In der letzten
Zeit hatte
Constantin Schreiber annonciert, nach Attacken auf ihn nichts mehr über den Islam sagen zu wollen (unser
Resümee). Die
Zeit hat einige mit dem Thema Islam befasste AutorInnen um Reaktionen gebeten.
Hamed Abdel-Samad schreibt: "Wie oft habe
auch ich erwogen zu schweigen. Auf offener Straße werde ich trotz Polizeischutz angegriffen. Am meisten bedrücken mich aber Rufmordkampagnen durch vermeintliche Liberale, die mich und andere Kritiker des Islamismus als Rassisten brandmarken. Dazu kommen falscher Beifall von rechts und fehlende Solidarität von links. Spitzenpolitiker versichern uns hinter verschlossenen Türen, wie wichtig wir sind für die Debatte. Aber wenn wir diffamiert oder attackiert werden,
lassen sie uns im Stich."
Die Ethnologin
Susanne Schröter schreibt sowohl in der
Zeit, als auch in der
FAZ zum Thema, dort ausführlicher: "Ungehindert verbreiten
radikale Organisationen wie 'Muslim interaktiv' oder die im Rhein-Main-Gebiet beheimatete Gruppe 'Realität Islam' in sozialen Medien Videos, in denen Islamismuskritiker als Feinde des Islam dargestellt werden. Welche Konsequenzen dies haben kann, wissen wir seit der Fatwa gegen
Salman Rushdie, der in diesem Jahr schwer verletzt einen Anschlag überlebte, sowie der Ermordung der Mitarbeiter von
Charlie Hebdo und des Lehrers
Samuel Paty." Bei
t-online.de schreibt Ahmad Mansour.
Der Rechtsextremismusforscher
Oliver Decker hat eine Ursache für das
Erstarken der AfD gefunden: Es ist
die Wirtschaft, Dummkopf. Im
Gespräch mit Caspar Shaller von der
taz erläutert er seine These. "Es gibt die sogenannte
Deprivationsthese: Wenn Leute Abstiegsängste haben, dass sie nächstes Jahr weniger zur Verfügung haben, dann steigt in der Regel auch die Zustimmung zu antidemokratischen Ansichten. Dieser Befund gilt eigentlich in allen untersuchten Ländern. In Deutschland ist es aber nicht die befürchtete
eigene Deprivation, die zum Fremdeln mit der Demokratie führt, sondern
die nationale. Wenn die Befürchtung verbreitet ist, dass es 'uns' als Nation ökonomisch schlechter geht, dann steigt die Zustimmung zu rechtsextremen Aussagen." Die Wirtschaft sei in Deutschland zur
Ersatzreligion geworden. Auch dass die AfD in den
Neuen Ländern besonders stark ist, kann er erklären: "Es gibt kaum tarifliche Bindung, selten Betriebsräte. In Sachsen war es seit 1989 eine Strategie der Politik, faktisch ein
innerdeutsches Niedriglohnland zu etablieren."
Die
Abaya, eine Art Überkleid, gilt als "modest fashion", also ein Kleidungsstück, das Frauen zum Beispiel in Saudi-Arabien immer im öffentlichen Raum tragen müssen, um "anständig" zu sein. Jetzt wurde auf der Grundlage des 2004 verabschiedeten Gesetzes über das Verbot von religiösen Symbolen an französischen Schulen für das Schuljahr 2023/2024 ein Verbot der Abaya beschlossen. Ein Teil der Linken brandmarkt dies als "
Islamophobie", schreibt
Saida Keller-Messahli, Präsidentin eines Schweizer "Forums für einen fortschrittlichen Islam", in der
NZZ. "Laizität ist in den Augen dieser Linken ein überholtes Konzept, das die angeblich strukturelle 'Islamophobie' und den Rassismus des Staates verschleiern soll. Vertreter dieser Richtung
verkennen jedoch hartnäckig, dass Teenager, die provokativ mit ihrer religiösen Zugehörigkeit in der Schule spielen, sehr oft von islamistischen Organisationen oder Personen aus ihrem Umfeld
instrumentalisiert werden."
In einem Gastbeitrag gewährt
Hartmut Dorgerloh im
Tagesspiegel einen Ausblick auf seine zweite Amtszeit als Generalintendant des Humboldt Forums. Die Aufarbeitung der Kolonialgeschichte sei weiterhin sehr wichtig, das Forum sollte aber internationaler denken. "So berichten uns etwa Menschen vom Pazifik-Atoll Tuvalu, dass der durch uns im globalen Norden
maßgeblich verursachte steigende Meeresspiegel ihre Lebensgrundlage alsbald für immer zu vernichten droht. Es muss also auch für uns mehr um das Zuhören gehen - weit über die hiesigen Debattenräume hinaus. Denn wir sollten
nicht schon wieder zu wissen glauben, was woanders gebraucht wird. Mit dem für 2026 vorgesehenen Schwerpunktthema 'Erbe und Eigentum' wollen wir in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und seinen weltweiten Netzwerken genau dies:
Zuhören.
Zuhören, um sich anderen Fragen zu öffnen." Außerdem soll "die Realisierung, respektive Weiterentwicklung des kulturellen Nutzungskonzepts Humboldt Forum als 'Ort der demokratischen, weltoffenen Debatte'" weiter voran getrieben und dadurch mehr Besucher angezogen werden.
Mit dem für 2026 vorgesehenen Schwerpunktthema "Erbe und Eigentum" wollen wir in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und seinen weltweiten Netzwerken genau dies: Zuhören. Zuhören, um sich anderen Fragen zu öffnen,