Seid panisch, rief die schwedische Schülerin
Greta Thunberg ihren Mitdemonstrantinnen kürzlich zu. Empört euch, hatte vor einigen Jahren
Stéphane Hessel gerufen. Beide haben Recht,
meint der Philosoph
Harald Seubert in der
FR, aber man sollte sie nicht mit den Spaltern von links und rechts verwechseln: "Obwohl hier wie dort
eine Grundstimmung an die Stelle des Arguments tritt, besteht eine himmelweite Differenz. Hier das Ressentiment der 'Wutbürger', die von 'Sorge' sprechen, aber Spaltungen meinen, dort die Manifestation einer Panik, die implizit nicht weniger meint als die Erhaltung des begrenzten, aber umfassenden Globus. Der 'panische' Hinweis auf den Notstand kann, angesichts der um sich greifenden politischen Irrationalitäten, eine
hochrationale Funktion erfüllen."
Religion oder aus religiösen Vorstellungen gespeiste
moralische Werte bestimmen heute immer mehr die Politik, obwohl für
über 60 Prozent der Bevölkerung Religion keine Rolle mehr spielt. In der
NZZ denkt Maximilian Zech mit
Max Weber und
Jürgen Habermas über die Folgen nach: "Der liberale Staat dürfe seine Bürger 'nur mit Pflichten konfrontieren, die diese aus Einsicht nachvollziehen können', schreibt Habermas. Darum müssten religiöse Glaubensinhalte, wenn sie nach politischer Umsetzung verlangten, sprachlich und inhaltlich so gestaltet sein, dass sie auch
für Andersgläubige und Atheisten plausibel erscheinen - so wie es bereits die Aufklärer gefordert haben. Eben an solcher Übersetzungstätigkeit mangelt es in der gegenwärtigen Debatte. All jene, die aus den christlichen Liebesgeboten eine bestimmte Politik ableiten wollen, müssen sich darum nicht nur die Frage gefallen lassen, wie realistisch diese Forderung ist.
Mit welcher Legitimation? Auch darauf müssen sie eine Antwort finden."
Die Spaltungen vieler Gesellschaften heute rührt zum Teil auch aus der immer größer werdenden Kluft zwischen
Stadt-
und Landbewohnern her, meint die in Berlin lebende amerikanische Autorin
Anjana Shrivastava in der
Welt. Die Städter sollten es sich dabei nicht allzu gemütlich machen mit der Vorstellung, sie seien die modernen hier und die Bauern die rückwärtsgewandten, meint sie: "Doch heute ist es mit einer
Umerziehung der noch vorhandenen Bauern nicht getan. Eher sollten die Städter selbst beunruhigt sein, eher müssen sie sich selbst erziehen. Denn weder die Natur noch die ländliche Gesellschaft liefern heute noch ein unerschöpfliches Reservoir an frischer Luft, Arbeitskraft oder sonstiger
frischer Ingredienzien für die Stadt. Vielmehr spiegeln die Verhältnisse auf dem Lande die immer wachsenden Bedürfnisse der modernen Stadt wider,
an diesen Bedürfnissen erschöpft sich gerade die Natur und mit ihr das Land selbst".