9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Geschichte

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.12.2014 - Geschichte

Abgedruckt ist in der Zeit ein Auszug aus den Erinnerungen Klaus Harpprechts: Wie der Krieg Anfang 1945 für mich zu Ende ging.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.12.2014 - Geschichte

Hans Christoph Buch erinnert in der NZZ an jene Zeit, als Berlin zur Hoffnung der Kolonisierten wurde, also an das Kaiserreich, und an Berliner Studenten wie Mori Ogai, José Rizal und natürlich W.E.B. Dubois: "Obwohl Rassismus verbreitet war, wurde Dubois nach eigenem Bekunden nicht diskriminiert, im Gegenteil: Der dunkelhäutige Dandy, der sich einen wilhelminischen Schnurrbart wachsen ließ und mit Korpsstudenten um die Wette soff, genoss die Narrenfreiheit eines Paradiesvogels. Er trug einen Zettel mit Namen und Adresse bei sich, damit Droschkenkutscher ihn, wenn er betrunken war, nach Hause karren konnten, und schwängerte eine Deutsche, die er nicht heiratete, um ihr die Rassendiskriminierung in den USA zu ersparen. "Entbehren sollst du, sollst entbehren", lautete fortan das aus "Faust" entlehnte Motto des germanophilen Schwarzen." (Das Bild zeigt Dubois mit wilhelminischem Schnurrbart, Quelle: Wikipedia.)

Im Interview mit Ralf Leonhard spricht der Autor Francisco Sionil José in der taz über die miserable Lage der Philippinen, die korrupten Eliten und den Kolonialismus, über den ihm beinahe ein positives Wort über die Lippen gekommmen wäre: "Der Imperialismus ist langfristig nie positiv, denn ihm liegt die Logik der Ausbeutung zugrunde. Aber die Einrichtung der öffentlichen Schulen hat Leuten wie mir zu Bildung und damit zu einer gewissen sozialen Mobilität verholfen. Gleichzeitig wurde natürlich eine Abhängigkeit von den USA etabliert. Unsere Eliten haben immer mit den Kolonialmächten kollaboriert. Sie haben sich die Gewohnheiten der imperialen Mächte zu eigen gemacht. Sodass wir jetzt eine Kolonie der eigenen Elite sind."

Weiteres: Für alle, die nicht dabei waren, erstellt Matthias Heine in der Welt ein "ABC des Kalten Krieges".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.11.2014 - Geschichte

Italien gedenkt in diesem Jahr des Widerstands gegen Mussolini. Angesichts ihrer verfallenden Gesellschaft sehen die Italiener durchaus einen Bezug zu heute, erzählt Barbara Villiger Heilig in der NZZ. "Vom Armistizio im September 1943, das de facto eine bedingungslose Kapitulation der italienischen Faschisten bedeutete, bis zur Befreiung Italiens im Frühjahr 1945 formierte sich die kleine Minderheit der Partisanen zum asymmetrischen Kampf gegen Nationalsozialisten und Agitatoren der Repubblica sociale italiana. Ausschlaggebend für die moralische Aufrüstung des Landes war der große Rückhalt im Volk, auf den diese meist blutjungen Burschen zählen konnten - und mit ihnen alle weiteren Verfolgten, ob Juden, Kommunisten, Deserteure oder sonstige Regimegegner. Man versteckte, ernährte, bekleidete sie."

Geschichtsrelativismus ist die Moral der WK 2-Schmonzetten wie "Unsere Müter, Unsere Väter" und jetzt "Das Zeugenhaus" im ZDF, meint Georg Diez in seiner Spiegel-Online-Kolumne: "Der Holocaust aber wird in diesem Film vollkommen ausgeblendet, so wie er auch schon in "Unsere Mütter, unsere Väter" ausgeblendet wurde. Die Verbrechen dort waren Verbrechen der Soldaten, einzelne Taten, grausam und unerklärlich oder aus der Logik des Krieges heraus zu sehen. Nach diesem Prinzip funktioniert nun auch "Das Zeugenhaus": Wehrmacht böse, Deutsche gut."

Yomiuri, die größte japanische Zeitung, hat sich - auch hier in ihrer englischen Ausgabe - dafür entschuldigt, mit Blick auf meist koreanische Zwangsprostituierte im Zweiten Weltkrieg von "Sexsklavinnen" gesprochen zu haben, berichtet Associated Press (hier in Mashable). Der Hintergrund: "Premierminister Shinzo Abe und andere konservative Politiker und Aktivisten führen seit langem eine Kampagne gegen den Begriff "Sexsklavinnen" und behaupten, die Frauen seien nicht gezwungen worden. Zwar hatte eine Regierungsstudie in den frühen neunziger Jahren geschlossen, dass die Frauen "gegen ihren Willen" festgehalten wurden und "im Elend in Bordellen lebten"... Die Konservativen argumentieren aber damit, dass die Studie keine Belege in offiziellen Dokumenten gefunden hatte."

Weitere Artikel: Claudia Schwartz sah für die NZZ schon mal den ersten Teil der vom ZDF produzierten Deutschland-Saga, durch die der Historiker Christopher Clark führt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.11.2014 - Geschichte

Richard Herzinger analysiert in der Welt, wie die Linkspartei ihr Geschichtsbild selbst in der neuen Thüringer Koalition durchsetzte: "Bewahrt werden soll die Legende, der Gründungsimpuls der DDR sei ein genuin "antifaschistisch-demokratischer" gewesen, und die Diktatur habe sich dort erst allmählich, im Widerspruch zu dieser guten Intention, durchgesetzt. Die Entschlossenheit der Linkspartei, an diesem Mythos festzuhalten, schlägt sich in der faulen Kompromissformel nieder, die sie ihren thüringischen Koalitionspartnern abringen konnte: Die DDR sei "in der Konsequenz" ein Unrechtsstaat gewesen - nicht also schon an ihrer Wurzel."

Zur Legitimation der geopolitischen Ansprüche Russlands beruft sich Wladimir Putin auf Iwan Iljins Ideologie eines eurasischen Imperiums, schreibt die Publizistin Sonja Margolina in der NZZ: "Putin preist nun die Siege russischer Feldherren im Ersten Weltkrieg und wirft den Bolschewisten, die bekanntlich für die Niederlage des eigenen Lands agitierten, Verrat an nationalen Interessen vor. Die Schreibtisch-Träumer aus den Zentren des russischen Exils liefern nun postum Belege für die höhere moralische Bestimmung des russischen Volkes und seine Bereitschaft, für das Vaterland in der ukrainischen Steppe zu sterben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.11.2014 - Geschichte

Marion Löhndorf besucht für die NZZ das umgestaltete Imperial War Museum in London: Viel Erster und Zweiter Weltkrieg, die "Kriege von heute werden allerdings eher beiläufig erwähnt, so etwa anhand des in Afghanistan konfiszierten Motorrads eines Taliban-Spions".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.11.2014 - Geschichte

Die Welt druckt Avi Primors Rede zum Volkstrauertag. Der ehemalige israelische Botschafter würdigt darin die vorbildliche Rolle Deutschlands "in Sachen Erinnerung und Gewissenserforschung": "Alle Länder der Welt errichten nach wie vor Mahnmale und Gedenkstätten. Sie errichten sie, um sich an ihre Siege, an ihre Helden und ruhmreichen Bürger zu erinnern, die ihr Land und ihre Nation ehren. Weltweit habe ich außer Deutschland kein einziges Land gefunden, das es gewagt hat, Mahnmale zu errichten, die an die eigenen Verbrechen erinnern und die eigene Schande verewigen."
Stichwörter: Primor, Avi, Gedenkstätten

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.11.2014 - Geschichte

Hilmar Klute berichtet in der SZ von einer Tagung am Münchner Institut für Zeitgeschichte zum Thema Lachen über Hitler: "Es gibt den brennenden Wunsch vieler deutscher Humorarbeiter, Adolf Hitler in seiner angeblichen Banalität zu zeigen, und da möchte man zumindest nachfragen, ob ein Mann, der sechs Millionen Juden ermordet hat und zumindest darangegangen ist, die Welt anzuzünden, wirklich mit dem Begriff der Banalität abzufertigen sei. Der Historiker Axel Drecoll fand dafür die handhabbare Formel: Die Banalität Hitlers und seine Qualifizierung als "absolute Null bergen nicht mehr Erklärungspotential als der Dämon Hitler.""




Street Art, basierend auf Mel Brooks" Film "The Producers". (Foto unter Creative Commons-Lizenz bei Flickr veröffentlicht von Freenerd.)

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.11.2014 - Geschichte

Huffpo.fr präsentiert eine Reihe bisher unbekannter Fotos, die der irische Soldat George Hackney im Ersten Weltkrieg heimlich aufgenommen hat und die den Alltag in den Schützengräben in kaum je gesehener Nähe dokumentieren. Die BBC hat über Hackney einen ganzen Film gemacht: "The Man Who Shot the Great War".



Jetzt soll auch noch das Nürnberger Reichsparteitagsgelände wieder aufgebaut werden, stöhnt der Historiker Norbert Frei in der Zeit: "Gibt es vernünftige politische, gesellschaftliche oder ästhetische Gründe für die Restaurierung - im Fall der Zeppelintribüne am Ende faktisch für die Rekonstruktion - architektonischer Banalitäten und Monstrositäten, an denen sich bis heute diejenigen ergötzen, die immer noch die Aura des "Führers" suchen?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.11.2014 - Geschichte

In der FR erinnert Stefan Jakob an den General Erich von Falkenhayn, der im November 1914 eine erste Friedensinitiative im Ersten Weltkrieg versuchte und scheiterte. In der Presse befasst sich Anne-Catherine Simon ausführlich mit einer Studie der französischen Historikerin Lucile Dreidemy zum Dollfuß-Kult im Österreich vor dem Anschluss.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.11.2014 - Geschichte

In der NZZ weiß der polnische Historiker Wlodzimierz Borodziej, warum Putin auf einmal sogar den Hitler-Stalin-Pakt gut findet - wohl nicht trotz, sondern eher wegen des Zusatzprotokolls: "In ukrainischen und belorussischen Städten gibt es "Straßen des 17. September" [1939], das heißt des Tages des Angriffs der Roten Armee auf Polen. Damals, so die bis heute gültige, ehemals sozialistische und nunmehr nationalstaatliche Interpretation, sei es zur glorreichen Vereinigung von West- und Ostukrainern, von West- und Ostweissrussen gekommen. In der Moldau wurde dieser Gedenktag auf den 28. Juni 1940 verlegt, als die sowjetischen Truppen im nördlichen Rumänien einmarschiert sind."

Klaus Hillenbrand berichtet in der taz, dass in Polen erneut eine Debatte über das Verhältnis der Polen zu den im Holocaust verfolgten Juden aufflammt. Anlass sind zwei Denkmäler, mit denen die polnische Helfer geehrt werden sollen. Hillenbrand will nicht urteilen: "Die fragwürdige Vorstellung moralischer Reinheit eines ganzen Volkes gerät ins Wanken, wenn man bedenkt, unter welchem Terror auch die Polen im NS-Regime zu leiden hatten."

In der FAZ verteidigt Christian Geyer mit Aplomb und auf einer ganzen Seite Luther gegen seine Kritiker und kleinmütigen Anhänger: "Warum Luther verstecken? Nur weil er auch Abgründe hat, die vor aller Augen liegen?"