Magazinrundschau - Archiv

Merkur

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Magazinrundschau vom 08.08.2017 - Merkur

Im Merkur erklärt uns Felix Philipp Ingold das Geschichtsbild der Neuen Chronologie - eine Bewegung des russischen Mathematikers Anatoli Fomenko, der davon ausgeht, dass unsere Zeitrechnung wissentlich um tausend Jahre fehldatiert wurde: Die griechische Antike wird damit in den in den Zeitraum vom 11. bis zum 16. Jahrhundert verschoben, Jesus wurde auf der Krim geboren und zwar als byzantinischer Kaiser Andronikos I. Komnenos, und das Russentum war die eigentliche Gründungsmacht des Westens. Man kann darüber lachen - viele russische Universitäten nehmen Fomenko laut Ingold ernst - oder man kann dagegen argumentieren, der wachsenden Popularität dieser Thesen tut das keinen Abbruch, so Ingold. "Obwohl viele - die meisten - Thesen der Neuen Chronologie auf wissenschaftlichen Kongressen und in wissenschaftlichen Publikationen falsifiziert worden sind, nimmt Fomenkos Anhängerschaft unentwegt zu und wird zu einer esoterischen Massenbewegung, die auch außerhalb Russlands mehr und mehr Beachtung findet. Im Internet, in Workshops, in staatlichen und privaten Medien genießt er längst Kultstatus und gewinnt zusehends den Rang eines prophetischen Meinungsführers, der dem Russentum durch die Erhellung und Neuauslegung der 'vaterländischen' Geschichte gleich auch eine lichte Zukunft zu garantieren scheint: In dürftiger Zeit evoziert schönfärberische Geschichtsfälschung verpasste Möglichkeiten und regt gleichzeitig zu ihrer künftigen Verwirklichung an."

Außerdem: Heiko Christians denkt über Wege aus der pädagogischen Provinz nach.

Magazinrundschau vom 04.07.2017 - Merkur

Trump und Brexit, Norbert Hofer und Marine Le Pen verdanken ihren Aufstieg zum Teil auch einer radikalen, nicht mehrheitsfähigen Linken, fürchtet Christoph Möllers, aber vor allem verdanken sie ihren Erfolg dem politischen Ennui der bürgerlichen Mitte, die in der Welt, die gerade zerfällt, überdurchschnittlich gut lebt. Statt auf Parteien setzen diese Mittelschichten auf Institutionen, die Kirche, den liberalen Eigennutz, auf Fakten und Expertise, die Moral oder Identitäten: "Zugleich besteht gerade bei engagierten Mittelschichten, die über besondere Ausdrucksmöglichkeiten verfügen, die Tendenz, mit politischen Motiven noch einmal zu tun, was ohnehin getan wird: Geld für ein Projekt organisieren, Webseiten designen, Aufsätze im Merkur schreiben, Projekte planen oder Unterschriften sammeln. Dagegen ist nichts zu sagen, nur dürfte es sich als Selbsttäuschung erweisen, dies als genuin politisches Engagement zu verstehen. Wer die Ordnung so, wie sie ist, für schützenswert hält, wird sich ihren politischen Formen anvertrauen müssen - und das bedeutet vor allem anderen, in politische Parteien einzutreten und einen relevanten Teil seiner Zeit in diesen zu verbringen. Wer Demokratie und Freiheit für Lebensformen hält, wird sie nicht an das System delegieren und sich über dieses beklagen dürfen."

Weiteres: Rembert Hüser schreibt über das Pendeln nach Berlin. Peter Rehberg spricht mit Didier Eribon über Emanzipation, Aufstieg und Verrat.

Magazinrundschau vom 06.06.2017 - Merkur

Für seine Design-Kolumne hat sich Christian Demand durch so unbedarfte, aufgeblasene oder niveaulose Neuerscheinungen zum Thema gearbeitet, dass er der geisteswissenschaftlichen Publizistik bereits das Totenglöckchen läutet. Das Verschwinden akademischer Buchverlage werden Historiker als "fahrlässige Selbstabschaffung" diagnostizieren, schreibt Demand: "Damals, so werden sie konstatieren, flossen die öffentlichen Druckkostenzuschüsse in derart breiten Strömen und vermeintlich so zuverlässig durch die Republik, dass zahlreiche Unternehmen ihr bisheriges Geschäftsmodell als unnötig riskant zu empfinden begannen und lieber auf das Prinzip der feudalen Pfründewirtschaft umstellten. Fortan zogen sie an sich, was an subventionierten Druckaufträgen irgend zu bekommen war, und ließen wahllos Aufsatzsammlung um Aufsatzsammlung, Qualifikationsschrift um Qualifikationsschrift, Kongressaktenkonvolut um Kongressaktenkonvolut zwischen Buchdeckel binden und mit einer ISBN versehen. Ihr ehemaliges Kerngeschäft - Stoffentwicklung, Lektorat, Programmpflege, Öffentlichkeitsarbeit - versahen sie nur noch minimalinvasiv, sofern sie es nicht gleich komplett an dieselben Autoren und Forschungsverbünde delegierten, die ohnehin bereits das Geld und die Inhalte frei Haus lieferten. So kam es, wie es kommen musste: Die Leser verloren zunehmend die Lust, sich durch den rasant aufquellenden, amorphen Schriftenbrei zu quälen."

Patrick Eiden-Offe liest die Karl-Marx-Biografie "Greatness and Illusion" von Gareth Stedman Jones, eines früheren Herausgebers der New Left Review, und freut sich immerhin, dass er den Marx des Kapitals in den Mittelpunkt seiner Auseinandersetzung stellt. Denn soviel ist klar: "Auf den jungen Marx kann sich jeder berufen."

Magazinrundschau vom 09.05.2017 - Merkur

Martin Burckhardt schreibt eine kleine Geschichte der Digitalisierung, in welcher der Computer kein Medium ist, sondern eine immaterielle Kathedrale, eine kollektiv und über Generationen hinweg errichtete Architektur. "Meine Computergeschichte beginnt in dem Augenblick, da sich das 18. Jahrhundert unter Strom setzt - und ein Gebilde in die Welt entlässt, das man als 'Humanprozessor' bezeichnen könnte. Die Geschichte ist schnell erzählt: Im Jahr 1746 versammeln sich, unter der Leitung des Abbé Nollet, gut sechshundert Mönche auf einem Feld im Norden Frankreichs und verkabeln einander mit Eisendraht. Als der Kreis geschlossen ist, berührt der Versuchsleiter eine Antenne, die aus einem wassergefüllten Behälter herausragt. Und was passiert? Alle Mönche beginnen zu zucken. Mutet dieses Setting wie eine spiritistische Séance im Großformat an, so handelt es sich doch um eine klassische, cartesianische Versuchsanordnung. Man hatte mit der Leydener Flasche den Kondensator entdeckt und wollte nun wissen, wie schnell sich das elektrische Fluidum bewegt."

Beim Blick in die Fotodatenbank befällt Günther Hack eine profunde Schwermut - ein Gefühl, dem er in einem großen (auf ZeitOnline zugänglich gemachten) technikphilosophischen Merkur-Essay über die Melancholie der Digitalfotografie nachgeht. Die Software wird gegenüber dem Bild zunehmend übergriffig, beobachtet er - das liegt nicht nur an der Datenfülle der Meta-Tags, die die Fotos, für das menschliche Auge zunächst unsichtbar, stillschweigend begleiten und es nach äußeren Parametern fixieren, sondern auch daran, wie Codec-Optimierungen dafür sorgen, dass die digitalen Rohdaten der Bilder immer noch besser ausgelesen werden: Das Bild selbst wird nie in einen fertigen Endzustand überführt. "Der Ort der Meisterschaft in der Fotografie liegt nicht mehr auf den Straßen des Garry Winogrand, sondern in den Softwarestudios. Barthes' Empfindung 'So ist es gewesen' wird verdrängt von einem 'Genau zu diesem Zeitpunkt ist es gewesen', an diesem Ort. Es geht um eine Emotionalität, um eine Melancholie, die nicht mehr aus dem Sehen hervorgeht, sondern aus dem Rechnen. Vor wie vielen Jahren war das? Wie alt bin ich gewesen? Wie lange ist das her? Oft dämpfen die Metadaten die Wucht eines Bilds, betten es ein in die Oberflächen der Archivsoftware wie in vergoldete barocke Rahmen: So mag es gewesen sein, aber im Inneren des Fotoapparats geschah auch noch das und das und das. Der entscheidende Moment ist aufgehoben, das Bild gekapselt, in Watte eingepackt, unschädlich gemacht. Die Metadaten der Bilddateien sind ambivalent, wie das Geld bei Georg Simmel. Sie isolieren, ermöglichen aber zugleich ganz neue Verbindungen."

Außerdem: In ihrer Filmkolumne betrachtet Elena Meilicke Eric Edelmans oscarprämierte Dokumention "O.J.: Made in America" als achtstündige Studie des amerikanischen Lebens, aber auch als Höhe- und Endpunkt der Saga um O.J. Simpsons Aufstieg, um Rassismus, Mord und Freispruch. Und Danilo Scholz und Adam Tooze verteidigen die technokratische Politik der EU gegen den Soziologen Wolfgang Streeck.

Magazinrundschau vom 04.04.2017 - Merkur

Was soll nach dem Brexit nur aus Nordirland werden?, fragt Pól Ó Dochartaigh, der die irische Teilung mit der deutschen vergleicht und die irisch-nordirische Grenze eigentlich nur innerhalb der EU praktikabel findet: "Seit dem Karfreitagsabkommen von 1998 zwischen London und Dublin kann jeder Nordire die doppelte Staatsbürgerschaft für sich reklamieren, muss aber nicht zwei Pässe haben, weder in Großbritannien noch in Irland sind Personalausweise eingeführt worden. Meine in Belfast lebenden Eltern sind im eigenen Land wohnhafte doppelte Staatsbürger mit irischem Pass. Ihre probritischen Nachbarn mit britischem Pass werden als britische Staatsbürger anerkannt, die ebenfalls im eigenen Land wohnen. Wie soll man da per Ausweis das Recht zur Ein- und Ausreise kontrollieren, wenn eine 'harte (EU)Grenze' entsteht?"

Der Zürcher Erziehungswissenschaftler Roland Reichenbach plädiert für eine Trennung von Politik und Bildung und kann auch der Forderung nach mehr Engagement und Teilnahme wenig abgewinnen: "Werden die ungebildeten Köpfe aktiv (fromm zu glauben, es gäbe davon nur wenige), wird das demokratische Ethos teilweise dramatisch auf seine Tauglichkeit geprüft. Es wäre also insgesamt besser, wenn jene, die nichts von Politik verstehen, sich auch nicht zu heftig um sie kümmern."

Magazinrundschau vom 28.02.2017 - Merkur

Wir leben jetzt im Anthropozän. Klimawandel, Verschmutzung der Meere und Verlust der Artenvielfalt summieren sich nicht nur zu einer ökologischen Megakrise, sondern zu einem neuen erdgeschichtlichen Zeitalter. Eva Horn findet das gut. Nur wenn wir Epochenumbruch anerkennen, können wir Mensch und Zukunft neu denken: "Das kann einerseits bedeuten, sich - wie Biologen, Klimawissenschaftler oder auch Paläontologen - noch einmal völlig neu Gedanken über den Menschen als Spezies zu machen, eine Spezies, die ihre ursprünglichen Existenzbedingungen 'in der Mitte der Nahrungskette' zwischen Großraubtieren und Kleinsäugern innerhalb kürzester Zeit so umfassend verändert hat, dass sie nun die Lebensbedingungen fast aller anderen Lebewesen beeinflusst und nicht selten bedroht. Die Geschwindigkeit dieser Entwicklung würde erklären, warum weder der Mensch selbst noch die Ökosysteme sich dem neuen Status des Homo sapiens als dominanter Spezies evolutionär haben anpassen können. Es kann andererseits auch bedeuten, den Menschen nicht mehr als Krone der Schöpfung zu verstehen, sondern als Teilnehmer an Netzwerken sehr unterschiedlicher Handlungsträger, die Pflanzen, Tiere, Landschaften, Ressourcen, Atmosphären und Dinge umfassen."

Magazinrundschau vom 07.02.2017 - Merkur

Der große Nachteil des Geldes ist, dass es keinen abnehmenden Grenznutzen hat: Man kann also nie genug von ihm bekommen, hält Werner Plumpe fest, der mit Simmel, Luhmann und Co über das Geld nachdenkt. Die Verteufelung einer von Gier getriebenen Welt geht aber eigentlich fehl, meint Plumpe: "Die wirtschaftshistorische Forschung legt im Gegenteil nahe, dass berechnendes Verhalten und Hartherzigkeit in der älteren Welt der großen Knappheit und der prekären Existenz sehr viel weiter verbreitet waren als in den  Zentren des gegenwärtigen Kapitalismus, in denen der relative Überfluss zu einer Art materieller Entlastung und dadurch auch zu größeren Handlungsspielräumen geführt hat. Es wäre ziemlich absurd, die Beschwörungen einer geldgequälten Welt mit der Realität zu verwechseln, zumal derartige Verhältnisse in den eigenen Lebenserfahrungen, im Freundeskreis und im Alltag doch gerade nicht die Regel sind: Wessen Freunde sind schon berechnend und geldgierig?"

Dirk Baecker denkt über Heiner Müllers Diktum nach, dass die Aufgabe der Kunst darin besteht, die Wirklichkeit unmöglich zu machen.

Magazinrundschau vom 03.01.2017 - Merkur

In einem sehr persönlichen Text erzählt der Politikwissenschaftler Ahmet Cavuldak eindrücklich, wie er mit seiner kurdisch-alevitischen Familie nach Deutschland kam, auf die Hauptschule verfrachtet wurde und erst als deutscher Meister im Kickboxen genügend Selbstbewusstsein fand, um die ganze angesammelte Hilflosigkeit zu überwinden. Zehn Jahre lang musste sich die Familie von einem hessischen Asylbewerberheimen zum nächsten schleppen, von Hattersheim nach Gersheim nach Fulda: "Dort ging die kulturelle Schocktherapie in eine neue Runde; wieder lebten Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern, ja Kontinenten auf engstem Raum zusammen und warteten gebannt auf eine erlösende Nachricht von den Behörden, die ihnen ein Leben in Sicherheit und Freiheit bescheren könnte. Eine Art stumme Gewalt wohnte den Verhältnissen inne. Die Menschen konnten sich anderen nicht mitteilen, auch kaum bewegen; das Leben war wie stillgelegt. Die Blicke und Bilder von Menschen, die voneinander nichts anderes wussten, als dass sie im Leben kein Glück hatten und vor ihrem Schicksal fliehen mussten, wie es in einer anatolischen Redewendung heißt, haben sich mir damals eingeprägt. Lediglich das Gefühl der Hilflosigkeit konnte unter den Flüchtlingen eine Art Solidarität stiften; nur vereinzelt gingen daraus Freundschaften hervor, Konflikte und Reibungsverluste waren hingegen öfter an der Tagesordnung."

Eva Behrendt schreibt über die Sehnsucht nach Authentizität im Theater.

Magazinrundschau vom 13.12.2016 - Merkur

Nur gut findet es Danilo Scholz, wenn es im Feuilleton hoch hergeht. Dass dabei aber bisweilen recht unpräzise und unkundig auf den französischen Poststrukturalisten herum gehackt wird, stößt ihm dennoch auf, wie er im Blog des Merkur in aller Ausführlichkeit darlegt: Beispiel Derrida, dessen différance in der NZZ als Ursache für "Chauvinismus, Fremdenfeindlichkeit und Terrorismus" herhalten muss: "Derrida war durchaus ein Kritiker gewisser Formen der Vernunft", hält Scholz dem entgegen, "aber dann sollte man hinzufügen, dass diese Kritik sich als Fortsetzung der kritischen Arbeit Kants verstand, der gegen die metaphysischen Auswüchse des Vernunftbegriffs bei Leibniz und Wolff zu Felde zog. Die différance bezeichnet dabei eine Spannung zwischen der Endlichkeit unserer Erfahrung und der Unendlichkeit des Vernunfthorizonts, die angenommen werden muss, aber niemals ein für alle Mal begründet werden kann. Derridas Philosophie ist ein Appell, diese Spannung nicht aus den Augen zu verlieren und die Vernunft vor ihrer Entstellung zu bewahren, die droht, wenn Rationalität zu einem metaphyischen Objekt überhöht wird. Von diesem Appell findet sich bei Dobrowski keine Spur. Was bleibt, ist die 'Schlinge eines masochistischen Skeptizismus'. Schlimmer noch: Philosophen nach Derrida fühlten 'sich befreit von der Pflicht, nach der Wahrheit zu suchen', weil fortan 'alles Mögliche Wahrheit repräsentieren' könne. Dabei dispensiert sich Dobrowski ohne Umschweife selbst von der Pflicht, nach der Wahrheit eines Werks zu suchen, das er ablehnt. Es würde nicht überraschen, wenn Derrida auch dafür die Verantwortung übernehmen muss."

Magazinrundschau vom 06.12.2016 - Merkur

Gerade wird der russische Schriftsteller Andrej Platonow mit aller Macht wiederentdeckt. Für Roman Widder ist er genau der Richtige in Zeiten von IS, Pegida und den Separatisten im Donbass: Platonow war in der jungen Sowjetunion ein aufstrebender Ingenieur und glühender Kommunist, bis Stalin ihn als "talentierten Schriftsteller, aber Pack" denunzierte. Dabei war das fehlende Klassenbewusstsein ein zentrales Thema in Platonows Werken, betont Widder, gerade sein großer Roman "Tschewengur" erzählt, wie verheerend es sei, wenn sich "die Übrigen" erheben, die Proletarisierten ohne Klassenbewusstsein: "Der Hass macht schon bei Platonow die Hässlichkeit der Übrigen aus. Ihre Hässlichkeit ist aber auch Ausdruck einer beharrlichen Verleugnung existierender Klassenkämpfe in den Augen der Betrachter. Der Hass und die von uns zugerechnete Hässlichkeit bilden gemeinsam die empirische Oberfläche eines verschobenen Klassenkampfs ohne Klassenbewusstsein... Nachdem schon das Ende der Geschichte ausgerufen wurde, erfahren wir heute, wie unheimlich formlos die Zeit nach einem solchen Ende ist. Auch hier dürfen wir 'Platonow' lesen, denn in Tschewengur sagt er sehr klar, was übrig bleibt, wenn 'die Geschichte längst zu Ende' ist: 'ein zwischenmenschliches Zerstampfen'."

Die Zeitschrift Osteuropa widmet Platonow übrigens ihre gesamte neue Ausgabe. Unter anderem schreibt Serhij Zhadan darin: "Platonov hat mit der Sprache das gemacht, was die Bolschewiki, grob gesagt, mit dem Marxismus gemacht haben: Er hat das Theoriematerial genommen und es einfach zerschlagen, umgestülpt, den Wörtern und Sätzen die Gelenke herausgeschraubt, die Theorie ihrer ursprünglichen Bedeutung beraubt, sie überhaupt jeglicher Bedeutung beraubt."

Im Merkur konstatiert außerdem Stefan Krankenhagen nach Gerhard Richters "Birkenau"-Ausstellung im Frieder Burda Museum lapidar, dass Auschwitz "keine Fragen und keine Forderungen" mehr an die Kunst zu stellen scheint.