
Amerika - wie ja eigentlich auch der Rest der Welt - ist
zutiefst gespalten.
The Atlantic spricht in seiner
neuen Ausgabe von einem Bürgerkrieg. Ganz soweit ist es noch nicht, aber Yoni Appelbaum
macht sich ernsthafte Sorgen. Einen der Hauptgründe für die Unversöhnlichkeit der politischen Lager sieht er im
demografischen Wandel: Die Weißen werden in absehbarer Zeit nur noch eine Minderheit darstellen. Das ist vielen Weißen egal, aber vielen eben auch nicht: "Der Politikwissenschaftler Adam Przeworski hat erklärt, dass demokratische Institutionen, wollen sie überleben, 'allen relevanten politischen Kräften eine Chance geben müssen, von Zeit zu Zeit im Wettbewerb der Interessen und Werte
zu gewinnen'. Aber, so fügt er hinzu, sie müssen noch etwas tun, das ebenso wichtig ist: 'Sie müssen selbst das Verlieren in einer Demokratie attraktiver machen als eine Zukunft mit undemokratischen Ergebnissen.' Dass Konservative - obwohl sie derzeit das Weiße Haus, den Senat und viele Regierungen der Bundesstaaten innehaben - den
Glauben an ihre Fähigkeit verlieren, in Zukunft Wahlen gewinnen zu können, ist sehr schlecht für das reibungslose Funktionieren der amerikanischen Demokratie. Noch beunruhigender ist es, dass sie glauben, dass die Wahlverluste zu
ihrer Zerstörung führen würden."
Ach was, die Zeiten waren schon mal viel gefährlicher,
wischt Adam Sewer diese Befürchtungen vom Tisch. Er sieht eine ganz andere Gefahr: Dass die Angst vor Gewalt zu
schwächlichen Kompromissen führt, unter denen dann Schwarze und Latinos zu leiden haben. Als Beispiel nennt er die Zeit nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Damals setzten die Demokraten (die damals auf der Seite der Sklavenhalter standen) alles daran, Schwarze weiter unter der Fuchtel zu halten. Die Republikaner hielten anfangs dagegen, gaben dann aber - um
des lieben Friedens willen - in wesentlichen Punkten auf. "Die Kapitulation der Republikaner stellte
die Zivilität zwischen den großen verfeindeten Parteien wieder her, aber der politische Burgfrieden verbarg einen entsetzlichen
Anstieg der Gewalt gegen befreite Sklaven. 'Während sich die Parteien eindeutig aus der Konfrontation miteinander zurückziehen, gab es eine Entfesselung massiver suprematistischer weißer Gewalt im Süden gegen Afroamerikaner und eine systematische Kampagne ihrer Entrechtung im Süden', erklärte mir die Historikerin Manisha Sinha. 'Das ist eine Zeit, in der die weiße Vorherrschaft praktisch zu einer nationalen Ideologie wird.'"
Einen ganz anderen Punkt macht die aus ärmlichen ländlichen Verhältnissen stammende
Historikerin Tara Westover im
Interview: Die Spaltung der Menschen verläuft vor allem zwischen
Stadt und Land. In den Städten hat die Digitalisierung neue Jobs und Reichtum geschaffen, auf dem Land wurden die alten Industrien demoliert, aber es entstand nichts Neues. "Das sieht man sogar auf der Ebene der Bundesstaaten. Nehmen wir die
zwazig ärmsten Staaten, nach mittlerem Haushaltseinkommen, und Sie werden sehen, dass 18 von ihnen sich
für Trump entschieden haben. Wenn Sie die
10 reichsten Staaten nehmen, gingen neun
an Hillary Clinton. Unsere wirtschaftliche Spaltung verläuft nun fast perfekt entlang unserer politischen Spaltung." Es sei also "schwierig, die Idee zu verteidigen, dass die Demokraten im Allgemeinen die Stimme der wirtschaftlich Entrechteten sind. Vor kurzem haben das Brookings Institut und das Wall Street Journal festgestellt, dass in den Vereinigten Staaten die von Demokraten vertretenen Distrikte für zwei Drittel unseres nationalen BIP verantwortlich sind. Denken Sie einfach mal darüber nach. Es ist unbequem, aber es könnte an der Zeit sein zuzugeben, dass wir als Land einen Kampf zwischen den Besitzenden und den Habenichtsen führen und das viele von uns
auf der linken Seite zu den Besitzenden gehören."