
In der neuen
Ausgabe des Magazins
stellt Barbara Demick ein Buch des in seiner Heimat verfolgten chinesischen Historikers
Yang Jisheng vor ("
The World Turned Upside Down: A History of the Chinese Cultural Revolution"). Yang bietet darin einen von der Partei abweichenden Blick auf
Maos Großen Sprung nach vorn: "Mao, so schreibt er, ist verantwortlich für den Machtkampf, der China ins Chaos stürzte, eine Ansicht, die von anderen Historikern wie Roderick MacFarquhar und Michael Schoenhals gestützt wird. In Yangs Buch gibt es keine Helden, nur Scharen von Kämpfern, involviert in einen sich wiederholenden Prozess, in dem die gegnerischen Seiten sich dabei abwechseln, 'die Macht zu haben, sie zu verlieren, geehrt und dann eingesperrt zu werden, auszulöschen und ausgelöscht zu werden'. Der
Teufelskreis eines totalitären Systems, so Yang … Um mutmaßliche Verräter aus den oberen Schichten loszuwerden, umging Mao die Bürokratie der KP. Er machte
Studenten zu seinen Kriegern, den Roten Garden, staffierte sie mit Kappen und weiten Uniformen aus, die sie um ihre dürren Leiber banden. Sommer 1966 wurden sie losgelassen, um Konterrevolutionäre und Reaktionäre auszumerzen ('Die Monster und Dämonen ausradieren', schrieb
People's Daily). Ein Mandat, das erlaubte, echte und nur vorgestellte Feinde zu quälen. Die Roten Garden verfolgten ihre eigenen Lehrer, zerstörten Antiquitäten, verbrannten Bücher und
plünderten Privathäuser (bevorzugt Klaviere und Nylonstrümpfe, schreibt Yang.) Um die übereifrige Jugend in den Griff zu kriegen, schickte Mao 16 Millionen von ihnen zu harter Arbeit aufs Land. Er setzte Militär ein, um die Gewalt einzudämmen, aber die Kulturelle Revolution war nicht mehr zu stoppen. Bei Yang erscheint Mao als
wahnsinniger Herrscher, der mit sich selbst beschäftigt ist, während seine willigen Vollstrecker sich gegenseitig zerfleischen. 'Während Mao kühn aus der Ferne kommentierte, die Welt drehe sich auf den Kopf, wurden die Menschen mit jedem Kampf weiter ins Elend gestürzt. Aber sein Appetit auf das Chaos hatte Grenzen, wie Yang in einem dramatischen Kapitel über das 'Wuhan-Ereignis' festhält. Juli 1967 stieß eine Einheit des Kommandeurs der regionalen Volksbefreiungsarmee in Wuhan mit einer Einheit von Revolutionsführern aus Peking zusammen. Das Ereignis hätte zu einem Bürgerkrieg führen können. Mao selbst reiste in geheimer Mission an, um die Waffenruhe anzuleiten, doch endete er schutzsuchend vor der Gewalt in einem Gästehaus und wurde von der Regierung unter Zhou Enlai mit einem Militärjet ausgeflogen. 'Wohin fliegen wir?' fragte der Pilot Mao. 'Flieg
erst mal los', erwiderte Mao panisch."
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schildert die Arbeit der
Wissenschaft in der Coronakrise, die viele Missstände aufgedeckt hat.