Magazinrundschau - Archiv

Atlantic

238 Presseschau-Absätze - Seite 8 von 24

Magazinrundschau vom 22.09.2020 - The Atlantic

Wenn Donald Trump diese Wahlen gewinnt, ist die Qualitätspresse daran nicht unschuldig, meint James Fallows, der sich über die faule Vorstellung ärgert, es sei irgendwie "objektiv", Trumps Lügen als eine Seite der Medaille darzustellen oder in einen neuen Zusammenhang stellen, statt seine Lügen Lügen zu nennen. Hier eins der Beispiele aus dem Artikel: Vor einigen Wochen, "nachdem Jeffrey Goldberg in The Atlantic darüber berichtet hatte, dass Trump Kriegsveteranen 'Trottel' und 'Verlierer' genannt hatte, brachte die Washington Post einen Artikel darüber mit der Überschrift 'Trump sagte, die im Krieg verletzten und getöteten US-Soldaten seien 'Verlierer', berichtet ein Magazin'. Die New York Times fasste die Geschichte so zusammen, als ob Trumps Widerlegungen die Nachrichten wären: 'Trump dementiert wütend den Bericht, dass er gefallene Soldaten 'Verlierer' und 'Trottel' genannt habe.' Die Unterzeile war ebenfalls von Bedeutung: 'Der Bericht in The Atlantic könnte für den Präsidenten problematisch sein, da er für seine Wiederwahl mit der starken Unterstützung des Militärs rechnet.' Das heißt: Die Nachricht war, was die Auseinandersetzungen politisch bedeuten würden. Die Rahmung war eine Möglichkeit, den Anschein zu vermeiden, man ergreife Partei, während man tatsächlich Partei ergriff. (Die Times hat Überschrift und Unterzeile übrigens später verändert, ohne dass vermerkt zu haben.)"

Magazinrundschau vom 18.08.2020 - The Atlantic

In welche Untiefen Identitätspolitik führen kann, kann man zur Zeit sehr gut am Wikipediaeintrag zu Kamala Harris nachvollziehen, schreibt Joshua Benton auf Atlantic. Seit Joe Biden sie als Wahl für die Vizepräsidentschaft vorgestellt hat, tobt ein Streit der Editoren, wie sie zu beschreiben sei, wobei auch rechte Beiträger gern hervorhoben, dass Harris nicht afroamerikanisch sei. "'Wie kann man jemanden mit südasiatischer Abstammung als 'Afroamerikaner' bezeichnen', schrieb ein anonymer Benutzer. 'Bedeutet dieser Begriff nun 'schwarz', 'dunkelhäutig' oder einfach 'nicht-weiß'? Bitte, das ist respektlos gegenüber Menschen vom indischen Subkontinent, die ihre eigene, sehr ausgeprägte Identität haben'. 'Sie identifiziert sich als Afroamerikanerin. Ende der Geschichte', antwortete ein Benutzer namens Fowler&fowler, der häufig Artikel mit Indien-Bezug auf Wikipedia bearbeitet. ... Per Definition ist sie afroamerikanischer (in der traditionellen Bedeutung des Wortes) als Barak [sic] Obama'. (Harris' Biografie im Senat beschreibt sie als 'die zweite afroamerikanische Frau und erste südasiatisch-amerikanische Senatorin in der Geschichte'. Als sie als kalifornische Generalstaatsanwältin vereidigt wurde, beschrieb sie ihr Amt als 'die erste Afroamerikanerin', die diese Position innehatte). Da der Artikelschutz von Wikipedia sie daran hinderte, die Artikel selbst zu bearbeiten, bat eine Reihe von meist anonymen Benutzern stattdessen darum, Harris als etwas anderes als Afroamerikanerin zu beschreiben:

'Einige Informationen sind falsch. Sie ist keine Schwarze. Ihre Mutter ist Inderin, ihr Vater ist Latino. Sie ist weder schwarz noch Indianerin.'

'Sie ist asiatisch-amerikanisch. Indien, aus dem ihre Mutter eingewandert ist, gehört zu Asien. Jamaika, aus dem ihr Vater eingewandert ist, gehört zu Nordamerika.'

'Harris ist die zweite afroamerikanische Frau ist falsch, sie ist Jamaikanerin/Inderin.'

'Kamala Harris ist keine Afroamerikanerin, wie es hier steht. Ihre Mutter ist Inderin und ihr Vater Jamaikaner.'

"Ändern Sie 'erste Afroamerikanerin' in 'Jamaikanerin'. Sie ist keine Afroamerikanerin, weil ihr Vater aus Jamaika und ihre Mutter Inderin ist. Dort gibt es kein Afrika."

'Sie wurde als Tochter eines Ausländers aus Indien und eines Ausländers aus Jamaika geboren. Wie macht diese Kombination aus ihr eine Afroamerikanerin?????????????????

Sie ist von jamaikanischer Abstammung, nicht Afrikanerin.'

Wikipedia-Administratoren und andere leitende Redakteure stehen zu der Verwendung des Begriffs Afroamerikanerin, weil Harris über viele Jahre von Nachrichten und offiziellen Dokumenten als solche identifiziert wurde. Die Wikipedia-Bearbeitung lebt vom Konsens, und inmitten der ganzen Debatte bestand der Konsens der Redakteure darin, dass ein Konsens erreicht worden war. (Das Wort Konsens taucht derzeit 49 Mal in der Diskussion auf)."

Magazinrundschau vom 11.08.2020 - The Atlantic

Mit seriösen Nachrichten, Aufklärung und Fact-Checking lassen sich weder AfD-Anhänger noch Trrump-Anhänger erreichen, ahnt Anne Applebaum und empfiehlt alternative Strategien, um Meinungsblasen zum Platzen zu bringen: Spaß-Aktionen, Guerilla-Kampagnen oder Antiradikalisierungskonzepte. So wie Exit-Projekte Islamisten oder Rechtsextreme aus ihren Stämmen herausschlagen oder wie die Orange Alternative in Breslau einst die kommunistischen Machthaber provozierte: "Die Gruppe initiierte Happenings, die nicht direkt Demonstrationen waren, sondern eher komische Performances. 1987, hielt die Orange Alternative eine Parade zum Jahrestag der Bolschewistische Revolution, schwenkte prokommunistische Fahnen und zog damit eine lachende Menschenmenge an. Bei einer anderen Aktion verkleideten sich Dutzende von Menschen als Weihnachtsmann und verteilten Süßigkeiten. Die Behörden waren perplex. Die Paraden waren eindeutig Proteste, aber die Polizei hätte dumm ausgesehen, wenn sie Menschen verhaftet hätte, weil sie eine kommunistische Demonstration abgehalten hatten oder Weihnachtsmann spielten." Auf keinen Fall wird es nützen, an amerikanische Werte zu appellieren: "Trumps Kampagne hofft anscheinend genau darauf. Deswegen macht sich der Präsident bereits lustig über Idee und Ideale der Demokratie. In den Sozialen Meiden hat er bereits 'Trump 2024, 2028, 2032'-Memes gepostet und kokettiert in Tweets mit einer Verschiebung der Wahl. Obwohl Trumps Tweets auch seine eigenen Anhängern alarmierten - was immerhin davon zeugt, dass Regeln in Bezug auf Wahlen noch auf beiden Seiten respektiert werden -, dürften sie bei anderen ihren Zweck erfüllt haben: Sie lassen die gebräuchliche Rhetorik von Demokratie und gemeinsamem Wohl altmodisch klingen, gestrig und weltfremd."

Ed Yong erklärt, wie das menschliche Immunsystem auf Covid 19 reagiert, was sich schwierig gestaltet, denn sehen Sie, "das Immunsystem ist sehr kompliziert". Ibram X. Kendi hofft, dass die Antirassimus-Revolution in den USA diesmal wirklich durchschlägt.

Magazinrundschau vom 28.07.2020 - The Atlantic

Keine High-Tech-Hackerzauberkunst stand hinter der betrügerischen Übernahme zahlreicher reichweitenstarker Twitter-Accounts, die vor kurzem für Aufsehen gesorgt hat, sondern simples "social engineering", also auf Deutsch: das umschmeichelnde und manipulative Belabern maßgeblicher Protagonisten hinter den Twitter-Kulissen, um an administrative Honigtöpfe zu kommen. Darin zeigt sich ein Schwachpunkt des zumindest aufmerksamkeitsökonomisch rigide zentralisierten Internets, das doch ursprünglich - um die Folgen eines Nuklearschlags auf die gesellschaftliche Kommunikation abzumindern - als dezentralisiertes Medium konzipiert war, kommentiert Ian Bogost: "Heutzutage stellt ein nuklearer Krieg eine geringere Bedrohung als 1963, aber die Risiken zentralisierter Kommunikationsysteme bleiben bestehen oder sind sogar gestiegen. Ganz im Gegenteil, zentralisierte Onlinedienste wie Twitter oder Facebook haben sich als Beschleuniger von Desinformation und Verschwörungstheorien entpuppt und damit Bedingungen geschaffen, die die Demokratie vielleicht für immer verändert haben. Ein globales, dezentrales Netzwerk versprach, alle miteinander zu verbinden - so wie es sich deren Befürworter erträumt hatten. Aber diese Verbindungen machten das Netzwerk selbst zu einer Gefahr, auf eine Weise, die sich Licklider und andere nicht ausgemalt haben. Was diese Art der Zentralisierung für die Cyber-Security impliziert, ist tiefgreifend verstörend. Wenn Titanen der Wirtschaft, Promis und führende Politiker allesamt Twitter und andere Dienste nutzen (und gelegentlich missbrauchen), könnte die Fähigkeit, diese Accounts zu attackieren - ob es nun der von Taylor Swift ist oder der von Donald Trump - erheblich mehr Schaden anrichten als Bitcoin-Betrügereien."

Magazinrundschau vom 21.07.2020 - The Atlantic

John McWhorter, der als schwarzer Linker soziale Differenzen als ebenso wichtig ansieht wie Rassismus, liefert eine sehr scharfe Kritik von "White Fragility", einem Buch der weißen Beraterin Robin DiAngelo, das ursprünglich 2018 erschienen war, aber erst jetzt, nach dem Polizeimord an George Floyd, zum Bestseller avancierte. Ihre Vermutung, dass alle Menschen auch unbewusst rassistisch seien, ist richtig, findet er. "Das Problem ist, was nach DiAngelos Meinung daraus folgen muss". Wie eine Sektenführerin so McWhorter, versetze Di Angelo ihre Anhänger in Double binds: Wenn man sagt, man wohnt in einer "üblen Gegend", benutzt man ein Codewort für schwarz. Aber wenn man sagt, man wohnt in einer "schwarzen Wohngegend", ist man Rassist. Und so schickt DiAngelo - die Diversity-Trainerin ist - ihre Kunden auf eine lebenslange Suchmission, an der sie nur scheitern können: "Die Angelo scheint nicht in der Lage zu sein zu fragen, warum diese Seelenerkundung notwendig ist, um die Gesellschaft zu verändern. Man könnte sogar fragen, wie ein Volk den Wandel suchen soll, wenn ihm die ganze Zeit nur beigebracht wird, dass alles, was es sagt oder denkt, rassistisch und darum das Gegenteil von gut ist. Wozu dient diese Selbstgeißelung?  Ungeduldig antwortet DiAngelo auf solche Fragen, dass 'der Wunsch, die harte persönliche Arbeit zu überspringen, um Lösungen zu finden, eine Grundlage der White Fragility ist'. Mit anderen Worten: DiAngelo geht es um das Leiden."

Magazinrundschau vom 02.06.2020 - The Atlantic

Anne Applebaum schreibt einen ausufernden, weit ausholenden und teils redundanten Essay über die Kollaboration republikanischer Eliten mit Trump. Man verzeiht ihr die Redundanz, weil sie in einem Moment, wo Trump droht, die Bundesstaaten gegen den Willen ihrer Gouverneure mit der Armee zu befrieden, deutlich macht, wie angenagt die amerikanische Demokratie schon längst ist. Mit Kollaboration meint Applebaum Kollaboration, nämlich im Sinne der französischen Eliten unter der Hitler-Besatzung. Sie beschreibt auch verschiedene Argumentationen, mit denen man sich seine Kollaboration schön redet und kommt zu dem Ergebnis: "Sie haben Angst, und doch scheinen sie nicht zu sehen, dass diese Angst ihre Vorläufer hat und dass sie Konsequenzen haben kann. Sie wissen nicht, dass ähnliche Wellen von Angst schon andere Demokratien in Diktaturen verwandeln halfen. Sie scheinen nicht wahrhaben zu wollen, dass aus dem amerikanischen Senat eine russische Duma oder das ungarische Parlament werden kann, eine Gruppe exaltierter Männer und Frauen in einem eleganten Gebäude ohne Einfluss und Macht. Wir sind viel näher an dieser Realität, als viele sich das vorstellen konnten."

Magazinrundschau vom 19.05.2020 - The Atlantic

Wenn man nur einen Text über Verschwörungstheoretiker lesen will, dann sollte es dieser sein. Reporterin Adrienne LaFrance zeigt am Beispiel von QAnon, einem anonymen Nutzer des inzwischen geschlossenen Messengerboards 4chan, wie sich Verschwörungstheorien ausbreiten. Q erweckte den Anschein, zum Geheimdienst zu gehören und schuf mit meist kryptischen religiösen Botschaften eine große Anhängerschaft. Diese Fans sind bunt gemischt, von rechts bis links, manche einsam, andere Wichtigtuer, sie sind Apokalyptiker, religiöse Irre oder einfach nur Irre. Gemeinsam ist ihnen eine Enthemmtheit, wie sie eine sehr nette Frau namens Lorrie Shock an den Tag legt. Shock arbeitet mit behinderten Kindern, außerdem ist sie tief religiös und Trump-Anhängerin: "Ich sollte aber verstehen, dass es bei ihrer Besessenheit von Q nicht um Trump ging. Das war etwas, worüber sie anfangs nur widerwillig gesprochen hatte. Jetzt sagte sie: 'Ich habe das Gefühl, dass Gott mich zu Q geführt hat. Ich habe wirklich das Gefühl, dass Gott mich in diese Richtung gedrängt hat. Ich habe das Gefühl, wenn es trügerisch wäre, würde Gott mir sagen: Genug ist genug. Aber ich fühle das nicht. Ich habe gebetet: Vater, sollte ich meine Zeit damit verschwenden? ... Und ich fühle nicht das Gefühl Du solltest damit aufhören.'" Zugleich lernt man aber auch, wie von Trump abwärts Politiker diese Verschwörungstheorien zum eigenen Nutzen weiterverbreiten: "Laut einer Online-Zählung der progressiven gemeinnützigen Organisation Media Matters for America haben sich mindestens 35 derzeitige oder ehemalige Kongresskandidaten für Q ausgesprochen. Diese Kandidaten haben entweder QAnon in der Öffentlichkeit direkt gelobt oder sich zustimmend auf QAnon-Slogans bezogen. (Ein republikanischer Kandidat für den Kongress, Matthew Lusk aus Florida, behandelt QAnon unter der Rubrik 'Themen' auf seiner Wahlkampf-Website und stellt die Frage: 'Wer ist Q?'" Vor allem aber bezieht sich der höchste Mann im Staat, Donald Trump, immer wieder auf Q. "Drei Tage bevor die Weltgesundheitsorganisation das Coronavirus offiziell zur Pandemie erklärte, twitterte Trump ein Mem mit dem QAnon-Thema. 'Wer weiß, was das bedeutet, aber für mich klingt es gut', schrieb der Präsident am 8. März und teilte ein mit Photoshop bearbeitetes Bild von sich selbst, wie er eine Geige spielt, mit den Worten 'Nichts kann das Kommende aufhalten'", eine Phrase, so LaFrance, die Q immer wieder benutzt.

Wie plump und bösartig Verschwörungstheorien genutzt werden, kann man sehr gut auch an dieser Geschichte in der FR über Donald Trump Junior sehen, der dem Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Joe Biden, ohne jeden Anhaltspunkt Pädophilie unterstellt. "Auch eine Verschwörungstheorie der diffusen rechten Gruppierung namens QAnon* findet bei Trump Junior immer wieder Anklang", schreibt Daniel Dillmann. "Laut QAnon betreiben die Clintons gemeinsam mit weiteren demokratischen Führungspersönlichkeiten einen Kinderpornoring in Washington. Der Menschenhandel erfolge laut der Theorie aus dem Keller einer Pizzeria, die in der US-amerikanischen Hauptstadt beheimatet ist. Deshalb ist die Geschichte unter dem Namen 'Pizzagate' bekannt geworden. Es gibt bis heute kein Indiz für die Wahrheit dieses Mythos. Bislang gibt es auch keine Hinweise auf pädophile Neigungen von Joe Biden. Donald Trump Junior scheint weder das eine noch das andere zu stören."

Magazinrundschau vom 26.05.2020 - The Atlantic

Im neuen Heft des Magazins berichtet der Journalist Barton Gellman, wie er seit seiner Zusammenarbeit mit Edward Snowden in Sachen NSA im Jahr 2013 von den amerikanischen Behörden verfolgt wird: "Das MacBook Air, das ich verwendete, war ein Ziel. Ich sandte eine Kopie des Arbeitsspeichers an einen Experten für Mac-Systeme. Er entdeckte im Hintergrund arbeitende Systemdienste, deren Zweck er nicht ermitteln konnte … Das Geschäft der Geheimhaltung auf der Ebene nationaler Sicherheit ist von einem Konflikt zweier Kernwerte geprägt: Autonomie und Selbstverteidigung. Wenn wir nicht wissen, was unsere Regierung anstellt, können wir sie nicht dafür zur Verantwortung ziehen. Wissen wir es, wissen es auch unsere Feinde. Das kann gefährlich sein. Das ist unser Dilemma. In Kriegszeiten gibt es gute Gründe für Geheimhaltung, denn der Wert der Sicherheit ist am höchsten. Aber Geheimhaltung richtet niemals mehr Schaden an der Autonomie an als in Kriegszeiten, weil Krieg zu führen eine höchst politische Entscheidung ist. Unsere Regierung sieht das offenbar anders. Ein paar Dinge, die ich durch von mir angestrengte juristische Verfahren für die Informationsfreiheit in Erfahrung gebracht habe: Der US-Geheimdienst besitzt 435 unter Verschluss stehende Dokumente über mich. Mitarbeiter des Heimatschutzes haben zu jeder meiner Auslandsflugreisen seit 1983 einen 76-seitigen Bericht verfasst. Die Zollkontrolle hat desöfteren heimlich mein Gepäck durchsucht, wenn ich von Arbeitsreisen zurück kam. Die Gründe für die Durchsuchungen wie die Ergebnisse wurden zensiert. Hunderte Emails dokumentieren interne Debatten darüber, wie mit meinen Anfragen oder Artikeln zu verfahren sei."

Außerdem: William Dersiewicz bespricht J. M. Coetzees "The Death of Jesus". Und Jenny Odell stellt Bücher über die Sprache und das Verhalten der Vögel vor.

Magazinrundschau vom 09.06.2020 - The Atlantic

Mit einigem rhetorischem Donner geißelt Ibram X Kendi den tief verwurzelten Rassismus in den USA, der immer wieder die Schwarzen für ihre miese Lage selbst verantwortlich macht. Kendi erinnert an das berüchtigte Traktakt "Race Traits and Tendencies of the American Negro", mit dem der amerikanische Ökonom Frederick Hoffman 1896 belegen wollte, dass Schwarze in der Sklaverei gesund und fröhlich waren, und erst in Freiheit krank, arm und unglücklich wurden: "Die allmähliche Auslöschung ist nur eine Frage der Zeit", schrieb Hoffman. Für Kendi ist es kein Zufall, dass die beiden Themen, an denen sich schon Hoffman abarbeitete, heute wieder zusammentreffen: Verbrechen und Krankheit. "Die höheren Zahlen bei Verhaftungen und Gefängnisstrafen unter schwarzen Amerikanern in der ersten landesweiten Kriminalstatistik benutzte Hoffman als Beleg für deren gewaltsames und gefährliches Wesen -  wie es rassistische Amerikaner auch heute noch tun. Hoffman kompilierte Unterschiede in der Gesundheit um zu belegen, dass schwarze Amerikaner ein sterbender Bevölkerungsteil sind. Hoffman führte die höhere Sterblichkeit der Schwarzen auf und zeigte, dass schwarze Amerikaner häufiger an Syphilis, Tuberkulose und anderen Infektionskrankheiten erkranken als weiße Amerikaner... Die gleichen Unterschiede sind heute wieder sichtbar, da Schwarze in den USA zweimal häufiger an Covid-19 sterben als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht. Im April griffen viele Amerikaner wieder auf eine rassistische Erklärung zurück: Sie sagten, Schwarze nähmen das Coronavirus nicht so ernst wie Weiße, bis Untersuchungen ergaben, dass es weiße Demonstrationen waren, die eine Öffnung der Staaten verlangten. Dann meinten sie, dass schwarze Amerikaner überproportional von Covid-19 betroffen wären, weil sie aufgrund ihres ungesunden Lebensstils mehr Vorerkrankungen hätten. Aber der Aidsstiftung zufolge sind Infektionen und Sterberaten von strukturellen Faktoren wie Beschäftigung und Krankenversicherung bestimmt, und nicht von unveränderlichen Eigenschaften der schwarzen Bevölkerung. Es gibt auch weder eine Verbindung von Kriminalität und Polizeigewalt noch eine von Kriminalität und Hautfarbe. Wenn das so wäre, müssten die Viertel mit einer besser verdienenden schwarzen Bevölkerung eine ebenso hohe Kriminalitätsrate haben. Das ist aber nicht der Fall."

Magazinrundschau vom 28.04.2020 - The Atlantic

Alle reden von Corona, aber in den USA ist die Opioid-Krise noch genauso akut wie vor zehn Jahren. Beth Macy stellt in ihrer Reportage eine junge Frau vor, Nikki King, die selbst aus einem drogenverseuchten Teil Kentucky kommt und sich mit schierer Willenskraft zur Gesundheitsexpertin ausgebildet hat, die neue Wege geht, die Drogensucht zu behandeln. Keine Kleinigkeit in einem Land, in dem die Voraussetzungen für die Verschreibung von suchtbekämpfenden Medikamenten viel schärfer gefasst sind als für die suchterzeugenden: "Die heute 28-jährige Nikki ist zu einer der führenden Stimmen zur Opioid-Krise im ländlichen Amerika geworden, wo 20 Jahre nach Beginn der Katastrophe immer noch kaum Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, obwohl die Zahl der Todesfälle durch Überdosierung weiter steigt. In vielen ländlichen Gegenden wenden sich die Nachbarn gegeneinander, statt die Schuld den Pharmakonzernen zu geben, die die Epidemie verursacht haben, und den machtlosen Regulatoren und gekauften Politikern, die sie ermöglicht haben. (In meiner Berichterstattung über die Krise habe ich diese Haltung immer und immer wieder gesehen. Bei einem kürzlichen Treffen im ländlichen North Carolina zum Beispiel lehnte der Leiter des örtlichen Kiwanis-Clubs einen Plan ab, der vorsieht, die Menschen zu den Behandlungseinrichtungen zu fahren: 'Ich denke, wenn sie rückfällig werden, sollten wir sie sterben lassen und ihnen ihre Organe entnehmen', sagte er.) Die Drogen-Epidemie hat bereits mehr als 800.000 Amerikaner getötet - mehr als an AIDS gestorben sind - aber die Bundesregierung bietet immer noch keine angemessenen Lösungen an, ganz zu schweigen von einer Finanzierung, die die Krise eindämmen könnte. Da es keine Hilfe von oben gibt, hat Nikki einen Weg gefunden, wie Menschen in abgelegenen, unterfinanzierten Gebieten behandelt werden können."

Erklärt wird das im Artikel und in diesem zehnminütigen Video:



Weitere Artikel: H. R. McMaster, General a.D. und ehemaliger Sicherheitsberater im Weißen Haus, versucht uns zu erklären, wie China die Welt sieht. In der Titelgeschichte fragt sich Kate Julian, warum junge Menschen heute so ängstlich sind. Benjamin Taylor erzählt von seiner Freundschaft mit Philip Roth.