Magazinrundschau - Archiv

Der Spiegel

163 Presseschau-Absätze - Seite 5 von 17

Magazinrundschau vom 02.08.2004 - Spiegel

Der Spiegel hat die drei Kanzler-Freunde - Günter Grass, Markus Lüpertz und Peter Glotz - zu einer Art Stammtischrunde über die nationale Lage gebeten. Das klingt dann so:
"Lüpertz: Wir brauchen eine Ideologie.
Grass: Wer will denn eine haben?
Lüpertz: Sie brauchen als Nation eine Ideologie, um sich zu verständigen.
Glotz: Er meint eine tragende Idee, ein Konzept."

Und dann zweimal Rechtschreibreform. Kurz gesagt: Der Spiegel schlägt sich mit großem Tamtam auf die Seite ihrer Gegner. Marcel Reich-Ranicki darf ordentlich schimpfen, und die Reform "unzweifelhaft eine Katastrophe" nennen. Ein zweiter Beitrag führt noch einmal genüsslich die gröbsten Unsinnigkeiten der Reform an sowie ihre gravierendste Folge: "Die Kluft zwischen Regelwerk und Schreibwirklichkeit ist größer denn je, das genaue Gegenteil des Reformzwecks ist eingetreten."Man erfährt aber auch von einer interessanten Idee des saarländischen Kultusministers Jürgen Schreier: "'Die Politik muss sowohl die alte wie die neue Rechtschreibung weiter gelten lassen.' Bei dieser 'marktwirtschaftlichen' Lösung werde sich dann die bessere Schreibweise von selbst durchsetzen, glaubt der ehemalige Lehrer." Wäre das nicht überhaupt die Lösung für sämtliche Probleme mit Reformen?

Weitere Artikel: Rüdiger Falksohn, Jan Puhl und Thilo Thielke schildern die verwickelte Lage im Sudan. Petra Bornhöft fasst die Reaktionen aus den Reihen der Unions-Parteien auf Westerwelles Outing zusammen. Am Vorabend einer möglichen Verramschung und Zerschlagung von MGM erzählt Lars-Olav Baier noch einmal die Geschichte des Studios, das zu seinen glamourösesten Zeiten als Synonym für "Hollywood" stand. Und aus einem Beitrag von Ulrike Knöfel über den Berliner Maler Martin Eder (mehr hier) erfährt man schließlich noch nebenbei, wie amerikanische Kunstkritiker uns zur Zeit so wahrnehmen: "Eder sei einer der 'vielversprechendsten Künstler in Deutschland', und dass er nicht nur 'kitschy', sondern zudem ein wenig apokalyptisch male, das passe irgendwie zur düsteren Stimmung in Germany", zitiert Knöfel das Time-Magazine.

Der Titel bietet zum Auftakt der Olympischen Spiele eine der beim Spiegel so beliebten kulturgeschichtlichen Steilthesen: "Das Kräftemessen in Olympia, so zeigt sich, trug maßgeblich dazu bei, dass unter der griechischen Sonne ein neuer, moderner Typ Mensch entstand."

Magazinrundschau vom 26.07.2004 - Spiegel

Karlheinz Brandenburg, Erfinder des MP3-Formats (mehr hier und hier), hat ein neues Tonsystem, Iosono, erfunden und in Hollywood vorgeführt, berichtet Marco Evers: "Es wurde dunkel im Saal, und in der Düsternis erwachte eine pralle Welt der Klänge, gespeist von über 20.000 Watt: Vorn links knallte eine Peitsche. Pferde galoppierten, Vögel sangen, brüllende Löwen jagten quer durch den Raum, dann ging ein tropischer Regenschauer nieder ... Das Besondere in diesem Pan-Audium: Jeder Ton kam nicht einfach nur von vorn, hinten, links oder rechts. Die Zuhörer konnten seine Herkunft vielmehr so exakt bestimmen, dass ein Großwildjäger in diesem Raum einen Löwen nach Gehör hätte erlegen können. Fast schien es, als ploppte jeder Regentropfen an einem anderen Punkt innerhalb des Raumes auf den Boden." Brandenburgs MP3-Format hat viele Menschen reich gemacht hat, nur ihn nicht. Mit Iosono würde er gern auch einmal Geld verdienen, findet aber in Deutschland kein Risikokapital, um eine Firma zu gründen!

Weitere Artikel: Gerald Traufetter liefert einen hübsch selbstironischen Bericht über die Jahrestagung der International Society for Contemporary Legend Research: Es ging um die Verbreitung urbaner Mythen im Internet. Conny Neumann berichtet unter dem Titel "Das Scheitern der Tochter" vom Karriereknick der Monika Hohlmeier: "Im Krisen-Management war ihr Vater Franz Josef Strauß eben doch geschickter". Außerdem lesen wir einen Bericht über Präsidentenkandidat John Kerry vor dem Parteitag der Demokraten und ein Interview mit Saudi-Arabiens Ölminister Ali al-Naimi "über Terrorgefahr und wachsende Ölnachfrage".

Nur im Print: Ein Interview mit Nike Wagner - und hier nun außerdem einmal nicht nur, wie in diesen Tagen meistens, in ihrer Eigenschaft als "Urenkelin Wagners", sondern auch als neue Intendantin des Kunstfestes in Weimar befragt. Ein Artikel über den "neuen Ekel-Song" von Rammstein. Besprochen wird Peter Handkes neues Buch "Don Juan (erzählt von ihm selbst)".

Der Titel behandelt die Ergebnisse der Washingtoner Untersuchungskommission zur Vorgeschichte des 11. Septembers.

Magazinrundschau vom 19.07.2004 - Spiegel

Großartig: Zu lesen ist von Alexander Smoltczyk eine Reportage aus Bayreuth - von "den turbulenten Proben" für Christoph Schlingensiefs "Parsifal": "Gestern Abend noch saß Schlingensief mit seinen Getreuen im Wirtshaus 'Auf der Theta', oberhalb und fern des Bayreuther Hügels, wütete gegen die Wagner-Maschine, rezitierte, monologisierte bei fränkischem Sauerbraten, lachte, rief den schweren Leibern in der Bierstube zu: 'Seid ihr denn Blumen?', zweifelte, heulte vor Einsamkeit, sprach in Zungen und um Mitternacht schließlich: 'Warum nicht alles kurz vor der Premiere hinschmeißen?!' Die allabendliche Dekompression. Bayreuth ist kein Ort wie andere. In Bayreuth ist man deutschem Wahn und Wähnen bekanntlich näher als anderswo. Das geht an die Substanz. Doch jetzt ist Schlingensief besserer Dinge: Die Bunte hat heute morgen den Text über seinen angeblichen Drogenkonsum nicht gebracht, Wolfgang Wagner ist außer Sichtweite, und der Chor singt, dass es Gänsehaut macht."

Jan Fleischhauer hat Anonymus "Mike" ("Für drei Jahre war er Kopf jener CIA-Einheit, die Osama Bin Laden zur Strecke bringen sollte.") besucht, dessen Buch "Imperial Hubris" seit Donnerstag in allen großen amerikanischen Zeitungen (hier die Kritik in der NY Times) und Fernsehsendern vorgestellt wurde. Die zentrale These des Buches ist, "dass die Führungseliten im Westen noch immer keine klare Vorstellung von der Natur des Feindes besitzen. Tatsächlich hätten die USA nicht nur eine kleine Gruppe fanatischer Terroristen gegen sich, sondern nahezu die gesamte muslimische Welt. Mike sieht für die Amerikaner auf lange Sicht nur zwei Optionen: Entweder sie ziehen sich aus dem Nahen Osten zurück - oder sie setzen ihre Militärmacht mit jener Entschlossenheit ein, mit der sie im Zweiten Weltkrieg Feuer über Deutschland und Japan regnen ließen."

Im Print: "Die ARD hat eine Stasi-Studie über sich selbst in Auftrag gegeben - nun möchten viele in den Funkhäusern das Ergebnis am liebsten verstecken", berichtet Peter Wensierski. Außerdem: Ein Beitrag über Martin Walsers neuen Roman "Der Augenblick der Liebe". Und ein Interview mit dem amerikanischen Filmregisseur Larry Clark "über Sex, Gewalt und Pornografievorwürfe gegen seinen Film 'Ken Park'".

Im Titel ziehen Matthias Geyer und Dirk Kurbjuweit Bilanz: "Fünf Jahre hat Gerhard Schröder gebraucht, um sich zu einem Reformprogramm durchzuringen. Es ist eine Geschichte des Zauderns und der verpassten Chancen. Nun ist der Kanzler zufrieden, aber das Land wartet auf den Aufschwung."

Magazinrundschau vom 12.07.2004 - Spiegel

Michael Sontheimer berichtet über die Einbürgerung des russischen Schriftstellers Wladimir Kaminer, die das deutsche Staatsbürgerschaftsrecht in seiner ganzen Modernität und Durchdachtheit zeigt: "Die Kaminers glaubten, dass beide Kinder mit der elterlichen Einbürgerung ebenfalls Deutsche würden - doch da hatten sie das deutsche Ausländer- und Staatsbürgerschaftsrecht falsch eingeschätzt. Denn Nicole, 7, und Sebastian, 5, hilft es wenig, dass sie in Berlin geboren wurden, hervorragend Deutsch sprechen und ihre Eltern ordnungsgemäß eingedeutscht worden sind. Die Kaminer-Kinder sind staatenlos - und werden es vorerst wohl auch bleiben."

Eine sehr schöne Reportage über Jugendliche im Iran liefert Susanne Koelbl. "Junge Iraner tun heute, was ihnen gefällt. Denn sie verfügen über eine Macht, die das rigide Mullah-Regime alt aussehen lässt: Sie sind so viele. Rund 50 Millionen Iraner sind unter 30 Jahre alt, über 70 Prozent der Bevölkerung." Doch: "Die Machtfrage stellt sich - noch - nicht. 'Sie sind stärker, durch ihre Gewalt', sagt die Studentin Venus, 26." Was das für eine 19-Jährige namens Assal bedeutet, erzählt Koelbl zu Beginn ihrer Reportage: "Assal heißt Honig, und so sieht sie aus, süß und verführerisch. Sie hat ihre schwarzen Augen auffällig mit Kajal umrahmt, der helle Lidschatten ist bis unter die hohen gemalten Bögen ihrer Brauen getupft, in der Unterlippe steckt ein glitzernder Piercing-Ring.(...) Assal zieht den heißen Rauch der Designerdroge 'Ice' ein, die sie 'high und leicht' macht. Es ist Donnerstagnacht, Partyzeit in Teheran. Doch auf Assals Rücken sind die Striemen noch nicht verheilt. Vor einigen Wochen hatte die 19-Jährige 74 Schläge mit der geflochtenen Lederpeitsche erhalten, im Keller des Teheraner Sittengerichts an der Bukarest-Straße."

Nur im Print gibt es einen kritischen Beitrag zur Reform des Hochschulstudiums und drei Interviews: Eines mit Joschka Fischer "über die Verantwortung der Weltgemeinschaft". Eines mit Griechenlands Premier Konstantinos Karamanlis "über die Fußball-Europameisterschaft und Athens Rolle in der EU". Und eines mit Bob Woodward über "die Vorgeschichte des amerikanischen Feldzugs und Bushs fehlende Selbstzweifel".

Der Titel ist dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 gewidmet. In einem Interview dazu besteht der Historiker Stephan Malinowski darauf, beide Geschichten zu erzählen: die "Rolle von Grafen und Baronen beim Attentat auf Hitler" ebenso wie die "Begeisterung im deutschen Adel für den Nationalsozialismus".

Magazinrundschau vom 05.07.2004 - Spiegel

In dieser Ausgabe drängt alles auf Reformen. Zum Titel "Warum die Deutschen wieder mehr arbeiten müssen. Zurück zur 40 Sunden-Woche". Peter Schneider (mehr) fragt, warum man in der Reformdebatte bislang noch nichts von den deutschen Intellektuellen gehört hat. "Wie ist es zu erklären, dass Deutschlands Großintellektuelle von Grass bis Habermas zu dieser Existenzfrage der Nation nichts zu sagen hatten?" Er meint, dass "für diesen verblüffenden Mangel an Neugier vor allem das alte Lagerdenken verantwortlich ist. Wichtiger als die Frage, ob ein Gedanke und ein Satz wahr sind, ist immer noch die andere, in welche (unerwünschte) Gesellschaft man sich damit bringt." Und: "Ich gestehe, dass ich seit ungefähr zwei Jahrzehnten einem anderen Prinzip folge - und die großzügig verteilten roten Karten wegstecke: Der Wetterbericht kann wahr sein, obwohl er in der Bild-Zeitung steht. Ich muss schon aus dem Fenster schauen, um die im Blatt meiner inbrünstigen Abneigung aufgestellte Behauptung, dass es draußen regne, widerlegen zu können."

Bundeskanzler Schröder verteidigt in einem Interview die Reformpolitik seiner Regierung: "Es geht um eine Gerechtigkeit auch für künftige Generationen, ich will die Chancen unserer Kinder und Enkelkinder erhöhen, anstatt sie fortwährend zu schmälern. Die Politik der permanenten Gegenwart, die im Übrigen beide Volksparteien in den vergangenen Jahrzehnten betrieben haben, muss beendet werden."

Außerdem: Thomas Schulz erzählt die Erfolgsgeschichte von iTunes, dem Online-Plattenladen von Apple. Und Volkhard Windfuhr und Bernhard Zand berichten von vorsichtigen Reformansätzen in Saudi-Arabien.

Im Print: BASF-Chef Jürgen Hambrecht benennt im Interview "die Schwächen und Stärken des Standorts Deutschland". Leander Haußmann schreibt über Marcus Mittermeiers vielgelobten Film "Muxmäuschenstill". Und der Biologe Ernst Mayr, "Begründer der modernen Evolutionsgenetik", tritt den schlagenden Beweis an, dass man auch mit Hundert noch hübsch boshaft sein kann - vor allem, wenn es gegen Physiker geht, die an extraterrestrisches Leben glauben.

Magazinrundschau vom 28.06.2004 - Spiegel

Andre Glucksmann verteidigt im Interview - leider nicht online - seine Unterstützung des Irakkriegs - trotz der Folter in Abu Ghraib: "Folter ist moralisch unerträglich, politisch kontraproduktiv, strategisch absurd und menschlich verabscheuenswert. Es handelt sich um Verbrechen, die ohne Einschränkung zu verurteilen sind. Ich bin dabei logisch mit mir im Reinen, da ich den Einmarsch der USA im Namen der Menschenrechte gutgeheißen habe und keineswegs um der fabelhaften Gründe willen, die offiziell vorgeschoben wurden. Viele, die jetzt laut gegen Amerikas Rückfall in die Barbarei schreien, haben zu Saddam Husseins viel schlimmeren Foltermethoden geschwiegen oder wenigstens in Kauf genommen, im Namen des Friedens - ihres Friedens -, dass die schrecklichen Verbrechen einer faschistischen Diktatur sich fortsetzten."

Im Kulturteil sucht ein Artikel nach Gründen für die zunehmende Beliebtheit von Dokumentarfilmen im Kino: "Einen Grund für den Doku-Boom sehen Branchenfachleute darin, dass das Blockbuster-Kino von den 'Matrix'- und 'Herr der Ringe'-Trilogien bis zu 'Shrek 2' die Zuschauer an immer entferntere Orte entführt - und bisweilen ermüdet. In den vom Computer erschaffenen künstlichen Welten Hollywoods ist alles möglich; das Publikum aber fragt sich immer öfter: Was ist wirklich?" Und Detlef Buck ärgert sich schwarz, dass Hamburg seine Filmförderung um fünfzig Prozent kürzen will: "Wenn man fünfzig Prozehnt der Subventionen eines Theaters kürzt, müsste der Intendant das Haus dichtmachen. Aber dann hätten die Politiker Stress in der Stadt. Bei Filmemachern denken sie offenbar, wir seien eh Zigeuener, die mal hier und mal dort arbeiten, da merkt es keiner."

Weiteres: Aime Jacquet, Trainer der französischen Weltmeister-Elf von 1998, erklärt im Interview, warum Franzosen, Italiener und Deutsche bei der EM ausgeschieden sind. Der Titel befasst sich mit der "Seuche Cannabis" an Deutschlands Schulen.

Magazinrundschau vom 14.06.2004 - Spiegel

Erich Follath hat drei Selbstmordattentäter in israelischen Gefängnissen besucht, deren Attentate gescheitert sind. Unter anderem den 16-jährigen Mahmud: "'Um gleich am Anfang eines klarzustellen: Ich schäme mich', sagt Mahmud mit seiner sanften, fast schüchternen Stimme. 'Ich schäme mich, dass ich noch am Leben bin und es mir nicht gelungen ist, Dutzende Juden in den Tod zu reißen.'" Ein anderer erklärt dem Reporter mit "der Bitte um Weiterleitung an die Gefängnisverwaltung: 'Seit letzter Woche haben wir einen neuen israelischen Koch', sagt der Geistliche. 'Er hat die Tomaten rationiert. Und es ist ganz und gar unerträglich, mit wie viel Pfeffer er würzt.'"

Außerdem: Alexander Osang begleitet den ehemaligen amerikanischen Diplomaten Joseph Wilson auf seiner Lesereise durch die USA. Wilson ist seit seiner Aufdeckung der Ente vom irakischen Urandeal, der anschließenden Enttarnung seiner Frau als CIA-Agentin und dem Erscheinen seines Buches "Politik der Wahrheit" (Leseprobe) die glamouröseste Symbolfiguren des Protestes gegen die Politik der Bush-Regierung. Zu lesen ist auch ein Interview mit Janet Jackson, die die Aufregung um ihren nackten Busen absurd findet.

Im Print diesmal: Matthias Matussek liefert einen Beitrag zum inzwischen hundertjährigen Dubliner Joyce-Kult. Ulrike Knöfel stellt die in Auschwitz ermordete Künstlerin Charlotte Salomon vor. Und Joachim Kronsbein porträtiert die Dirigentin und "heißeste Nummer der Barockmusik" Emmanuelle Haim.

Der Titel füllt das offenbar beginnende Sommerloch so: "In einer abgelegenen Bucht vor Panama erforschen Unterwasserarchäologen das wohl älteste Wrack, das je in der Neuen Welt gefunden wurde. Es gibt Indizien, dass dies die 'Vizcaina' des Christoph Columbus gewesen sein könnte."

Magazinrundschau vom 07.06.2004 - Spiegel

Vor etwa zwei Wochen entschuldigte sich die New York Times zum zweiten mal binnen kurzer Zeit bei ihren Lesern. Diesmal ging es um ihre Berichterstattung im Vorfeld des Irakkrieges. Jan Fleischhauer ist Erklärungsversuchen nachgegangen, denen zufolge es für die Entschuldigung andere als die Gründe gab, die man zunächst einmal vermuten sollte: "Tatsächlich spricht vieles dafür, dass es auch um eine Abrechnung geht, mit dem ehemaligen Chef und den Redakteuren, die ihm zugeordnet werden."

Im Print: Ein Interview mit dem neuen Büchner-Preisträger Wilhelm Genazino. Ein Gespräch mit dem Historiker Niall Ferguson "über die Weltmacht-Politik der USA". Und eine Besprechung von David Cronenbergs Film "Spider". Außerdem ein Spiegel-Essay von Johannes Ludewig zum Aufbau-Ost. Und zum Ortstermin war der Spiegel auf dem Berliner Gelände des Mahnmals "Topographie des Terrors".

Der Titel beschäftigt sich diesmal mit den Diskussionen, die die misslungene Abschiebung von Metin Kaplan ausgelöst hat.


Magazinrundschau vom 01.06.2004 - Spiegel

Aus einem Bericht von Matthias Matussek über die Versteigerung des Nachlasses von Sherlock-Holmes-Schöpfer Sir Arthur Conan Doyle erfährt man: "Der Holmes-Zyklus begann überhaupt erst mit dem Arzt Dr. Watson, der, zerschossen im Afghanistan-Krieg, versucht, sich im grausamen Dschungel Londons über Wasser zu halten." Und über Nina Hoss, die für ihre Rolle in "Wolfsburg" für den Deutschen Filmpreis nominiert wurde, schreibt Georg Diez einen ganzen Haufen arg verliebter Sätze - die aber wahrscheinlich alle irgendwie zutreffen: "Nina Hoss ist Glamour im Wollpullover, eine Diva mit politischem Gewissen."

Magazinrundschau vom 24.05.2004 - Spiegel

Nicht ein einziger lesenswerter Artikel online in dieser Woche. Im Print finden wir ein Porträt Franz Münteferings. Matthias Geyer vergleicht ihn mit Erich Ollenhauer, der wie Müntefering aus kleinen Verhältnissen kam und sich nur für die Partei interessierte: "Mit Vorsitzenden wie Brandt, Lafontaine und Schröder hat die SPD nach fremden Milieus gegriffen, es reichte fünfmal für über 40 Prozent. Jetzt liegt sie bei 27 Prozent und kommt nicht vom Fleck. Franz Müntefering ist ein Vorsitzender für das, was von der SPD übrig geblieben ist."

Außerdem: Benjamin Stuckrad-Barre erzählt im Interview, wie das so war mit seiner Drogensucht, und warum er nicht mehr mit Anke Engelke zusammen ist. Der Titel widmet sich dem "Kampf um das Erdöl", der gerade erst begonnen habe.