Google hat sich für die Sperrung der
Titanic-App wegen einer
Jesus-Karikatur (unser
Resümee) entschuldigt,
meldet Spiegel online - und hat dafür sogar eine Entschuldigungskarikatur zeichnen lassen. Die App und die
Titanic-Karikatur sind wieder freigeschaltet.
Spiegel online zitiert auch einen Google-Sprecher: "Auch wir finden: Humor und Satire dürfen nicht untergehen - schon gar nicht in Deutschland." Immerhin: Anders als die
New York Times nach
Charlie Hebdo hat sich Google nicht entschlossen, Karikaturen ganz abzuschaffen. Auffällig ist, dass die Medien die Karikatur in ihrer Berichterstattung so
gut wie nie zeigten.
"
Facebook gibt News in Australien wieder frei",
meldet Spiegel online heute morgen. Facebook hatte News auf seinen Seiten in Australien wegen der neuen
australischen Linksteuer abgeschaltet. Nun habe man einen Kompromiss gefunden. Wie genau der Kompromiss aussieht, scheint noch nicht ganz klar zu sein: Aber "die von Australien vorgeschlagenen Änderungen an den Medienregeln werden es Facebook ermöglichen,
selbst zu entscheiden, ob Nachrichten auf der Plattform verbleiben und damit die von ihm ausgewählten Verlage zu unterstützen, sagte Campbell Brown, Facebook-Vizepräsident für globale Nachrichtenpartnerschaften, am Dienstag." Vorher war es also eine Art "Friss oder Stirb" für Facebook.
Um zu verstehen, was hier auf dem Spiel steht, muss man sich die Struktur des Netzes nochmal vor Augen halten:
Der Link ist die Art und Weise, wie im Internet Informationen zirkulieren. Wenn in Australien nun
zunächst Plattformen für Links auf Medieninhalte bezahlen (unser
Resümee) sollen, ist das ungefähr so, als müsste man
beim Wirt Gema-Gebühren bezahlen, wenn man in der Stammkneipe über eine Information diskutieren will.
Facebook weigerte sich zunächst, in Australien zu bezahlen, und steht seitdem in der gesamten Berichterstattung als der Bösewicht da,
Google dagegen hat schon einen Deal mit
Rupert Murdoch geschlossen. Und Google klopft Zeitungen mit seinem "Google News Showcase" mit Millionen Euro weich. Bei
FAZ-Kommentator Carsten Knop kann man heute schon sehen, dass der Google-Schulterschluss mit den Zeitungen funktioniert: "So unternimmt Google seit Jahren umfangreiche Anstrengungen, sowohl
ideeller als auch
erheblicher finanzieller Natur, um Verlagen auf dem Weg in die Digitalisierung zu helfen. Zudem werden im Rahmen des 'Google News Showcase' ausgewählte Texte lizenziert. Auch die
Frankfurter Allgemeine Zeitung nimmt an diesen Programmen teil."
Die
BBC erklärt den Streit zwischen den Plattform- und den Medienkonzernen mit Murdoch an der Spitze in Australien: "Medienunternehmen, darunter
News Corp Australia, eine Einheit von Rupert Murdochs Medienimperium, haben sich angesichts eines langfristigen
Rückgangs der Werbeeinnahmen stark bei der Regierung eingesetzt, um Tech-Firmen an den Verhandlungstisch zu zwingen ."
Auf der Medienseite meldet die
FAZ gar, dass die Zeitungen neben google noch einen weiteren mächtigen Verbündete grewonnen haben: "Die europäischen Presseverleger
und Microsoft fordern, dass in Europa ein Schlichtungsmechanismus eingerichtet wird, wie ihn Australien in einem neuen Gesetz über die Verwendung von Presseinhalten im Internet vorsieht. Man arbeite an einer Lösung, die sicherstelle, 'dass
europäische Presseverleger für die Nutzung ihrer Inhalte durch marktbeherrschende Gatekeeper bezahlt werden', teilten Microsoft und die Verlegerverbände Emma, EPC, NME und ENPA mit." Das europäische Leistungsschutzrecht war also nicht genug?
Mehr zum Thema
über diesen Tweet in der
Financial Times. Der Softwarekonzern, der selbst Milliarden mit Lizenzierungen in der Cloud verdient (und diese Milliarden kommen zu einem erheblichen Teil von den Staaten, die in ihren Behörden Microsoft-Software einsetzen) hat sich mit den
mächtigsten europäischen Zeitungslobbies zusammengetan, so die
FT: "Microsoft hat sich nachdrücklich
für die australischen Reformen ausgesprochen und andere Regierungen aufgefordert, diesem Beispiel zu folgen - sehr zum Leidwesen der Konkurrenz."
Facebooks Erklärung, sich aus News zurückzuziehen war
keineswegs eine Attacke auf den Journalismus,
kommentierte noch vor der jüngsten Meldung über den Kompromiss der keineswegs Facebook-freundliche Mike Masnick bei
techdirt.com, im Gegenteil: "Nachrichten existieren ja in Australien. Medienfirmen haben ihre Websites. Die Leute können diese Websites besuchen. Die Leute, die sagen, dass Facebooks Rückzug eine 'Attacke' auf die australische Souveränität se, geben ja mehr als sie wollen zu, dass sie
Facebook als dominante Quelle der News im Land sehen wollen. Ich meine: Wenn Facebook tatsächlich so ein Problem ist, sollten sie nicht alle feiern? Schließlich sagt Facebook jetzt '
okay,
okay, wir ziehen uns ja jetzt aus dem Business zurück.'"