Das Magazin der
Rzeczpospolita ist ganz dem Jahrestag des
8. Mai gewidmet. Die französischen Historiker
Stephane Courtois und
Jean-Louis Panne (Herausgeber und Autoren des
"Schwarzbuchs des Kommunismus")
betonen dabei die Bedeutung des
Hitler-Stalin-Pakts, der das Schicksal Polens besiegelte und den Krieg unabwendbar machte. In sehr scharfen Worten kritisieren sie Versuche, die Zeit der Zusammenarbeit
zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und der Sowjetunion aus der europäischen Erinnerung zu tilgen, um keine Zweifel am
moralischen Sieg der "Befreier" aufkommen zu lassen. "Warum sollte man an diese düsteren Momente der europäischen Geschichte, vor allem für die Nationen Mittelosteuropas,
erinnern? Ganz einfach: heute ist es noch wichtiger als früher, eine gemeinsame europäische Erinnerung und ein
gemeinsames Bewusstsein zu schaffen. Dabei sollte die ganze Geschichte, aller europäischen Völker berücksichtigt werden. Nicht etwa um, wie
Putin es drohend formuliert hat, die Geschichte neu zu schreiben, sondern um sie überhaupt zu schreiben. Endlich zu schreiben."
Auch der "bekannteste Historiker Polens", der
Brite Norman Davies erinnert an die
Ambivalenz des sowjetischen Sieges für das östliche Europa, und bemerkt wie die "Vernunftsehe" - die große Koalition gegen Hitlerdeutschland - eine objektive Darstellung des Krieges lange Zeit verhinderte und bis heute das Bild Westeuropas vom Kriegsverlauf im Osten beeinflusst. Die Verbrechen des
Gulag, die Zerstörung Warschaus während des Aufstands, die Opfer der Vertreibungen - das alles scheine erst durch neuere Forschungen und Publikationen der Öffentlichkeit
bewusst geworden zu sein. "Das
westliche Denken wurde von der offiziellen Darstellungsweise des Krieges: Hitler als Inbegriff des Bösen, Stalin als Alliierter mit seinen
kleinen Sünden, so sehr beeinflusst, dass eine objektivere Darstellung der Geschichte eine
Umdeutung der Verhältnisse, der Ideologien und der Moral voraussetzen würde." Ohne das Verdienst der
Roten Armee beim militärischen Sieg über Hitler zu schmälern, sollte man daran erinnern, das
Stalins Triumph mit Freiheit und Gerechtigkeit wenig zu tun hatte, schließt Davies.