
Michael Sontheimer
berichtet über die Einbürgerung des russischen
Schriftstellers Wladimir Kaminer, die das deutsche
Staatsbürgerschaftsrecht in seiner ganzen Modernität und Durchdachtheit zeigt: "Die Kaminers glaubten, dass beide
Kinder mit der elterlichen Einbürgerung ebenfalls Deutsche würden - doch da hatten sie das deutsche Ausländer- und Staatsbürgerschaftsrecht falsch eingeschätzt. Denn Nicole, 7, und Sebastian, 5, hilft es wenig, dass sie
in Berlin geboren wurden, hervorragend Deutsch sprechen und ihre Eltern ordnungsgemäß eingedeutscht worden sind. Die Kaminer-Kinder sind
staatenlos - und werden es vorerst wohl auch bleiben."
Eine sehr schöne
Reportage über
Jugendliche im Iran liefert Susanne Koelbl. "Junge Iraner tun heute, was ihnen gefällt. Denn sie verfügen über eine Macht, die das rigide Mullah-Regime alt aussehen lässt: Sie sind so viele. Rund
50 Millionen Iraner sind unter 30 Jahre alt, über 70 Prozent der Bevölkerung." Doch: "Die Machtfrage stellt sich - noch - nicht. 'Sie sind stärker, durch ihre
Gewalt', sagt die Studentin Venus, 26." Was das für eine 19-Jährige namens Assal bedeutet, erzählt Koelbl zu Beginn ihrer Reportage: "
Assal heißt Honig, und so sieht sie aus, süß und verführerisch. Sie hat ihre schwarzen Augen auffällig mit Kajal umrahmt, der helle Lidschatten ist bis unter die hohen gemalten Bögen ihrer Brauen getupft, in der Unterlippe steckt ein glitzernder
Piercing-Ring.(...) Assal zieht den heißen Rauch der
Designerdroge 'Ice' ein, die sie 'high und leicht' macht. Es ist Donnerstagnacht, Partyzeit in Teheran. Doch auf Assals Rücken sind die Striemen noch nicht verheilt. Vor einigen Wochen hatte die 19-Jährige
74 Schläge mit der geflochtenen Lederpeitsche erhalten, im Keller des Teheraner Sittengerichts an der Bukarest-Straße."
Nur im Print gibt es einen kritischen Beitrag zur
Reform des Hochschulstudiums und drei Interviews: Eines mit
Joschka Fischer "über die Verantwortung der Weltgemeinschaft". Eines mit Griechenlands Premier
Konstantinos Karamanlis "über die Fußball-Europameisterschaft und Athens Rolle in der EU". Und eines mit
Bob Woodward über "die Vorgeschichte des amerikanischen Feldzugs und Bushs fehlende Selbstzweifel".
Der Titel ist dem Attentat auf Hitler am
20. Juli 1944 gewidmet. In einem Interview dazu besteht der
Historiker Stephan Malinowski darauf, beide Geschichten zu erzählen: die "Rolle von Grafen und Baronen beim Attentat auf Hitler" ebenso wie die "Begeisterung im deutschen Adel für den Nationalsozialismus".