In der
NZZ zeichnet der Historiker
Michael Brenner die Geschichte der
Judenemanzipation in Frankreich nach, die trotz des grassierenden Antisemitismus (auch bei den Linken), nach der Revolution bedeutend schneller vorankam als in Deutschland: "Noch etwas kam hinzu. Anders als in Preußen und weiteren deutschen Staaten gab es in Frankreich eine lange Tradition einer republikanischen, demokratischen und säkularen Gesellschaft, in der
Debatten offener und freier geführt werden konnten. Ein
Emile Zola, dessen öffentliche Stellungnahme zugunsten von Alfred Dreyfus ("J"accuse . . .!") bis heute als Symbol für das kompromisslose Eintreten für eine gerechte Sache gilt, ging weiter als ein
Theodor Mommsen, der letztlich doch wieder das Judentum in seine religiösen Grenzen verwies und die deutsche Gesellschaft als eine
ihrem Wesen nach christliche wahrnahm."
Im Interview mit der
Berliner Zeitung erklärt Museumsdirektor
Hanno Loewy anlässlich der Ausstellung "Jukebox.
Jewkbox! Ein jüdisches Jahrhundert auf Schellack und Vinyl" im
Jüdischen Museum in Hohenems in der
Presse sehr schön, warum
Kuddelmuddel immer noch das beste Wort für Integration ist: "Der Musikethnograph Abraham Zvi Idelsohn hatte eine sehr einfache Definition: Das ist
Musik von Juden für Juden. Diese Definition setzt voraus, dass es so etwas wie eine abgeschlossene jüdische Welt gibt. Genau diese Welt ist im 19. Jahrhundert zerbrochen, durch die Aufklärung, Säkularisierung und der Massenmigration von Ost nach West. Das hat dazu geführt, dass jetzt
Juden für Nichtjuden sangen und
Juden Nichtjüdisches für Juden sangen. Ende des 19. Jahrhunderts wurden alle großen Kantoren plötzlich auf Schallplatte gepresst. Ist es jüdische Musik, wenn Kantoren plötzlich öffentlich singen, in einem säkularen Kontext?"
Im Gespräch mit Arno Widmann in der
FR hat Klaus Harpprecht immer noch Schwierigkeiten, Deutschland als
eine Nation zu sehen: "Bismarck hat im zweiten seiner sogenannten Einigungskriege
Österreich ausgegrenzt. Ein deutsches Kernland, das deutlich älter war als Preußen. Man hätte sicher auch eine föderative Lösung mit den ehemals dänischen Gebieten erreichen können.
Bayern gelangte dank der Bestechung seines Königs ins Reich. Was hat das mit einem Nationalstaat, mit einer Nation zu tun?"
Marko Martin
rät in der
Welt, sich der
Auschwitz-Gedenkindustrie zu entziehen und "die Bücher (noch einmal) zu lesen, welche uns die Überlebenden hinterlassen haben -
Primo Levi,
Ruth Klüger,
Imre Kertész,
Tadeusz Borowski".