
Im New York Times Magazin
schreibt Mark Leibovich über das 2007 gegründete und seitdem enorm einflussreiche politische
Internetmagazin Politico und den Mann, der niemals schläft: Politico-Reporter
Mike Allen, dessen Newsletter
Playbook zwischen 5.30 und 8.30 Uhr morgens etwa
30.000 Leute täglich lesen. Die meisten sind Journalisten, Politiker, Lobbyisten - Washingtonleute eben. "Die Leute in dieser Community wollen alle
dieselben 10 Geschichten lesen', sagt er. 'Um die zu finden, muss ich 1000 Geschichten lesen.' ... Allen ist ein Meisteragreggator. Das führt dazu, das einige Playbook als copy-und-paste-Übung abqualifizieren. Aber dieser Vorwurf ignoriert Allens Fähigkeit,
Neuigkeiten als erster zu lancieren (und sei es auch nur für 15 Minuten), aus Emails auszuwählen, die nur er erhält, Vorabexemplare von Büchern und Magazinen zu bekommen und
die Hauptnachricht vom Grund des Reporterpools zu bergen. Er hat eine Gabe, genau die Informationen herauszufiltern, die eine informationsgesättigte Meute am meisten interessieren und von denen sie nichts wusste, als zu Bett ging. Playbooks Politik ist 'agressiv neutral', und Allen sagt, seine sei es auch - er weigert sich zu wählen. So wie viele Quellen mit [Bob] Woodward reden, weil sie glauben, dass alle anderen es auch tun, flüstert das Weiße Haus Allen früh Themen zu, weil sie wissen, dass zum Beispiel Dick Cheney Allen mit seiner Kritik an der jetzigen Regierung füttert."
Kritik an Politico? Gibt es auch, zum Beispiel von Mark Salter, einem Wahlkampfhelfer von John McCain. "'Es ist die Verkürzung des Nachrichtenzykluses. Es ist die Trivialisierung von Neuigkeiten. Es ist die
Klatschnatur der Nachrichten. Es ist die Eigenwerbung.' Er bittet mich, wenn ich das zitiere, auch zu erwähnen, dass er viele
Politico-Reporter mag und respektiert, allen voran Mike Allen."
In der Book Review
rezensiert NYT-Chefredakteur
Bill Keller höchstpersönlich Alan Brinkleys Biografie des Time- und Life-Gründers
Henry Luce. Keller schätzt Luce als Journalisten
alter Schule, obwohl das Time Magazin wie ein Blog begann - als Aggretator von Meldungen aus verschiedenen Zeitungen. Luces "erklärte Mission war es, 'die ungebildete Oberschicht, den geschäftigen Geschäftsmann, die müde Debütantin zu bedienen und sie wenigstens einmal die Woche auf
ein Tischgespräch vorzubereiten'". Luce selbst wurde, so Keller, in einer anderen Biografie von David Halberstam als "
zum Teil hinterwäldlerisch beschrieben, und er hielt fest, dass 'unsere besten Redakteure immer schon wenigstens zum Teil hinterwäldlerisch waren. Alles war
neu und frisch und möglich für sie, sie hielten nichts für garantiert.'" Vielleicht genau das, was Keller abgeht?