Während die Medien nach der Amtseinführung Joe Bidens noch in feierlicher Stimmung sind,
wartet Felix Salmon im amerikanischen Politikmagazin
Axios mit ein paar
hässlichen Zahlen auf: Das
Vertrauen in die Medien steht auf dem tiefsten gemessenen Punkt. "Warum es wichtig ist: Das Vertrauen in die zentralen Institutionen der Gesellschaft, insbesondere in die Regierung und die Medien, ist
der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält. Er löste sich vor einem Jahrzehnt zusehends auf und ist nun für viele Millionen Amerikaner völlig verschwunden. In Zahlen ausgedrückt: Zum ersten Mal haben
weniger als die Hälfte aller Amerikaner Vertrauen in traditionelle Medien, so die Daten des jährlichen Vertrauensbarometers von Edelman, die exklusiv mit Axios geteilt wurden. Das Vertrauen in soziale Medien hat mit 27 Prozent einen
historischen Tiefstand erreicht... 58 Prozent denken, dass 'die meisten Nachrichtenorganisationen mehr damit beschäftigt sind, eine Ideologie oder politische Position zu unterstützen, als die Öffentlichkeit zu informieren.' Als Edelman die Amerikaner nach der Wahl erneut befragte, hatten sich die Zahlen noch weiter verschlechtert: 57 Prozent der Demokraten vertrauen den Medien, aber nur
18 Prozent der Republikaner."
Auch Ralf Heimann
denkt in der Kolumne "Altpapier" des
MDR aus Anlass des Trump-Abgangs über
Vertrauen und Misstrauen in die Medien nach, argumentiert wie die meisten Journalisten aber so, als liege das Problem
ausschließlich beim Publikum, undenkbar, dass Misstrauen in Medien gerechtfertigt sein könnte: "Auch wenn die Demokratie gewonnen haben mag, der Journalismus weiß mittleweile schon, wo seine Grenzen liegen. Gegen
psychologische Phänomene wie den Glauben lässt sich mit Faktenchecks jedenfalls nicht viel ausrichten. Das ist eine der Erkenntnisse der vergangenen Jahre. So ergibt sich die jedenfalls auf den ersten Blick erstaunliche Situation, dass die Menschen den Medien das größte Misstrauen entgegenbringen, die sich mit dem
größten Aufwand bemühen, der Wahrheit möglichst nahe zu kommen."
Heimann zitiert auch einen
Essay der
Spiegel-Chefredakteurin
Barbara Hans im Fachmagazin
Journalist: "Journalismus braucht Vertrauen, weil er
das Misstrauen zu seiner Maxime erklärt hat. Artikel 5 des Grundgesetzes sichert die Pressefreiheit aus diesem Grund: Die Kontrollfunktion der Medien besteht darin, Misstrauen zu institutionalisieren, alles zu hinterfragen, nichts zu glauben. Das ist das Versprechen des Journalismus an die Rezipienten: Vertraut uns, denn wir misstrauen für euch." War nicht der
Spiegel auch das Medium eines gewissen Claas Relotius?
Viel kommentiert werden auf Twitter neue, von
Meedia präsentierte Auflagenzahlen aus Print und Epaper bei deutschen Zeitungen: Die
Bild-Zeitung hat 150.000 Auflage verloren und steht nur mehr auf einer Million (es waren mal fünf). Die
FAZ hat 16.000 verloren und steht auf 176.000, die
Zeit badet mit nahezu 500.000 Auflage im Erfolg. Die
taz verkauft inzwischen mehr Printexemplare und Epaper als die
Welt.
In Frankreich hat Google beim Thema
Leistungsschutzrecht für Presseverlage nachgegeben,
berichtet Friedhelm Greis bei
golem.de. Wie in Deutschland hatte sich Google zunächst geweigert zu zahlen, stattdessen stellte man Verlagen frei, sich aus Suchergebnissen
auszulisten: "Um möglichst wenig Suchmaschinentraffic zu verlieren, gewährten die meisten Medien dem Marktführer einen kostenlosen Zugriff auf die Inhalte. Gleichzeitig reichten sie eine Beschwerde bei der Wettbewerbsbehörde ein. Die Wettbewerbsbehörde gab der Beschwerde im April 2020 statt. Diese Entscheidung, die von Google angefochten worden war, bestätigte der Cour d'appel de Paris in einem Urteil vom 8. Oktober 2020." Und so schloss Google Lizenzverträge mit den Zeitungen. In
Deutschland, so Greis, konnte Google bisher nicht so agieren, weil die Wettbewerbsbehörden die Google-Position nicht unzulässig fanden. Wieviel Geld in Frankreich fließt, wird leider nicht gesagt.
Anders in Australien, wo Google mit
Abzug droht, weil Plattformen nach einem neuen Gesetz für Nachrichten zahlen sollen,
meldet Zeit online.
Zeit online stellt auch ein
Zeit-
Streitgespräch zwischen dem
FAZ-Herausgeber
Carsten Knop und dem Videoblogger
Rezo zum Leistungsschutzrecht und zum neuen EU-Urheberrecht online.