
Auf dem Titel mal wieder
George W. Bush, diesmal nicht das Maschinengewehr im Anschlag, sondern das Kreuz im Rücken, umweht von amerikanischen Flaggen. Es geht um den
Einfluss der christlichen Rechten auf Bushs Politik: "Selten sind im tiefgläubigen Amerika nationale Machtinteressen und
fundamentalistische Frömmelei eine so innige Verbindung eingegangen."
Erinnert wird an eine
historische Rede, die nämlich, die Joseph Goebbels vor sechzig Jahren hielt und die in die Frage mündete: "
Wollt ihr den totalen Krieg?" Im Artikel wird es schlecht poetisch so beschrieben: "Die Menschen im Saal waren für ihn ein
großes Instrument, dem er mit seiner teuflischen Rednerkunst beinah nach Belieben die gewünschten Töne entlockte." Goebbels selbst, erfahren wir, hatte dagegen ein durchaus
zynisches Verhältnis zur Begeisterung, die er unter seinen Zuhörern auslöste:" 'Diese
Stunde der Idiotie', mokierte sich, nach Erinnerung seiner Begleiter, der Hetzer anschließend selbst. 'Wenn ich den Leuten gesagt hätte,
springt aus dem dritten Stock des Columbushauses, sie hätten es auch getan.'"
Außerdem wird die
wahre Geschichte des Bodo F.
erzählt, der nach 15 Jahren aus der Haft entlassen wird. Das Ungewöhnliche daran: als er wegen Mordes hinter Gitter kam, war er noch
Bürger der DDR, jetzt muss er sich an den "Westen" gewöhnen, der in seiner Heimatstadt Hoyerswerda Einzug gehalten hat. "Entlang der Bundesstraße, die zu seinem neuen Zuhause führt, blitzten Elf-Tankstellen, Autohäuser und Shoppingcenter. F. schaute durchs Seitenfenster und suchte nach einem Wort für das Ziel der Fahrt. 'Neuland' fiel ihm ein. 'Neues Leben'. Oder: '
Wiedergeburt'."
Rezensiert werden zwei zeitgleich erschienene Biografien
Katia Manns, der Ehefrau des Literatur-Nobelpreisträgers.
Online nachzulesen ist aber nur ein
Brief, den sie kurz nach dem Tod ihres Mannes schrieb. Und
Gerd Schulte-Hillen, Aufsichtsratschef bei Bertelsmann, äußert in einem
Interview gehörige Skepsis gegenüber dem
jüngst eingeschlagenen Kurs des Firmenpatriarchen Reinhard Mohn.
Nur im Heft: Eine Besprechung des Romans "Zerbrechlichkeit" von
Erich Wolfgang Skwara und ein Interview mit dem "belgischen Malerstar"
Luc Tuymans (mehr
hier) über das Verhältnis von Ästhetik und Gewalt.