9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.02.2021 - Medien

Joshua Benton schildert im Niemanlab den australischen Kampf zwischen den Internetgiganten und Rupert Murdoch als Kampf zwischen Bösen und Bösen. Und er sieht Facebook nach dem Einlenken der australischen Regierung als Sieger, denn der Konzern könne jetzt selbst entscheiden, wem er eine Linksteuer zahlt und wem nicht: "Facebook ist ein unternehmerischer Albtraum, der der Demokratie sehr realen und deutlichen Schaden zugefügt hat. Die australischen Behörden haben sich als Wasserträger für Rupert Murdoch betätigt und eine Politik vorgeschlagen, die, wie Tim Berners-Lee sagt, das Web 'unbenutzbar' machen würde. Aber ein böses Unternehmen, das mit bösen Regulierungen konfrontiert ist, kocht auf reine Macht herunter, und Facebook hat sehr deutlich gemacht, wo diese noch liegt, indem es die Geiseln erschoss."

In Australien wurde ein Stellvertreterkampf geführt. "Im Kern geht es immer um das Ziel, Digitalkonzerne zu Verhandlungen mit Medienunternehmen" zu zwingen, schreibt Christian Meier, Medienkolumnist des Springer-Blattes Welt und damit eines Mediums, das für den größten Zeitungslobbyisten Europas spricht. Nebenbei gibt er zu, dass das häufig mit hehrem Getöse beschworene Urheberrecht nur ein taktisches Element ist: "Der Hebel, über den dieses Ziel erreicht werden soll, unterscheidet sich - vom Kartellrecht bis zum Urheberrecht sind verschiedene Ansätze für eine Regulierung denkbar." Meier freut sich aber, dass die Linksteuer, die den etablierten Medien - neben den zu erwartenden Subventionen - eine garantierte Rente gibt, kommen wird. Und er weiß, wem das zu verdanken ist: "Ohne Murdoch, dem zahlreiche Medien in seiner australischen Heimat gehören, wäre es vermutlich erst gar nicht zu dem Gesetz gekommen."

Australien wird zum Vorbild, kommentiert Mark Scott bei politico.eu und sieht ein ähnliches Linksteuer-System im Grunde in der europäischen Urheberrechtsreform schon angelegt: "Erst am Montag haben sich europäische Zeitungskonzerne (darunter Axel Springer, Miteigentümer der europäischen Ausgabe von Politico) mit Microsoft zusammengetan, um ähnliche Verhandlungsbefugnisse im Rahmen der neuen EU-Urheberrechtsregelung zu fordern. Diese Gesetze, die noch in die nationale Gesetzgebung der 27 Länder übernommen werden müssen, verlangen von Unternehmen wie Google und Facebook Lizenzvereinbarungen mit Plattenfirmen, Verlagen und anderen zu verhandeln, um ihre Inhalte zu veröffentlichen. Obwohl das europäische Gesetz nicht die gleichen verbindlichen Schiedsklauseln wie in Australien vorsieht, haben Tech-Unternehmen in der Praxis kaum eine andere Wahl als zu verhandeln."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.02.2021 - Medien

Google hat sich für die Sperrung der Titanic-App wegen einer Jesus-Karikatur (unser Resümee) entschuldigt, meldet Spiegel online - und hat dafür sogar eine Entschuldigungskarikatur zeichnen lassen. Die App und die Titanic-Karikatur sind wieder freigeschaltet. Spiegel online zitiert auch einen Google-Sprecher: "Auch wir finden: Humor und Satire dürfen nicht untergehen - schon gar nicht in Deutschland." Immerhin: Anders als die New York Times nach Charlie Hebdo hat sich Google nicht entschlossen, Karikaturen ganz abzuschaffen. Auffällig ist, dass die Medien die Karikatur in ihrer Berichterstattung so gut wie nie zeigten.

"Facebook gibt News in Australien wieder frei", meldet Spiegel online heute morgen. Facebook hatte News auf seinen Seiten in Australien wegen der neuen australischen Linksteuer abgeschaltet. Nun habe man einen Kompromiss gefunden. Wie genau der Kompromiss aussieht, scheint noch nicht ganz klar zu sein: Aber "die von Australien vorgeschlagenen Änderungen an den Medienregeln werden es Facebook ermöglichen, selbst zu entscheiden, ob Nachrichten auf der Plattform verbleiben und damit die von ihm ausgewählten Verlage zu unterstützen, sagte Campbell Brown, Facebook-Vizepräsident für globale Nachrichtenpartnerschaften, am Dienstag." Vorher war es also eine Art "Friss oder Stirb" für Facebook.

Um zu verstehen, was hier auf dem Spiel steht, muss man sich die Struktur des Netzes nochmal vor Augen halten: Der Link ist die Art und Weise, wie im Internet Informationen zirkulieren. Wenn in Australien nun zunächst Plattformen für Links auf Medieninhalte bezahlen (unser Resümee) sollen, ist das ungefähr so, als müsste man beim Wirt Gema-Gebühren bezahlen, wenn man in der Stammkneipe über eine Information diskutieren will. Facebook weigerte sich zunächst, in Australien zu bezahlen, und steht seitdem in der gesamten Berichterstattung als der Bösewicht da, Google dagegen hat schon einen Deal mit Rupert Murdoch geschlossen. Und Google klopft Zeitungen mit seinem "Google News Showcase" mit Millionen Euro weich. Bei FAZ-Kommentator Carsten Knop kann man heute schon sehen, dass der Google-Schulterschluss mit den Zeitungen funktioniert: "So unternimmt Google seit Jahren umfangreiche Anstrengungen, sowohl ideeller als auch erheblicher finanzieller Natur, um Verlagen auf dem Weg in die Digitalisierung zu helfen. Zudem werden im Rahmen des 'Google News Showcase' ausgewählte Texte lizenziert. Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung nimmt an diesen Programmen teil."

Die BBC erklärt den Streit zwischen den Plattform- und den Medienkonzernen mit Murdoch an der Spitze in Australien: "Medienunternehmen, darunter News Corp Australia, eine Einheit von Rupert Murdochs Medienimperium, haben sich angesichts eines langfristigen Rückgangs der Werbeeinnahmen stark bei der Regierung eingesetzt, um Tech-Firmen an den Verhandlungstisch zu zwingen ."

Auf der Medienseite meldet die FAZ gar, dass die Zeitungen neben google noch einen weiteren mächtigen Verbündete grewonnen haben: "Die europäischen Presseverleger und Microsoft fordern, dass in Europa ein Schlichtungsmechanismus eingerichtet wird, wie ihn Australien in einem neuen Gesetz über die Verwendung von Presseinhalten im Internet vorsieht. Man arbeite an einer Lösung, die sicherstelle, 'dass europäische Presseverleger für die Nutzung ihrer Inhalte durch marktbeherrschende Gatekeeper bezahlt werden', teilten Microsoft und die Verlegerverbände Emma, EPC, NME und ENPA mit." Das europäische Leistungsschutzrecht war also nicht genug?

Mehr zum Thema über diesen Tweet in der Financial Times. Der Softwarekonzern, der selbst Milliarden mit Lizenzierungen in der Cloud verdient (und diese Milliarden kommen zu einem erheblichen Teil von den Staaten, die in ihren Behörden Microsoft-Software einsetzen) hat sich mit den mächtigsten europäischen Zeitungslobbies zusammengetan, so die FT: "Microsoft hat sich nachdrücklich für die australischen Reformen ausgesprochen und andere Regierungen aufgefordert, diesem Beispiel zu folgen - sehr zum Leidwesen der Konkurrenz."

Facebooks Erklärung, sich aus News zurückzuziehen war keineswegs eine Attacke auf den Journalismus, kommentierte noch vor der jüngsten Meldung über den Kompromiss der keineswegs Facebook-freundliche Mike Masnick bei techdirt.com, im Gegenteil: "Nachrichten existieren ja in Australien. Medienfirmen haben ihre Websites. Die Leute können diese Websites besuchen. Die Leute, die sagen, dass Facebooks Rückzug eine 'Attacke' auf die australische Souveränität se, geben ja mehr als sie wollen zu, dass sie Facebook als dominante Quelle der News im Land sehen wollen. Ich meine: Wenn Facebook tatsächlich so ein Problem ist, sollten sie nicht alle feiern? Schließlich sagt Facebook jetzt 'okay, okay, wir ziehen uns ja jetzt aus dem Business zurück.'"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.02.2021 - Medien

Ben Smith, der Medienkolumnist der New York Times, erklärt das "russische Wort "Probiv": Gemeint ist damit der Ankauf personenbezogener Daten, zum Beispiel Metadaten von Handys, mit dem in Russland Kriminelle arbeiten, aber eben auch investigative Online-Medien wie Bellingcat oder The Insider: "Probiv ist fast ausschließlich ein russisches Phänomen. Als Roman Dobrochotow, der 2013 The Insider gründete, vor ein paar Jahren in Kiew war, fragte er einen lokalen Journalisten, wo er die Telefonaufzeichnungen einer Person finden könne, über die er recherchierte, und war überrascht zu erfahren, dass das keine gängige Praxis war. Da habe er erkannt, dass 'Russland möglicherweise das transparenteste Land der Welt ist'."

In einem ganz interessanten kleinen Denkstück beschreibt der New Yorker Journalismusprofessor Jay Rosen, was seiner Meinung nach den politischen Journalismus in den USA in den Abgrund der Lächerlichkeit führte. Er nennt es den "Savvy Style", den "schlauen Stil", der Politik als bloßes taktisches Spiel beschreibt. Leitspruch: "Es mag hässlich sein, aber es ist gute Politik." Spätestens mit Newt Gingrich, der Tea Party, dem Aufstieg von Fox News und anderen Anzeichen einer kompletten Derealisierung der Politik bei den Republikaner verfing dieses Muster nicht mehr: "Keines dieser Dinge passt in der Muster zweier ungefähr ähnlicher Parteien mit unterschiedlichen Philosophien, die ihre Wahlen gewinnen, indem sie intelligent auf das 'vitale Zentrum' zielen. Der 'Savvy Style' war in der Krise, aber niemand schien es zu bemerken."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.02.2021 - Medien

Die philippinische Journalistin Maria Ressa  erzählt den Investigativreportern Obermaier und Obermayer von der SZ, wie sie das Online-Magazin Rappler gründete, das zum Lieblingsfeind des Duterte-Regimes wurde. Zuvor war sie Nachrichtenchefin in einem traditionellen Sender und sah, dass die besten Leute für die Prime Time-Sendung arbeiteten, "und das ist die denkbar schlechteste Lösung. Man muss die besten Leute im Digitalbereich einsetzen. Deswegen habe ich dort gekündigt und zusammen mit mehreren Kolleginnen Rappler gegründet." Bei Rappler arbeiten seitdem vor allem Journalistinnen. Die unmittelbare Zukunft der Philipinen dürfte unruhig werden, vermutet Ressa, dennn Präsident Duterte "ist offiziell nur noch eineinhalb Jahre im Amt. Eine Wiederwahl ist laut Verfassung unmöglich. Und jeder aus seinem Umfeld weiß, dass Klagen wegen Menschenrechtsverletzungen drohen, sobald er nicht mehr im Amt ist. Es ist jetzt also ein Rennen gegen die Zeit."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.02.2021 - Medien

Christian Rath erläutert in der taz die neuen Leistungsschutzrechte für Presseverleger, die Deutschland aufgrund der EU-Reform verwirklicht und die den Informationsfluss für die Verleger zu einem Geldfluss machen sollen: "Immerhin sollen JournalistInnen und FotografInnen laut Gesetzentwurf einen 'angemessenen' Anteil der Lizenz-Einnahmen erhalten. Was angemessen ist, lässt der Gesetzentwurf allerdings offen. Eine Mindestbeteiligung von einem Drittel der Einnahmen wird zwar erwähnt, kann aber durch kollektive Vereinbarungen wie Tarifverträge unter- oder überschritten werden." Die Nachricht, dass Facebook in Australien Medieninhalte wegen der dortigen Linksteuer sperrt (hier der Bericht der taz) , kommentiert Katrin Gottschalk in der taz mit dem Rat an die Leser, Nachrichten direkt bei Medien zu lesen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.02.2021 - Medien

Die ARD-Tagesthemen planen ein "Pro&Contra"-Format, in dem zwei Meinungen zu strittigen Themen abgebildet werden sollen. Für die Welt spricht Christian Meier mit Helge Fuhst, dem Zweiten Chefredakteur von ARD-Aktuell, über Meinungsvielfalt und den Mangel an liberalen und konservativen Stimmen in der ARD: "Es mag konservative Kolleginnen und Kollegen geben, die vorsichtig sind mit ihren Aussagen, weil sie den Shitstorm fürchten oder in eine Ecke gestellt zu werden. Allerdings müssen alle Journalistinnen und Journalisten damit umgehen, jede Meinung kann heute heftige Reflexe auslösen. Nichts versendet sich mehr, wie man das früher über das lineare Fernsehen gesagt hat. Wenn ein Fehler passiert, spricht im schlimmsten Fall am nächsten Tag die Republik darüber. Der ein oder andere ist dadurch womöglich vorsichtiger geworden."

Und außerdem noch diese kuriose Meldung bei tagesschau.de: Das Bezirksamt Berlin-Mitte verbietet der "Tagesschau" und dem Robert-Koch-Institut das Livestreaming einer Pressekonferenz - wegen urheberrechtlicher Bedenken. Für Zeit Online hat Stefan Schirmer außerdem Wehklagen der Intendanten der Öffentlich-Rechtlichen über die vorerst ausgebliebene Rundfunkerhöhung gesammelt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.02.2021 - Medien

Die Landesmedienanstalten möchten ihr Wirkungsfeld erweitern und nun auch verstärkt Internetmedien überwachen. Anja Zimmer, Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, begründet das zu Beginn ihres Artikels in der FAZ so: "Man stelle sich einmal vor, Rezo wäre nicht Rezo, sondern der ehemalige Spiegel-Reporter Claas Relotius. Der größte Fake der jüngeren Geschichte aus der Feder eines Journalisten hätte über seinen Kanal ein Millionenpublikum erreicht, sich im Netz explosiv weiterverbreitet. Was würde passieren? Wenig. Weil die bei den traditionellen Medien jahrzehntelang gewachsenen Strukturen aus Sorgfaltspflichten, Selbstregulierung und Regulierung im Netz fehlen." Ähm, ist Relotius nicht trotz alledem passiert?

Marc Felix Serrao unterhält sich für die NZZ mit Christian Hoffmann, Professor für Kommunikationsmanagement an der Universität Leipzig, der ein politisches "Linksbias" in deutschen Redaktionen verortet hat. Liegt es daran, dass Journalisten sich für die "Kritik an den Mächtigen" zuständig fühlen und dies eine eher linke Haltung erfordert? "Ich glaube, die Differenzierung zwischen ökonomischer, politischer und kultureller Macht ist hier sehr wichtig", meint Hoffmann. "Wenn die klassische Linke an Macht denkt, handelt es sich in der Regel um ökonomische und politische Macht. In dieser Perspektive ist man kritisch, wenn man große Unternehmen und politische Entscheidungsträger kritisiert. Den Faktor kulturelle Macht blendet man dabei gerne aus. Wenn man das nicht tut und Kultureinrichtungen, Universitäten und eben auch Medien in den Blick nimmt, dann kann man mit Fug und Recht von Machtzentren sprechen, die politisch links der Mitte verortet sind. Und wenn man kritisch gegenüber kultureller Macht sein wollte, dann würde man dies sicher nicht aus einer primär linken Perspektive sein."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.02.2021 - Medien

Ein deutsch-amerikanischer Karikaturenstreit? Google hat die App der Satirezeitschrift Titanic wegen einer Karikatur auf dem Titel des Dezemberhefts abgeschaltet, berichtet Ingo Pakalski bei golem.de. Titanic protestiert in einer Presseerklärung auf ihrer Homepage.. Im Moment können nur Leser die App nutzen, die sie bereits heruntergeladen haben. "Nach Angaben von Titanic gab es vom Verlag sofort einen Widerspruch bei Google, der aber bisher keinen Erfolg brachte. Google verlangt die Entfernung des Coverbildes der Titanic-Ausgabe vom Dezember 2020. Mittlerweile sei ein zweiter Widerspruch bei Google eingereicht worden, darauf habe es von Google noch keine Erwiderung gegeben."

Die Landesmedienanstalten, die eigentlich gegründet wurden, um private Fernseh- und Radiosender zu überwachen, gehen jetzt gegen rechtsextreme Internetangebote im Netz vor, berichtet Christoph Sterz beim Deutschlandfunk. Dabei betonen die Anstalten allerdings, dass ihr Vorgehen unpolitisch sei: "Neben der Medienanstalt Berlin-Brandenburg haben am Montagmittag auch die Landesmedienanstalten Nordrhein-Westfalen, Saarland und Hamburg/Schleswig-Holstein insgesamt 13 sogenannte Hinweisschreiben an Online-Medien, die nicht Mitglieder des Presserats sind, verschickt. Tobias Schmid, Chef der Landesanstalt für Medien NRW: 'Dabei gucken wir nicht auf die Frage, ob uns der Inhalt gefällt oder nicht gefällt. Das ist ganz ausdrücklich nicht unsere Aufgabe."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.02.2021 - Medien

Der jahrzehntelange New-York-Times-Redakteur Donald McNeil wurde gefeuert, weil er vor Studenten (denen die Eltern eine 5.500 Dollar teure Reise mit dem Journalisten nach Peru spendiert hatten) in einer Diskussion über das Wort "Negro" dieses Wort ausgeprochen hatte (unsere Resümees). Ben Smith, der Medienkolumnist der Times, darf in seiner Kolumne einen recht externen Standpunkt vertreten. Für ihn sagt die Affäre etwas über den Status der Times in der amerikanischen Medienlandschaft aus: "Diese intensive Aufmerksamkeit, kombiniert mit einem blühenden Online-Abo-Geschäft, das das Unternehmen stärker an die Ansichten linksgerichteter Abonnenten bindet, mag dazu führen, dass es auf eine immer linkere Spur gedrängt wird und zu einer Art amerikanischen Version des Guardian wird, das Gegenteil seine eigentlich breiter aufgestellten Strategie."

"Nach der bösen, glitzernden Trump-Familie kommt die diverse, liebe Mannschaft um Joe Biden, um die USA zu retten", ätzt in der NZZ Sarah Pines in Richtung der amerikanischen Medien, die der neuen Regierung schmeicheln: "Zahlreiche Berichte und Artikel der New York Times, der Washington Post und von CNN zeichnen Biden und seine Entourage als 'breakout stars' (Zitat NYT): Quasi über Nacht sind sie da, die Weltenretter, bunt zusammengewürfelt, schicksalsgebeutelt und kämpfend, stets auf der Seite des Guten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.02.2021 - Medien

Vor einem Jahr brachte bereits der Guardian einen Artikel über Rassismus und Sexismus bei der Deutschen Welle. (Unsere Resümees). Noch immer scheinen Missmanagement, Einschüchterung und Schikane auf der Tagesordnung zu stehen, wie Mohamed Amjahid in der SZ aus internen Dokumenten und von MitarbeiterInnen erfahren hat. Wer Kritik übt, werde rausgeschmissen, im Dezember mussten drei arabische MitarbeiterInnen gehen, denen zudem Hausverbot erteilt wurde, heißt es weiter: "Aus verschiedenen dieser sehr unterschiedlichen Abteilungen berichten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über Jahre hinweg von extremen Wutausbrüchen von Führungskräften. Ein Kollege soll einer jüngeren Kollegin gedroht haben, ihr den Finger zu brechen. Eine Führungskraft soll Angestellte wiederholt cholerisch angeschrien haben, wie interne Beschwerden, die der SZ vorliegen, beispielhaft zeigen. Dieselbe Führungskraft soll, so berichten es mehrere Kollegen, bei einer Redaktionssitzung noch vor der Pandemie eine Mitarbeiterin abqualifiziert haben mit der Äußerung, sie sei zu hässlich, um vor der Kamera zu stehen."

Bereits 2019 hatte der der Islamwissenschaftler Fabian Goldmann die Talkshows bei ARD und ZDF untersucht und festgestellt, dass der Ausländeranteil in Sendungen "Anne Will", "Hart aber fair", "Maischberger" und "Maybrit Illner" bei nur gut fünf Prozent lag, erinnert Daniel Bouhs auf Zeit Online. Geändert hat sich seitdem nicht viel, besonders divers sind die Öffentlich-Rechtlichen noch immer nicht, erfährt er in Gesprächen mit Verantwortlichen: "Beim WDR sieht man sich allerdings schon länger auf einem richtigen Weg und verweist dabei zum Beispiel auf eine Ausgabe von Hart aber fair zum 'Streit um die Sprache - Was darf man noch sagen und was besser nicht?' mit dem Journalisten Stephan Anpalagan und Andrew Onuegbu, der sein Restaurant 'Zum Mohrenkopf' nannte, oder auch eine Runde bei Maischberger mit der Publizistin Lamya Kaddor und dem Lungenarzt Cihan Celik. Chefredakteurin Ehni sagt: 'Wir sind in den vergangenen Jahren deutlich diverser geworden. Aber darauf ruht sich hier niemand aus.'"

Weiteres: Der New York Times-Kolumnist Bret Stephens durfte die Vorgänge um den Redakteur Donald McNeil, der von 150 KollegInnen wegen des Gebrauchs des Worts "Negro" in einer Diskussion über dieses Wort angegriffen und dann rausgeschmissen wurde (unser Resümee), nicht in der New York Times kommentieren - also erschien sein Kommentar in der New York Post. "Ein Journalismus, der Worte zu Totems macht - und Totems zu Ängsten - ist ein Hindernis für klares Denken und richtiges Verstehen."