AfD und Linke sind im Grunde zwei große #metoo-Bewegungen, die Menschen versammeln, die mit der
modernen Drift nicht zurecht kommen, meint
Peter Sloterdijk in einem
sehr langen Interview mit der
NZZ: "Das Driften erfasst jetzt auch den Menschen im hintersten Winkel - es sucht ihn heim, auch wenn er sich selber nicht bewegt. Dieser Winkel gleicht im Übrigen sehr der 'rechten Ecke', in die man heute so gern Leute stellt, die durch einen
Mangel an stillem Einverständnis in den beschleunigten Wandel auffallen. Diese Ecke bleibt harmlos, solange ihr Bewohner gesteht, er sei zu langsam für diese Welt. Sie wird giftig, wenn die Langsamkeit sich
aggressiv aufstellt. Inzwischen ist ein Teil der Ecke von Rückwärtsstürmern bevölkert. Denen muss man
die Grenze zeigen."
In einem langen Gespräch
Aleida und
Jan Assmanns mit dem Deutschlandfunk Kultur (
Teil 1,
Teil 2) geht es um die Rechte, 1968 und um
Identitätsfragen, wie zuletzt die Frage, ob der Islam zu Deutschland "gehört", oder "wie Jan Assmann sagt: 'Diese unsägliche Rede vom Islam, der zu Deutschland gehört oder nicht. Was gehört zu Deutschland? Ist das ein Immunsystem, das
Fremdkörper abstößt?' Das sollte es in Assmanns Augen nicht sein, denn: 'Für mich wäre es ein Schreckensbild, die Vorstellung, in einem christlichen Staat zu wohnen, wo
Nichtchristen Bürger zweiter Klasse sind. Das wollen wir hier nicht. Und ich meine überhaupt, dass die Rolle einer Staatsreligion der Religion am schlechtesten bekommt. Das sollte es eigentlich nicht geben. Deutschland sollte ein Land sein, in dem die Frage, ob der Islam dazugehört, gar kein Thema ist. Selbstverständlich, das ist
ein säkularer Staat, der alle möglichen Religionen beheimatet.'"
In der
Jungle World schreibt Stephan Grigat den Nachruf auf den Theoretiker und Kritiker des linken Antisemitismus
Moishe Postone: "Joachim Bruhn hat Postones Thesen zum Nationalsozialismus vor dem Hintergrund der Jahrzehnte vorherrschenden
marxistisch-leninistischen Verharmlosung des Antisemitismus zu Recht als 'Revolutionierung der materialistischen Betrachtung des Antisemitismus' bezeichnet. Seine von den Grundkategorien in Marx' 'Kapital' ausgehende Dechiffrierung des modernen Antisemitismus als
Hass auf das Abstrakte, seine deutliche Unterscheidung von Antisemitismus und Rassismus und seine Analyse der nationalsozialistischen Vernichtungspraxis als Bruch mit der kapitalistischen Verwertungslogik und Herrschaftsrationalität haben ebenso Maßstäbe gesetzt wie seine Kritik an der deutschen Linken und einem sich progressiv wähnenden fetischistischen Antikapitalismus."
Wenn die Briten über den
Sklavenhandel und die Sklaverei reden, dann kommen sie ganz schnell auf die Abolitionisten, auf deren Druck hin der Sklavenhandel abgeschafft wurde. Es wird langsam Zeit, hinter diese Schönfärberei der Geschichte zu gucken,
meint Kris Manjapra im
Guardian, und über
Reparationszahlungen nachzudenken. Ein ungeschickter Tweet des Schatzamtes hat die Briten nämlich kürzlich daran erinnert, dass sie tatsächlich
bis 2015 Reparationszahlungen geleistet haben - an die Sklavenhändler und ihre Nachkommen, nicht an die ehemaligen Sklaven. Der Tweet sagt viel aus über das Geschichtsverständnis der Briten: "The revelation came on 9 February, in the form of a tweet by HM Treasury: 'Here's today's surprising #FridayFact. Millions of
you have helped end the slave trade through your taxes. Did you know? In 1833, Britain used £20 million, 40% of its national budget, to buy freedom for all slaves in the Empire. The amount of money borrowed for the Slavery Abolition Act was
so large that it wasn't paid off until 2015. Which means that living British citizens helped pay to end the slave trade.'"
Weiteres: In der
NZZ denkt Philipp Hübl über
geschlechtergerechte Sprache nach.