sie mussten nur ein Verkaufsziel erreichen." Und deshalb macht Atlantic "macht in diesem Jahr 32,2 Millionen Dollar Einnahmen. Etwa die Hälfte davon kommt von Anzeigen. Aber die Onlineanzeigen - die in diesem Jahr 6,1 Millionen Dollar einbringen sollen - werden fast 40 Prozent des gesamten Anzeigenaufkommens von Atlantic ausmachen. Im Magazingeschäft, dass sich gegen die digitale Zukunft gewehrt hat, ist das eine Rate, von der man noch nie gehört hat."

Nachdem erst Amazon Wikileaks von seinen Servern verbannt hat und dann auch noch PayPal, Mastercard und Visa ihre Zusammenarbeit mit Wikileaks aufgekündigt haben, warnte Rebecca MacKinnon auf CNN kürzlich davor, dass die Infrastruktur des Netzes von privaten Firmen beherrscht wird, die am Ende über unsere Meinungsfreiheit bestimmen. Diese Frage betrifft natürlich auch Facebook, wie Miguel Helft erklärt. Facebook hatte eine Seite gelöscht, auf der Wikileaks-Unterstützer die Hacker-Angriffe auf PayPal, Mastercard etc. koordinierten. Schwerer Protest war die Folge. "Facebook stellt selten jeden zufrieden", stellt Helft fest. "Jeder Inhalt - eine Fotografie, ein Video oder eine Botschaft zwischen zwei Personen - kann jemanden beleidigen. Entscheidungen der Firma, etwa Material von Holocaust-Leugnern, Kritikern des Islam oder anderer Religionen nicht zu löschen, hat Interessengruppen verärgert und dafür gesorgt, dass einige ausländische Regierungen die Webseite zeitweise ganz sperrten."

Magazinrundschau vom 26.10.2010 - New York Times

In einem Porträt der liberischen Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf, erzählt Daniel Bergner auch von einem wenig bekannten Kapitel der Geschichte dieses Landes, das 1847 von freigelassen amerikanischen Sklaven gegründet wurde. Damit einher ging allerdings auch die Unterdrückung der einheimischen Bevölkerung. Noch heute resultiert ein Teil der Gewalt, der sich in immer neuen Putschen äußert, die Liberia vollkommen ruiniert haben, aus der Kluft zwischen "Einheimischen" und "Americo-Liberianern". Samuel Doe, der sich 1980 an die Macht putschte und als erste Amtshandlung 13 Minister öffentlich foltern und hinrichten ließ, war der erste "einheimische" Präsident Liberias. "Seit den frühen Tagen der Republik schicken die Armen ihre Söhne und Töchter als Dienstboten zu den Bessergestellten, in der Hoffnung auf Schulunterricht und ein besseres Leben. Einheimische Kinder haben die Häuser der Einwanderer geputzt und Mahlzeiten für sie gekocht. Sie gehörten mehr oder weniger ihren Patenfamilien, Eine Mischung aus Sklaven und Pflegekindern, trugen sie in der Regel den Nachnamen ihrer Paten. Über Generationen hat diese Tradition die Standesunterschiede nicht ausgelöscht - der Schulunterricht war dürftig und die Chance auf Verbesserung minimal - aber doch aufgeweicht. In Sirleafs Fall fielen sie vollständig."

Außerdem: Elizabeth Rubin schildert in einer Reportage die nach wie vor entsetzliche Situation der Frauen in Afghanistan.

Magazinrundschau vom 12.10.2010 - New York Times

Leah Hager Cohen, selbst Schriftstellerin, ist bei der Lektüre von Philip Roth' neuem Kurzroman "Nemesis" (Leseprobe) von einer Saula zur Paula gewandelt worden. Diesem Roman geht aller Rothscher Zynismus ab, schreibt sie, er erzählt die rührende Geschichte eines jüdischen Sportlehreres zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, der wegen seiner schlechten Augen nicht zum Militär darf und im Kampf gegen die damals grassierende Polio-Krankheit sein Omaha Beach erblickt. Was sie besonders erstaunt, ist die raffinierte Erzählperspektive: "Es ist eine Liebesgeschichte. Ich denke dabei nicht an Bucky und sein Mädchen, sondern an Bucky und den Erzähler. ... Mehr als hundert Seiten gehen vorbei, bis man entdeckt, wer die Geschichte eigentlich erzählt. Und selbst dann glaubte ich, bis kurz vor Schluss, dass der Erzähler irgendwie allwissend sei, von jenseits des Grabes spreche, wie in einem anderen Roth-Roman, 'Empörung'. Hier wie dort spürt man, wie er die Rolle von Erinnerung und Erzählung erforscht, um den Sinn eines Lebens zu erfassen."

Außerdem in der Book Review: Steven Heller bespricht eine monumentale Ausgabe von Lynd Wards, von Art Spiegelman herausgegebenen "stummen" Comicromanen (mehr hier).

Magazinrundschau vom 28.09.2010 - New York Times

Im New York Times Magazine schildert Elif Batuman den Streit um den Kafka-Nachlass, der in Max Brods Koffer 1968 in Tel Aviv gefunden wurde. Seit zwei Jahren verhandeln israelische Gerichte über die Frage, ob die Erbin Eva Hesse, die Tochter von Brods Sekretärin, den Inhalt verkaufen darf oder ob er in Israel bleiben muss. Der israelische Autor Etgar Keret, der mit Batuman sprach, nimmt es von der humorvollen Seite: "Wenn Brod sehen könnte, was jetzt passiert, wäre er 'entsetzt'. Kafka auf der anderen Seite, wäre vielleicht zufrieden. 'Wenn man sein Zeug eigentlich verbrannt haben will, ist das Nächstbeste, es einem Mann zu geben, der es einer Frau gibt, die es ihrer Tochter gibt, die es in einem Appartement voller Katzen aufbewahrt, richtig?'"

Außerdem: A.O. Scott feiert den französischen Kosmopolitismus des Filmregisseurs Olivier Assayas, dessen Film "Carlos" im November anläuft. In der Book Review bespricht der irische Autor Colm Toibin David Grossmans Roman "Eine Frau flieht vor einer Nachricht" ("This is one of those few novels that feel as though they have made a difference to the world."), Jennifer B. McDonald stellt eine Diaghilev-Biografie von Sjeng Scheijen vor (zwar schreibe Scheijen recht trocken, doch werde das mehr als wettgemacht durch die ausführlichen Zitate aus den Briefen und Tagebüchern von Diaghilevs Zeitgenossen) und Belinda Cooper bespricht eine Geschichte der Menschenrechte, die nach Auffassung des Autors Samuel Moyn erst in den Siebzigern begann.

Oh, und heute bespricht in der NYT Anthony Tommasini die "Ring"-Produktion von Robert Lepage an der Met. Schlimmes stand zu befürchten: "Otto Schenks romantische 'Ring'-Inszenierung, die 2009 abgesetzt wurde, hatte leidenschaftliche Verteidiger. Peter Gelb, Intendant der Met, hatte im Vorfeld der neuen Inszenierung versucht allen zu versichern, dass dies keine verblasene Eurotrash-Inszenierung würde. Mr. Lepage benutzt die neueste Bühnentechnik, um 'die Geschichte zu erzählen', erklärte Mr. Gelb wiederholt in Interviews. Tatsächlich ist Mr. Lepages Produktion sogar mit den ganzen Hightech-Elementen ziemlich traditionell." Uff!

Magazinrundschau vom 31.08.2010 - New York Times

Unsere Muttersprache formt unser Denken. Der Linguist Guy Deutscher erklärt das im Magazine etwas genauer: Guugu Yimithirr, eine Sprache australischer Aborigines, kennt beispielsweise die Wörter "links", "rechts", "vorne" und "hinten" nicht. Sie benutzen keine egozentrischen Koordinaten, um einen Standort zu beschreiben, sondern geografische. "Rutsch ein Stück nach rechts" heißt "Rutsch nach Osten". Unnötig zu sagen, dass ihr Orientierungssinn fantastisch ist. Noch beeindruckender aber ist Deutschers Beispiel für die Sprache der Matses-Indianer in Peru. Wer in dieser Sprache über eine Tatsache berichtet, muss zwangsläufig immer genau sagen, woher er das weiß. "Man kann nicht einfach wie im Englischen sagen, 'hier ist ein Tier vorbeigelaufen'. Man muss mit unterschiedlichen verbalen Formen genau beschreiben, ob man das Beschriebene direkt miterlebt hat (man sah das Tier vorbeilaufen), es schlussfolgert (zum Beispiel aus Fußabdrücken), es vermutet (weil hier um diese Tageszeit immer Tiere vorbeilaufen) oder es von jemandem gehört hat. Wenn eine Aussage aufgrund inkorrekter 'Offensichtlichkeit' getroffen wird, wird sie als Lüge angesehen. Wenn man zum Beispiel einen Matses-Mann fragt, wieviele Frauen er hat, wird er bis zu dem Moment, in dem er seine Frauen tatsächlich sieht, in der Vergangenheitsform antworten und etwas sagen wie 'Als ich das letzte mal nachgesehen habe, waren es zwei'." Klingt, als würden die Matses akkurate Journalisten abgeben!

Die großartige Shirley Jackson (1919-1965) wurde in die "Library of America" aufgenommen. Joyce Carol Oates hat die Auswahl für den Band getroffen. Terrence Rafferty würdigt in der Book Review noch einmal Jacksons Werk, das mit "Schauergeschichten" nur sehr unzureichend beschrieben ist. (Vielleicht ein Anlass für Diogenes, die längst vergriffenen deutschen Übersetzungen wieder aufzulegen?) Jacksons Kurzgeschichte "The Lottery", die 1948 gut dreihundert empörter Leserbriefe an den New Yorker und Aboabbestellungen nach sich zog - es geht um eine Steinigung! - kann man hier gelesen von A.M. Homes hören. Die englische Wikipedia bietet eine ganz gute Zusammenfassung der Reaktionen. Aber bitte - erst selber lesen oder hören!

Besprochen werden weiter Milan Kunderas Essayband "Une Rencontre" (anders als Alain Finkielkraut vor gut einem Jahr im Nouvel Obs erwähnt John Simon in diesem Zusammenhang die Kundera-Affäre mit keinem Wort) und Jonathan Franzens neuer Roman "Freedom" (nach Michiko Kakutani ist Sam Tanenhaus der zweite Rezensent, der das Buch in der Times in den Himmel lobt, was die Bestsellerautorinnen Jodi Picoult und Jennifer Weiner zum Anlass nahmen, der NYT vorzuwerfen, sie feiere nur weiße, männliche Mittelklasseautoren. Alle Links zum Streit hat Heather Horn für The Atlantic gesammelt.)

Magazinrundschau vom 24.08.2010 - New York Times

Mit großem Vergnügen hat Robert Darnton, Direktor der Harvard University Library, Lewis Hydes Buch "Common as Air" gelesen, das noch einmal erzählt, wie wenig die amerikanischen Gründervater vom Schutz des geistigen Eigentum hielten. Zum Beispiel Benjamin Franklin und seine Erfindung des Blitzableiters: "Er beantragte niemals ein Patent, denn er bezog sich auf einen gemeinsamen Vorrat an Wissen und fühlte sich verpflichte, etwas 'für das gemeinsame Wohl zu produzieren'. Die gleiche Haltung lag Thomas Jeffersons Beschreibung des Wissens als einem 'gemeinsamen Besitz' zugrunde. Sie durchzog die gesamte Aufklärung, als Männer über Experimente und Ideen in brieflichen Netzwerken und einer Kette von Akademien diskutierten, die von St. Petersburg bis Philadelphia reichten. Vor allem trugen sie ihre Gedanken gedruckt weiter. Briefe, gelehrte Gesellschaften und gedruckte Worte führten zusammen zu der Bilderung der Republic of Letters, der Gelehrtenrepublik, eine für alle offene und gleichberechtigte Welt - zumindest im Prinzip, in der Praxis war sie begrenzt auf die literarische Elite." (Hyde hat seine Überlegungen zum Copyright auch hier beschrieben: pdf zum runterladen)

Zu Beginn des 20. Jahrhundert hat die britische Diplomatie viele Absichtserklärungen zu Palästina produziert. Gehalten hat sie sich dann aber nicht an die Sykes-Picot-Erklärung, die den Palästinensern einen eigenen Staat versprach, sondern an die Balfour-Deklaration, die den Juden dasselbe Land versprach. An Jonathan Schneers "The Balfour Declaration" (Leseprobe) schätzt der israelische Historiker Tom Segev zwar die Darstellung der britischen Imperialmacht, einverstanden ist er aber nicht mit der Erklärung, dass London aus Angst vor der "jüdischen Weltherrschaft" und in Hoffnung auf einen amerikanischen Eintritt in den Ersten Weltkrieg agierte: "Die Angst vor den Juden war nicht der einzige Aspekt dieser Geschichte. Der andere, den Schneer vernachlässigt, war die genuine Bewunderung, die viele britische Politiker, inklusive Premierminister David Lloyd George und Balfour selbst, für die Juden und ihre Geschichte, hegten."

Magazinrundschau vom 27.07.2010 - New York Times

Das Netz vergisst nichts. Keine Fotos, auf denen wir besoffen posieren, keine albernen Bemerkungen, keine dummen Kommentare. Und damit haben wir ein Problem, stellt der Journalismusprofessor (Korrektur: nicht Juraprofessor) Jay Rosen im Magazine fest, denn dieses Nichtvergessen ist total unamerikanisch: "Wir wissen seit Jahren, dass das Web beispiellosen Voyeurismus, Exhibitionismus und versehentliche Indiskretion erlaubt, aber wir beginnen erst jetzt zu verstehen, was uns ein Zeitalter kostet, in dem so viel von dem was wir sagen und was andere über uns sagen in permanenten und digitalen Dateien landet. Die Tatsache, dass das Internet nie vergisst, bedroht auf einem geradezu existenziellem Level unsere Fähigkeit, unsere Identitäten zu kontrollieren; und uns die Möglichkeit offenzuhalten, uns neu zu erfinden und von vorn anzufangen; unsere gefleckten Vergangenheiten zu überwinden." Rosen beschreibt detailliert, was für technische Möglichkeiten es demnächst geben wird, uns auszuspionieren, und die Strategien, die dagegen entwickelt werden. Aber viel helfen wird es nicht, fürchtet er.
Stichwörter: Rosen, Jay

Magazinrundschau vom 13.07.2010 - New York Times

Wird Jemen das nächste Afghanistan? Gut möglich, schreibt Robert F. Wort, in einer langen Reportage für das NYT-Magazin, die man sich noch viel länger gewünscht hätte. Das Land ist bitter arm, die Saudis wachen ängstlich darüber, dass sich dort keine Demokratie entwickelt und die Amerikaner machen sich mit Bombardierungen und der Ermordung lokaler Al-Qaida-Anhänger verhasst. "Das wahre Problem ist, dass der Jemen mit seiner unfassbaren Korruption, den zahlreichen Aufständen, dem schwindenden Öl und Wasser und der immer größer werdenden Armut mit Sicherheit im Chaos versinken wird, wenn sich nichts ändert. Jeder weiß das, auch Präsident Obama und ein wachsender Chor von Terrorismus-Experten. Bis jetzt haben diese Rufe nach Taten nichts gebracht. Ich habe mit einer Reihe von amerikanischen Regierungsbeamten in Washington und Diplomaten in Sanaa gesprochen. Sie alle sagen dasselbe: niemand hat eine wirkliche Strategie für den Jemen, zum Teil, weil es nur so wenige Menschen gibt, die eine wirkliche Expertise für dieses Land haben. (...) Letzten Juni verkündete das Weiße Haus, dass es die humanitäre Hilfe für Jemen verdreifachen würde, auf 42,5 Millionen. Aber gemessen an dem, was der Jemen braucht, ist das immer noch wenig. Und die Diplomaten geben zu, dass sie nicht wissen, wie sie die zentralen Probleme - schlechte Regierung, Korruption, Wirtschaft - ansprechen sollen."
Stichwörter: Jemen, Washington, Wasser, Sanaa