Magazinrundschau - Archiv

Der Spiegel

163 Presseschau-Absätze - Seite 4 von 17

Magazinrundschau vom 25.10.2004 - Spiegel

Auch der Spiegel erscheint jetzt als E-Paper. Für drei Wochen ist er kostenlos. Danach wird man dafür extra bezahlen müssen. Es sieht so aus, als würde das dann für alle Inhalte des Magazins gelten.

Für die heutige Magazinrundschau aber lässt sich alles verlinken, zum Beispiel der Titel: "Bye-bye 'Made in Germany'" über die Auslagerung von Hunderttausenden Arbeitsplätzen und eine zweite Welle der Globalisierung, die gnadenlos über den deutschen Industriestandort hinwegrollt.

Außerdem verlinken wir auf einen Essay von Peter Schneider (mehr hier) über die Wahlen in Amerika: "Diesmal stehen sich nicht nur zwei Parteien gegenüber, sondern zwei unterschiedliche Ansichten von der Welt, zwei Kulturen, zwei Lebenseinstellungen. Die Wahlergebnisse werden Sieg und Niederlage in einem kulturellen Bürgerkrieg anzeigen, der mit der Bürgerrechtsbewegung und den Vietnam-Protesten offen ausbrach und seither unter der Oberfläche brodelt."

Weitere Artikel: Alexander Smoltczyk porträtiert die deutsch-polnische Doppelstadt Görlitz-Zgorzelec. Und Romain Leick schreibt über die hierzulande viel zuwenig wahrgenommene leidenschaftliche französische Debatte über die EU-Verfassung.

Magazinrundschau vom 18.10.2004 - Spiegel

Ein großer Artikel ist den Managementfehlern bei Opel und KarstadtQuelle gewidmet. "Die Jobs bei Opel und Karstadt sind mit Subventionen oder politischer Hilfe nicht zu retten. Der große Kahlschlag in den beiden Konzernen ist auch die Folge dilettantischen Managements vergangener Jahre. Im Karstadt-Fall zeigt der Konkurrent Kaufhof, dass er unter gleichen, also schwierigen Bedingungen deutlich besser arbeitet." Doch die "einstigen Bosse muss das nicht grämen". Der Karstadtchef Wolfgang Urban "konnte eine Abfindung von 1,8 Millionen Euro mitnehmen", sein Vorgänger Walter Deuss "genoss vergangenen Donnerstag das Scheinwerferlicht bei Maybrit Illners Talkshow 'Berlin Mitte', in der er jede Verantwortung für die dramatische Misere weit von sich wies." Auch bei Opel, so der Spiegel weiter, "ist das massive Versagen der Top-Etage so deutlich, dass nicht einmal der neue Europa-Chef Henderson die hausgemachten Fehler bestreitet. Dort sind vor allem jene Top-Manager für das Desaster veratwortlich, die in den neunziger Jahren Verantwortung trugen wie der einstige Opel-Chef Louis Hughes, der Entwickler Peter Hanenberger und der damalige Einkaufsmanager Jose Ignacio Lopez. Das Problem aber liegt weniger in den Personen, sondern in der Art, in der US-Konzerne wie General Motors, aber auch Ford ihr Geschäft betreiben."

Fünf verschiedene Vorstandschefs haben sich in den letzten sechs Jahren bei Opel abgewechselt. Darauf angesprochen meint Henderson im Interview: "So häufige Wechsel sind sicher nicht positiv. Aber es war, wie es war."

Außerdem: Im Kulturteil gibt's ein Interview mit Tom Waits. Nur im Print: ein Interview mit Wilhelm Genazino über "Bettszenen in der Literatur", und der dritte Teil einer Serie über China. Der Titel ist dem Machtkampf Angela Merkels gewidmet.

Magazinrundschau vom 04.10.2004 - Spiegel

Petra Bornhöft und Tina Hildebrandt suchen nach den tieferen Gründen für die Heftigkeit der Auseinandersetzungen zwischen Otto Schily und seinen ehemaligen grünen Parteigenossen: "Schily, der schon als Kind in weißen Hosen Krocket spielte, regt die verbürgerlichten Grünen auch deshalb so auf, weil sie in ihm geradezu eine Karikatur ihrer selbst sehen."

Weitere Artikel: Inzwischen arbeiten in Deutschland die ersten Ein-Euro-Jobber. Caroline Schmidt hat ausschließlich zufriedene Leute angetroffen. Alle brannten darauf, überhaupt irgendetwas zu tun. Anders gesagt - und in den Worten von Schmidt: "Die Probe aufs Exempel - wenn die antreten sollen, die bisher wenig Lust aufs Arbeiten verspüren - steht demnach noch aus." Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nimmt sich im Interview der Ängste der Europäer an. Und Jürgen Kremb und Peter Wensierski erzählen die tragische Geschichte des letzten Toten am Eisernen Vorhang: Der 36-jährige Architekt Kurt-Werner Schulz aus der DDR starb an der ungarisch-österreichischen Grenze wenige Wochen, bevor diese endgültig geöffnet wurde. Als seine Frau "am 9. November 1989 den Fall der Mauer im Fernsehen verfolgt, wünscht sie, dass alles nicht wahr ist, 'damit Kurts Tod nicht so sinnlos war'."

Im Print: Artikel und Rezensionen zur Buchmesse und ein Porträt des Reporters Seymour Hersh.

Im Titel erklärt Volker Hage, warum Friedrich Schiller heute noch immer "so frisch wie vor 200 Jahren" wirkt - und Schiller-Biograf Rüdiger Safranski erläutert die "Bedeutung des Dichters als Philosoph".

Magazinrundschau vom 27.09.2004 - Spiegel

Helene Zuber hat ein kleines, aber feines Interview mit Woody Allen über den US-Wahlkampf, die Rolle von Stars und Intellektuellen darin und die Frage geführt, warum Allen sich in seinen Filmen noch nicht mit dem 11. September und seinen Folgen für das Leben in Manhattan auseinandergesetzt hat. Zum Schluss geht es um Michael Moore. Allen: "Moore hat mit 'Fahrenheit 9/11' eine sehr erfolgreiche und gute Dokumentation abgeliefert. Aber das Problem war, dass nur die den Streifen liebten, die wie er empfinden. Ich zum Beispiel. Aber auch Moore gelang es nicht, die Gegenseite zu beeinflussen. Das hat man mit Hilfe von Meinungsumfragen ausgetestet. Hoffnungsloser Fall."

Alexander Osang hat, vier Jahre nach dem Skandal um seine gefälschten Hollywood-Interviews im SZ-Magazin, den Reporter Tom Kummer getroffen. Einsam ist es um ihn geworden: "... die Leute, mit denen ich darüber hätte reden können, erreichte ich nicht mehr. Die haben mich fallen lassen, mein Agent hat mir ein Fax geschickt. Auf dem stand, ich hätte die Definition von Freundschaft verletzt. Am Ende denkt jeder nur an sich selbst. Den Jungs geht's doch allen gut. Die sind alle wieder untergekommen in den Medien. Es hat niemand angerufen."

Weitere Artikel: Jürgen Dahlkamp hat einige der Flüchtlinge aufgesucht, die über die Prager Botschaft nach Westdeutschland kamen. Ralf Hoppe hat Nancy Bush, die Tante des US-Präsidenten, auf einer Wahlkampftour für ihren Neffen in Deutschland beobachtet. Und Wolfgang Reuter beschreibt den Machtkampf in der Deutschen Bank zwischen Josef Ackermann und Rolf Breuer - beide fördern die Dominanz der Investmentbanker - auf der einen Seite und dem Aufsichtsrat - der das mehrheitlich für zu riskant hält - auf der anderen Seite.

Nur im Print: ein Interview mit Bundesinnenminister Otto Schily "über den Erfolg der Rechten und seine neue Sicherheitsarchitektur", eines mit Karstadt/Quelle-Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff über "die Sanierung des angeschlagenen Kaufhaus-Konzerns" und eins mit Volker Gebhardt über das Deutsche in der deutschen Kunst der Jahrhunderte. Der Titel widmet sich übergewichtigen Schülern.

Magazinrundschau vom 20.09.2004 - Spiegel

Erika Steinbach, die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, weist im Interview jede Verantwortung ihrer Person und ihrer Organisation für die angespannte Lage zwischen Deutschland und Polen zurück: "Die Verantwortung liegt nicht bei denen, für die ich spreche. Das Ganze ist ein grandioses Versagen von Politik, in Polen wie in Deutschland. Keine der beiden Regierungen hat etwas unternommen, die Eigentumsfrage zu lösen." Außerdem bekräftigt Steinbach ihre Überzeugung, dass nun die Bundesregierung die Vertriebenen entschädigen müsse - dazu nämlich sei es "in Polen jetzt wohl zu spät". Es gehe dabei nicht vorrangig um finanzielle Entschädigungen, so Steinbach: "Wir wünschen uns eine Heilung des Vertreibungsschicksals, eine gemeinverträgliche Lösung. Und das hat mehr mit moralischer Anerkennung und Symbolik zu tun als mit Eigentumsfragen."

Weitere Artikel: Conny Neumann erzählt noch einmal die seit einer Woche durch die Medien geisternde Geschichte vom rätselhaften Verschwinden der srilankischen Handball-Nationalmannschaft. Es gibt einen Bericht zur Verschärfung des US-Embargos gegen Kuba. Und im Print dann auch noch ein Interview mit dem kubanischen Parlamentspräsident Ricardo Alarcon über "die neue Konfrontation mit Washington". Außerdem im Print: Der Teilchenphysiker Brian Greene erklärt, warum "nicht nichts ist". Und der Spiegel-Titel widmet sich dem Ende das Aufbaus Ost: "Der Aufbau Ost ist abgeschlossen, wo jetzt nichts blüht, da wird auch nichts mehr wachsen".

Magazinrundschau vom 13.09.2004 - Spiegel

Klaus Brinkbäumer war beim Petersburger Dialog in Hamburg, auf dem auch Dr. Leonid Roschal sprach - Kinderarzt in Moskau, Direktor des Instituts für Katastrophenmedizin und einer der Vermittler, die mit den Geiselnehmern in Beslan verhandelt hatten: "Er sagt: 'Von meinem Standpunkt aus betrachtet, tobt bereits der Dritte Weltkrieg. Er hat bereits begonnen.' Es ist still im Großen Festsaal. Nicht mal Gorbatschow redet noch. Es ging in Beslan nicht um Tschetschenien, sagt Roschal, 'es ging darum, einen neuen Spannungsherd zu erzeugen, deshalb haben sie keine russische Schule besetzt, sondern eine Schule des Nachbarvolkes'. Schäuble legt den Kopf schief, Gorbatschow hält seinen Kopfhörer in der Hand, er braucht keine Übersetzung. Die Terroristen haben Erfolg, sagt Dr. Roschal, 'die Stimmung in Beslan ist jetzt so: Wir marschieren gegen Inguschien! So beginnt die Tragödie, so beginnt dort der Krieg, in dem Tausende sterben werden'."

Außerdem: Barbara Supp hat mit der Sängerin Senait über ihr Buch "Feuerherz" gesprochen, in dem die Sängerin von ihrem Leben als Kindersoldatin im äthiopisch-eritreischen Bürgerkrieg berichtet. Irina Repke und Gunther Latsch haben die SED-Vergangenheit von Frank Gottschalk recherchiert - dem Mann, der mit "Plus 6" den ersten deutschen Pornografie-Sender plant, mit Sitz in Vorpommern. Besprochen wird Kitty Kelleys Buch "Der Bush-Clan", eine "umfassende Sammlung aller Schandtaten, die sich der Präsidenten-Clan jemals hat zu Schulden kommen lassen", wie Hans Hoyng genüsslich versichert.

Nur im Print: Ein Auszug aus Joachim Fests Erinnerung; ausgewählt wurde die Passage über "die schwierige Liebe" zwischen Hannah Arendt und Martin Heidegger. Es gibt eine "Schadensbilanz" nach dem Brand in der Weimarer Anna Amalia Bibliothek. Außerdem ein Interview mit Friedrich Merz über "die Verirrungen der Konservativen in der Reformpolitik". Und ein Gespräch mit IG-Metall-Chef Jürgen Peters über die gewerkschaftliche "Reform-Renitenz und die Rolle der Gewerkschaften in der Autoindustrie".

Im Titel zu Alexander von Humboldt spricht Hans Magnus Enzensberger im Interview "über die ansteckende Kraft des Humboldtschen Erkenntnisdrangs, die gegenwärtige Jammersucht der Deutschen und die Rolle des widerständigen Intellektuellen gestern und heute".

Magazinrundschau vom 30.08.2004 - Spiegel

Auf Haiti ist ein Wunder geschehen, erzählt Alexander Smoltczyk. "... sie waren da. Auch wenn die Luft vor Hitze flimmerte - das war kein Trugbild: die leibhaftigen Weltmeister, Ronaldo mit seinen Hasenzähnen, Roberto Carlos, klein, kahl und gemein, Roque Junior, Silva. Und Ronaldinho, dessen Bild auf den Märkten, in Öl gepinselt, angeboten wird, das Idol, der Geliebte, der Bruder. Die Selecao." Das Ergebnis? 6:0 für Brasilien, Frieden für Haiti. Organisiert wurde das Spiel übrigens von Haitis unorthodoxem Premierminister Latortue, seinem brasilianischen Kollegen Lula, der UNO und Taiwan.

Andre Heller, Leiter des Kulturprogramms der Fußball-WM 2006 in Deutschland, erzählt im Interview, was er so alles plant. Zum Beispiel Themenabende: "Was war Real Madrid unter dem Diktator Franco? Wie wird Fußball durch Berlusconi politisch missbraucht? ... Außerdem zeigen wir die Gedanken zum Spiel auf dem grünen Rasen von Ausnahmewesen wie Nelson Mandela über den Dalai Lama bis zu Garcia Marquez und Susan Sontag." Und dann natürlich die unvermeidliche Frage nach Godard und jenen Live-Übertragungen, bei denen er Regie führen soll: Wie soll das ausschauen? Heller: "Keine Ahnung. Er wünscht sich einige Kameras - und bekommt weiter keine Vorgaben."

Weitere Artikel: Joschka Fischer kommentiert im Interview die Lage rund um Hartz IV und die Reaktionen seiner Politikerkollegen: "Am meisten ärgere ich mich aber über den sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt. Der saß nachts ... bei den Scharfmachern Roland Koch und Christian Wulff. Jetzt denkt er darüber nach zu demonstrieren, weil ihm vor den Landtagswahlen der Frack brennt." Außerdem gibt es ein Interview mit dem ehemaligen Uno-Botschafter Richard Holbrooke, der zur Zeit Berater von John Kerry ist und im Falle von dessen Wahlsieg Nachfolger von Colin Powell im State Departement werden könnte.

Im Print: Hilde Schramm, Tochter des NS-Architekten Albert Speer, spricht im Interview über die Versäumnisse des Friedrich Christian Flick, ihr Engagement für ehemalige Zwangsarbeiter und ihren Vater. Der Titel widmet sich der "dunklen Welt der Folter".

Magazinrundschau vom 23.08.2004 - Spiegel

Angst vor Hartz IV? Kennt dieser Mann nicht. Peter Sloterdijk spricht im Interview über sein neues Buch "Sphären III" und die Ängste der deutschen "Komfortgesellschaft", die sich in lauten Klagen Luft machen. Doch "einseitiger Negativismus ist auf die Dauer nicht lebbar. In diesem Punkt wäre ein wenig Emissionsschutz für das intellektuelle Klima nützlich." Vor dem Philosophen als Fachmann fürs Positive müsse man sich nicht fürchten, dafür sorge schon das "Gejammere und Metagejammere" der Medien: "Man darf ... nie vergessen, dass die deutsche Kritik eine Spätform des deutschen Idealismus darstellt. Nach diesem gehört die Seele zur Basis, die Wirtschaft hingegen zum Überbau. Folgerichtig sieht man sich hier zu Lande von edlen Schlechtmachern umzingelt, die davon überzeugt sind, dass man sich an die lahmende Basis wenden muss. Man macht schlecht, weil man einer von den Guten ist. Ein deutscher Kritiker sein heißt: aus dem Stand eine Mahnpredigt halten können."

Nicht allein mit Blick auf die US-amerikanische Militärstrategie porträtiert Susanne Koelbl den amerikanischen Marine und Nato-Generals James Jones: "...die Budgets der europäischen Mitglieder stagnieren schon seit langem, moniert Jones: 'Das wird auf Dauer nicht gut gehen.' Ein norwegischer Offizier auf dem hinteren Rang wagt die entscheidende Frage: 'Herr General, warum kritisieren Sie dann nie die Finanzminister?' 'Weil wir eine verdeckte Operation gegen sie planen', antwortet Jones, 'am 30. August, um 6 Uhr morgens geht's los.'"

Weitere Artikel: Siegesmund von Ilsemann und Gerhard Spörl fragen nach den Hintergründen für den geplanten Abzug der amerikanischen Truppen aus Deutschland: Er muss wohl als Hinweis darauf verstanden werden, dass George W. Bush endgültig die "Doktrin der Blitzsiege mit immer zielgenaueren Präzisionswaffen und immer kleineren Invasionsstreitkräften" durchsetzen wolle. Rüdiger Falksohn und Padma Rao berichten von den dunklen Seite eines Ferienparadieses, der islamischen Republik der Malediven: "42 Prozent unseres Volkes leben in Armut, denn der Präsident und seine Familie kassieren alle Gewinne", erklärt der Führer der Exil-Opposition. Und Dirk Kurbjuweit hat sich auf einem Nebenschauplatz der Olympischen Spiele umgesehen: "Im Deutschen Haus in Athen gibt es kaum Siege zu feiern - aber immer genug zu essen."

Nur im Print: Ein Interview mit dem ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Frederik Willem de Klerk über "den erfolgreichen Wandel vom Apartheidstaat zur Demokratie". Der Titel beschäftigt sich mit Oliver Hirschbiegels Film "Der Untergang". Dazu gibt es einen Interview mit dem britischen Historiker Ian Kershaw "über die Kampfeslust der Deutschen bei Kriegsende, den Niedergang des Führermythos und Hitlers verzweifelten Überlebenswillen".

Magazinrundschau vom 16.08.2004 - Spiegel

Jim Jarmusch hat einen neuen Film gedreht: "Coffee and Cigarettes", elf Episoden, in denen u.a. Tom Waits, Roberto Benigni, Iggy Pop, Cate Blanchett, Bill Murray, Jack und Meg White rauchen, Kaffee trinken, reden und schweigen. Im Interview erzählt Jarmusch: "Es gibt da eine Szene zwischen Tom Waits und Iggy Pop, in denen sich beide eine Marlboro aus der Schachtel nehmen, die ich ihnen auf den Tisch gelegt habe. Iggy und Tom haben ja weitgehend improvisiert. Sie sagen beide, dass sie eigentlich mit dem Rauchen aufgehört haben. Was ich nicht wusste, ist, dass es wirklich stimmte. Die beiden wurden durch diese kleine Szene wieder rückfällig. Tom war ein wildes Rauchtier, der hat sich nachts den Wecker gestellt, um eine zu rauchen. Kein Quatsch, Mann. Er hat sich später bitter bei mir beklagt. Iggy ebenfalls."

Weitere Artikel: Ein Bericht aus dem Irak beschreibt die Kämpfe um Nadschaf, ein anderer meldet Folterungen afghanischer Zivilisten in Kabul durch US-Kopfgeldjäger. Die Bundeswehr hat einen Katalog von Vorschriften für zeitgemäßen Sex in der Truppe vorgelegt, berichtet Alexander Szandar: "Im Klartext: Bei der Liebe im Lager soll der Soldat gefälligst leise sein." Und Matthias Matussek feiert die "schöne Halle Berry" als "Catwoman".

Nur im Print: Ein Gespräch mit Christoph und Jakob Hein über den Tod von Christiane Hein und das Leben in der DDR. Der Titel widmet sich der Angst vor der Armut. Einen Beitrag dürfen wir im Netz lesen. Darin geht es um die deutsche Arbeitsmarktreform im internationalen Vergleich - gefragt wird also etwa, warum eigentlich andernorts die großen Proteste ausgeblieben sind: "Wissenschaftler Thode begründet den Gleichmut damit, dass die Reformen im Ausland besser austariert sind. Die Regierungen haben zwar Opfer verlangt und Sanktionen verhängt, aber zugleich auch Chancen eröffnet und Anreize geschaffen, etwa mit Hilfe der Steuergutschriften in den USA oder Großbritannien oder dank der Eingliederungspläne, die dänische und britische Arbeitsvermittler mit jedem Erwerbslosen austüfteln."

Magazinrundschau vom 09.08.2004 - Spiegel

Marco Evers und Gerald Traufetter berichten über den Kampf von Microsoft gegen Linux: Die Stadt München, die ihre 14.000 Rechner auf Linux umstellen wollte, hat das Vorhaben jetzt gestoppt. "München protestiert damit gegen eine drohende EU-Richtlinie über Patente auf Software. Wenn diese verabschiedet werde, so die Befürchtung, könnten sich gegen die Münchner Software Ansprüche aus bis zu 50 Patenten richten. Geldschneider könnten die Stadt mit Prozessen überziehen und sogar alle Computer lahm legen." Das Europäische Patentamt hat "ohne eindeutige Rechtsgrundlage bereits mehrere tausend Software-Patente anerkannt. Wenn die EU ihre Richtlinie absegnet, dann erwarten Patentgegner auch in Europa eine Flut von Lizenzklagen." Gedient wäre damit einzig und allein Microsoft!

Weil Otto Schilys Idee, in Afrika Lager für Flüchtlinge einzurichten, in einigen EU-Ländern auf Zustimmung hoffen darf, hat der Spiegel gleich vier Autoren auf diese Idee angesetzt. Ihr Fazit: "Als Rettungsplan für Schiffbrüchige ist sie ehrenwert, als Kern einer neuen, schärferen Flüchtlingspolitik funktioniert sie nicht". Und dann gibt es noch ein Gespräch mit Finanzminister Eichel "über anhaltende Steuerflucht, undurchsichtige Managergehälter, eigene Fehler und seine Zukunftsaussichten in der rot-grünen Regierung".

Nur im Print: Ein Interview mit Oskar Lafontaine über "seinen Kampf gegen den Kanzler und die Gründung einer neuen Linkspartei". Im Kulturteil findet sich eine Meldung, wonach Andres Veiel Gerd Koenens Buch "Vesper, Ensslin, Baader" verfilmen will. Ein Artikel berichtet, wie die Wiener Gruppe Coop Himmelb(l)au die neue Euro-Bank in Frankfurt plant. Besprochen wird Nicholson Bakers Roman "Checkpoint". Der Spiegeltitel untersucht den Zufall aus physikalischer, psychologischer und biologischer Sicht.