Die
NZZ hat ein
langes Interview von 2005 des Kulturphilosophen Robert Pogue Harrison mit dem inzwischen verstorbenen Anthropologen
René Girard übersetzt. Es geht um
den Sündenbock in den Religionen, um Heidegger, der einst sagte: "
Nur ein Gott kann uns retten" und um das Heilige: "Die Sakralisierung, die Heidegger fordert, ist eine Rückkehr zum Archaischen, und das ist ihm klar. Deshalb weiß er auch, dass es unmöglich ist. ...
Das Moderne ist, entgegen Heideggers Auffassung, nicht schlecht. Es ist die
Schlechtigkeit der Menschen, die es schlecht werden lässt; aber an sich ist es gut. Es ist eine Entwicklung, die dem Menschen mehr Intelligenz, mehr Menschlichkeit bringt - denn allen negativen Aspekten der Welt zum Trotz ist unsere Welt in vieler Hinsicht die beste, die wir je gekannt haben. Darum ist es
diese Welt, die gerettet werden muss. Und sie kann nur gerettet werden, wenn die Menschen besser miteinander auskommen."
Heinz Bude, der gerade
ein Buch zum Thema veröffentlicht hat, erklärt im Interview mit der
SZ, warum er
Solidarität für einen wichtigeren Begriff hält als Gerechtigkeit oder Empathie: "Der Sozialstaat braucht Gerechtigkeitserwägungen, die im Prinzip für alle Beteiligte einsichtig sind und deshalb verpflichtend gemacht werden können. Aber er geht unter, wenn er nicht durch ein Solidaritätsbestreben in der Gesellschaft gehalten wird. Solidarität
bindet und moderiert Gerechtigkeit. Die Solidarität der Staatsbürger kommt zum einen für die Kosten der Zuerkennung sozialer Rechte auf. Sie kann zum anderen aber auch einen gewissen Takt bei der Wahrnehmung sozialer Rechte verlangen. Es gibt eine
unausgesprochene Reziprozitätsregel im Solidaritätsempfinden, die explizite Rechte an implizite Pflichten bindet."
Am Wochenende hat sich die ehemalige Freien Volksbühne, heute Haus der Berliner Festspiele, als
Palast der Republik inszeniert, und ein Diskurswochenende abgehalten - mit vierzig Veranstaltungen, Runden Tischen, Performances und prominenten Intellektuellen, die sich fragten, wie wir die Revolution doch noch hinbekommen könnten: "Der Palast-Wiedergänger hat sich lustigerweise mitten in der Westberliner Gemütlichkeit angesiedelt, im gutbürgerlichen Bezirk Wilmersdorf. ... Das ist ein gelungener
postideologischer Witz", spottet Peter Laudenbach, der für die
SZ da war. "Dass ideologisch gefestigte Neomarxisten wie die Benjamin-Expertin Susan Buck-Morss, ein Star im akademischen Feld, eingeladen werden, hier ihre
revolutionsromantischen Runden zu drehen, hat eine eigene Ironie, für die der altmodische Begriff der 'repressiven Toleranz' zu harmlos ist. Eher handelt es sich um das Vertrauen aller Beteiligten darauf, dass die kultiviert vorgebrachten Radikalismen
garantiert folgenlos bleiben, aber das Diskurs-Event schmücken." (Mehr zu dem Wochenende in
Berliner Zeitung und
Tagesspiegel)