Eigentlich sollten die "starken", autoritären Männer in der Coronakrise punkten können. Statt dessen halten sie Augen und Ohren zu. Wie kommt's? Männer wie
Trump,
Putin,
Bolsonaro oder
Lukaschenko "genießen nur solche Krisen, die sie
selbst fabriziert haben",
vermutet der bulgarische Politologe
Ivan Krastev in der
New York Times. "Sie brauchen Feinde zum Besiegen, nicht Probleme zum Lösen. Die Freiheit, die autoritäre Führer am meisten schätzen, ist die Freiheit
zu wählen, welche Krisen eine Antwort verdienen. Nur das erlaubt es ihnen, ein Bild von gottähnlicher Macht zu vermitteln. Im Russland vor dem 19. November 19 konnte Putin eine Krise 'lösen', indem er eine andere auslöste. Er machte den Rückgang seiner Popularität nach der Protestbewegung von 2011-12 rückgängig, indem er die Krim dramatisch annektierte. Trump konnte einst behaupten, dass Migrantenkarawanen aus Mexiko die größte Bedrohung für sein Land seien, und dabei die zivilisatorische Bedrohung durch den Klimawandel außer Acht lassen. Im
Zeitalter des Coronavirus ist dies nicht mehr möglich."
Dass unsere
Zeit so schnell geworden ist, haben wir den Aufklärern zu verdanken, meint im
Interview mit der
NZZ der Historiker
Sandro Guzzi-
Heeb. "Die Aufklärer entwarfen einen neuen Begriff von Zeit. Sie setzten sie gleich mit Fortschritt und Wachstum, mit der Verbesserung der Gesellschaft und der Befreiung vom Alten. Zugleich aber wurde die Zeit zu einem Gefängnis. Sie zwingt die Menschen, stets
etwas Produktives mit ihr anzustellen, das zum Fortschritt führt. Die Zeit ist nicht mehr nur einfach da, sie muss gebraucht werden, was sogar für die Freizeit gilt, die der Arbeitszeit abgerungen wurde. 'Time is money', sagte Benjamin Franklin, der die amerikanische Unabhängigkeitserklärung mitverfasste -
was für eine Last für den Einzelnen!"
"
Monopole werden, je länger sie erfolgreich sind, immer mehr zu
politischen Institutionen", die die Spielregeln mitbestimmen, erklärt im
Interview mit
brand eins der amerikanische Historiker
Matt Stoller. Er fordert einen besseren Schutz kleinerer Firmen und spricht sich für eine
Zerschlagung monopolähnlicher Konzerne wie Facebook, Google oder Amazon aus. Die
Europäer sind dabei allerdings keine große Hilfe, fürchtet er: "Denn einerseits beobachten sie Google und Facebook mit Unbehagen, zugleich wissen sie, dass in Deutschland die
Autoindustrie die Politik viel zu stark mitbestimmt. Und dass man das auch in Angriff nehmen müsste, wenn man sich Google und Facebook vorknöpft. Europa schimpft zwar viel über die Dominanz der US-Konzerne, aber die meisten Politiker und Wettbewerbshüter haben im Grunde nichts gegen Monopole. Das Problem, das Leute wie der französische Präsident Emmanuel Macron oder EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager mit Facebook-Chef
Mark Zuckerberg haben, ist eigentlich nur, dass er
nicht Franzose beziehungsweise Däne ist."