Magazinrundschau - Archiv

Der Spiegel

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Magazinrundschau vom 10.03.2003 - Spiegel

Die Ausgabe dieser Woche steht ganz im Zeichen des sich zuspitzenden Irak-Konflikts. In einem Interview bemüht der spanische Ministerpräsident Jose Maria Aznar zur Deutung der aktuellen Lage noch einmal den Vergleich mit der Appeasement-Politik der dreißiger Jahre. "Man muss", sagt er auf die Frage, ob er denn die öffentliche Meinung einfach ignorieren könne, "immer auf die Menschen hören. Natürlich sind alle für Frieden. Aber Hunderttausende haben 1938 sicher auch dem Premier Chamberlain in London und dem Ministerpräsidenten Daladier in Paris zugejubelt, weil die Hitler nicht den Krieg erklärten, als der sich das Sudetenland einverleibte. Trotzdem haben Frankreich und Großbritannien mit dem Münchner Abkommen einen Bruch des Völkerrechts abgesegnet."

In den Titelbeiträgen geht es um langfristige Folgen des aktuellen Konflikts für die UNO, die ohnehin schon lange "um eine neue Identität" ringe sowie um das hektische diplomatische Treiben dieser Tage "hinter den Kulissen des Weltsicherheitsrates" - unter so subtil gewählten metaphorischen Überschriften wie "Der Krieg der Diplomaten" und "Das Grollen des Krieges".

Online lesen dürfen wir noch einen Artikel über die Jagd auf Osama Bin Laden, und Bernhard Zand stellt die einzige Heavy Metal Band des Irak vor: A. Crassicauda.

Nur im Print: ein Artikel über "Saddams letztes Aufgebot", aus Ungarn wird über "Kasernendrill für die irakische Opposition" und in der Rubrik "Szene" von einem "Nacktprotest gegen den Krieg" berichtet. Im Kulturteil gibt es ein Interview mit Corinna Harfouch. Besprochen werden das "raffinierte" amerikanische Film-Melodram "Dem Himmel so fern" und Daniel Kehlmanns "gewitzter" Roman "Ich und Kaminski".

Magazinrundschau vom 03.03.2003 - Spiegel

Susan Sontag ist überzeugt, dass der Krieg gegen den Irak unabwendbar ist. George W. Bush sei "entschlossen, den Irak zu besetzen", sagt sie im Interview. Sontag ist zwar gegen den Krieg, findet aber auch deutliche Worte zur Frauenfeindlichkeit des Islam. "Der radikale Islam ist, um es milde auszudrücken, schlecht für Frauen. Ich lebe in einer Kultur, in der Frauen ganz selbstverständlich Lebenschancen haben wie Männer - und der radikale Islam verbietet Frauen diese Möglichkeiten. Deshalb bin ich schon aus ethischen Gründen eine Gegnerin dieser Religionsauslegung. Aber ich füge hinzu, dass jeder Fundamentalismus schlecht für Frauen ist. Ich sehe auch, dass es eine radikale Strömung im Islam gibt, die mehr und mehr Menschen erfasst, die gemischte Gefühle gegenüber der Moderne hegen. In vielen Teilen der Erde werden Männer zum Protest gegen das mobilisiert, was sie als Ungerechtigkeit, politische Unfähigkeit und Korruption in ihren Ländern erachten - und daraus entstehen Glaubenssoldaten in einem religiösen Krieg, der zuallererst an der Front gegen Frauen geführt wird." Ein Grund mehr für sie, keinen Krieg gegen den Irak zu führen. "Saddam ist wirklich das Monster, für das er gehalten wird, und ich wäre froh, wenn er abgesetzt würde. Das einzig Gute an ihm ist jedoch, dass er ein säkulares Monster ist. Auf lange Sicht könnte seine Beseitigung aber ein fundamentalistisches Regime ans Ruder bringen."

Weitere Artikel: Im subtil gewählten Titel "Operation 'Rambo'" stellt der Spiegel die "geheimen Spezialtruppen der USA" vor und porträtiert zwei CIA-Agenten, die in Afghanistan entdeckt und ermordet wurden. Weiter berichtet Heiko Martens, dass in deutschen Großkonzernen demnächst rund 330 Milliarden Euro Betriebsrenten gezahlt werden müssen. Und Roberto Begnini plaudert im Interview über seinen neuen Film "Pinocchio".

Nur im Print: ein Essay von Cordt Schnibben über Friedenskritik und Antiamerikanismus.

Magazinrundschau vom 24.02.2003 - Spiegel

Vor fünfzig Jahren "offenbarte sich zwei jungen Forschern die Struktur des Erbmoleküls DNS". Der Spiegel nennt das den "Startschuss zum Eingriff in die Schöpfung" und widmet ihm seinen Titel.

Im Print wird außerdem gleich zweimal über "die Deutschen" nachgedacht: Wolf Biermann wettert gegen das "einig Volk von Hurra-Pazifisten": "Da verbünden sich aufrichtige Pazifisten, die ich immer respektieren und achten werden, mit verrentnerten Kadern der heuchlerischen DDR-Nomenklatura und mit militanten Alt-68ern. Stramme SPD-Genossen und stramme Christdemokraten kennen keine Parteien mehr, sondern nur noch deutsche Friedensfreunde. Sogar Punks und Skins und Skins reihen sich ein. Es ist nun offenbar 'in echt' zusammengewachsen, was im schlechtesten Sinn zusammengehört." Und mit dem Philosophen Odo Marquard spricht der Spiegel "über die deutsche Sehnsucht nach dem Außergewöhnlichen".

Online gibt Alexander Osang den Verächtern des Donald Rumsfeld Zucker - macht es ihnen aber zugleich auch schwerer. Denn der Mann sagt zwar Sachen wie: "Wissen Sie, ich habe einiges mit diesem Flugzeugträger gemein." Aber richtig ist wohl auch, wie Osang schreibt: "Mit 29 Jahren war er der jüngste Kongressabgeordnete in Washington. Er setzte sich für die Bürgerrechte der Schwarzen ein, bekämpfte die Erzkonservativen in seiner Partei. Er sah gut aus, sein Lachen war ansteckend, er galt als ein John F. Kennedy der Republikaner."

Bei einem Ortstermin in "Bullenhausen" hat Alexander Smoltczyk feststellen können, dass sich nach dem Besuch "des Irren" nun wieder ein verantwortungsvoller Nachbar um die etwas schwächelnde Inge Meysel kümmert.

Ein weiterer Beitrag befasst sich mit den Plänen der Bundesregierung für die Reform des Gesundheitssystems. Vorgerechnet wird, wie viel "das System nach diesen Plänen sparen würde - und wie viel dies die Menschen kosten würde.

Magazinrundschau vom 17.02.2003 - Spiegel

Auf dem Titel mal wieder George W. Bush, diesmal nicht das Maschinengewehr im Anschlag, sondern das Kreuz im Rücken, umweht von amerikanischen Flaggen. Es geht um den Einfluss der christlichen Rechten auf Bushs Politik: "Selten sind im tiefgläubigen Amerika nationale Machtinteressen und fundamentalistische Frömmelei eine so innige Verbindung eingegangen."

Erinnert wird an eine historische Rede, die nämlich, die Joseph Goebbels vor sechzig Jahren hielt und die in die Frage mündete: "Wollt ihr den totalen Krieg?" Im Artikel wird es schlecht poetisch so beschrieben: "Die Menschen im Saal waren für ihn ein großes Instrument, dem er mit seiner teuflischen Rednerkunst beinah nach Belieben die gewünschten Töne entlockte." Goebbels selbst, erfahren wir, hatte dagegen ein durchaus zynisches Verhältnis zur Begeisterung, die er unter seinen Zuhörern auslöste:" 'Diese Stunde der Idiotie', mokierte sich, nach Erinnerung seiner Begleiter, der Hetzer anschließend selbst. 'Wenn ich den Leuten gesagt hätte, springt aus dem dritten Stock des Columbushauses, sie hätten es auch getan.'"

Außerdem wird die wahre Geschichte des Bodo F.erzählt, der nach 15 Jahren aus der Haft entlassen wird. Das Ungewöhnliche daran: als er wegen Mordes hinter Gitter kam, war er noch Bürger der DDR, jetzt muss er sich an den "Westen" gewöhnen, der in seiner Heimatstadt Hoyerswerda Einzug gehalten hat. "Entlang der Bundesstraße, die zu seinem neuen Zuhause führt, blitzten Elf-Tankstellen, Autohäuser und Shoppingcenter. F. schaute durchs Seitenfenster und suchte nach einem Wort für das Ziel der Fahrt. 'Neuland' fiel ihm ein. 'Neues Leben'. Oder: 'Wiedergeburt'."

Rezensiert werden zwei zeitgleich erschienene Biografien Katia Manns, der Ehefrau des Literatur-Nobelpreisträgers. Online nachzulesen ist aber nur ein Brief, den sie kurz nach dem Tod ihres Mannes schrieb. Und Gerd Schulte-Hillen, Aufsichtsratschef bei Bertelsmann, äußert in einem Interview gehörige Skepsis gegenüber dem jüngst eingeschlagenen Kurs des Firmenpatriarchen Reinhard Mohn.

Nur im Heft: Eine Besprechung des Romans "Zerbrechlichkeit" von Erich Wolfgang Skwara und ein Interview mit dem "belgischen Malerstar" Luc Tuymans (mehr hier) über das Verhältnis von Ästhetik und Gewalt.

Magazinrundschau vom 10.02.2003 - Spiegel

"Statt Krieg: UNO-Kontrolle über Irak?", fragt der Spiegel auf dem Deckblatt und widmet dem Irak-Konflikt ein ganzes Dossier.

"Philip Roth spricht mit vielen Stimmen", meint Volker Hage, doch die Erzählerstimme des Universitätsprofessors David Kepesh in Roths jüngstem Roman "Das sterbende Tier" findet er bei weitem nicht so überzeugend wie Roths "gewitztes, selbstironisches, brillantes" Alter ego Nathan Zuckerman, der in vielen Romanen wiederkehrt. Und so bleibe Kepeshs Leid, die enttäuschte Liebe zur jungen Studentin Consuela, "mehr eine Behauptung als wirklich eine Erfahrung, die der Leser teilen könnte".

Außerdem stellt Matthias Geyer Oskar Lafontaine als selbstherrlichen Einfaltspinsel hin, der nun wieder auszieht, das Führen zu lernen, sprich sein "Comeback" zu starten. Und dabei lege der Saarländer eine erstaunliche Blindheit für das, "was außer ihm sonst noch so passiert" an den Tag: "Solange er Politik gemacht habe, sagt er, sei vernünftig Politik gemacht worden. Dann ging er weg, und die Welt veränderte sich. Er könnte auch sagen: Dann ging ich weg, und deshalb veränderte sich die Welt. Aber er redet lieber in Bildern."

Ansonsten haben Nicht-Heftkäufer die schwierige Wahl zwischen der Ölpest an den westeuropäischen Küsten, dem Niedergang der Deutschen Bank, einer von Ökonomen durchgeführten Reform des Stabilitätspaktes und Neuem in Sachen Tierschutz.

Magazinrundschau vom 02.02.2003 - Spiegel

Mit seinem Montagserscheinen ist der Spiegel für Wahlberichterstattung bekanntlich nicht gerade optimal positioniert. Diesmal aber ist's egal, weil klar war, wie es ausgehen würde. Und da ohnehin, innen- wie außenpolitisch, 100 für ihn nicht gerade angenehme Tage vorüber sind, wird, Verdruss im Gesicht, "Der einsame Kanzler" auf den Titel gerückt.

Nach Wochen ohne Online-Kultur mit Heftursprung gibt es diesmal eine ganze Menge. Der Schriftsteller Leon de Winter (mehr hier) widerspricht in polemischem Ton John Le Carres vor zwei Wochen erschienener Philippika gegen den Irak-Krieg. Sein Kronzeuge ist dabei der "der libanesisch-schiitisch-stämmige Wissenschaftler" Fouad Ajami, Professor für Nahost-Studien an der Johns Hopkins University. So schreibt Winter: "Aus le Carres Artikel sprechen die Ansichten und Obsessionen des antiamerikanischen intellektuellen Establishments in Europa; Ajami gehört zu den wenigen arabischen Wissenschaftlern, die weder Political Correctness noch eine etwaige Gefährdung des eigenen Lebens daran hindern können, auf die Eigenverantwortlichkeit der Araber hinzuweisen, die sich selbst in den vergangenen Jahrzehnten eine Serie von Tragödien zugefügt haben." Martialisch de Winters Schlussbild: "Deshalb muss man dem Ungeheuer den Kopf abschlagen - wenn der Westen das unterlässt, wird das Ungeheuer unsere Köpfe rollen lassen." Freigeschaltet ist auch das Interview mit dem irakischen Vizepräsidenten Taha Jassin Ramadan, der, eher nebenbei, für den Kriegsfall den Einsatz von tausenden Selbstmordattentätern ankündigt.

Außerdem: Ein Interview mit Leonardo Di Caprio, der auf die Frage, ob die USA das beste Land der Welt seien, diplomatisch antwortet: "Ich habe von meinen Eltern gelernt, nicht alles zu glauben, was man mir erzählt." Thomas Tuma hat die undankbare Aufgabe, die Spiegel-übliche Soße aus Hohn, Spott und windelweicher Kulturkritik über den RTL-Erfolg "Deutschland sucht den Superstar" zu gießen. Genaueres ist über den Scheich mit besten Terrorismus-Verbindungen zu erfahren, den sich Günter Netzer und die Sportrechte-Agentur Infront ins Boot geholt haben. Und Bill Gates hat 100 Schülern in München die Zukunft vorausgesagt.

Magazinrundschau vom 27.01.2003 - Spiegel

Nach der Expedition in die Antarktis von letzter Woche kehrt der Spiegel diesmal mit der "Akte Saddam" in den Irak zurück. Geladen hat man den Nahost-Experten Kenneth Pollack, der eine ganze Serie zur Struktur von Saddams Terror-Regime schreiben darf, die erste Folge - plus Interview mit Pollack, diese Woche.

Sonst ist nicht viel los auf den Netz-Seiten von Deutschlands größtem Nachrichtenmagazin. Die Kultur - unter anderem mit einem Bekenntnis Durs Grünbeins zum "alten Europa" und der Besprechung des neuen Erzählungsbandes von Judith Hermann - ist mal wieder zur Gänze den Heftkäufern vorbehalten. Von Interesse das Gespräch mit dem Mail on Sunday-Herausgeber Peter Wright, der sein Recht aufs Gerücht einklagt: "Auch ein Gerücht ist ein Tatbestand, Leute reden darüber, es ist in der Welt, also kann man den Ursachen nachgehen. Jedenfalls kann man das in unserem Land." Ist natürlich alles im Sinne der Demokratie: "Ich spreche von dem Verhältnis zwischen der politischen Klasse und dem Volk. Unterwürfigkeit, die Etablierung von Tabus - in so einem Klima können auch die großen Fragen nicht mehr offen diskutiert werden."

Außerdem: Wir erfahren, dass das Verfassungsgericht diese Woche vermutlich den Vätern unehelicher Kinder weitergehende Rechte einräumen wird als bisher. Und im Bericht über den Reemtsma-Zigarettenschmuggel-Verdacht geht es um Figuren diesen Kalibers: "Semjon Mogiljewitsch, 56. Waffen, Öl, Drogen, junge Frauen - der Ukrainer soll mit allem handeln, was schnelles Geld verspricht. Und er verfügte, vermutet der Zoll, da schon längst über einen direkten Draht in die Reemtsma-Führung."

Magazinrundschau vom 20.01.2003 - Spiegel

Eine Exkursion ins ewige Eis der Antarktis verheißt diese Woche der verführerisch bläulich schimmernde Spiegel-Titel. Es geht, zum einen, um Wissenschaftler, die unter extremen Bedingungen zu neuen Erkenntnissen über alte Fragen kommen wollen, zum anderen um antarktischen Exklusiv-Tourismus.
Und sonst: Beinahe live dabei gewesen scheint der Spiegel bei der etwas dubiosen Verhaftung eines jemenitischen Scheichs und vermeintlichen Bin-Laden-Finanziers: "Er habe nur gute Kontakte zur Hamas, antwortete der Scheich vorsichtig. Doch Scharif ließ nicht locker - ob nicht ein bisschen auch an al-Qaida fließen könne? Irgendwie muss der Festgenommene da verdächtig gezuckt und sonderbare Andeutungen gemacht haben." Bei der Beweislage: Viel Spaß vor Gericht.

Erzählt
wird außerdem die ziemlich traurige Geschichte der mit linken Maximen angetretenen und an der Schlechtigkeit der Welt ebenso wie ihrer eigenen Naivität gescheiterten Bank-Gründerin Marlene Kück. Was so beginnt: "Sie vergibt Kredite an kleine und mittlere Unternehmen, die sozial ausgerichtet sind, ökologisch, demokratisch, die in strukturschwachen Gebieten Arbeitsplätze schaffen, die Frauen fördern. Ihre Bank soll eine gute Bank sein." - kann, leider, nicht gut enden. Mist gebaut, erfahren wir, hat auch VW: wird's zu kalt, springen die kleinen Vierzylinder-Motoren nicht mehr an.

Wunderbar ergänzen, weil diametral widersprechen, würden sich das Interview, das man mit Ex-CIA-Chef James Woolsey geführt hat (Tenor: Saddam ist Hitler) und die flammende Polemik John le Carres gegen die "Bush-Junta". Für letztere muss man zahlen, aber auf englisch gibt es sie hier.

Magazinrundschau vom 13.01.2003 - Spiegel

Jede Menge Hintergründe zum erwarteten Krieg gegen den Irak liefert der Spiegel-Titel "Blut für Öl". So gibt es eine Darstellung der Machtverhältnisse im Kampf um die Energieressourcen von heute und morgen, ein Porträt der Opec ("Kartell und Kuschelclub") und ein Interview mit Ex-Uno-Generalsekretär Butros Ghali. Wie immer ist das Titelpaket nur gegen Gebühr zu lesen. Ein Artikel aus dem thematischen Umfeld ist jedoch freigeschaltet: hier wird über den Truppenaufmarsch der USA berichtet und über eine mögliche Strategie, einen überzeugenden Kriegsgrund zu finden.

Keinerlei Kultur gibt's diese Woche bei der Online-Version des Spiegel-Hefts - genauer gesagt: am Montag, denn im Laufe der Woche werden bei Spiegel-Online in der Regel manche erst gesperrte Artikel noch online gestellt. Dafür ein Bericht vom anderen Ende der Welt: In Australien leben - geschätzt - drei Mal soviele Känguruhs wie Menschen, von den Farmern werden sie längst als Plage betrachtet. Tierschützer machen nun mobil gegen sadistische Jagd- und Tötungsformen. Und von einem schaurigen Fall von Kindesmissbrauch berichtet Hauke Goos aus der deutschen Provinz, ohne allen Sensationalismus. Ein angesehener Hauptschullehrer und Künstler hat in der Stadt Uelzen dreißig Jahre lang hunderte Jungen nackt fotografiert und missbraucht; es gab Gerüchte, viele wussten von seinen "pädophilen Neigungen", aber alle schwiegen. Als man ihm im Herbst letzten Jahres auf die Spur kam, brachte der Mann sich um.

Die Heft-Kultur, die man uns vorenthält, dreht sich unter anderem um das "Comeback der Malerei" (ein Artikel des Ex-FAZ-Redakteurs Florian Illies) und um dreimal Kino: Eine Kritik gibt es zu Robin Williams' jüngstem Film "One Hour Photo", ein Interview mit dem Regisseur Mike Leigh ("All or Nothing") und einen Report über Nordkoreas Diktator Kim Jong Il, der eine südkoreanische Filmdiva entführen ließ.

Magazinrundschau vom 06.01.2003 - Spiegel

Der Spiegel springt mit seiner auf Fortsetzung angelegten Titelgeschichte "Als Feuer vom Himmel fiel" auf den fahrenden Zug der von Jörg Friedrichs Buch "Der Brand" (mehr hier) begonnenen Historiker-Debatte. Interviewt wird zum Thema Bomben auf Deutschland allerdings Friedrichs Opponent Hans-Ulrich Wehler.

Eher knausrig ist man diesmal mit freigeschalteten Artikeln. Sehr lesenswert ist ein ausführliches Interview mit dem an Parkinson erkrankten Schauspieler Michael J. Fox, der offen über seine Krankheit berichtet und davon, wie sehr es auch eine Befreiung ist, aus der auf Egozentrismus gepolten Hollywood-Welt zu entkommen: "Ich lebe in New York, weil ich nicht wollte, dass meine Kinder in Hollywood auf dem Spielplatz mit anderen Kindern darüber streiten, wessen Vater den erfolgreicheren Film im Kino hat. Ich wollte ihnen nicht ständig erklären müssen, dass es auch eine richtige Welt da draußen gibt, mit richtigen Menschen, die richtige Sorgen haben. In New York können sie das alles auf dem Schulweg sehen." Freimütig äußert er sich auch zu seinen politischen Ansichten und zum drohenden Krieg: "Keiner will so richtig in diesen Krieg gegen den Irak. Amerikaner sind vielleicht ein bisschen naiv, aber sie sind nicht dumm."

Weit weniger sympathisch ist Claude Vorilhon, Chef der Rahelianer-Sekte, der auch interviewt wird, aber clever ist er, denn in Sachen Baby-Klonen ist sein Name Hase, und er weiß von nichts. Auf den Vorwurf: "Ohne Beweise stehen Sie als Scharlatan da", antwortet er gelassen: "Es gibt aber keine Verbindung zwischen Clonaid und mir. In meiner Position genieße ich alle Vorteile, ohne die Unannehmlichkeiten hinnehmen zu müssen." Gar keine Lust, sich beliebt zu machen, hat auch Simon Fuller, Erfinder der Spice Girls und Entwickler des "Deutschland sucht den Superstar"-Vorbilds. Sein Credo ist so schlicht wie offenkundig zutreffend: "Pop-Stars, das sind nichts als Marken, die man bis zum Letzten ausnehmen muss."

Berichtet wird außerdem von der Krise bei McDonalds. Überaus mysteriös klingt die Geschichte der seit ihrer Flucht von den Olympischen Spielen in Sydney nicht mehr greifbaren französischen Mehrfach-Olympiasiegerin Marie-Jose Perec. Neugierig machen Pläne zur Rückkehr zum seit dreißig Jahren von allen guten Menschengeistern verlassenen Mond. Nur im Heft: Ein Interview mit dem Autor Wladimir Kaminer, ein Essay von Ulrich Beck zur Irak-Krise und eine Bilanz der dänischen Dogma-Bewegung (dazu ist übrigens gerade eine Studie im Deutschen Universitätsverlag erschienen: "DOGMA 95 im Kontext").