Den
aktuellsten Text versteckt der
Merkur unter dem unauffälligen Link "Hintergrund". Hier
publiziert man
als pdf noch einmal
Jean Amerys berühmten Essay über die Folter aus dem
Merkur vom Juli 1965: "Wer von der Tortur spricht, muss sich hüten, den Mund voll zu nehmen. Was mir in dem unsäglichen Gewölbe in Breendonk zugefügt wurde, war bei weitem nicht die schlimmste Form der Folter. Man hat mir keine glühenden Nadeln unter die Fingernägel getrieben, noch brennende Zigarren auf meiner nackten Brust ausgedrückt. Was mir dort zustieß, war
vergleichsweise gutartig, und es hat keine auffälligen Narben an meinem Körper zurückgelassen. Und doch wage ich, zweiundzwanzig Jahre später, auf Grund einer Erfahrung, die das Maß des Möglichen keineswegs auslotete, die Behauptung: die Tortur ist das
fürchterlichste Ereignis, das ein Mensch in sich bewahren kann."
"Kann man einer Region das
demokratische Herrschaftssystem von außen
mit Gewalt überstülpen?", fragt der
Konfliktforscher Ernst-Otto Czempiel und erklärt uns als Antwort Gesetz eines gewissen Seeleys, nach dem "der Grad der Freiheit in einem Land umgekehrt proportional zu dem Druck" ist, "der auf seinen Grenzen lastet". "Nach
Seeleys Gesetz können sich die Freiheitsräume der Bürger in den Staaten eines internationalen Systems nur erweitern, wenn der Spannungsgrad niedrig ist. In einer Zone aktueller
gewaltsam ausgetragener Konflikte kann sich keine Demokratie entfalten, werden vorhandene
demokratische Strukturen eher
reduziert."
Außerdem online zu lesen ist die Ästhetikkolumne, in der
Wolfgang Kemp die
superkalifragilistisch-expealigorischen Sprachgepflogenheiten der aktuellen Kunstszene zerpflückt.
Nur im Print untersucht Stefan Weidner vom Online-Kulturmagazin
"Art & Thought" die Tauglichkeit "harter" und "weicher"
Islamdeutungen, die sich grundsätzlich in der Frage unterscheiden, ob der Islam demokratisierbar ist. "Was auch immer man dazu
dekretiert, forscht oder meint, es ist
einerlei. Denn selbst gesetzt, diese Vereinbarkeit bestünde nachweislich nicht, wäre es sehr wohl möglich, sie neu zu begründen und zu diesem Zweck alle widersprechenden Dogmen nach Art einer radikalen Reformation über Bord zu werfen...
Es genügt, sie zu wollen."
Weiteres: Der Publizist Peter Bender (
"Weltmacht Amerika") denkt über Nutzen und Nachteile eines
Imperiums nach. John Brewer feiert
James Buchans Buch "Capital of the Mind" über die
schottische Aufklärung, die mit
David Hume und
Adam Smith an der Spitze von Edinburgh aus die Welt veränderte. Und Hans-Olaf Wiesemann hält es für höchste Zeit, dass sich
Ökonomen an den
Gesundheitsbereich machen, um "das dichte Geflecht aus
egalitären Gerechtigkeitsvorstellungen, wohlorganisierten Partikularinteressen und
gutgemeinter Verschwendung zu verstehen und bessere Alternativen anzubieten".