Anmerkung um 11.25 Uhr: Wir haben in unserer gestrigen Presseschau eine Frage zu
John McWorter gestellt. Der Verlag hat geantwortet, mehr
hier.
Der auf der am Wochenende stattfindenden
Müncher Sicherheitskonferenz (MSC) beschworene
neue Blick auf Sicherheit, der
Klima und Flüchtlinge mit einschließt, hat sich durch Putin als ein wenig obsolet erwiesen,
fürchtet Christoph von Marschall im
Tagesspiegel. It's the military, stupid: "Die
halbe Welt pilgert nach Moskau, zu seinen Bedingungen. Dabei hat er wenig zu bieten außer dem Militär, das gemessen an der russischen Wirtschaftskraft
völlig überdimensioniert ist. Bürgerrechte, Klimawandel, globale Ungleichheit sind Putin egal. Ebenso, dass
Öl und Gas in absehbarer Zeit an Wert verlieren und niemand sagen kann, von welchem Wirtschaftsmodell Russland dann leben will. Hauptsache, er kann sie
heute als Hebel nutzen."
Sehr kritisch
schreibt übrigens Matthew Karnitschnig bei
politico.eu über die Konferenz und ihren Chef
Wolfgang Ischinger, dem er Verquickung offizieller und privater Interessen vorwirft. Bei Journalisten ist die Konferenz aber beliebt: "Im Laufe der Jahre hat die MSC keine Kosten gescheut, um
Medien zu umwerben. Die Veranstaltungen bieten ausgewählten Journalisten nicht nur leichten Zugang zu weltweit führenden Persönlichkeiten, sondern auch Zugang zu einem Bereich, den die meisten nur selten erleben - den
Schoß des Luxus. Im Gegensatz zu den meisten Think-Tank-Veranstaltungen, die spartanische Angelegenheiten mit abgestandenem Gebäck und lauwarmem Kaffee sind, sind die Zusammenkünfte des MSC prunkvoll, mit dem
besten Wein, Essen und Unterkünften im Angebot."
Kamaltürk Yalqun hat bei den Olympischen Spielen von 2008 das olympische Feuer entzündet. Ein paar Jahre später wurde sein Vater
Rozi Yalqun, ein uigurischer Literaturwissenschaftler, deportiert und ist seitdem verschwunden, schreibt Friederike Böge, die China-Korrespondentin der
FAZ in einem Artikel zur
Lage in Xinjiang: "Rozi Yalqun war nur einer der Ersten. Nach und nach
verschwanden Intellektuelle, die sich um die uigurische Sprache, Geschichte, Musik, Literatur und Volksglauben verdient gemacht hatten. Ethnologinnen, Historiker, Sängerinnen, Dichter, selbst Autoren von Wörterbüchern. Das Uyghur Human Rights Project in Washington hat
mehr als 300 Namen aufgelistet."
Entgegen der romantischen Verzückung der modischen Linken, die das
Kopftuch als "
Freiheit" gegen Diskriminierung im Westen verteidigt, ist es in Ländern wie dem Iran ein
täglicher und kalter Zwang,
sagt Masih Alinejad, Erfinderin der Kampagne "My Stealthy Freedom", im Gespräch mit Lucien Scherrer und Kacem el Ghazzali in der
NZZ: "Wir Frauen in Iran stehen also jeden Morgen vor dem Spiegel - nicht, um so auszusehen, wie wir wollen, sondern um so auszusehen,
wie jemand anderes uns haben will, unsere Männer, unsere Väter, die Regierung. Sie nehmen dir
deine ganze Würde. Jeden Tag musst du das sichtbarste Symbol einer frauenfeindlichen Ideologie an deinem Körper tragen."