Spätaffäre - Archiv

Für die Augen

95 Presseschau-Absätze - Seite 6 von 10

Spätaffäre vom 24.03.2014 - Für die Augen

Die Arbeiten des österreichischen Filmemachers Götz Spielmann sind etwas für echte Liebhaber: Sein Episodenfilm "Antares - Studien der Liebe" von 2005 erzählt "drei Episoden aus einer österreichischen Hochhaussiedlung rund um das Entgleiten und Entgleisen der Liebe", schreibt Nils Fortmann bei Negativ. Netzkino zeigt den Film in voller Länge und ganzer Intensität.



Reden wir über Weltschmerz mit @NeinQuarterly. Bernd Ulrich, Stellvertretender Chefredakteur der Zeit, sprach mit Eric Jarosinski alias @NeinQuarterly, Twitter-Philosoph und Zeit-Kolumnist. Hier der Mitschnitt der einstündigen Veranstaltung.
Stichwörter: Ulrich, Bernd, Intensität

Spätaffäre vom 21.03.2014 - Für die Augen



Auch ein schöner Widerspruch, dass ein Film über die Langsamkeit so schnell den Sprung von der Berlinale 2014 ins Fernsehen schafft: Tsai Ming-Liangs Film "Ein Mönch in Marseille" mit Lee Kang Sheng und Denis Lavant war laut Cristina Nord (taz) einer "der schönsten Filme des Festivals": Zu sehen ist ein buddhistischer Mönch, der etwas tut, "was einer alten Mediationstechnik entspricht: Er geht achtsam. Jeden Schritt führt er mit großer Konzentration aus. Während die Passanten binnen Sekunden das Bild durchqueren, benötigt er Minuten. Einmal etwa geht er eine Treppe hinab, es sind vielleicht 25 Stufen, er braucht dafür eine ganze Weile. Und in dieser Zeit kann man bestaunen, wie das Sonnenlicht, das von oben in den Durchgang fällt, die Ränder seines roten Gewands durchstrahlt. Eine solche Einstellung befreit die Zuschauerwahrnehmung von dem Zwang, nach Informationen zu suchen: eine tolle Erfahrung, gerade im Kontext eines auf Bedeutungsproduktion so versessenen Filmfestivals." In der arte-Mediathek kann man sich den Film ansehen. (53 Min.)

"Wir sind alle Spione", meint der britische Autor Ian McEwan. Jeder Mensch versucht die Geheimnisse des anderen zu lesen. Deswegen glaubt er, dass Spionage Teil des Daseins sei, sagt er im Gespräch mit dem Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk, Dänemark über seinen Roman "Sweet Tooth" (dt. "Honig" 2013), in dem es um Schnüffeleien des MI5 in der Kunstszene geht (47 Min.)

Spätaffäre vom 20.03.2014 - Für die Augen

Heute vor 26 Jahren starb der kanadische Jazzkomponist, -arrangeur und -musiker Gil Evans. Bei Youtube findet man eine Dokumentation von 1997 über diesen Musiker, der ab den 30er Jahren alles beeinflusste, was neu im Jazz erfunden wurde: Cool Jazz, Bebop, Free Jazz. Der Jazztrompeter Lew Soloff sagt im Film über ihn: "The band would sound great sometimes and it would sound terrible sometimes. But the fact that we were given the freedom to sound great or terrible, rather than have to play the same music every time or the same way every time or anything like that, the fact that he gave us all that creative freedom - the good nights were better than any nights I ever had with any other band. I mean in general, from the time on I was with him from the beginning: The good nights with his band were the best nights creatively of any band I ever played with." Mit Miles Davis u.v.a. (54 Min.)



Nach dem Militärputsch in Indonesien 1965 wurden über eine Million Menschen von paramilitärischen Truppen gefoltert oder ermordet. In seinem Filmprojekt "The Act of Killing" hat Joshua Oppenheimer die damaligen Massenmörder dazu gebracht, ihre Taten nachzuspielen, wobei sie sich die Form selbst aussuchen durften. Im Perlentaucher hat Jochen Werner das beschrieben: "Dick mit Latex zugekleistert, werden offensichtlich künstliche Wunden und Verstümmelungen auf die Gesichter der zu Schauspielern umfunktionierten Protagonisten appliziert; durch die offensive Künstlichkeit dieser Masken hindurch blitzt die Ahnung der mörderischen Wirklichkeit umso grauenerregender auf. Und wird, darüber hinaus, vielleicht momenthaft gar für die Protagonisten selbst als Schuld erfahrbar, zwingt sie doch Oppenheimer auf nur dem ersten Anschein nach spielerische Weise in einen Rollentausch hinein." Zu sehen in der arte-Mediathek (95 Min.).

Spätaffäre vom 19.03.2014 - Für die Augen



Arte präsentiert eine Aufzeichnung von Patrice Chéreaus Inszenierung der "Elektra" (Dirigent: Esa-Pekka Salonen) im Grand Théâtre d'Aix-en-Provence 2013. Mit Evelyn Herlitzius (Elektra), Waltraud Meier (Klytämnestra), Adrianne Pieczonka (Chrysothemis), Mikhail Petrenko (Orest) und Tom Randle (Aegisth). Reinhard J. Brembeck feierte die Aufführung in der Süddeutschen seinerzeit als "aufrüttelndsten und packendsten Opernabend" der Saison. (111 Min.)

In der Reihe "Stunde des Bösen" mit Thrillern von jungen Filmemachern ist in der ZDF-Mediathek "Die Frau hinter der Wand" von Grzegorz Muskala sehen, ein eindrucksvolles Debüt, das an Hitchcock, Lynch und den Coens geschult ist, aber dabei einen ganz eigenen düsteren Schrecken entwickelt. Ausgestrahlt wurde "Die Frau hinter der Wand" erst nach Mitternacht, was für Jan Wiele in der FAZ einmal mehr "Anlass zu der Überlegung gibt, was im Vergleich dazu im 'großen Hauptprogramm' läuft". In der Mediathek kann der Film wegen seiner FSK16-Freigabe leider nur zwischen 22 und 6 Uhr gesehen werden. (90 Min.)

Spätaffäre vom 18.03.2014 - Für die Augen

Die Islam-Debatte ist im Moment etwas eingeschlafen und wird überdeckt durch die Debatten um die Geheimdienstenthüllungen und die Ukraine-Debatte. Allein der Titel von Hamed Abdel-Samads neuem Buch, "Der islamische Faschismus", hätte vor einigen Jahren zu einem Aufschrei geführt. Der offizielle Erscheinungstermin ist der 1. April (mehr hier). Mal sehen, ob es zu Debatten kommt. "Diese Auserwähltheit, das Gefühl, anderen Rassen oder Religionen überlegen zu seien, verbindet Islamismus und Faschismus", sagt Abdel-Samad in einem Gespräch, das er dem Ersten auf der Leipziger Buchmesse gegeben hat. (30 Min.)

Manuel H. Martins Dokumentation "Ein halbes Leben im Versteck" ist recht anders als das, was man zur Zeit so als Geschichtsfernsehen sieht: Hier gibt es keine schulfunkhaft nachgespielten historischen Szenen, illustriert werden die Erzählungen der Zeugen von animierten Zeichnungen. Es geht um "Maulwürfe", gesuchte politische Gegner des Franco-Regimes, die zum Teil über dreißig Jahre in Vertecken überlebten. Die WDR-Seite zum Film ist recht informativ. Hier die englischsprachige Website des Films. (55 Min.)

Und dies ist, was uns meistens passiert, wenn wir in unserer Eigenschaft als Demokratieabgabenzahler die Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen durchsuchen:


Spätaffäre vom 17.03.2014 - Für die Augen

Mit "Thérèse und Isabelle" schuf Violette Leduc in den fünfziger Jahren einen Klassiker der homoerotischen Frauenliteratur. Arte würdigt die Autorin mit einem Dokumentarfilm. Hier in der Mediathek. (57 Min.)

Zur Zeit wird in Berlin Enno Poppes empfehlenswerte musikdramatische Aktion "IQ" aufgeführt (mehr hier). Die Aktion handelt von Intelligenztests und ist trotz witziger Einfälle des Librettisten Marcel Beyer mnachmal leicht überflüssig - oder umgekehrt: Manchmal hat man das Gefühl, dass sich Poppes fantasievolle Musik hinter der Aktion versteckt, obwohl sie interessanter ist als diese selbst: Man denke etwa an das wunderschöne Duett für zwei Bassklarinetten! Jedenfalls macht das Stück Lust, mehr von Poppe zu hören. Das Orchester, mit dessen Namen Pierre Boulez sämtliche Hasser von Nasalen quälte, nämlich das Ensemble intercontemporain, das aber ausgezeichnet spielen kann, führt hier Poppes "Speicher III, IV et V" (knapp 30 Minuten) auf und zeigt, dass seine Musik alleine stehen kann. Auch hier übrigens wieder, wie in "IQ", Poppes charakteristische Neigung zu Glisssandi, bei denen einem manchmal ein bisschen weich in den Knien wird.



"Die russischen Soldaten kamen in der Morgendämmerung. Sie gaben den Tataren 15 Minuten, um ihre Häuser zu verlassen". Während der mehrwöchigen Zugfahrt nach Zentalsien verreckten viele von ihnen, weil ihnen die Soldaten kaum Nahrung gaben. Diese Aljazeera-Dokumentation erzählt die Geschichte der Krimtataren, die von Stalin 1944, nach der Wiedereroberung der Krim, als "Verräter" deportiert wurden (45 Min.).


Spätaffäre vom 14.03.2014 - Für die Augen

Arte bringt Apichatpong Weerasethakuls Kurz-Spielfilm "Mekong Hotel", ein sanfter, nostalgischer Film: Der Regisseur "vermeidet jegliche Exotik-Klischees. Stattdessen nimmt er den Zuschauer mit auf eine gefühlsstarke und kontemplative Reise", schreibt der Programmtext. Einen Bonustrack zu Weerasethakuls "Uncle Boonmee" verspricht Maggie Lee in Variety (hier weitere Stimmen zum Film bei KeyframeDaily). Und hier der Film in voller Länge. (57 Min.)

Bei Youtube sind alle sechs Episoden von "Orson Welles' Sketch Book" zu sehen, einer TV-Serie aus dem Jahr 1955, in deren 15-minütigen Folgen der große Regisseur und Schauspieler amüsant und anekdotenreich von den Anfängen seiner Karriere und seiner Beziehung zu Kritikern erzählt, aber auch ernste Themen wie die Polizeigewalt gegen den farbigen Kriegsveteran Isaac Woodard anspricht:

Spätaffäre vom 13.03.2014 - Für die Augen

In "Sita sings the Blues" verknüpft die amerikanische Animatorin Nina Paley hinduistische Mythologie mit Jazzsongs von Annette Hanshaw und ihrem eigenen Liebeskummer. Bei Dailymotion ist der äußerst vergnügliche Film aus dem Jahr 2008 in voller Länge und mit optionalen (allerdings bisweilen asynchronen) deutschen Untertiteln zu sehen. Auf der Homepage des Films kann er kostenlos in beliebiger Qualität (von 224 MB bis 200 GB) heruntergeladen werden. (82 Min.)



"Forbidden Voices", ein Dokumentarfilm über Bloggerinnen und ihren Kampf in stark zensierenden Ländern wie China und Iran. Furchtlos lassen sie "sich von den diktatorischen Regimes ihrer Länder nicht länger den Mund verbieten. Sie decken rückhaltlos Missstände auf und prangern sie im Internet an", verspricht der Programmtext. Hier in der Arte-Mediathek. (91 Min.)
Stichwörter: Mythologie, Mediatheken

Spätaffäre vom 12.03.2014 - Für die Augen

Im New Yorker MoMA gibt es ab heute drei Tage lang ein Screening von Michael Roemers Film "Nothing but a Man" aus dem Jahr 1964. Im Blog des Museums schreibt Kurator Charles Silver, wenige Tage, nachdem der Oscar erstmals an einen schwarzen Regisseur verliehen wurde: "'Nothing but a Man' entstand auf dem Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung und kam in dem Jahr heraus, in dem Dr. King seine berühmte Rede hielt. Der Film spielt in Birmingham, einer Stadt, die im Leben von Dr. King eine Schlüsselrolle einnahm. Drei Wochen nach seiner Rede wurde dort eine Kirche in die Luft gesprengt, vier Kinder starben. Spike Lee hat die Tragödie in seinem Film 'Four Little Girls' nachgezeichnet. Für mich verkörpert 'Bothing but a Man' eine Authentizität, einen Naturalismus, der mich schon vor fünfzig Jahren tief bewegt und bis heute nichts von seiner Wirkung verloren hat. Vielleicht ist es anmaßend von mir als Weißem, aber die beiden Männer, die den Film realisierten, waren auch weiß: Michael Roemer war in seiner Kindheit vor den Nazis geflohen, was zweifellos zu der Sensibilität gegenüber den Geschnissen beitrug, von denen der Film erzählt." Auf Youtube ist der Film zu sehen (92 Min.):



Gestern vor drei Jahren nahm die Reaktorkatastrophe in Fukushima ihren Lauf. Bei Arte sind dazu gleich drei interessante Dokumentationen zu sehen: "Fukushima - Chronik eines Desasters" (hier, 48 Min.) zeichnet die Geschnisse im Einzelnen nach, "Die Welt nach Fukushima" (hier, 78 Min.) untersucht den Umgang mit Kernenergie seit 2011 und für die Reportagereihe "X:enius" (hier, 26 Min.) wurde das kontaminierte Gebiet um das Atomkraftwerk besucht. Alle drei sind bis Freitag in der Mediathek abrufbar.

Spätaffäre vom 11.03.2014 - Für die Augen

Anlässlich des 300. Geburtstags von Carl Philipp Emanuel Bach am 8. März dirigierte Bernard Labadie das Symphonieorchester und den Chor des Bayerischen Rundfunks mit Werken von Vater Johann Sebastian und Sohn Carl Philipp Emanuel Bach (120 Min.)

"Elling" ist eine Art norwegischer Nationalheld: Autor Ingvar Ambjörnsen hat inzwichen eine ganze Romanserie über sein reichlich neurotisches Muttersöhnchen verfasst. Auch Petter Naess' bekannter Film "Elling" (85 Minuten), der zur Zeit bei Netzkino kostenlos bereitgestellt wird, basiert schon auf dem dritten Roman der Serie und hatte vor zwölf Jahren international einigen Erfolg: "Da steht er nun mit seinem hünenhaften Kjell Bjarne, der sich nur für Essen und Sex interessiert, ein gutmütiges Riesenbaby mit maßlosem Mutterhass. Immerhin eines merken die Freunde rasch: Ab jetzt müssen sie gut aufeinander aufpassen, denn ihr Sozialarbeiter will Erfolge sehen...", schrieb Cristina Moles Kaupp seinerzeit im Spiegel. Der Film macht Spaß!