
Wenn man nur einen Text über
Verschwörungstheoretiker lesen will, dann
sollte es dieser sein. Reporterin Adrienne LaFrance zeigt am Beispiel von
QAnon, einem anonymen Nutzer des inzwischen geschlossenen Messengerboards 4chan, wie sich Verschwörungstheorien ausbreiten. Q erweckte den Anschein, zum Geheimdienst zu gehören und schuf mit meist kryptischen religiösen Botschaften eine große Anhängerschaft.
Diese Fans sind bunt gemischt, von rechts bis links, manche einsam, andere Wichtigtuer, sie sind Apokalyptiker, religiöse Irre oder einfach nur Irre. Gemeinsam ist ihnen eine
Enthemmtheit, wie sie eine sehr nette Frau namens
Lorrie Shock an den Tag legt. Shock arbeitet mit behinderten Kindern, außerdem ist sie tief religiös und Trump-Anhängerin: "Ich sollte aber verstehen, dass es bei ihrer Besessenheit von Q nicht um Trump ging. Das war etwas, worüber sie anfangs nur widerwillig gesprochen hatte. Jetzt sagte sie: 'Ich habe das Gefühl, dass
Gott mich zu Q geführt hat. Ich habe wirklich das Gefühl, dass Gott mich in diese Richtung gedrängt hat. Ich habe das Gefühl, wenn es trügerisch wäre, würde Gott mir sagen: Genug ist genug. Aber ich fühle das nicht. Ich habe gebetet: Vater, sollte ich meine Zeit damit verschwenden? ... Und ich fühle nicht das Gefühl
Du solltest damit aufhören.'" Zugleich lernt man aber auch, wie
von Trump abwärts Politiker diese Verschwörungstheorien zum eigenen Nutzen weiterverbreiten: "Laut einer Online-Zählung der progressiven gemeinnützigen Organisation Media Matters for America haben sich
mindestens 35 derzeitige oder ehemalige Kongresskandidaten für Q ausgesprochen. Diese Kandidaten haben entweder QAnon in der Öffentlichkeit direkt gelobt oder sich zustimmend auf QAnon-Slogans bezogen. (Ein republikanischer Kandidat für den Kongress, Matthew Lusk aus Florida, behandelt QAnon unter der Rubrik 'Themen' auf seiner Wahlkampf-Website und stellt die Frage: 'Wer ist Q?'" Vor allem aber bezieht sich der höchste Mann im Staat,
Donald Trump, immer wieder auf Q. "Drei Tage bevor die Weltgesundheitsorganisation das
Coronavirus offiziell zur Pandemie erklärte, twitterte Trump ein Mem mit dem QAnon-Thema. 'Wer weiß, was das bedeutet, aber für mich klingt es gut', schrieb der Präsident am 8. März und teilte ein mit Photoshop bearbeitetes Bild von sich selbst, wie er
eine Geige spielt, mit den Worten 'Nichts kann das Kommende aufhalten'", eine Phrase, so LaFrance, die Q immer wieder benutzt.
Wie
plump und bösartig Verschwörungstheorien genutzt werden, kann man sehr gut auch an
dieser Geschichte in der
FR über
Donald Trump Junior sehen, der dem Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Joe Biden, ohne jeden Anhaltspunkt
Pädophilie unterstellt. "Auch eine Verschwörungstheorie der diffusen rechten Gruppierung namens QAnon* findet bei Trump Junior immer wieder Anklang", schreibt Daniel Dillmann. "Laut QAnon betreiben
die Clintons gemeinsam mit weiteren demokratischen Führungspersönlichkeiten einen
Kinderpornoring in Washington. Der Menschenhandel erfolge laut der Theorie aus dem Keller einer Pizzeria, die in der US-amerikanischen Hauptstadt beheimatet ist. Deshalb ist die Geschichte unter dem Namen 'Pizzagate' bekannt geworden. Es gibt bis heute
kein Indiz für die Wahrheit dieses Mythos. Bislang gibt es auch keine Hinweise auf pädophile Neigungen von Joe Biden. Donald Trump Junior scheint weder das eine noch das andere zu stören."