Magazinrundschau - Archiv

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54 Presseschau-Absätze - Seite 3 von 6

Magazinrundschau vom 13.09.2005 - Plus - Minus

Vier Jahre nach den Anschlägen vom 11. September schreibt Zbigniew Brzezinski, Sicherheitsberater unter Präsident Jimmy Carter, im Magazin der polnischen Rzeczpospolita: "Die US-Regierung setzte anstelle der Kommunisten als obersten Feind die islamischen Terroristen. Die wahre Bedrohung liegt aber in der Dritten Welt, in den Millionen von frustrierten Menschen. Das selbstgerechte Amerika ist für sie ein Traum-Hassobjekt." Die Welt erwartet heute mehr von den USA als die militärische Bestätigung ihrer Macht. Sie müssen, in eigenem Interesse, Verbündete suchen, um die Last der Verantwortung für eine Verbesserung der Menschheit zu tragen. "Die Souveränität der USA muss einer Sache dienen, die größer ist als die eigene Sicherheit."

Der russische Schriftsteller Viktor Jerofejew erinnert sich an seinen Besuch in New Orleans vor einigen Jahren: "Ich erinnere mich an das flache Wasser im Meer bei New Orleans. Es ließ sich nicht schwimmen, schlimmer noch als in der Ostsee. Wo kam diese gewaltige Welle her? Was wollte Katrina uns sagen?"

Magazinrundschau vom 30.08.2005 - Plus - Minus

Die polnischen Magazine sind voll von Beiträgen zum 25. Jahrestag der Gründung der Solidarnosc am 31. August. In der Wochenendausgabe der Rzeczpospolita schreibt ein Vertreter der Gegenseite, Stanislaw Kania, damals einer der Anführer der Kommunistischen Partei: "War eine gewaltsame Niederschlagung der Streiks möglich? ... Die Stimmen der jenigen, die damals für einen Gewaltakt plädierten, nannte ich das wirre Gerede derer, die wollen, aber nicht können. In diesen heißen Tagen gab es in Polen niemanden, der mit Gewalt gegen die Streikenden hätte vorgehen könnte."

Außerdem: eine Erzählung des Danziger Schriftstellers Pawel Huelle aus den Tagen der Revolution, als er illegale Publikationen durch die Stadt transportierte; und Jean-Louis Panne fragt, was vom Mythos der Solidarnosc in Frankreich blieb - "Nichts. Es ist paradox, weil gerade in Frankreich die Unterstützung für die Bewegung am stärksten und konsequentesten war. Sie moblisierte viele Menschen aus verschiedenen Schichten und Lagern. Sowohl die Linke wie die Rechte glaubten, in der Solidarnosc die Bestätigung eigener Wünsche zu sehen, wobei sie sie auf eine Situation projizierten, die sie nicht verstanden."

Magazinrundschau vom 12.07.2005 - Plus - Minus

Die Philosophin Agnes Heller zieht ins Feld gegen einige - nicht genannte - "bekannte amerikanische und deutsche Intellektuelle", die den Terrorismus entweder als Rebellion der Armen gegen die Reichen, der Verlierer und der Gewinner der kapitalistischen Globalisierung, oder als quasi natürliche Reaktion gegen den Imperialismus Amerikas erkären wollen. "Die Menschen, die hinter dem globalen Terrorismus stehen, sind selbst globale Kapitalisten, so wie Hitler von deutschen Industriellen und Finanziers unterstützt wurde. Der Antikapitalismus dient lediglich als Slogan, um massenweise Ressentiments gegen die Reichen zu schüren und einen rassistischen oder religiösen Krieg zu führen. Viele von ihnen sind frustrierte Intellektuelle - junge Menschen, die in einer sehr gewöhnlichen Welt außergewöhnlich sein wollen, die große Ambitionen, aber wenig Talent haben, oder deren Karriere aus anderen Gründen verhindert wurde."

Der Historiker Tomasz Szarota erzählt, wie im November 1939 eine Delegation polnischer Juden aus Schlesien zu Adolf Eichmann reiste, um ihn von ihrem Ausreisewillen zu überzeugen. Die deutschen Besatzer in Polen waren anfangs daran interessiert, die jüdische Bevölkerung loszuwerden, sie zur Emigration zu zwingen. "Es hat nicht funktioniert, weil die Juden nirgendwo hin konnten. Alle westlichen Länder verschlossen die Tore vor ihnen. Tausende, wenn nicht hunderttausende Menschen hätten gerettet werden können, wenn die Mächte auch nur im Ansatz Verständnis für das Schicksal dieser Menschen aufgezeigt hätten. Bis heute wird diese Angelegenheit verschwiegen...

Magazinrundschau vom 05.07.2005 - Plus - Minus

Kaliningrad-Königsberg feiert den 750. Jahrestag seiner Gründung durch den Deutschritterorden, und die einzigen Nachbarn der russischen Exklave, Polen und Litauen, sind nicht eingeladen. Die russische Regierung schwankt wie immer zwischen dem Willen zur Zusammenarbeit mit dem Westen und dem Misstrauen gegenüber den europäischen Partnern. Im Leben des Kaliningrader Gebiets hinterlässt das Spuren, berichtet Maja Narbutt. "Es gibt keine noch so unglaubliche Theorie, der hier nicht wenigstens teilweise Glauben geschenkt wird. Die Zukunft der Exklave vorherzusagen ist nicht mehr als Kaffeesatzleserei. Wird es ein russisches Hongkong oder eine bis auf die Zähne gerüstete Militärzone?" In Moskau scheint man auch keine eindeutige Vision zu haben, so dass der Frust und der Groll gegenüber der "Zentrale" unter den Königsbergen wächst.

"Putin feiert 750 Jahre Kaliningrad. Wusste gar nicht, dass Kalinin so lange lebte", spottet der Schriftsteller und Publizist Stefan Bratkowski. Die russischen Feiern zum Jubiläum dieser Stadt mit seiner multikulturellen Geschichte muten eher wie eine lächerliche Usurpation an, die von Schröder und Chirac auch noch unterstützt werden, als ob sie weiterhin nicht verstünden, dass sie damit die ostmitteleuropäischen Länder düpieren, erregt sich Bratkowski.

Pünktlich zum "Live8"- und dem U2-Konzert in Chorzow (dem einzigen in diesem Land und dem zweiten überhaupt), schildert Plus-Minus die Geschichte der Band und des in Polen ungeheuer populären Frontmans Bono. "Die Biographie der Band spiegelt das Schicksal der Iren: religiöse, politische und in letzter Zeit auch moralische Zersplitterung. Der Weg, den sie gegangen sind, erinnert an das, was Polen heute durchmacht."

Magazinrundschau vom 21.06.2005 - Plus - Minus

Dorota Maslowska, der Jungstar unter den polnischen Schriftstellern ("Schneeweiß und Russenrot"), hat gerade ihr zweites Buch "Paw krolowej" (wörtlich: "Pfau der Königin") veröffentlicht. Im Interview mit dem Magazin der Rzeczpospolita spricht sie über ihr neues Buch: "'Paw krolowej' ist eine Welt von ekstatischen Egoisten, die ihre eigene Religion sind. Gut ist, was gut aussieht, was Vorteile bringt. Aber in einer Welt ohne Werte ist das Gute vor allem ein exzellentes Material für die Medien, zum Beispiel, wenn ein Manager einem Sänger befiehlt, ein Mädchen im Krankenhaus zu besuchen, und dann eine Pressekonferenz dazu einberuft. Die Popkultur ist eine Kultur der Abkürzung, der Zusammenfassung, der Etikette; meine Helden sind keine wirklichen Menschen, sie können sich jedes Gesicht ankleben, je nach medialer Konjunktur".

Weitere Artikel: Der Historiker Krzysztof Pomian erinnert sich, wie er - als Kind einer jüdischen Familie mit sozialistischen Traditionen - in den fünfziger und sechziger Jahren zum Regimekritiker, zum "Revisionisten", wurde: "Ich fand, dass meine kommunistische Vergangenheit mich dazu verpflichtete, eine nichtkommunistische Zukunft zu gestalten". Der Publizist Andrzej Stach analysiert den unterschiedlichen Umgang mit der Stasi-Vergangenheit in Deutschland und Polen: hier die Birthler-Behörde, dort politischer Grabenkampf. Aber: "In Polen gab es keine 'westpolnischen' Offiziere und Generäle, Anwälte, Polizisten und Wissenschaftler, die die Stelle der kompromittierten 'ostpolnischen' Spezialisten einnehmen könnten." Deshalb sei der 'Schlussstrich' Anfang der neunziger Jahre das Beste gewesen. Nach dem NATO- und EU-Beitritt sollte man aber mit der letzten Reifeprüfung für diesen Staat nicht warten und mit der kommunistischen Vergangenheit abrechnen, schließt Stach.

Magazinrundschau vom 14.06.2005 - Plus - Minus

Im Magazin der polnischen Rzeczpospolita erzählt die ukrainische Premierministerin Julia Tymoschenko, dass das Land trotz der EU-Krise an seinen europäischen Ambitionen festhält. Allerdings stocke momentan die Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, insbesondere in Sachen Freihandelszone. Auf die Frage nach Abschaffung der Privilegien für ausländische Investoren in zahlreichen Sonderwirtschaftszonen, die viele polnische Unternehmen getroffen hat, antwortet die Politikerin: "Die Ukraine wird westlichen Investitionen die günstigsten Bedingungen schaffen, mit der Bedingung, dass sie Steuern zahlen. Wir öffnen euch Tor und Tür und Fenster und rollen den Teppich aus. Aber zahlt Steuern."

Weiteres: Elzbieta Sawicka begeistert sich für die Ausstellung "Brücke. Geburt des deutschen Expressionismus", die momentan in Barcelona zu sehen ist und im Herbst nach Berlin kommt. "Man kann den Expressionismus mögen oder nicht, aber man muss zugeben, dass er die Basis der Ästhetik des 20. Jahrhunderts war. Dieses deutsch-spanische Ausstellungsprojekt zur Dresdner Künstlergruppe ist das größte seit 1952." Abgedruckt ist schließlich ein Kapitel aus dem neuen Buch des Schriftstellers Stefan Chwin, "Die Frau des Präsidenten".

Magazinrundschau vom 07.06.2005 - Plus - Minus

Im Magazin der Rzeczpospolita stellt der Soziologe Ralf Dahrendorf fest, dass die materiellen Unterschiede zwischen den Ärmsten und den Reichsten in den letzten zwanzig Jahren enorm gewachsen sind, und der Reichtum der zehn reichsten Menschen der Welt das "harmlose" Niveau übersteigt. Das führt nicht zwangsläufig zu Revolutionen, konstatiert Dahrendorf, das Problem sei die Herausbildung einer "Subklasse" und der "Superreichen": "Die globale Ungleichheit, im ökonomischen, aber in Folge dessen auch politischen und sozialen Sinne, hat ein Niveau überschritten, das ich für akzeptabel halte. Die Existenz der Superreichen beunruhigt mich nicht so sehr, wie das Phänomen der sozialen Exklusion. Besonders, weil es nicht nur unsere Gesellschaften, sondern ganze Länder betrifft, die, wie es scheint, keine Chance haben, sich der globalen Gemeinschaft anzuschließen. Ungleichheit an sich finde ich nicht gut oder schlecht, es muss jedoch eine Bedingung erfüllt sein - es muss ein Grundstandard für alle gewährleistet sein."

Slawomir Popowski prophezeit eine Zeitenwende in der Osteuropapolitik der EU: "Durch die Osterweiterung grenzt das vereinigte Europa an das postsowietische Gebiet. In Folge dessen - und vielleicht unabhängig vom Willen der EU - tauchte im Blickfeld der GUS ein alternatives Integrationskonzept auf: das europäische, anstelle des russischen. Und dieses Modell siegte in der Ukraine. Moldawien war ein weiteres Glied in der Kette; Weißrussland und sogar Armenien und Aserbaidschan können folgen. Das vereinigte Europa hat gar keine andere Wahl, als auf die europäischen Sehnsüchte der postsowjetischen Staaten positiv zu reagieren". Die einzige Alternative bestünde darin, eine neue Mauer im Osten zu errichten, und bewusst die neuen Demokratien der imperialen Ambitionen Moskaus auszuliefern, was zur Entstehung eines Brüssel-Europa und eines Moskau-Europa führen würde.

Außerdem: die einmal im Monat erscheinende Bücherbeilage bringt eine Rezension des neuen Buchs des Shooting-Stars der polnischen Literaturszene, Dorota Maslowska. Krzysztof Maslon persifliert den hip-hopesquen Stil der Autorin von "Schneeweiß und Russenrot" und rapt eine Buchbesprechung ihres neuen Werks "Paw krolowej".

Magazinrundschau vom 31.05.2005 - Plus - Minus

"Präsident Bush wird einen wichtigen Verbündeten in Europa wiedergewinnen, Russland seinen wichtigsten Lobbyisten im Westen verlieren, Chirac wird seinen wichtigsten Partner beim Aufbau einer multipolaren Welt verlieren, die Türkei länger auf eine EU-Mitgliedschaft und die Chinesen auf eine Aufhebung des Waffenembargos warten müssen". Verkehrte Welten? Nein, im Magazin der polnischen Rzeczpospolita sagt Jaromir Sokolowski voraus, wie sich die deutsche Außenpolitik unter einer (sehr wahrscheinlichen) schwarz-gelben Bundesregierung ändern würde. Aus polnischer Sicht hätte der Machtwechsel in Berlin jedoch einen Nachteil: womöglich wird die Vertriebenenlobby mehr Einfluss auf eine christlich-demokratisch geführte Bundesregierung gewinnen. Nicht auszuschließen ist, dass sich die CDU/CSU im Wahlprogramm dazu verpflichtet, in Berlin ein "Zentrum gegen Vertreibungen" einzurichten. "Wir hoffen, dass Angela Merkel es im Namen einer echten deutsch-polnischen Versöhnung nicht zulassen wird, dass junge Deutsche und Polen durch diese historischen Streitereien belastet werden", schließt der Autor.

Eine "gigantische Veränderung in der Welt der polnischen Medien" stellt der Publizist und Politologe Klaus Bachmann fest. Vor allem durch das vom Springer-Verlag vor einem Jahr auf dem polnischen Markt eingeführte Tabloid Fakt ist blitzartig eine Entwicklung eingetreten, die in Westeuropa Jahre gedauert hat: eine ideologielose Personalisierung der Nachrichten. "Gegenwärtig konkurrieren die Medien nicht in Sachen Qualität der Nachrichten oder Scharfsinnigkeit der Kommentare, sondern beim Tempo der Informationen. Journalismus ist keine Berufung mehr, und das Festhalten an einer Berufsethik ist ein Luxus, den sich nur wenige Stars der Branche leisten können. Diese Phänomene haben die Journalisten nicht verschuldet, sie passen sich ihnen nur an". Bachmann plädiert dafür, die Zeitungen "wie alle anderen Produkte zu behandeln und Qualitätskontrollen zu unterziehen".

Magazinrundschau vom 10.05.2005 - Plus - Minus

Das Magazin der Rzeczpospolita ist ganz dem Jahrestag des 8. Mai gewidmet. Die französischen Historiker Stephane Courtois und Jean-Louis Panne (Herausgeber und Autoren des "Schwarzbuchs des Kommunismus") betonen dabei die Bedeutung des Hitler-Stalin-Pakts, der das Schicksal Polens besiegelte und den Krieg unabwendbar machte. In sehr scharfen Worten kritisieren sie Versuche, die Zeit der Zusammenarbeit zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und der Sowjetunion aus der europäischen Erinnerung zu tilgen, um keine Zweifel am moralischen Sieg der "Befreier" aufkommen zu lassen. "Warum sollte man an diese düsteren Momente der europäischen Geschichte, vor allem für die Nationen Mittelosteuropas, erinnern? Ganz einfach: heute ist es noch wichtiger als früher, eine gemeinsame europäische Erinnerung und ein gemeinsames Bewusstsein zu schaffen. Dabei sollte die ganze Geschichte, aller europäischen Völker berücksichtigt werden. Nicht etwa um, wie Putin es drohend formuliert hat, die Geschichte neu zu schreiben, sondern um sie überhaupt zu schreiben. Endlich zu schreiben."

Auch der "bekannteste Historiker Polens", der Brite Norman Davies erinnert an die Ambivalenz des sowjetischen Sieges für das östliche Europa, und bemerkt wie die "Vernunftsehe" - die große Koalition gegen Hitlerdeutschland - eine objektive Darstellung des Krieges lange Zeit verhinderte und bis heute das Bild Westeuropas vom Kriegsverlauf im Osten beeinflusst. Die Verbrechen des Gulag, die Zerstörung Warschaus während des Aufstands, die Opfer der Vertreibungen - das alles scheine erst durch neuere Forschungen und Publikationen der Öffentlichkeit bewusst geworden zu sein. "Das westliche Denken wurde von der offiziellen Darstellungsweise des Krieges: Hitler als Inbegriff des Bösen, Stalin als Alliierter mit seinen kleinen Sünden, so sehr beeinflusst, dass eine objektivere Darstellung der Geschichte eine Umdeutung der Verhältnisse, der Ideologien und der Moral voraussetzen würde." Ohne das Verdienst der Roten Armee beim militärischen Sieg über Hitler zu schmälern, sollte man daran erinnern, das Stalins Triumph mit Freiheit und Gerechtigkeit wenig zu tun hatte, schließt Davies.

Magazinrundschau vom 26.04.2005 - Plus - Minus

Der 25. Jahrestag der Gründung der Solidarnosc rückt näher. Im Magazin der Rzeczpospolita ist für den Literaturwissenschaftler Przemyslaw Czaplinski nicht mehr viel übrig geblieben vom großen Mythos, in der Solidarnosc hätte sich eine vereinte Nation gegen das Böse gestellt. Czaplinski stellt fest, dass in der jüngeren polnischen Literatur vor allem Enttäuschung über den Zerfall dieses Mythos vorherrscht, wobei man oft den ganzen Transformationsprozess verurteilt. "Zum Glück reagierten nicht alle Schriftsteller auf diesen Prozess mit Jammern. Wichtiger sind die Bücher, die zeigen, dass wir nie eine Einheit waren: Andrzej Stasiuks 'Weißer Rabe' oder Piotr Siemions 'Picknick am Ende der Nacht'. Sie helfen die Vielfalt der Einstellungen in Zeiten des Realsozialismus zu verstehen, abseits der Dychotomie: wir - sie."

"Als er ein Kind war, wollte er nicht Schriftsteller sein, sondern ein Buch. Einen Menschen kann man leicht töten, auch einen Schriftsteller. Aber bei einem Buch bleibt immer eine Chance, dass ein Exemplar überlebt", schreibt in einem Porträt des israelischen Schriftstellers Amos Oz der Publizist Bartosz Marzec. Oz, dessen Eltern in Polen geboren wurden, pflegte immer eine besondere Beziehung zu diesem Land. "Die polnisch-jüdische Ehe war vielleicht nicht glücklich, dafür aber auch nie langweilig", erklärte er 1994 bei einem Treffen mit seinen Lesern in Warschau, "ob wir es wollen oder nicht, haben wir gemeinsame Kinder und eine gemeinsame Vergangenheit. Wir sollten über die verschiedenen Ebenen unserer Beziehung sprechen: der kulturellen, politischen und religiösen."