Noch ist die Debatte um das "Pro und contra" der
Zeit zu
privaten Seenotrettern und Mariam Laus
"Contra" (unsere
Resümees) nicht ganz abgeschlossen. Gestern brachte die Chefredaktion der
Zeit eine (jetzt
online stehende und stark kommentierte) Erklärung dazu, die
Welt-Autor Thomas Schmid als ziemlich heuchlerisch
empfindet: "Sie hat sich nicht hinter ihre Kollegin gestellt, deren demokratische und liberale Gesinnung unbestreitbar ist. Sie hat sich vielmehr in einem
bigotten Text von ihr distanziert. Natürlich nicht auf die plumpe Art, sondern sehr gewunden... In Wahrheit wurde die Redakteurin
an den Pranger gestellt, innerredaktionell ausgegrenzt."
Anja Maier in der
taz kann die Kritik an der Erklärung nicht verstehen: "Die Autorin des Contra-Beitrags werde an den Pranger gestellt, aus der Gesamtredaktion ausgegrenzt. Was für ein
Trigger-Bullshit." Vielleicht sollte man vor dem Weiterdiskutieren einfach mal Mariam Laus
Reportage (kostenlos, aber man muss sich anmelden) von 2017 über die Flüchtlingshelfer auf See lesen. Und auch
dieser Kommentar Laus zeigt, dass "ertrinken lassen" für sie sicher keine Option ist.
Ganz melodramatisch wird Thomas Knüwer in seinem Blog
Indiskretion Ehrensache, der der
Zeit vorwirft, "
rechtsextremen Gedanken den Weg ins Bildungsbürgertum" zu öffnen und das sogenannte "
Overton-Fenster", also den Rahmen des politisch gerade noch Sagbaren, ohne dass den Hanseaten die Goldknöpfe vom Blazer platzen, zu verschieben. Auch Knüwer insistiert, wie schon einige in der Debatte, dass man bestimmte Sachen
einfach nicht sagen dürfe: "Rechte Kreise versuchen auch hier das Overton-Fenster zu verschieben. Sie bezeichnen es als 'Zensur' oder 'Denkverbot', wenn hetzerische Texte nicht veröffentlicht werden und bereiten damit der Idee einen Boden, dass auch extreme Meinungen Raum bekommen dürfen. Motto: 'Das
wird man doch mal andenken dürfen.' Nein,
darf man nicht, soll man nicht. Solche Meinungen dürfen gern im Hallraum der
rechten Filterblase, von
Tichys Einblick bis Kopp-Verlag versanden. Wer ihnen Raum gibt, der macht sie gesellschaftsfähig und unterstützt sie dadurch. So wie
Die Zeit. Und dabei ist
Laus Text keine Ausnahme."
Ziemlich deprimierend lesen sich die jüngsten, bei
Meedia analysierten
IVW-Zahlen der Verlage - also die Zahlen der für Werbetreibende ermittelten
tatsächlichen Auflagen der Medien. Zu den Zeitschriften
schreibt Jens Schröder: "Dramatische Verluste von 14,6 Prozent verbucht unterdessen der
Stern. Nur noch 315.934 Exemplare setzt das G+J-Magazin per Abo und Einzelhandel ab - eine dramatische Entwicklung. Der
Spiegel liegt inzwischen bei 530.657, verlor diesmal ebenfalls deutliche 7,5 Prozent." Beide Magazine hatten einmal Auflagen um eine Million Exemplare. Bei den
Zeitungen sieht es
laut Schröder nicht so viel anders aus: Die
Bild-Zeitung ist um 10 Prozent gefallen, die Auflage der
FAZ liegt inzwischen bei unter 200.000, die der
Welt bei 83.000.